Im Meinungstsunami

von Esther Slevogt

20. Oktober 2015. Heute bin ich wieder dran mit der Kolumne. Ich muss jetzt also irgendetwas meinen. Dabei ist das Meinen eigentlich uninteressant. Oder zumindest selten sachdienlich. Dem Meinungstsunami, der die Welt täglich unter sich begräbt, kann man ja kaum noch entkommen. Aber verstehen wir die Welt deswegen besser? Eher doch nicht. Der eine meint, dass man die Bundeskanzlerin für ihre Flüchtlingspolitik aufhängen sollte. Der nächste meint, eine OB-Kandidatin abstechen zu dürfen, für – ja, wofür eigentlich? Für unsere Kinder oder so. Wieder ein anderer meint, er hätte irgendetwas zu sagen. Ich ja leider manchmal auch.

Beten ist Privatsache

Da sah ich zum Beispiel am Sonntag Abend in der Tagesschau, wie Navid Kermani anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an ihn die dort Versammelten am Ende aufforderte, sich zum Gebet zu erheben. Zum Gebet in der Paulskirche, die ja gar keine Kirche mehr ist, sondern das Symbol für das demokratische Deutschland, in dem Staat und Kirche getrennt sind. Sodass also unter staatlichem Schutz zwar allerlei Glaubensrichtungen zu Deutschland gehören, der Staat selbst jedoch ein religionsfreier Ort ist.

kolumne estherDas ist in Zeiten wie diesen immer noch eine ziemlich beruhigende Angelegenheit. Obwohl die Befürchtung wächst, auch bei dieser Trennung von Staat und Kirche könnte es sich um ein Relikt aus dem bürgerlichen Heldenleben handeln. Denn zunehmend ist man heute an jeder Ecke dazu gezwungen, sich mit Religion auseinanderzusetzten. Oder was Leute so alles für Religion halten. Und da fordert plötzlich jemand eine Versammlung ausgerechnet in der Paulskirche zum Beten auf? Das Bild der ergriffen sich Erhebenden ließ mich gar nicht mehr los. Ich dachte an Kurt Tucholsky und sein berühmtes Gedicht "Kopf ab zum Gebet" (das eigentlich "Gebet nach dem Schlachten" heißt und als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg entstand, als es in Deutschland noch eine Staatskirche gab).

Und ärgerlich habe ich dann am nächsten Morgen etwas Ärgerliches über Twitter verbreitet. Eine blöde Meinung eben. Da kannte ich aber die Rede von Navid Kermani noch gar nicht, dem ich grundsätzlich auch gar nichts Böses zutrauen wollte, im Gegenteil. Nur fand ich eben das Bild von den Betenden in der Paulskirche so ärgerlich pastoral und verstörend. Beten, das ist für mich Privatsache, für die es andere Räume und eine jeweils eigene Öffentlichkeit gibt. Und erst dann las ich die Rede.

Tweets deleten

Danach habe ich den Tweet mit der dummen Meinung gelöscht. War erschlagen vom Sog der Argumente, dem geschilderten Schicksal des christlichen Klosters Mar Eilan in Syrien, das kürzlich vom IS zerstört wurde und dessen Bewohner zum Teil entführt worden sind; den geschilderten Zusammenhängen von Kapitalismus und Islamismus, die für Kermani im Grunde das gleiche Ziel verfolgen: den Einzelnen gefügig zu machen unter die eigene Ideologie, ihm zu nehmen, was ihn dagegen immunisiert und widerständig macht: Identität, Kultur und historisches Gedächtnis. Gegen diese Gewalt und die dazu produzierten Bilder wollte Kermani mit den Betenden für die Entführten des Klosters Mar Eilan ein Bild der Brüderlichkeit setzen.

Kurz darauf habe ich den Tweet in abgemilderter Form noch einmal abgesetzt, denn das Unbehagen über das Bild der Betenden in der Paulskirche kehrte zurück. War denn dieses Bild nicht selbst Zeugnis einer von den Zeichen des Religiösen gefügig gemachten Öffentlichkeit? Erneutes Unbehagen auch über diesen zweiten Tweet. Weshalb ich ihn nach einer Weile wieder löschte. Und nun hier sitze und immer noch mit keiner Meinung dienen kann.

 

esther slevogtEsther Slevogt ist Redakteurin und Mitgründerin von nachtkritik.de. In ihrer Kolumne Aus dem bürgerlichen Heldenleben untersucht sie: Was ist eigentlich mit der bürgerlichen Öffentlichkeit und ihren Repräsentationspraktiken passiert?


Zuletzt schrieb Esther Slevogt in ihrer Kolumne Aus dem bürgerlichen Heldenleben über das Anspruchsgehabe des Theaters in apokalyptischen Verhältnissen.

