Presseschau vom 2. Oktober 2015 - Im Spiegel aktualisiert Botho Strauß seinen anschwellenden Bocksgesang

Der letzte Deutsche

Der letzte Deutsche

2. Oktober 2015. Der letzte Deutsche ist...Botho Strauß, so jedenfalls sieht sich der Schriftsteller, Theaterautor und ehemalige Dramaturg, wenn er sich zur Flüchtlingskrise äußert. Sein gleichnamiger Text im aktuellen Spiegel greift das Thema seines Essays "Anschwellender Bocksgesang" auf, in dem er vor 23 Jahren heftig mit dem kulturellen Selbstverständnis rang. Nun fühlt er sich nicht nur von innen, sondern auch von außen bedroht.

Der letzte Deutsche

2. Oktober 2015. Der letzte Deutsche ist...Botho Strauß, so jedenfalls sieht sich der Schriftsteller, Theaterautor und ehemalige Dramaturg, wenn er sich zur Flüchtlingskrise äußert. Sein gleichnamiger Text im aktuellen Spiegel greift das Thema seines Essays "Anschwellender Bocksgesang" auf, in dem er vor 23 Jahren heftig mit dem kulturellen Selbstverständnis rang. Nun fühlt er sich nicht nur von innen, sondern auch von außen bedroht.

Strauß stellt sich in dem Spiegel-Text in die geistesgeschichtliche Tradition, geprägt von Schriftstellern und Philosophen wie Ernst Jünger, Stefan George, Friedrich Nietzsche, die in der heutigen Bundesrepublik fast keine Bedeutung mehr haben. Die meisten Deutschen seien deshalb "nicht weniger entwurzelt als die Millionen Entwurzelten, die sich nun zu ihnen gesellen", schreibt Strauß in Anspielung auf die Flüchtlingskrise. Er wolle lieber in einem aussterbenden Volk leben als in einem, das aus vorwiegend ökonomisch-demografischen Spekulationen mit fremdem Völkern aufgemischt werde. 

Strauß fragt weiter: "Nun, was kann den Deutschen Besseres passieren, als in ihrem Land eine kräftige Minderheit zu werden? Oft bringt erst eine intolerante Fremdherrschaft ein Volk zur Selbstbesinnung. Dann erst wird Identität wirklich gebraucht." Der Irrtum der Rechten sei zu glauben, es gäbe es noch Deutsche und Deutsches außerhalb der oberflächlichsten sozialen Bestimmungen. "Jenen Raum der Überlieferung von Herder bis Musil wollte noch niemand retten".

DerletzteDeutscheMan werde nicht mehr von avantgardistischen Nachfolgern verdrängt, sondern von grundsätzlich amusischen Andersgearteten, Islamisten, Mediasten, Netzwerkern, Begeisterten des Selbst. "So bleibt dem deutschen Schriftsteller, sofern er ein Schriftsteller des Deutschen ist, nichts anderes, als sich neu zu beheimaten: Zuflucht in die ästhetische Überlieferung zum einen, zum anderen Erdulden ihrer Auslöschung. Palmyra, auch hier."

Im letzten Drittel hebt der Text zu einer Medienkritik: "Was in der Zeitung steht, macht den Anteilnehmenden immer konfuser." Komnt dann wieder auf die Sorge, "dass die Flutung des Landes mit Fremden eine Mehrzahl solcher bringt, die ihr Fremdsein auf Dauer bewahren und beschützen". Wobei selbst Strauß glaubt: "Eher wird ein Syrer sich im Deutschen so gut bilden, um eines Tages Achim von Arnims 'Die Kronenwächter' für sich zu entdecken, als dass ein gebildeter Deutscher noch wüsste, wer Ephraim der Syrer war."

Zum Schluss die Erkenntnis, dass sich der Hass Radikaler vordergründig gegen die Flüchtlinge richte, aber "er ist vor allem eine unkontrollierte Reaktion auf das Vakuumempfinden, das 'die Politik', wie man heute sagt, der Bevölkerung zumutet."

(sik)

 

 

 

