Kabale ohne Liebe

17. November 2017. Der Machtkampf an den Bühnen Halle verschärft sich. Im Juni dieses Jahres sprachen drei Intendanten dem Geschäftsführer Stefan Rosinski ihr Misstrauen aus. Der schießt nun zurück. Die Mitteldeutsche Zeitung beschreibt den jüngsten Geschäftsbericht Rosinskis als "Generalbrechnung" mit Opern-Intendant Florian Lutz.

Dies ist kein Theater?

16. November 2017. Über seine Gegner und Kritiker, über Kontinuität an der Volksbühne, eine Instrumentalisierung durch die Kulturpolitik und von ihm gemachte Fehler spricht der neue Volksbühnen-Intendant Chris Dercon im themenoffenen Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung.

Identitärer Wolf im linksliberalen Schafspelz

15. November 2017. In der Zeit analysiert und kritisiert die Theaterwissenschaftlerin Amy Stebbins die Erfolgsgeschichte von Ayad Akhtars "Geächtet", das auf deutschsprachigen Bühnen rauf- und runtergespielt und soeben in Wien als "Stück des Jahres" mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet wurde.

"Meine Sympathie gehört den Besetzern"

28. September 2017. Solidarisch mit den (vorerst ehemaligen) Volksbühnen-Besetzer*innen erklärt sich in der heutigen Print-Ausgabe Süddeutschen Zeitung (28.9.2017) Ex-Intendant Frank Castorf, der im Interview die Berliner Kulturpolitik kritisiert.

Wo sind die starken Handschriften?

12. November 2017. In der Welt nimmt Stefan Grund die Vertragsverlängerung von Thalia-Intendant Joachim Lux zum Anlass, ein Ranking für die Hamburger Kulturszene zu erstellen. Und da sieht es nicht gut aus fürs Thalia Theater: Nach Elbphilharmonie, Staatsoper, Deutsches Schauspielhaus und Kampnagel landet es in Grunds Liste auf dem fünften und letzten Platz der großen kulturellen Einrichtungen.

Mit antikapitalistischem Hintergrund

22. September 2017. Nachdem bereits seit mehr als einer Woche ein Aufruf in den sozialen Medien kursiert, in dem eine Gruppe namens "Staub zu Glitzer" eine kunst-aktivistische Besetzung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ankündigt, hat der Tagesspiegel nachrecherchiert und Folgendes gefunden: "Im Protokoll einer außerordentlichen AStA-Sitzung der Berliner Beuth Hochschule für Technik vom 19. Juni dieses Jahres wird unter dem Tagesordnungspunkt 3 eine Anfrage der 'Aktion Staub zu Glitzer' aufgeführt. Zwei Aktivisten stellten damals im Namen eines Kollektivs aus Künstlern, Autoren und Studierenden den Plan vor, die Volksbühne und den Rosa-Luxemburg-Platz zu besetzen." Im Zuge der Besetzung sollten laut Protokoll "sechs bis sieben Bühnen in den Gängen aufgebaut und bespielt werden". Der Anwesenheitsliste zufolge hätten Hendrik Sodenkamp und Alexa Brunner die Pläne als Sprecher*innen von "Staub zu Glitzer" vorgestellt.

Zuschauernähe oder Insidergekreisel?

6. November 2017. Für die Frankfurter Allgemeine (4.11.2017) steht nachtkritik.de "in einem krassen Gegensatz zur traditionellen Theater-Berichterstattung". Redakteur Simon Strauß sieht durch das Online-Feuilleton "den Abbau regionaler Theater-Berichterstattung kompensiert". Das Portal habe es geschafft, "die sogenannten Debatten des Betriebs auf ihre Seite zu ziehen", fragt sich jedoch, ob das tatsächlich "zu besonderer 'Zuschauernähe' oder nicht viel eher auch zu einer gehörigen Portion Insidergekreisel führt?" Schließlich bekomme man "die großartige Chance, einen Leser durch Text und Thema zu locken, der sonst mit dem Theater gar nichts am Hut hat, (…) nur im – durch seine verschiedenen Facetten überraschenden – Feuilleton einer Zeitung. Das den Laien abschreckende 'Expertentum' findet nämlich mittlerweile nicht mehr hier, sondern dort statt: in den immer offenen, nie entschiedenen Diskussionsforen der Userinnen und User von 'Nachtkritik'."