 

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Kommentare

Kommentare  
#1 Kolumne Meinungstsunami: schönes AbbildMirjam Neidhart 2015-10-20 09:40
Danke für diesen Text! Finger rauf, Finger runter - es bringt uns nicht weiter. Auch differenzierte Meinungen sind oft nur Verurteilungen. Secondhand-Identitäten. Die Errungenschaft unserer Zeit: die Vielperspektivität. Sie ist das Prinzip des Theaters.
Meinung ist eine statisches Abbild einer Perspektive.
Lassen wir die Betenden in der Paulskirche als Bild der Solidarität gelten. Setzen wir andere Bilder dazu - mutig trotz der Flut der vielen Meinungen und Fingern die nach oben und nach unten zeigen. Weniger Urteilen/ Meinen, mehr Handeln/ Ver-Suchen.
#2 Kolumne Meinungstsunami: preiswürdigisdochegal 2015-10-20 10:11
Schade, dass der Preis für einen herausragenden nk-Beitrag erst kürzlich schon vergeben wurde - er wäre auch bei diesem kurzen Beitrag sehr gut aufgehoben gewesen. Danke - liebe Esther Slevogt.
#3 Meinungstsunami: teile das UnbehagenTrepko 2015-10-20 13:37
Teile das Unbehagen. Schön auf den Punkt gebracht!
#5 Meinungstsunami: Warum alles rauszwitschern?Austwittern 2015-10-20 15:51
Eigentlich ist das Meinunghaben doch ganz normal. Auch das Schwanken, das Prüfen und Hinterfragen, das Beharren auf der eigenen Meinung, das Mühen um die Vergewisserung, ist es auch MEINE usw. Ist das nicht menschlich? Und auch der Wunsch, die eigene Meinung im Gespräch, im Widerspruch, in der Bestätigung der eigenen Meinungs-Unruhe aufgehoben zu wissen. Ist der nicht zutiefst menschlich? - Esther Slevogt schreibt bezeichnenderweise - ist der Begriff von ihr gefunden?, vom Meinungs-Tsunami, der unsere Welt verschlingt, unsere Alltagswahrnehmung unter sich begräbt... Vielleicht ist es gar nicht das Problem, Unbehagen, oder auch Gefallen, zu haben und dies als Meinung zu äußern. Vielleicht ist das Problem, dass wir sie durch die neuen technischen Möglichkeiten jederzeit nach überall hin kundtun können. Unsere Meinung. Wer oder was zwingt uns, immer in jedem Rahmen damit herauszuplatzen, sie herauszuzwitschern oder zum Liken bereitzustellen? Entmündigen wir uns dadurch nicht selbst? Vervielfacht das nicht nur die Scham- und Schuldgefühle beim Meinen? Ich tausche mich doch so über mein Unbehagen, oder auch mein Gefallen, nicht mit einem Partner, Freund, der Familie, Nächsten aus - sondern zerteile sie als Mitteilungen, die Gefühle nur noch in der Metaebene beherbergen, in eine wertfreie Informationsmasse mit Themenschnittmengen... Warum tue ich das??? Warum tut Frau Slevogt das?
#6 Meinungstsunami: warum Tabu?Meinunghaben 2015-10-20 17:29
Meinunghaben ersetzt eben doch oft informiertsein.die Menschen wurden doch nicht gezwungen zu beten warum muss man denn dazu jetzt was meinen .zumal es dabei ja nicht bleibt es wird gewertet und zwar ab .und über dem Urteil dann so schnell vergessen was dieser Kluge sehr genau informierte und aus teils persönlicher Anschauung berichtende zu sagen hatte. Müsst ihr denn wirklich beim Anblick betender in schockstarre Panik verfallen- wer ist denn hier gerade dogmatisch und erklärt bestimmte Handlungen zum quasi religiösen tabu(denn atheismus ist ja unser glaubenssystem)
#7 Meinungstsunami: Öffnet EuchOliver Heldt 2015-10-20 18:17
Warum denn Unbehagen? Es fehlt die Weltoffenheit in Deutschland. Der Deutsche meint oft, zu wissen wie die Welt funktionieren soll .... sie funktioniert aber oftmals auf ganz anderen Wegen und nicht ALLES muss immer erklaert und interpretiert werden. Oeffnet Euch - lasst Euch auf etwas neues ein. Hinterfragt nicht immer alles!
#8 Meinungstsunami:die Peitsche des Gebetsmartin baucks 2015-10-20 18:50
Womöglich militärisch? Ja! - Navid Kermani hat zum Krieg aufgerufen. Und nicht nur das. Er hat den Feind schon genau in sein Auge gefasst:

„Eine Organisation wie der „Islamische Staat“ mit hochgerechnet 30.000 Kämpfern ist für die Weltgemeinschaft nicht unbesiegbar – sie darf es nicht sein.“

Sagt er. Schande über ihn. Da, wo andere mit Reitstiefeln und Peitsche rein stiefeln, kommt er auf leisen und grausamen Sohlen daher und betet „uns“ in den Krieg hinein, an einem Ort, wo es als demokratische Todsünde gelten darf, überhaupt zu beten.