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Presseschau Botho Strauß: verkorkstErnst 2015-10-02 16:03
Ach du meine Güte. Da weiß man ja gar nicht mehr, wo man überhaupt noch mit der Kritik ansetzen soll - so verkorkst ist das.
#2 Presseschau Botho Strauß: Ephraim-WissenPippi 2015-10-02 17:03
Kann Botho Strauß diese Rede nicht mal bei einem Pegida-Umzug halten? Oder irgendjemand anderes? Das wäre so unfassbar lustig! Bitte, bitte, bitte.
Und dann ziehen alle zusammen zum Dresdner Stadttheater und beschimpfen Schüler, die aus einer Vorstellung kommen, weil die nicht wissen, wer Ephraim der Syrer ist!
#3 Presseschau Botho Strauß: Was hat der Mann für ein Problem?Stritter 2015-10-02 19:07
DulieberGottwelcherauchimmer! - Als sei die Politik für das Volksempfinden zuständig. Auch die Entfremdung vom Ich hat niemand so sehr wie der Deutsche kultiviert, es ist also typisch deutsch, auf ihm fußt die Geschichte der deutschen Philosophie und ein gut Teil der Dichtung, die das Befragen ihrer eigenen Wahrheit mehr thematisiert hat als irgendeine andere Dichtung der Welt vermutlich! WAS hat der Mann für ein Problem??? Was hat der SPIEGEL für ein Problem?? Ich bin ein deutscher Schriftsteller und meine Heimat bin Ich, das von mir behauste Ego, das ich besser als irgendein anderes kenne. Das ist ja nun für Schriftsteller nicht neu. Wieso packt er Herder und Musil in einen Satz? Ausgerechnet Herder, den sprachforscherisch betriebenen und getriebenen Theologen und den psychotechnisch-kritischen Musil?? - Ich verehre Botho Strauß. Im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich notierte mir in den letzten 15 Jahren einmal einen Satz von ihm, den ich sehr schön fand. Ich würde ihn nicht suchen, aber er fiel mir heute zufällig mit dem Notations-Zettel (Einkaufszettel) in die Hände beim Aufräumen: - hier... und ich war ungerecht, es sind zwei Sätze: "Das Gedächtnis ist eine Variable der Erinnerung" und "Nur auf dem Feld der Erinnerung kann man noch expandieren". Das ist seeeehr schön und genügt doch, um seinen einstigen Ruf zu untermauern!
#4 Presseschau Botho Strauß: Ephraim der Syrer?NelSon 2015-10-02 19:08
Wer ist Ephraim der Syrer??
#5 Presseschau Botho Strauß: verlogenes Selbstmitleidklara 2015-10-02 20:11
Grundgütiger!
Botho Strauß sieht also eine Parallele zu den Entwurzelten,deren Länder, vom zivilisierten Westen überfallen werden, mit Drohnen ihre Mitmenschen zerfetzt,UNO Soldaten, die Kinder vor den Augen der Eltern vergewaltigen,um sie dann zu verbrennen (Irak), mit den, in ihrer Heimat, entwurzelten Deutschen? Welch verlogener Selbstmitleid!
Die Flüchtlinge,die nichts mehr,als das nackte Leben haben, dürfen dann auch noch als Sündenböcke, für eine katastrophale Wirtschaftssituation herhalten? An denen, die von ganz anderen Schuldigen, um ihre Lebensperspektiven beraubten,ihren Frust auslassen können? Aber ja, Herr Strauß fühlte sich von diesen "Barbaren" in seiner Identität bedroht. Da kann er wirklich froh sein, nicht das Schicksal eines dieser Flüchtlinge, ertragen zu müssen. Sehr enttäuschend Herr Strauß!Sie sind Teil des Problems, nicht der Lösung. Einem Schriftsteller , Ihres Kalibers, hätte ich mehr Weitsicht zugetraut.
Die "unwerten" Entwurzelten mögen bitte, draussen still sterben. Herr Strauss ist schon genug überfordert, in seiner zarten Künstlerseele, mit sich selbst.Chaos, noch dazu Fremdes, von Außen,bringt ihn aus dem Konzept. Sieht dann alles nicht mehr Deutsch aus.Man sollte ihn unter eine Glaskugel stellen, damit er es schön warm und ungestört hat ,und uns ja nicht ausstirbt,dieses besonders wertvolle menschliche Exemplar.
Jetzt verstehe ich auch, das Dichten und Denken, keine Garantie für Zivilisation sein müssen.
#6 Presseschau Botho Strauß: das KommentarvolkBoris 2015-10-02 23:29
@ pippi, ich glaube nicht, dass er mit "gebildeten Deutschen" Schüler meinte. Ich denke, dass er mit seinem Text auch gerade dieses Kommentar-Volk meint, welches Alles sofort aus reinem Reflex heraus kommentiert, ohne sich die geringste Mühe in der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand und der eigenen Begrenztheit zu machen...
#7 Presseschau Botho Strauß: DankeTabL3 Dietfalc 2015-10-03 10:42
DankeBoris

##


DankeBotho
#8 Presseschau Botho Strauß: erst mal lesen!Frances H. 2015-10-03 11:12
liebe klara, bitte den text erst mal lesen. die hier abgedruckte pressemitteilung gibt den text von strauß leider nur sehr tendenziell wieder.

liebe nachtkritik, vielleicht den gesamten text ins netz stellen, wenn der spiegel das möglich machen würde, dann hätten wir hier eine seriösere diskussion, vielen dank!

