Keine politische Kraft mehr?

26. November 2014. Für den Tagesspiegel (25.11.2014) interviewten Rüdiger Schaper und Christine Wahl den Intendanten des Deutschen Theaters Berlin, Ulrich Khuon, sowie den Schauspieler Ulrich Matthes.

Ohne es auszusprechen, geht es um Zweifel am Theater – und vielleicht auch am DT. Matthes erklärt, "Gorki, Schaubühne, Berliner Ensemble und Volksbühne haben jeweils klare Marken", während am DT unterschiedlichste Ästhetiken und Spielweisen aufeinander treffen würden. "Für den Blick von außen macht es die Sache natürlich deutlich schwieriger." Das Ensemble jedenfalls ist jedes Zweifels enthoben: "Ich sage das mal so knackig: Ich halte unser Ensemble in der Breite mit Abstand für das beste dieser Stadt." Und warum DT-Inszenierungen so selten zum Theatertreffen eingeladen seien? "Beim Theatertreffen werden doch im Wesentlichen Regiearbeiten gewürdigt!" Das von den Interviewern angesprochene Thema "Konzepte" wird dann aber kaum weiter ausgeführt.

Große Narrative neu erfinden

Matthes bemerkt, dass die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Theaters nicht mehr so groß sei wie früher. "Zum einen sind die möglichen Ablenkungen enorm. Zum anderen hat das Theater aber selbst in toto tatsächlich diese politische Kraft nicht mehr." Woran das liege? Intendant Khuon antwortet so: "Gesellschaftlich ist es zurzeit einfach so, dass wir viele globale, lokal kaum zu beeinflussende Problemherde haben. Grundsätzlich gibt es zwar viele Fragestellungen, denen wir relativ rätselnd gegenüberstehen, die wir aber auch in Verbindung zu uns sehen: die Klimakatastrophe, der Finanz-Crash, religiös aufgeladene Politik, auf die man sehr schwer mit umfassenden schlüssigen Erzählungen antworten kann. Wir müssen die großen Narrative neu erfinden."

(mw)

 
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