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Verletzte religiöse Gefühle!

4. Februar 2015. Na klar, sie machen schon Eindruck, diese Religiös-Beleidigten. Mit ihren Attentaten, Kalaschnikows und Massendemos mit Toten und Verletzten. Da kommt man sich gelegentlich wie ein ziemliches Weichei vor, wenn man selbst so ein Beleidigungsgefühl noch niemals verspürte. Wenn man still und unauffällig an seiner religiösen Überzeugung festhält, auch wenn die Welt drumherum einen für unzurechnungsfähig hält.

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© Landestheater Dinkelsbühl
Doch nun gibt's auch hierzulande einen Blasphemiestreit, jawohl. Der Strom der Twitter-Timeline hat ihn angeschwemmt, wo ja gelegentlich auch fette Bretter vorbeitreiben, die anderswo von irgendwelchen Köpfen gefallen sind. Dinkelsbühl! Das dortige Landestheater hat wahrscheinlich kein Geld gehabt, um vernünftig für sein Sommerfestival zu werben. Also fix ein Plakat gebastelt, das aussieht wie an irgendeinem heimischen Computer vom Praktikanten verzapft. "Sichern Sie sich die besten Plätze!", ist darauf zu lesen. Im Hintergrund die Kreuze von Golgatha. Alle drei besetzt. Sie wissen schon. Dinkelsbühl will im Sommer unter anderem die etwas angestaubte Rock-Oper "Jesus Christ Superstar" aufführen. "Beste Unterhaltung mit Live-Musik. Überdachte Freilichtbühne", preist das gelbstichige Plakat das Festival an. Jetzt schlagen die Wellen hoch. Verletzte religiöse Gefühle! In Mittelfranken. Sogar die Absetzung des Sommerprogramms wird inzwischen gefordert, wie heute die Süddeutsche Zeitung berichtet. Na also. Von Dinkelsbühl lernen, heißt siegen lernen.

(sle)