(Liebe(r) Frances H.,

Sie deuten es ja schon an: Bis der Spiegel den Text online stellt (dann verlinken wir natürlich umgehend), darf man ihn aus Gründen des Urheberrechts nicht öffentlich zugänglich machen. Aber sicher finden Sie das Magazin in der nächsten Bibliothek (oder am Kiosk).

MfG, Georg Kasch / Redaktion)
#9 Presseschau Botho Strauß: sprachverliebtInga 2015-10-03 12:46
Nun ja, Botho Strauß ist eben sprachverliebt. Immer schon. Er beschäftigt sich mit den sprachlichen Ziselierungen der bürgerlichen Schichten. Um Kontexte, Situationen, politische Öffentlichkeit usw. hat er sich noch nie gekümmert.
#10 Presseschau Botho Strauß: großartige StückeFrances H. 2015-10-03 14:44
Liebe Inga,
Ja, Botho Strauß ist sprachverliebt.und deshalb hat er auch so großartige, poetische, für die heutigen Dramatiker unerreichbare Stücke geschrieben.
#11 Presseschau Botho Strauß: umlauertes Ichmartin baucks 2015-10-03 16:21
Das eigentlich Desperate ist doch diese anwendungslose Illusion von persönlichen Gewissheiten, die sowohl subjektiv, wie auch objektiv nicht über die eigene Person hinausweisen will, und nur in einem von einer Bildungskulisse umlauertem 'Ich' verharrt.
#12 Presseschau Botho Strauß: nicht unter Zahnärztengrrlll 2015-10-03 17:38
Liebe Frances H.! Botho Strauss ist die Yasmina Reza der 80er Jahre, allerdings beschränkt auf Deutschland, Ö und die Schweiz. Und das ist Common sense. Allerdings nicht unter Zahnärzten.
#13 Presseschau Botho Strauß: Warum nicht Zahnärzte als Fans?Frances H. 2015-10-03 18:35
Und da haben wir es, ich wollte immer Zahnärztin Werden. Zu spät.
Und was wäre so schlimm daran, wenn alle Zahnärzte dieses Landes große Fans dieses Autors wären? Soll Theater nicht für Zahnärzte, Anwälte, Banker, und all die anderen Gruppen von Menschen sein, die von Dir, liebe Grille, so sehr verachtet werden. Möchtest Du ein Theater, das nur für Theaterleute und solche, die es sein wollen, produziert? Dann bist Du eine, liebe Grille, die fleißig am Untergang des Theaters mitarbeitet.

Nur am Rande, verstehe ich dann nicht ganz, wieso gerade der linksliberale Spiegel, falls man die Welt überhaupt noch in Links und rechts einteilen kann, unbedingt diesen Essay haben und veröffentlichen wollte. Offensichtlich ist Strauß einer der wenigen Intellektuellen, deren Texte gelesen werden.

Liebe Grille, welches Stück von Strauß hast Du zuletzt gesehen, welchen Text von ihm gelesen?
#14 Presseschau Botho Strauß: das eigene Ich umlauernStritter 2015-10-03 21:26
Lieber Martin Baucks, ich gebe zu bedenken, dass eine Illusion von was immer nicht über etwas -was auch immer - hinausweisen kann. Ich versuche trotzdem zu verstehen, was Sie meinen und meine, dass eine Person, die ihr eigenes Ich umlauert - in welcher Kulisse immer, die subjektiv nur auf ihre eigenen Illusionen verweist und objektiv nicht über sich hinausweisen will, damit eine ungeheuer starke subjektivierende Haltung zeigt. Diese ist dann nicht anwendungslos. Insbesondere dann nicht, wenn die Person in dieser Haltung verharrt. Das Disparate bei Botho Strauß liegt daher vermutlich nicht an dieser von Ihnen beschrieben Stelle, das müsste man prüfen beim genauen Lesen des Textes. Aber man muss das nicht tun.
#15 Presseschau Botho Strauß: Polit-Sound der MedienStritter 2015-10-04 10:53
Liebe/r Frances H. - abgesehen davon, dass man die Welt vermutlich besser nicht in linksrechts einteilen sollte - da sie annähernd rund ist, funktionieren Lagebezeichnungen nur relativ, kann man Medien m.E. 100% nicht mehr so li.mittig.re. einteilen und als liberal ohnehin nurmehr sehr eingeschränkt empfinden. Weil sie sehr große, gewinnorientierte Unternehmen sind und deshalb so auch arbeiten: d.h. sie wissen ganz genau, welcher Klientel sie einen scheinbar li.liberalen Ton oder einen links-flapsigen Ton oder eben einen daxbasierten Unterton und wem einen intellektuell-illusionistischen Ton anbieten müssen, um halbwegs Absatz zu machen. Man kann das sehr schön beobachten, wenn man Presse- oder auch Online-Artikel unterschiedlicher Medien, die der selben Verlagsgruppe angehören parallel und vergleichend liest und zwar möglichst zum gleichen Themenspektrum. Was vermutlich Botho Strauß auch solange getan hat, bis es ihm auffiel und es ihn so angeödet hat, dass er zu den echten Schäflein aufs Land ausgezogen ist und nur noch manchmal vorsichtig leise mit dem Hirtenstab von dort uns winkt...
#16 Botho Strauß: kein Schubmartin baucks 2015-10-04 17:44
Lieber Stritter,