Kermani nennt den Feind, rechnet seine Truppenstärke hoch und verbietet „uns“ diesen Feind für unbesiegbar zu halten. Danach einigt er alle im Gebet, auch die Ungläubigen. Ihre Wünsche ordnet er seinem Gebet unter, in dem er rhetorisch fragt: Wünsche seien doch nichts anderes als Gebete oder umgekehrt.

Aber meine Wünsche und Hoffnungen sind keine Gebete Navid Kermani. Und ich habe ein recht darauf in einem säkularen Staat von solchen Eingemeindungen verschont zu bleiben, vor allem an dem historischen Ort Paulskirche. Kurz und gut, ich wäre sitzen geblieben.

Diese Peitsche des Gebets durch mein Hirn brauche ich nicht, diesen Hieb, Dinge zu sagen, in dem man sie nicht offen sagt, um sie im Nachhinein zu fordern.

Jemand, der aber auf diese Weise direkt indirekt zum Krieg aufruft, sollte seinen Friedenspreis auf der Stelle zurück geben. Ich bin glücklich, dass die BRD, dank Schröder nicht an dem letzten Irak Krieg teilgenommen hat und somit keine direkte Verantwortung für die Destabilisierung dieser Region trägt. Und ich bin glücklich darüber, dass die BRD so viele Flüchtlinge aufnimmt. Unglücklich werde ich, wenn Kermani in einem Moment zur Intervention auffordert, in dem die russische Arme sich in Syrien engagiert. Wer derart scheinheilig zündelt, muss sich um die Welt fürchten und weniger um seinen Glauben, denn er bepulvert durch eine Dankrede zu einem Friedenspreis einen Konflikt, in die er die gesamte Weltgemeinschaft hineinbeten möchte und ignoriert dabei Möglichkeiten zur Begrenzung des Konflikts.

Es sprach eben ein gläubiger Islamwissenschaftler und nicht ein Militärstratege oder Diplomat, einer, der Pater befreit sehen will und asketische Diener Gottes verehrt, neue Ikonen wie Bonhoefffer kreieren möchte. Aber dafür zieht man nicht in den Krieg. Und das man einem solchen religiösen Sog nicht erliegt, dafür sorgt unsere säkulare Demokratie. Die poetische Schönheit der Sprache des Korans bleibt wegen ihr hier in Deutschland unberührt.

Ihr sei Dank und nicht Navid Kermani.
#9 Meinungstsunami: auf den PunktZadig Feylmann 2015-10-20 19:38
(Nein, atheismus ist nicht unser glaubenssystem. Dies ist ein durch und durch protestantisches land, mit katholischen Enklaven, in dem zu jeder Gelegenheit gebetet wird. Die Trennung zwischen Kirche und Staat ist mitnichten vollständig vollzogen, im Vergleich zum Beispiel zu Ländern, wie Frankreich.)

Frau Slevogt, Sie haben Ihre Bedenken und die Bedenken über Ihre Bedenken sehr schön auf den Punkt gebracht - ob Sie es voller Ironie geschrieben haben, oder nicht. Die Qualität dieses Landes, ist jedes und alles zu Bedenken, und zu Verharren.
#10 Meinungstsunami: bitte als PflichtlektüreMaillard 2015-10-20 21:54
herr baucks,
pardon, aber sind sie noch bei sinnen? irgendwohin konvertiert? haben sie nicht zugehört?
"...die russische Armee sich in Syrien engagiert...", für wen denn?
kermani bringt das drama des sich selbst immer weiter verratenden islams auf erschütternde weise auf einen punkt, bei dem es um die vernichtung von kultur in geistigem, materiellem und sozialem sinne sowie um den schmerzlichen verlust von (auch religiöser) aufgehobenheit geht, und nicht um die liquidierung von 30.000 „heiligen“ kriegern, die eine weltgemeinschaft eigentlich brettspielgleich schon längst hätte erledigen können…
die rede von navid kermani bitte als pflichtlektüre an die universitäten von rabat algier tunis tripolis kairo ankara damaskus amman beirut bagdad kuweit baku riad doha sanaa ashgabat dushanbe taschkent bishkek astana islamabad kabul dhaka jakarta bamako khartoum etc…!
und im wesentlichen geht es ja auch um toleranz: also bitte bleiben sie gerne sitzen!
#11 Meinungstsunami: Sitzenbleiber erwünschtmartin baucks 2015-10-20 22:45
Maillard,

30000zig tausend hätte man also schon längst eigentlich erledigen können?!

Kämen dazu noch die 80000zig tausend Beamten aus dem ehemaligen Irak, die mittlerweile für Isis arbeiten. Wollen sie auch noch die gesamten syrischen Streitkräfte drauflegen. Und noch all die, die sich "engagieren".

