Was aus unseren Münder kommt

3. Dezember 2014. Dreizehn Jahre lang hat Susanne Kennedy in Holland gearbeitet und gelebt. Seit Fegefeuer in Ingolstadt kann sie sich aussuchen, was sie machen will. Für die taz hat Annette Walter die Regisseurin porträtiert. 

Bei Kennedy sei stets schon das erste Bild ein visueller Schlag ins Gesicht, so auch in der neuen Arbeit "Warum läuft Herr R. Amok": Der holzgetäfelte Raum, in dem Geschöpfe stehen, die nicht von unserer Welt kommen, die maskierten Gesichter scheinbar mit Wachs überzogen, die Bewegungen minimal oder puppenhaft, "was wir da sehen, können wir nicht einordnen, aber es fasziniert ungemein".

"Kennedy brennt für die Sprache. Sie legt Worte und Sätze unter ein Mikroskop und analysiert, wie Menschen kommunizieren." Ihre Technik: Die Lippen der Schauspieler bewegen sich zu Playback. "Was kommt da jeden Tag raus aus unserem Mund?" - dieser Gedanke treibt Kennedy an. Sie will den Zuschauer nicht in Ruhe zu lassen, ihn in eine Erfahrung hineinziehen, die unangenehm sein kann: "Ich mag es, wenn es wehtut."

Sie ist eine Regisseurin, heißt es weiter, die es sich und uns nicht leicht macht und in ihren Inszenierungen eigensinnige Universen erfindet, eine Kunstwelt, die an David-Lynch-Filme erinnert. "Formal streng, statisch wie eine Installation, die Figuren überzeichnet, aber facettenreich: Denn während 'Fegefeuer'‘ eine finster-bigotte Gruselwelt beschwor, darf im komisch-grotesken 'Herr R.' am Ende zum wunderbaren Gitarrensolo aus Eric Claptons 'Let It Grow' Hoffnung aufkeimen."

Kennedy ist in Friedrichshafen geboren, im beschaulichen Tuttlingen aufgewachsen. Im Rückblick sei ihre Heimat ein "total wichtiger Ort" gewesen: "Das ist in einem drin, das nimmt man mit." Mit 24 wurde sie am Studiengang Regie an der Kunsthochschule in Amsterdam aufgenommen, hospitierte bei Johan Simons. Von ihm habe sie gelernt, dass sie als Regisseurin keine "alles wissende Entertainerin, die sofort alles kann", sein muss.

(taz.de / sik)

 
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