sie irren. Die Illusion war einmal das Kerngeschäft des Theaters und konnte mit diesem Mittel weit über sich hinausweisen. Auch werden heute mehr Illusionen gelebt, die gerne eine Utopie gewesen wären, als man wahrhaben möchte. In welchem Endzustand diese Illusionen dann tatsächlich in der Realität verharren, kann man an Strauß ablesen. Die Veröffentlichung der privaten Leseliste hat in jedem Fall keinen gesellschaftlichen Schub. Es ist eher die Schmöckerecke eines ückermarkschen Hirten.
#17 Presseschau Botho Strauß: Sterbender-Schwan-Monolog klara 2015-10-05 15:10
Liebe Frances,
Habe den Artikel gelesen und muß leider feststellen, daß es durch den Kontext leider nicht besser geworden ist.Hätte mich sehr gerne geirrt.
Strauß entlarvt sich selbst als narzisstischer und eitler, als vermutet.Der"letzte" Deutsche zu sein ! In einer Reihe mit den größten Namen der deutschen Literatur. Fehlt nur noch die Götterdämmerung als Hintergrundmusik! Es wirkt auch , als ob er den Menschen aus dem Nahen Osten jegliche Kultur abspräche.Das "deutschblonde" Bier, das bei der Wiesn ,von Abendlandrettern ,gerne getrunken, um meist rausgekotzt zu werden, ist, zum Beispiel, eine Erfindung der Sumerer, im 4 Jahrtausend vor Christus.
Straußens SterbenderSchwan-Monolog erinnert mich ein bißchen an Paula Wesselys "Heimkehr".
Die Flüchtlinge sind das Symptom einer komplexen politischen Fehlkalkulation der letzten Jahrzehnte,an denen der Westen maßgeblich beteiligt war und ist. Anstatt seinen Status und seinen Fokus, als erfolgreicher Autor, darauf zu legen, trägt er dazu bei, Flüchtlingen die Verantwortung für den Untergang des Abendlandes umzulegen und sie noch mehr zu Feindbildern zu machen , als sie es ohnehin schon sind.
Er weiß, daß ihm damit Beifall sicher ist. Mit dem Militärkomplex legt er sich lieber nicht an.
Schöner Leiden unter Herrenmenschen.

Schande.
#18 Presseschau Botho Strauß: größter Dichter nach Goethe?Stritter 2015-10-05 18:05
Ach, lieber martin Baucks - (...) Strauß, als Person, verharrt eben in der Illusion, der größte deutsche Dichter nach Goethe zu sein, was in der Uckermark einfacher sein mag als in einer Metropole lebend. Gegen Schmökerecken habe ich gar nichts. Weder gegen solche, die hehre Literatur noch solche, die Comics, Krimis, hehre Literatur und wasweißich durcheinander beherbergen. Gegen die Öffentlichmachung derselben - naja, das ist eine Frage des Geschmacks, aber wenn der SPIEGEL dafür zahlt... da wäre dann wohl auch ich bestechlich, da mache ich weder mir noch Ihnen noch dem Theater Illusionen-
#19 Presseschau Botho Strauß: geht's noch? peschel 2015-10-05 19:30
@klara

gehts noch etwas deftiger ? Deine Interpretation Strauss' im Qualitätsjargon eines Antifa Gegeifers spricht Bände. Kein Wunder , dass Dich sein Text so ankotzt, bezieht er sich doch auf Leute wie Dich ;-)
#20 Presseschau Botho Strauß: deftige Worte aus Enttäuschungklara 2015-10-05 21:04
@peschel

