Auf der Couch im Theater

9. Dezember 2014. Im Vorfeld der morgen stattfindenden Diskussion über Theater-Streaming in der Heinrich Böll Stiftung Berlin hat der hierzu eingeladene Regisseur und Dortmunder Intendant Kay Voges im Deutschlandfunk über Livestreaming gesprochen. Er hat die Hoffnung, dass dadurch die "Hemmschwelle", ins Theater zu gehen, gesenkt werden könne und glaubt außerdem, dass "eine Interaktion" (so wie sie etwa am Ende seiner "Hamlet"-Inszenierung per SMS und Twitter stattgefunden hat) "ganz neue Möglichkeiten mitbringt." Er stellt sich vor, dass man sich zukünftig beim Livestream "von zu Hause aus in die Inszenierung einschalten" oder vielleicht "auch neue Perspektiven auswählen" kann: "Wollen wir nur diesen einen Sitzplatz haben, in Reihe 8 ganz außen? Oder wollen wir vielleicht mal einen Kamerawechsel vornehmen und uns das Stück aus einer anderen Perspektive, aus einer anderen Sichtweise heraus anschauen?" Das Theater der Zukunft brauche Videokünstler, Programmierer und Bildmischer genauso wie Schauspieler, Autoren und Regisseure.

Tim Renners Forderung eines kostenlosen Livestreams für alle, findet er plausibel: "Wir sind ein reiches Land, wir haben eine unglaublich reiche Kulturlandschaft, und schön wäre, wenn wir alle Hürden niederreißen würden und (...) unsere Angebote jedermann zugänglich machen lassen können." Als Beispiel führt er die per Livestream übertragenen Premieren der Metropolitan Opera in New York an: Da sehe man auf großen Leinwänden im Times Square, was im Opernhaus gerade stattfindet. "Das ist eine Identifikation, die sich dadurch einstellt – das würde ich mir für Deutschland auch wünschen." Was die Kosten angeht, so kann er sich aber auch eine Art Pay-per-View-System à la iTunes vorstellen, also "dass wir zahlen für unsere Theaterbesuche, die wir von der heimischen Couch aus stattfinden lassen."

(ape)

 

Mehr zum Thema in unserem Livestreaming-Dossier.

 
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