Wen könnten wir denn noch alles erledigen?!

Obama hat die amerikanischen Kriege der letzten Jahrzehnte zurecht als gescheitert erklärt. Und auch die Alliierten konnten das Massensterben nicht verhindern, sondern nur beenden. Dass sie dabei keinen neuen Flächenbrand auslösten, erscheint einem heute wie ein Wunder.

Natürlich bin ich bei Sinnen. Vielleicht sind sie ja verrückt, denn es gibt in einer säkularen Demokratie keine Pflichlektüre. Alles beruht auf Freiwilligkeit.

Und wenn es Kermani um Toleranz gegangen wäre, dann hätte er verstanden, dass er nicht in einer Kirche stand. Das er nicht das Recht hatte alle zum Gebet aufzufordern. Dann hätte er sich gewünscht, dass mehr Menschen sitzen geblieben wären.

Morgen dann mehr. Denn diese Art Beschimpfungen werden ja weiter gehen, befeuert von dem sanftem Größenwahn eines Kermani.

Navid: Gib deinen Preis zurück!
#12 Meinungstsunami: bitte ganze Rede lesenN.N. 2015-10-21 00:34
Frau Slevogt hat Unbehagen,
und Herr Baucks (...) spitzt weiter zu:
"Die Peitsche des Gebets". Wie sehr ungefestigt muss einer in seinem Säkularismus sein, um diesen sanften Apell eines "verwestlichten Muslims" (so nennt er sich selber) wie Kermani als Peitsche zu bezeichnen. Wer bei der Rede in der Paulskirche dabei war, weiß, was für einen atmosphärischen Stuss diese Verkürzungen und Dumbo-Reflexe hier sind.
Natürlich darf Herr Baucks trotzig sitzen bleiben, wenn ein Weltenkenner wie Kermani betet. Und Esther Slevogt darf tweeten bevor sie die Zusammenhäge kennt - oder auch nur ein Wort der Rede.

Aber wenn selbst Theaterleute auf ihre Verkürzungen und eingerosteten Paulskirchenreflexe stolz sind, dann ist jemand verloren, der so komplex und gleichzeitig so offen ist wie Kermani. War Martin Baucks nicht mal Autor und also darauf angewiesen, dass man seine Texte als ganzes nimmt und nicht die extremsten fünf Worte eines Textes als Anlass nimmt sich zu empören?Machen das nicht schon Bild, Welt und Markus Söder? Bei einer Rede, die gerade Vielschichtigkeit, Deutung, Interpretierbarkeit von Texten verteidigt, also alles, wovon die Kunst lebt? Und könnten Leute wie Herr Baucks bitte den ganzen Text der Rede lesen, bevor sie ihre Methaphern von der Leine lassen - ein Text, in dem nicht ein Friedenspreisträger zur militärischen Intervention aufruft, sondern sich fragt, was zu tun ist in der verzweifelten Lage in der Syrien steckt? In dem er seine Ratlosigkeit offen ausstellt - ein Begriff, der Leuten wie Baucks ein Fremdwort ist, weil sie immer schon wissen oder meinen bevor sie zuhören, oder gar analysieren.