Deine Beleidigung könnte kaum klischeehafter sein. Vielleicht,könntest Du hinter der Deftigkeit meiner Worte,ein paar Wahrheiten finden.
Die Situation, in der wir uns alle befinden, ist so brisant, daß gerade Menschen ,die Einfluß haben, eine enorme Verantwortung tragen.
Die herben Worte meinerseits,und ich möchte Herrn Strauß nicht Unrecht tun,kommen aus einer tiefen Enttäuschung. Von Botho Strauß habe ich das nicht erwartet.
#21 Presseschau Botho Strauß: ich lese andersFrances H. 2015-10-05 21:08
Ich lese den Text völlig anders.
Strauß ist keinesfalls der Eremitendichter, als der er hier dargestellt wird. Noch immer publiziert er Jahr für Jahr ohne viel Geschrei seine Bücher.
Sein neuer Text ist auch kein Anschluß an Bocksgesang, sondern eine Sehnsucht nach einer Gesellschaft, in der unsere kulturellen Ursprünge sichtbarer werden. Wir alle hier wünschen uns das doch auch vom Theater, das es Spüren hinter läßt, dass es anschlussfähig wird an die Gesellschaft, wie sie ist. Und deshalb ist keiner von uns ein nationalkonservativer. Wenn er schreibt, dass er davon ausgeht, dass unsere neuen syrischen Landsleute zehn Mal schneller Deutsch lernen, als wir die arabische Sprache, hat er doch nicht Unrecht. Das ist eher eine beschämende Wahrheit unseres provinziellen Selbstverständnisses.
Keiner der heute getypten Jungautoren wird je eine Lebensleistung summieren, die sich mit der Straußschen so schnell messen läßt.
Bitte erst Lesen, dann Argumentieren, dann Urteilen.
#22 Presseschau Botho Strauß: lies noch einmal konzentriertpeschel 2015-10-05 21:37
"Brisanz" liebe Klara, kann aus unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Welche Brisanz meinst Du denn ? und warum hat Dich Botho enttäuscht, ist das nicht überhaupt etwas anmassend ? Ich befürchte, Du verkennst die künstlerische Sensibilität eines Großen mit einer grün-konformistischen, verdrehten "libertären" Haltung ( die im konservativsten Sinne erzreaktionär ist) , die (selbstssüchtig) ankommende Flüchtlinge auf den HAupfbahnhöfen beklatscht und dabei doch nur sich selbst meint. Und was ist für Dich noch enttäuschend am Text ? Wenn Botho Strauss in dem Artikel das grün linke (Frauen!) Gehube kritisiert, das ein muslimisch obligatorisches Kopftuch als feministisch selbstbewusster Ausdruck der Religionsausübung queer-interpretert wird und nicht als das, was es letztlich ist bezeichnet wird , ein Symbol der weiblichen Zweitwertigkeit qua Religion und Unterdrückung ? Wenn Du u.a. deswegen enttäuscht bist , von seinem Text, dann bleibe es bitte. Ansonsten lies noch einmal und konzentriert.. und bestell das TAZ Abo ab.
#23 Presseschau Botho Strauß: Strauß will gar nicht gerettet werdenStefan B. 2015-10-06 13:24
Nun hat auch noch Peter-André Alt, Literaturwissenschaftler, Schillerexperte und Präsident der Freien Universität Berlin, Botho Strauß für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen. War das der Sinn dieser Glosse, sich mal wieder ins Gespräch zu bringen? Ansonsten halte ich das Ganze nicht für diskussionswürdig. Vielleicht besitzt Strauß auch immer noch die Aura des Unangepassten mit einem durchaus bemerkenswerten Lebenswerk. Manchmal verblasst das aber auch ein wenig im Getöse der heutigen Zeit, wo andere Themen wichtiger sind, als Strauß‘ kulturpessimistische Mahnungen, die nun wieder dafür herhalten müssen, in bestimmten Kreisen die immer gleichen Ressentiments zu feiern und sie für die Rettung Deutschlands zu halten. Strauß will gar nicht gerettet werden. Weder von links noch von rechts. Seine Welt und sein Deutschland existiert nur in seinem Kopf und zwischen dicken Buchdeckeln von ihm verehrter Werke, über die man genauso streiten kann, wie man es für fast schon folgerichtig halten muss, dass Strauß so ganz nebenbei den Namen des Heiligen und Kirchlehrers Ephraim der Syrer ins Spiel bringt. Ein Verfechter des wahren Glaubens, Eremit und Polemiker gegen die christlichen Häretiker seiner Zeit. All das möge man bedenken, wenn man diesen Text liest. Und dafür muss man auch nicht das taz- oder FAZ-Abo abbestellen.
