Krise im Subtext

18. Juni 2015. Im Interview mit Fabian Wallmeier für den rbb (17.6.2015) spricht John von Düffel über seinen Beruf als Dramatiker und Dramaturg und stellt die Autorentheatertage vor, die derzeit am Deutschen Theater Berlin stattfinden.

Unter anderem geht es um einen Eklat bei der Eröffnung der Autorentheatertage. Schauspieler und Jurymitglied Ulrich Matthes hatte den Juryvorsitzenden Peter Michalzik scharf für dessen Volten gegen die Gegenwartsdramatik kritisiert. "Vokabeln wie 'Plattitüde', 'Binsenweisheit' oder auch 'Blablabla' fielen. Das hatte die Qualität des legendären Disputs zwischen Rudi Völler und Waldemar Hartmann", hatte bereits Patrick Wildermann im Anschluss an die Veranstaltung im Tagesspiegel (14.6.2015) berichtet.

Diese Konfrontation interpretiert John von Düffel im rbb-Interview wie folgt: "Der Eklat hat sicherlich damit zu tun, dass der Jurysprecher nach der Erwartung von Matthes und sicherlich auch vielen im Publikum erstmal die Aufgabe hat, das was die Jury gedacht, gesucht, gemeint und gewollt hat, zu vertreten." Der Befund, die Gegenwartsdramatik stecke in einer Krise, sei "im Subtext und eher unfreiwillig“ rübergekommen, so Düffel. "Auf sachlicher Ebene kann und muss man sicherlich über einiges von dem, was Michalzik diagnostiziert hat, diskutieren: dass sich das Modell Autor-Regisseur-Schauspieler nicht ganz so entwickelt, wie es sollte". Der Rahmen für die Überlegungen sei aber "unglücklich“ gewesen. "Wahrscheinlich hat sich Ulrich Matthes gedacht: Da sitzen jetzt diese ausgewählten Autoren und erwarten, dass man ein paar Worte zu ihren Stücken sagt und begründet, warum sie ausgewählt wurden. Stattdessen wird in Frage gestellt, ob es in 20 Jahren überhaupt noch Autoren gibt."

(rbb / Tagesspiegel / chr)


Zum Programm der Autorentheatertage 2015 mit allen Nachtkritiken unsere Festivalübersicht.

 

 

 
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