Autor kommt von Auto

19. März 2015. In der Süddeutschen Zeitung porträtiert Mounia Meiborg den Dramatiker Wolfram Lotz, der sich selbst einen "Mittelschichtsburschi" nennt und Stücke von sagenhaftem Größenwahn schreibt.

"Wie schreibt man über das, was man nicht kennt? Wolfram Lotz hat viel über diese Frage nachgedacht." Über die Schwierigkeit, sich fremde Geschichten anzueignen, über die Arroganz, die in jeder Aussage über das vermeintlich andere steckt. Und über die Tatsache, dass er als Autor zum Herrscher über seine Figuren wird – obwohl er Hierarchie doch ablehnt.

Gelöst habe Wolfram Lotz das Problem nicht. Stattdessen lege er es seinen Texten zugrunde, so Mounia Meiborg über den Autor. Das Prinzip von Lotz sei, mit surrealen Szenen einen realen Kern zu treffen. Und so zu einer tieferen, poetischen Wahrheit vordringt, die mit Realismus nicht zu fassen wäre.

Getroffen habe sie ihm im Restaurant des Deutschen Theaters. "Oben in den Kammerspielen wird sein Stück 'Die lächerliche Finsternis' gespielt. Er war bei der Premiere. Jetzt will er es nicht noch mal sehen. 'Das Zugucken ist mir ein schwieriger Vorgang', sagt er und meint damit, dass ihm jedes Mal Schwächen im Text auffallen."

"Lotz' Texte sind von sagenhaftem Größenwahn. In seinem ersten Stück 'Der große Marsch' verlangt er als Personal eine Gruppe echter Sozialhilfeempfänger, 21 mongoloide Kinder und 50 wunderschöne Frauen … Die Kluft zwischen Wirklichkeit und Theater ist in den Stücken immer spürbar. Sie erzählen Geschichten und dekonstruieren sie."

Wenn er über die Arbeitsbedingungen am Theater redet, kann er ungemütlich werden. "Zu hierarchisch sind ihm die Strukturen, zu scheinheilig viele Theatermacher." Politisches Theater sei nicht möglich, wenn man in den Apparaten alles so lässt, wie es ist, sagt Lotz. Die Sehnsucht nach einer anderen Welt sei das zentrale Thema seiner Stücke. "Die Figuren beharren darauf, erkannt zu werden – und scheitern dabei meist."

 

 

 
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