#24 Presseschau Botho Strauß: selten vorkommend: Zustimmung Peschel 2015-10-06 15:42
Kluge Worte Stefan;)
#25 Presseschau Botho Strauß: möchte den Mantel des Deutschtums abwerfenmartin baucks 2015-10-06 16:32
Ganz ehrlich, der Mann ist von allen guten Geistern verlassen. Allein der eine Satz,“ Der Irrtum der Rechten: als gäbe es noch Deutsche und Deutsches außerhalb der oberflächlichsten sozialen Bestimmungen.“ ist dazu geeignet ihn vollkommen zu verurteilen. Die Erfindung des Begriffes „Sozialdeutscher“ ist nach der Erfindung des Begriffes „Biodeutscher“, das Perfideste, was man seit langem gelesen hat. Ich kann verstehen, dass Klara ihn einfach in die Tonne haut. Gut so. Nach der ersten Lektüre ist man entsetzt. Nach der zweiten will man gar kein Deutscher mehr sein. Zu mindestens nicht, wenn Strauß den Schlüssel für die Deutung dieses Begriffs in der Hand hält. Zudem habe ich in der ganzen Debatte über die „Flüchtlinge“, die ja umgehend ihrer Nationalität entkleidet werden, sobald sie als solche erkannt werden, noch nie so häufig das Wort „deutsch“ oder „Deutschland“ vernommen. Es ist wohl wie eine Erweckungsbewegung für das „Deutsche“. Ab heute möchte ich auch lieber Flüchtender sein, den Mantel des Deutschtums endgültig abwerfen und mich frei bewegen in der Literatur wie ihm Leben. Ich werde auf jeden Fall nicht die Leseliste von Botho Strauß, diesen Handapparat des Deutschtums abarbeiten. Ich pfeif darauf. Man ist Deutscher, wenn man innerhalb der Grenzen dieses Landes geboren wurde oder wird, oder in dem man einen deutschen Pass erwirbt. Dann ist man zugleich auch europäischer Bürger und das ist gut so. Ich liebe belesene und gebildete Menschen, aber ich mag keine Eingebildeten. Fragte man einen Ingenieur, würde er wahrscheinlich Adam Opel als den wichtigsten Deutschen nennen. Und ein Fleischer würde den Schwarzwälder Schinken als das wichtigste Deutsche Gut erkennen. So hat jeder Berufsstand seine Macke. Die Macke von Herrn Strauß aber ist so borniert und größenwahnsinnig, dass er alle Berufsstände subsumieren will und sich über sie erhebt als letzter Deutscher, so als ob es keine Metzger mehr gäbe, die die Nürnberger Bratwurst herstellen und den Titel letzter Deutscher ebenso für sich in Anspruch nehmen könnten wie einige Bierbrauer. Mir gruselt. Ich lass mich auch nicht ungestraft „Sozialdeutscher“ schimpfen, allein aus Respekt vor all den Analphabeten, die im Gegensatz zu mir gar nicht lesen können. Wie nennt Strauß die denn? Untermenschen unfreiwilliger deutscher Herkunft. Wahrlich, man muss kein Deutscher sein, nicht im tümelnden und raunenden Sinne eines Herrn Strauß. Auch ich bin, ähnlich wie Klara abgestoßen und ich habe ganz bestimmt kein taz Abo. Ich bin auch kein Grüner oder Linker. Ich bin auch kein Rechter. Und wer seine Mitbürger über solche Leisten zieht, ist mir schwer unsympathisch. Gleiches gilt für Strauß, da hilft auch seine vermeintliche Größe nicht mehr. Ich habe schon lange nicht mehr jemanden erlebt, der mit ein paar Krumen Wahrheit eine solche Lügensuppe zusammen gekocht hat.
#26 Presseschau Botho Strauß: weiß jemand, wovon Strauß schreibt? Frank W. Haubold 2015-10-06 19:15
Wenn es noch einer Bestätigung der Thesen des Autors bedurft hätte, dann wäre es das Gros der Kommentare hier, auf deren intellektuellen Gehalt ich aus Gründen der Höflichkeit nicht eingehe.