Volksbühne als Abspielstätte?

18. September 2017. Der Spiegel wertet in seiner aktuellen Ausgabe (Ausgabe 38/2017) die seit September öffentlich zugänglichen Haushaltsunterlagen über Stellenbesetzung und Finanzplan der Berliner Volksbühne aus und resümiert zuspitzend: "Chris Dercon, der neue Intendant der Berliner Volksbühne, treibt den Umbau des traditionsreichen Theaters in eine Abspielstätte von Fremdproduktionen konsequent voran."

Heilige haben keine Affären

2. November 2017. Mit seinem Film Mathilde ist der russische Regisseur Alexej Utschitel zum Ziel nationalistischer Hetze geworden. Und mit ihm auch der Schauspieler Lars Eidinger den Anfeindungen ausgesetzt. Die Süddeutsche Zeitung und andere Medien fassen in ihren Kritiken zum Film Start die Causa nochmal zusammen.

Wer ist das Volk?

1. September 2017. "Berlin und Gegenwind, das bedeutet eigentlich dasselbe, nicht?" sagt Volksbühnen-Intendant Chris Dercon im siebenminütigen Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin (31.8.2017) – in dem es zunächst und vor allem um den Kulturstreit geht, den seine Ernennung als Ablöser von Frank Castorf über Berlin hinaus ausgelöst hat.

Systemimmanente Erotik?

25. Oktober 2017. Alle in der Film- und Theater-Welt könnten "Geschichten von sexuellen Belästigungen, Anzüglichkeiten, Übergriffen" erzählen, schreiben die fünf Autor*innen Christine Dössel, David Denk, David Pfeifer, Thorsten Schmitz und Ulrike Schuster der Süddeutschen Zeitung (23.11.2017), die im Zuge der Diskussion um Harvey Weinstein und #MeToo verschiedene Schauspieler*innen und Regisseur*innen zum Thema Sexismus befragt haben. Dabei hörten sie z.B. von dem "ehemaligen Theaterdirektor, der bei Bewerbungs- und Besetzungsgesprächen die Tür zum Büro abgeschlossen und die Rollläden heruntergelassen haben soll. Eine Informantin zitiert ihn mit den Worten: 'Über dein künstlerisches Engagement können wir ja danach noch reden.'"

"Was wird da für ein Bild wiederholt?"

31. August 2017. Für Deutschlandfunk Kultur hat Sigrid Brinkmann die Autorin Darja Stocker interviewt, die sich unlängst in einem Beitrag für den Blog des Magazins Merkur über strukturellen Sexismus an Schreibschulen Gedanken machte – am konkreten Beispiel der UdK, wo sie selbst szenisches Schreiben studierte.

Prinzip Schwarzkopie

13. Oktober 2017. "Meine Ausgangsfrage war: Wie kann ich im Theater die durchschlagende Desillusionierung erfahrbar machen, die man hat, wenn man zum ersten Mal versteht, dass man weiß ist? Wie kann ich etwas sichtbar machen, das so unsichtbar ist wie Whiteness?", erklärt Anta Helena Recke im Interview mit Matthias Dell im Freitag (13.10.2017) ihre Re-Inszenierung von Anna-Sophie Mahlers erfolgreicher Bierbichler-Uraufführung "Mittelreich" mit ausschließlich schwarzen Darsteller*innen. "Wenn Du das, was ist, zeigen willst, musst Du es noch mal herstellen, aber dabei eine Sache verändern: die Abweichung in der Wiederholung. Damit man die Sache selbst sehen kann."

Wer beweist, dass jemand seine Machtposition ausübt?