Hier ist der Link zur Rede, sie ist leider sehr lang, weil sie um ein schwieriges Thema kreist. Und sie lässt sich , zum großen Ärger von dpa Slevogt und Baucks nicht in zwei knackigen Zitaten zusammenfassen - wie alle große Kunst.
www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/819312/
#13 Meinungstsunami: Schwierigkeit des Haltung-FindensRana Salman 2015-10-21 07:30
Ach nein, bitte keine Baucks-Keulen usw. wieder. Hier versucht ein filigraner Text die Schwierigkeiten zu formulieren, bei einer schier überwältigend komplizierten Sache zu einer Haltung zu finden, und dann schlagen wieder die Blindwütigen zu.
#14 Meinungstsunami: wie weit weg?Austwittern 2015-10-21 11:09
Es ist doch eigentlich gar nicht so schwierig. Herr Baucks vergisst, dass er gar nicht nach Aufstehn oder Sitzenbleiben gefragt war. Er war schlicht nicht geladen. Dann ist überlegenswert, dass dies ein Friedenspreis ist, den nicht Verlage, sondern der Deutsche Buchhandel vergibt. Das ist dann ja eher ein auf Umwegen vergebener Absatz-Preis. Dann kann man, wenn man also sich von einem Preis sehr geehrt fühlt und weiß, dass man an einem irgendwie als bedeutend beleumundeten Ort zu einer Dankesrede gebeten ist, sich vor der Rede genauer kundig machen, was denn nun die Bedeutung ausmacht. Dann hat man, wenn man das Bedürfnis hat, das Recht zu beten, wann und wo immer man will und den Rest - also die erwünschte Zeugenschaft, die erwünschte Gebetsgemeinschaft - muss man dann mit seinem obersten Chef ausmachen und sei es ein farbloser Stein oder sonst wer oder was oder ein einen felsenfest überzeugendes Nichts. Es gibt immer einen Stimmungssog, wenn eine Menschenmenge unter einem Motto besprochen wird. Gerade die Deutschen kennen den gut, viele die Heil geschrieen haben, wenn da die schlimmsten Reden gehalten wurden, können es sich bis heute nicht erklären, dass und wie sie mitgetan haben beim "Heilen" der Welt durch Krieg und Massenvernichtung im Rassenwahn... Das Theater bemüht sich mit jeder Inszenierung um jenen inhaltlichen und formal erzeugten Sog, der das mehrheitliche Klatschen, gar Standing Ovations, bestenfalls das Schweigen in gemeinsamer Ergriffenheit erzeugt. Man kann da hingehn, wenn man geladen ist. Oder es lassen. Und nur dann kann man dort aufstehen. Oder sitzenbleiben. Peinlich berührt zuschauen, wie jemand öffentlich betet oder peinlich berührt von sich selbst, als jemand, der diese Situation mit herbeigeführt hat, mit aufstehen. Echt mitbeten oder echt so tun, als würde man mitbeten - peinlich berührt sein davon, wie so eine, aus sehr konkreten Einzelwesen bestehende!, Menschenmenge in ihrer emotionalen An-Rührung peinlich gleichgeschaltet aussieht und reagiert... Wenn man da von außen draufschaut. Oder von sehr weit oben. Oder von sehr weit weg. Die Frage für hier bleibt also schlicht: wie weit weg, wie weit oben oder wie sehr draußen ist Frau Slevogt, ein Autor wie Herr Baucks oder dpa?
#15 Meinungstsunami: Es ging um mediales BildRana Salman 2015-10-21 13:26
Sie Austwitterer: Sie haben leider gar nichts kapiert, aber dozieren hier stundenlang und stur herum. Navid Kermani ging es ja ausdrücklich bei der Aufforderung um die Produktion eines medialen Bildes. Lesen Sie mal die Rede, da steht es nämlich drin. Die geladenen Nahen haben darin wie Statisten funktioniert. Gerade die Fernen waren aber gemeint.
#16 Meinungstsunami: unseriöse Kermani-Argumentationmartin baucks 2015-10-21 15:06
Eine Geste fein auszuführen, wie es Kermani sicher kann, heißt noch lange nicht, dass sich hinter ihr nicht eine fatale Grobheit, ein offener Angriff verbirgt, der dazu führt, dass Andersdenkende und Empfindende in die Rolle der Verteidigung und in die Defensive getrieben werden. Wie man hier sehen kann, ist man sofort aller schlimmsten und vor allem persönlicher Angriffen ausgesetzt. Man ist dann ein sturer Sitzenbleiber mit der Keule in der Hand, der in seinem rostigen Glauben an den Säkularismus nicht genug gefestigt ist, einer der nicht geladen war. Aber eben auch einer auf den Kermani zielte und das nicht ohne Vorsatz.

Kermani begreift Konflikte aus einer religiösen Perspektive. Er ist um einen muslimisch christlichen Dialog bemüht, ähnlich wie unsere Kanzlerin. Er möchte die religiöse Auseinandersetzung um politische Themen wieder in das Zentrum dieser Demokratie setzen. Und dies tut er mit feiner und unnachgiebiger Stimme in der Paulskirche. Das ist für mich ein Gewaltakt an den Grundsätzen einer politische Auseinandersetzung in einer säkularen Demokratie, die immer konfessionslos sein sollte. Ein Gewaltakt, den er noch steigert, in dem er ihn zugleich mit einem Aufruf zur militärischen Intervention in Syrien und dem Irak verbindet, einer Intervention dessen Ausmaß er mit seinen religiösen Auffassungen keinesfalls ermessen kann, und ein Aufruf, der ihm von seiner Kernkompetenz her nicht zusteht. Er verpackt diesen Aufruf in ein kleines Frage und Antwortspiel. Das ist höchst unseriös. Und er deckt diese Unseriösität dann ganz schnell mit einem Gebet zu. Dagegen wende ich mich zu recht. Denn von einer solchen Haltung und Vorgehensweise geht aller größte Gefahr aus. Nicht nur, dass er versucht in einem theatralen, bewegenden Sog den Sinn der Säkularisation auszuhebeln, er verbindet diesen Sog auch noch mit einer indirekten Aufforderung zum Krieg. Er ermisst den Feind als besiegbar, wohl wissend, dass genau der von ihm zitierte Einbruch der Moderene in dem Islam: „Die Moderne wurde nicht mit Freiheit, sondern mit Ausbeutung und Despotie assoziiert.(Kermani)“ auch heute noch in Afghanistan zu immer wieder erneutem Erstarken der Taliban führt. Über all dort, wo die westlichen Armeen sich zurückziehen, rücken die Taliban fast sofort nach.
#17 Meinungstsunami: Übergriffmartin baucks 2015-10-21 15:07
Er fordert uns auf zu einem Krieg, der Jahrzehnte der Besatzung bedeuten kann, die dann am Ende doch scheitert, wie man an Afghanistan sehen kann. Dagegen wende ich mich, denn ich kann an der Rede nicht erkennen, dass Kermani sich für solch einen Aufruf als kompetent erweist, wohl aber weiß er viel über den Islam, den Sufismus und einiges mehr. Das man Menschen, die anders denken ,empfinden und die ihrem Glauben ebenso anders, nicht öffentlich nachgehen, in der Paulskirche nicht in ein Gebet hinein nötigen sollte, davon versteht er recht wenig, an der Stelle zeigt er sich extrem unempfindlich und das löst mehr als Unbehagen aus, eben dann, wenn man seine Rede tatsächlich mal ganz genau liest.Nach der Lektüre der Rede war mir klar, dass Navid Kermani die Dankrede missbraucht hat, um eine moderne Predigt zu halten, die er in einem überkonfessionellem Gebet enden ließ, das einer Für-Bitte für eine christliche Gemeinde und seine beiden Pater gleich kam, einer Für-Bitte, wie man sie aus christlichen Predigten kennt. Er sieht sich selber als Vorbeter. Das ist in seiner feinen Art ein Angriff auf den säkularen Status dieser Demokratie, den Kermani mit sanfter Gewalt erzeugt.