Es stellt sich die Frage, ob relevante Teile des Publikums überhaupt noch wissen, wovon Strauß das schreibt, wenn er von geistesgeschichtlicher Tradition spricht. Hat auch nur einer der Kommentatoren z. B. Jüngers "Waldgang" gelesen, der den Niedergang von Kultur und Individuum in der modernen Gesellschaft visionär beschreibt?

Stattdessen sucht man zwanghaft (klara) nach Anknüpfungspunkten an die NS-Ideologie, die zur Diffamierung des Autors dienen könnten, und wird selbstverständlich fündig.

"Erbärmlich" erscheint mir nicht die bittere Glosse, sondern die Reaktion einer sich als gebildet und "anständig" gerierenden medialen Öffentlichkeit.
#27 Presseschau Botho Strauß: Eunuchen für ein HimmelreichNelSon 2015-10-06 20:33
Keiner antwortet mir wegen des Syrers Ephraim! - Aber bei "Kirchvater" hats klick gemacht. Ist das etwa der, nach welchem der Sixtus V. 1588 in der Bulle "Effraenatam" den "Canon "si aliquis" (der auch beim Römischen Katechismus, in dem Verhütung mit Mord gleichgesetzt wird, Pate gestanden hat) in die strafrechtliche Praxis umzusetzen suchte."? (zit. nach Uta Ranke-Heinemann, Eunuchen für ein Himmelreich) - Lieber Stefan B., ist das der nämliche, den der Botho Strauß da meint, dass man den als ordentlicher Deutscher kennen muss?
#28 Presseschau Botho Strauß: seelenverwandt mit mongolischem Lyrikerklara 2015-10-06 22:58
@peschel

Es fängt schon mal damit an , daß ich weder links noch rechts noch sonstwas bin.Ich gehöre auch sonst keiner politischen Gruppe an.
Du findest es anmaßend von mir, mir zu erlauben, über Strauß enttäuscht zu sein. Du findest es nicht anmaßend von Dir selbst,mich in einer Deiner vorgefertigten Schubladen zu stecken, weil Dir meine Meinung mißfällt. Da braucht man sich auch nicht näher mit dem Inhalt zu beschäftigen, da er aus Deiner Sicht, ohnehin aus der falschen Ecke kommt.Du findest es auch nicht anmaßend , daß Herr Strauß alle Flüchtlinge,als monolithische,unkultivierte,zurückgebliebene Gruppe darstellt, die wie eine Sintflut die große Deutsche Kultur wegschwemmt. Wer hindert denn Günter und Anneliese daran Hölderlin zu lesen,anstatt Game of Thrones anzusehen?Ephraim und Fatima etwa?

Anmaßend wäre es , wenn ich meine persönliche Meinung, die ich hoffentlich noch haben darf, als absolute Wahrheit verkünde. Das tue ich nicht.Ich bin nicht die Generalprobe fürs jüngste Gericht.
Es ist eine Meinung und kein Urteil.

Du wirfst mir vor, daß ich urteile,und merkst selber nicht, wie eilfertig Du in Instantphrasen,mich und andere, deren Meinung Du nicht teilst, abkanzelst.
Was ist so schwer zu verstehen, daß Flüchtlinge nicht die Ursache des Migrationsschubs sind? Sie sind die Folge der jahrzehntelangen Einmischungen,Destabilisierungen und Invasionen westlicher Länder.
Die Brisanz liegt in dem Konfliktpotential zwischen perspektivlosen Europäern, machthungriger Demagogen,die zynischerweise versuchen diese Situation für sich zu nutzen und den Flüchtlingen.Die kommen für so manchen, als Ablenkung und Sündenbock, gar nicht unrecht.

Was ich enttäuschend finde, ist daß Strauß meint, man müsse Deutscher sein,um die Deutsche Kultur zu leben und begreifen.Er sollte mal ein bißchen reisen, abseits der Hotels, und entdecken, daß er vielleicht eine größere Seelenverwandschaft, mit einem mongolischen Lyriker haben kann, als seinem Nachbarn in Uckermark, der lieber Dieter Bohlen zuguckt.
Celan, Rilke ,Heine , große deutsche Namen, hielt man eine zeitlang auch nicht als "echtdeutsch".Celan war tief verletzt, daß er, der die deutsche Sprache so liebte und seine Heimat in ihr gefunden zu haben glaubte,von ebendieser Heimat verraten wurde und als "undeutsch" klassifiziert wurde.

Goethe wäre über diese Schrebergartenmentalität entsetzt. Fand er doch als Kosmopolit,seinen,wie er meinte, Seelenbruder und literarisches Vorbild , in dem persischen Dichter Hafez.
Es gibt in Japan, eine Thomas Bernhard Stiftung. Die Mitglieder dort gehören zu den glühendsten Thomas Bernhard Liebhabern.Wer weiß, vielleicht gibt es in Ghana einen Botho Strauß-Zirkel?
Für die Erfindung der Schrift,die seine Literatur erst ermöglicht, kann Strauß ebenfalls den Sumerern danken.

Ich dachte Sprache, Literatur wäre Kommunikation. Eine zivilisatorische Errungenschaft,um zu verbinden,die Einsamkeit zu überwinden, Grenzen zu überwinden und um zur Erkenntnis zu gelangen, daß alles miteinander verbunden ist. Wenn man lieber in einem geographisch abgezirkelten Gebiet, unter sich "reinrassig" bleiben will,so soll man nicht die Sorge um Kultur vorschützen.

