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Eine Politikerin kennt sich aus

20. April 2015. Während in Berlin ein handfester Theaterstreit tobte, machte sich die Staatsministerin Monika Grütters zu einer Fahrt in den Westen der Republik auf, um sich, von einigen Journalisten begleitet, über die Lage der Theater zu informieren. Kurz vor dem Ende der Fahrt, nahm sich die Berliner CDU-Politikerin Zeit für ein Gespräch mit Kerstin Krupp von der Berliner Zeitung.

Theater und Museen sind die Häfen der Kultur

Grütters sagte: Theater und Museen seien die "stabilsten Kulturinstitutionen in unserer Kulturnation Deutschland". Die "Häfen", um die sich "anderes Kulturengagement in Städten und Regionen" gruppiere. Aber die Häuser seien auch gefährdet, wie man in Rostock sehe oder in Bonn, wo der Oberbürgermeister die Oper schließen wolle. Beides "erstaunliche Prozesse".

Berlin, Event oder Ensemble?

In Berlin sollte die Kulturpolitik der Stadt keine neuen Parallelangebote schaffen, zusätzlich zu denen, die der Bund in der Stadt betreibt. In den Regionen, die um die Existenz ihrer Theater kämpfen, sei die "Berliner Haltung" nicht vermittelbar.
Event und Ensemble müssten sich nicht ausschließen. Experimentierendes Sprechtheater si wichtig. Die Häuser bräuchten ein je eigenes Profil, nicht zuletzt feste Ensembles prägten den "Stil eines Hauses". Der notwendige "künstlerische Anspruch" und "die Relevanz" dürften nicht "auf Kosten der Künstler" gehen.

Finanzierungskrise der Theater

Theater seien die größten Posten in jedem Kulturetat. Wenn es den Kommunen, als klassischen Trägern der Theater, schlecht gehe, werde natürlich zuerst bei den größten Kostenblöcken geschaut, also bei den Theatern und Opernhäusern – "was die Sache erklärt, sie kulturpolitisch aber noch lange nicht rechtfertigt".
Bürgermeister hielten ihre Theater für verzichtbar, weil "manche Theater nicht mehr richtig in ihrer Stadtgesellschaft verortet" seien. Doch sei die Mehrheit der Häuser seit Längerem von ihrem "behäbigen Habitus des immer Gleichen" abgewichen.

Neue inhaltliche Strategien der Theater

Erste Früchte dieser Veränderungen seien etwa "die Zusammenarbeit der Theater mit freien Gruppen".
Damit werde auch ein Publikum angesprochen, das vorher vielleicht noch nicht ins Theater gegangen ist.
Das Angebot reiche inzwischen "vom Kinder- und Jugendtheater bis hin zu Vorstellungen für Senioren oder auch zu fantasievollen Aktionen mit migrantischen Milieus und für diese".

Die Rolle des Bundes und der Theaterpreis

Da der Bund die Thester nicht fördern dürfe, da müssten die Länder den Kommunen unter die Arme greifen, könne der Bund auch nicht "Reparaturbetrieb" sein, wo Kommunen und Länder sparen. "Unsere Möglichkeiten bestehen eher darin, auf Probleme aufmerksam zu machen – aber auch auf Chancen und gelungene Experimente." Dafür werde der Theaterpreis ausgelobt, um jene kleinen und mittleren Theater zu stärken, die sich "mit wichtigen Themen befassen". Echtes Engagement "über das Vereinbarte und Erwartbare hinaus" solle gewürdigt werden. So "eine Art Preis-Gütesiegel" könne den Träger, das Land und die Kommune, "zu einem höheren Engagement ermutigen".

Soziale Situation der Künstler

Der Bund versuche, über "die Rahmenbedingungen" die "soziale Absicherung der Künstler" zu verbessern. Denn auf Kosten der Kreativen könne man die Stadttheater nicht erhalten. "Da muss die Politik vor Ort auch den Entwicklungen im Tarifgefüge folgen und die Theater so ausstatten, dass sie ihren Auftrag erfüllen können." Bislang blieben jenseits der Fixkosten oft nur noch 20 Prozent für die eigentliche künstlerische Produktion übrig. "Das können die Künstler nicht ausgleichen, ohne in unzumutbaren Arbeitsbedingungen zu landen."

(jnm)