Solche Angriffe auf die Säkularisation lehne ich ab und sie sind verachtenswert, denn erst die Säkularisation erlaubt es mir mich in der Öffentlichkeit zu keinem Glauben bekennen zu müssen.

Einen solchen Schlag ins Gesicht einer säkularen Demokratie auch noch an einem Ort zu zelebrieren, der mal eine Kirche war, und nun eine ganz andere Aufgabe hat, ihn also öffentlich rückzuführen in das Sakrale, ist mehr als ein Übergriff. Es ist die gewollte und absichtliche Bloßstellung aller, die sich so wie ich, nicht zu einem öffentlichen Gebet bekennen, oder aber Atheisten, Agnostiker oder sonst wie gelagert sind. Für mich persönlich ist es wichtig, dass mein Glauben durch die Säkularisation geschützt ist und bleibt.
#18 Meinungstsunami: Gebete sind mehr als WünscheAustwittern 2015-10-21 15:35
"Sie Salman, Sie": Ja, ausgedruckt und gelesen. JA! Sehr, sehr beeindruckend. Die große Kunst des Berichtes, der nicht unberührt lässt. Der das Lieben zeigt und die Feindschaft gegen das Liebende. Und es ist eine zurückgenommene Bitte um Wünschen und Gebet. Und Wünsche unterscheiden sich durch Gebete darin, dass Wünsche gute oder weniger gute sein können. Gebete hingegen können wünschen oder auch einfach nur danken. Dann sind sie nur der verzweifelt formulierte eine Wunsch, jemand oder etwas, das weniger fehlbar als der Mensch ist, würde Kenntnis nehmen können von einer existentiellen Ergriffenheit vom Leben als Chance, sich durch den Tod zu winden aus dem ein auf sich zurückgeworfener Mensch kam und in den er gehen wird... Insofern sind Gebete mehr als Wünsche. Und sie sind keine institutionalisierbaren Bitten, wie es Wünsche mitunter sein können... Ich verstehe die Aufforderung, den Snuffvideos der IS oder denen, die wir dafür halten, ein mediales Bild der Brüderlichkeit entgegensetzen zu wollen. Allein bezweifle ich, dass es bei den Produzenten und Verbreitern dieser Bilder ankommen wird. Es ging - und hier schließt sich vielleicht doch der Twitterer-Kreis - wer möchte es nach dieser Rede bezweifeltn, Kermani nicht in erster Linie um die Produktion eines medialen Bildes von Brüderlichkeit - sondern um Brüderlichkeit. Mit und ohne Bild. Und den nahen? Ging es auch ihnen in erster Linie um Brüderlichkeit? Oder eben eher um das Bild, das sie abgeben konntenwolltendurften? Das bleibt meine Frage, tut mir leid. Wenn Sie das für Dozieren halten müssen -bitte. Stundenlang Austwitterer? - Das ist eine Lüge. Und Sie wissen das.
#19 Meinungstsunami: der schwere Weg zum Geist der Paulskirchemartin baucks 2015-10-22 15:01
Lieber Austwittern,

dass Kermani nicht wirklich weiß, was ein Gebet ist, hat er hinreichend belegt. Dass er es nicht vom menschlichen Wünschen und Hoffen zu unterscheiden vermag, überführt ihn als eine Art kindlichen Laienprediger, der zwar studiert hat, aber lieber dem Glauben der Großmütter folgen möchte, als Gelehrten. Wieso sollte man so jemandem vertrauen? Wieso gerade von ihm annehmen, er hätte einen tieferen Zugang dazu, wie man „Glauben“ versinnlichen kann? Er, der nicht einmal ein Gespür dafür hatte, an welchem Ort er sich befand, dem Ort, den man zu Recht die Wiege der deutschen Demokratie nennt. Ein Ort, der an ein Recht darauf hat von Laienpredigern verschont zu bleiben, und an dem die Säkularisation absoluten Schutz erfahren sollte.