Die Menschheit wird so schnell nicht aussterben. Das Deutsche wird sich so wie alle Kulturen weiterentwickeln.
#29 Presseschau Botho Strauß: zu Ephraim der SyrerStefan B. 2015-10-07 10:47
Lieber NelSon
hier sind ein paar Links zu Leben und Werk des heiligen Ephräm (oder Ephraim, oder Ephraem), genannt der Syrer.

de.wikipedia.org/wiki/Ephr%C3%A4m_der_Syrer

www.unifr.ch/bkv/kapitel2455.htm

Die von Ihnen erwähnte Bulle "Effraenatam" später dann auch "Effraenatam perditissimorum" hat nichts mit Ephraim dem Syrer zu tun. Das ist Latein und bedeutet soviel wie Bemerkungen zum Schwangerschaftsabbruch. In der Bulle von Sixtus V. werden u.a. auch Empfängnisverhütung, Homosexualität, Ehebruch, Inzest und Kuppelei behandelt.
#30 Presseschau Botho Strauß: in Glossen nicht mit solchen Sätzen zündelnStefan B. 2015-10-07 11:19
Sehr geehrter Herr Haubold,
schön, dass Sie Ihrem Kollegen beispringen. Da ist sicher einiges richtig, an dem, was Sie schreiben. Es ist aber eher die Art, wie sich Botho Strauß äußert, die vielen aufstößt, und nicht unbedingt der Inhalt, der für die meisten sicher auch etwas zu verschwurbelt daherkommt. Man kann schon beim genaueren Lesen einige Passagen finden, in denen Botho Strauß, ob nun gewollt oder nicht, die Sprache des rechten Randes polemisch aufnimmt. Ich stelle seinem Satz, dass er lieber in einem untergehenden Volk leben möchte, mal zwei andere Äußerungen gegenüber, und Sie dürfen dann entscheiden, ob da nicht doch eine Schwelle überschritten ist.

"Das deutsche Volk hatte keinen Haß und keine Feindschaft zum englischen oder zum französischen Volke. Es steht aber heute vor der Frage, ob es leben oder ob es untergehen will."

"Das deutsche Volk verdient, wenn es so feige und schwach ist, nichts anderes als einen schmählichen Untergang."

Wen ich hier zitiere, dürfte wohl jedem klar sein. Gerade geistert er wieder als Satire durchs Kino. Vom deutschen Volk und vom Untergang hat dieser Mann Zeit seines Lebens viel gefaselt. Ich glaube damit sollte man selbst in Glossen nicht zu zündeln versuchen.
#31 Presseschau Botho Strauß: guck ich mal in die BibelNelSon 2015-10-07 12:07
Danke für den Wiki-Tipp - wenn ich gewusst hätte, dass der Ephraim heiliggesprochen wurde, dann hätt ich ja gleich in meinen Heiligen-Schriften! nachgesehen. Da werd ich ihn dann ja ausführlich ohne Internet finden. Und dann mal genauer schauen, ob das Heilige an ihm nicht doch irgendwie mit den ausufernden Bemerkungen zum Schwangerschaftsabbruch usw. zu tun hat. Das ist eine persönliche Schwäche, diese zwanghafte Neugier, denn ich bin ein so ungewolltes Kind, zum Trotz geboren...
#32 Presseschau Botho Strauß: "ein wirklicher Kandidat"Pippi 2015-10-07 14:33
@Stefan B.

Das stimmt nicht so ganz mit Peter-Andre Alt. Er hat nur Botho Strauß Auftauchen in der engeren Auswahl des Nobelpreises kommentiert:

"Der einzige Deutsche, der sich derzeit Hoffnungen auf den prestigeträchtigen Preis machen kann, ist laut Ladbrokes der Dramatiker Botho Strauß (70). „Das wäre aus meiner Sicht ein wirklicher Kandidat“, sagte der Literaturwissenschaftler und Präsident der Freien Universität Berlin, Peter-André Alt, der Deutschen Presse-Agentur kürzlich im Interview."

www.rundschau-online.de/kultur/ungewohnte-namen-gibt-es-eine-ueberraschung-beim-literatur-nobelpreis-,15184894,32103184.html

Und da hat er wohl nur die literarische Qualität seiner Werke beurteilt. Auch ein Idiot kann ein guter Dramatiker sein
#33 Presseschau Botho Strauß: brutal gegen die Wandmartin baucks 2015-10-07 15:30
Sehr geehrter Frank W. Haubold ,

der Text von Botho Strauß ist ein intellektueller Totalschaden. Sie müssen uns nicht mehr schonen mit ihrer bissigen Höflichkeit, denn nachdem Herr Strauß seinen Karren voll geistiger Habseligkeiten so brutal gegen die Wand gefahren hat, haben wir ja schon das Schlimmste hinter uns, da kann man uns kaum noch beleidigen. Drum nur heraus mit ihren Beschimpfungen im Fahrwasser des „letzten Deutschen“. Ich werde jede Herabwürdigung von ihnen, wie einen Orden vor mir hertragen.

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