28. August 2017 . Im Zuge der Diskussion über den Sexismus an deutschen Schreibschulen hat Darja Stocker auf dem Blog der Zeitschrift Merkur eine Replik an ihre Kritiker*innen veröffentlicht Sexismus, was ist das? Eine Replik. Wir geben hier einige Auszüge des umfangreichen Textes:

Es fehlen die Kontroll-Gremien

12. Oktober 2017. Im Anschluss an den "Fall Harvey Weinstein" und die Debatte um Sexismus im Filmbusiness Hollywood hat sich Eckhard Roelcke für die Sendung "Fazit" auf Deutschlandfunk Kultur (11.10.2017) mit dem Regisseur Christopher Rüping über Sexismus auf den Bühnen unterhalten. Rüping meldet Zweifel an, ob er als Mann eigentlich der richtige Ansprechpartner sei, weil er lediglich "aus zweiter Hand" berichten könne. Aber er hat doch aufschlussreiche Beispiele aus dem Theaterbetrieb. Bewerbungen von Schauspielerinnen etwa würden nach Haarfarbe geordnet; in einem Bewerbungsverfahren sei der Satz gefallen: "Wir suchen nach tits and ass."

Klischees mit wahrem Kern

26. August 2017. Für Deutschlandfunk Kultur analysiert Tobi Müller die Debatte über Sexismus im Studiengang Szenisches Schreiben der Universität der Künste Berlin, die durch einen Artikel von Darja Stocker im Blog des Merkur (hier unsere Zusammenfassung) ausgelöst wurde und mit Erwiderungen von Anne Rabe und Oliver Bukowski auf nachtkritik.de weiterging.

Vertane Chance

10. Oktober 2017. Am 9. Oktober hätte der Kulturausschuss im Berliner Parlament seine umstrittene Entscheidung für Chris Dercon als Volksbühnen-Intendanten, einen "Kurator aus der bildenden Kunst (...), der noch nie in einem Theater gearbeitet hat", überdenken können, schreibt die Berliner Theaterwissenschaftlerin Evelyn Annuß in einem Debattenbeitrag in der Berliner Gazette. "Stattdessen wurde nachträglich durchgewunken, was vor zwei Jahren ohne Beratung durch Experten hinter verschlossenen Türen entschieden worden ist."

Der neue öffentliche Raum

"Vielleicht wird man einmal sagen, dass das Aufeinandertreffen von Theater und Virtual Reality (VR) einen ähnlich starken Einschnitt bedeutete wie die blasphemische Idee, Möbel auf die Bühne zu stellen", schreibt Philipp Bovermann in der Süddeutschen Zeitung. "Als Mitte des 19. Jahrhunderts Stühle, Tische und nach und nach die ganze Alltagswirklichkeit ins Theater einzogen, anstelle von bemalten Kulissen, da wussten die Schauspieler zunächst kaum, wie ihnen geschah. Nun stellen sich junge Theatermacher eine ähnlich verrückte Frage: Kann man eigentlich auch digitale Räume bespielen?"

Keine AfD im Friedrichstadt-Palast

6. Oktober 2017. Der Intendant des Berliner Friedrichstadt-Palast, Berndt Schmidt, kritisiert in einer Mail die AfD und ihre Wähler. Im Friedrichstadt-Palast seien diese künftig nicht mehr erwünscht. Die AfD rät daraufhin den Ort zu meiden, berichtet der Tagesspiegel. Und auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer hat sich mittlerweile in der Berliner Morgenpost dazu geäußert. 

"Und was hat das mit Sexismus zu tun?"

13. August 2017. Die Online-Ausgabe des Merkur widmet sich in den letzten Wochen dem Thema Sexismus an Hochschulen. Einer der Texte stammt von der Dramatikerin Darja Stocker, die ab 2006 an der Berliner UdK Szenisches Schreiben studierte und von erschütternden Erfahrungen während der Zeit und auch danach an Theatern berichtet.