Stattdessen predigt Kermani dort die Liebe zum Islam und zum Koran. Er benutzt dabei den Umweg über die Schilderungen eines Paters Jacques, den er für sich vereinnahmt, obwohl er ihn nur eine halbe Stunde interviewt hat. Er instrumentalisiert diesen bedauernswerten Menschen für seine persönliche, mangelnde Ich-Stärke. Es sei ihm verboten seine Liebe zum Islam offen zu leben. Von wem? Verbietet es ihm sein Anstand? Nein, hier in Deutschland darf Kermani offen über seine Liebe zum Koran sprechen, in welcher Form auch immer. Niemand verbietet ihm hier im Koran eine Rezitation oder auch eine Partitur von höchster Poesie zu erkennen. Und dafür gibt es Gründe. Sie liegen in der Beschaffenheit unserer Demokratie. Und Kermani weiß das, als ihr Nutznießer.

Stattdessen macht er sich andere für seine Sichtweisen verfügbar, weil er zu feige ist offen selber für seinen Glauben einzustehen. Eine solche Offenheit fürchtet er, weil sie ihm schaden könnte.

Und doch wähnt er sich in der Gewissheit Gott in seinem Willen zu erkennen: „Seinetwegen waren die Entführten schließlich in Qaryatein geblieben, statt wie so viele andere Christen aus Syrien zu fliehen. Pater Jacques wird denken, dass er Schuld auf sich geladen hat. Aber Gott, das weiß ich, Gott wird anders über ihn urteilen.“

Kermani weiß, wie Gott über seinen Schützling Pater Jacques urteilen wird. Er hat den direkten Kontakt und so einer darf sich natürlich über alles hinwegsetzen, auch über die Wiege der deutschen Demokratie. Er muss ihre weltlichen Regeln nicht mehr wirklich respektieren, denn er ist ja voller Liebe, ebenso wie der Pater, den er verehrt und den er in die Nähe von Heiligen rückt. Kermani nimmt sich, genauso wie er, den hiesigen Christen an und betet mit ihnen gemeinsam die Säkularisation weg, alles aus Liebe. Was für ein Scharlatan.

Näher mein Gott zu dir, hätte er wahrscheinlich am liebsten ausgerufen. Aber das durfte er auch nicht. Wenn man ihn nur lassen würde. Er würde die Probleme des Islam lösen, in dem er ihn wieder zurückführen würde auf den wahren Pfad der Tradition. Das der Islam durch das Feuer der Aufklärung müsse, wäre viel zu einfach. Zu einfach?! Das ist der schwere Weg hin zu einem Geist der Paulskirche, wie wir ihn heute kennen.
#20 Meinungstsunami: Zaubermittel Säkularisierungmartin baucks 2015-10-22 15:02
Die Inquisition war eine direkte Folge der katholischen Kirche und sie musste sich dafür verantworten. Aus dieser Verantwortung entwickelte sich die Reformation. Und diese wiederum führte letztendlich zur Demokratie, verkürzt gesagt. Nichts steht dringender für den Islam an, als seine Reformation.

Die jetzigen Schweinetaten, wie Kermani es nennt, sind eine direkte folge des Islam und niemand anderes wird sich am Ende dafür verantworten müssen als die Gemeinschaft der Muslime, trotz aller möglichen Liebe, die auch aus ihr erwachsen kann und könnte. Diese historische Phase des Islam wird der muslimische Glaube nicht unbeschadet überleben. Wenn er sich danach nicht reformiert, ist er dem Untergang geweiht, darauf verwies schon der arabische Frühling.

Und das Zaubermittel für diese Reformation heißt Säkularisation, die Trennung von Staat und Kirche oder Religion. So was darf auch ein Kermani in der Paulskirche sagen, denn sie wäre der richtige Ort, um solche Empfehlungen auszusprechen. Stattdessen verführt er seine Zuhörer spitzfindig zum Gebet.

