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Auf der Suche nach dem verlorenen Nein

von Michael Beron

Athen, Dezember 2015. "Wir Künstler sind immer schon in der Krise gewesen“, meint Vasso und blickt herausfordernd über die Theke. Dabei lässt sich die Krise an diesem Morgen kaum blicken. Nicht bloß im Flughafen scheint alles wie überall – auch in Athens wichtigstem freien Theater "Bios" herrscht internationaler Komfort: Sonne fällt durch die breite Fensterfront, gedämpfter Verkehr rauscht vorbei und der Kaffee schmeckt vorzüglich. Vasso, 38, Regisseurin, Performerin, Barfrau, schäumt Milch auf. Mit Politik will sie nichts zu tun haben. "Das ist alles Fake, aber guter Fake". Vasso glaubt an Freundschaft, geistigen Sex, Beckett.

Mehr Angst als je zuvor

von Clemens Bechtel

Bujumbura, 16. April 2015. Wie Vieh werden die Gefangenen mit Stöcken in die Zelle getrieben. Sie stolpern, fallen übereinander, werden geschlagen, stehen wieder auf, schreien wütend oder verzweifelt gegen die Uniformierten an, die erbarmungslos weiter auf ihre Opfer einprügeln. Zwei Scheinwerfer beleuchten die Szene, das Publikum amüsiert sich über die Inszenierung von José Saramagos Roman "Die Stadt der Blinden", aufgeführt in dem Nachtclub Enzogu, 200 Meter vom Ufer des Lake Tanganjika.