„Ein Friedenspreisträger soll nicht zum Krieg aufrufen. Doch darf er zum Gebet aufrufen.“ Und zwischen den beiden Sätzen hörte, wer wollte, wie sehr Kermani bedauerte, wie sehr es ihn schmerzte, das er jetzt als Preisträger nicht mehr zum Krieg aufrufen darf. Das einzige „Ja“, dass in seinem Text auftaucht, ist ein Bekenntnis zur militärischen Intervention, ein Bekenntnis zur Gewalt. Dieses „Ja“ sollte allen zu denken geben, die mit Kermani beteten. Aber jemanden, der nicht einmal weiß, was ein Gebet von menschlichen Wünschen unterscheidet, dem vertraue ich auch nicht in seiner Einschätzung, dass der Islam nur zu reformieren sei, in dem man zu seiner ursprünglichen Tradition zurückkehrt.

In der BRD weiß man, dass dieser schmerzhafte Weg der Reformation nur über die Demokratie und die Säkularisation führt, und erst danach würde ich darauf vertrauen wollen, dass der Koran seine volle poetische Wirkungskraft entfalten kann.

Abschließend muss man sagen, es gibt keine Mauer der Apathie im Westen. Es gibt nur eine tiefere Einsicht in die wahrscheinliche Vergeblichkeit in diesen Konflikt lösend einzugreifen. Man kann den Konflikt begleiten, man kann Prozesse versuchen von Außen an zuschieben. Man kann Flüchtling aufnehmen. Militärische Option gibt es so gut wie keine.
#21 Meinungstsunami: ApathieErnst Reinhardt 2015-10-22 15:59
"Abschließend muss man sagen, es gibt keine Mauer der Apathie im Westen. Es gibt nur eine tiefere Einsicht in die wahrscheinliche Vergeblichkeit in diesen Konflikt lösend einzugreifen. Man kann den Konflikt begleiten, man kann Prozesse versuchen von Außen an zuschieben. Man kann Flüchtling aufnehmen. Militärische Option gibt es so gut wie keine."

Der IS hat angekündigt, im Jahr 2020 vor Madrid zu stehen. Er hat auch angekündigt, die Destabilisierung Europas durch von ihm vertriebene Flüchtlingsmassen einzuleiten. Soweit die (vorläufige, zeitlich vielleicht etwas knapp kalkulierte) Planung des IS.

Mit Ihrer Haltung einer westlichen tiefen "Einsicht in die wahrscheinliche Vergeblichkeit, in diesen Konflikt lösend einzugreifen", erklären Sie also, daß Europa keinerlei Mittel hat, sich gegen die angekündigte Landnahme des IS zur Wehr zu setzen. Es gibt keine Möglichkeit, den IS zu bekämpfen, es gibt also keine Lösung, es gibt nur den unabänderlichen Gang der Dinge, die wir gar nicht beeinflussen können. Der Vormarsch des IS ist demnach unabänderliches Schicksal, dem wir alternativlos ausgeliefert sind. Es ist folglich nur eine Frage der Zeit bis zum europäischen Zusammenbruch. Tun können wir eh nix, denn militärische Optionen gibt es eigentlich nicht, es wäre ein Bekenntnis zur Gewalt, und Gewaltmittel sind von vorneherein aus ethischen Gründen ausgeschlossen und geächtet und sowieso sinnlos. Wir können also nur den IS einfach machen lassen und abwarten, bis der Hammer fällt.

Wenn das keine fatalistische, sich selbst aufgebende "Apathie des Westens" ist, dann weiß ich nicht, was das sonst sein soll.
#22 Meinungstsunami: bitte keinen Unfugmartin baucks 2015-10-22 16:42
Reden sie doch keinen Unfug, bei jedem Angriff würde Europa sich verteidigen, sie Apolyptiker. Herr Reihnhardt, wir reden hier nicht über Landnahme in Europa.
#23 Meinungstsunami: kein Zacken brichtStefan Bock 2015-10-22 17:43
Herr Baucks, was wäre, wenn der IS direkt die Türkei angriffe? Auch wenn die Türkei nicht zur EU gehört, so gehört sie doch zur NATO, indirekt also auch zum Westen und Europa. Hier würde der Bündnisfall greifen. Ich will damit nur sagen, Europa und Deutschland muss sich Gedanken zu einem militärischen Eingreifen machen, oder, und nichts anderes meint Kermani, mehr diplomatisch auf die Region einwirken. Leider ist Außenminister Steinmeier gerade mit seiner Mission bei den Saudis abgeblitzt. Was machen die USA? Im Moment nicht viel. Was die Russen machen, wissen wir. Was gedenken Sie zu tun? Eine Koalition der Vernünftigen schmieden? Wo wollen Sie die hernehmen? Ihre Diskussion verheddert sich zusehends in einem apodiktischen Beharren auf dem säkularen Staat als Voraussetzung für Frieden und Demokratie. Nicht dass das nicht auch mein Traum wäre. Aber wo leben Sie denn? Solange Kreuze in Bayern hängen und der Bundestag auf Gott schwört, wird auch niemand etwas gegen ein Gebet in der Paulskirche einwenden können. Außerdem bricht mir dabei nicht wirklich ein Zacken aus der demokratischen Krone, einmal in der Paulskirche aufzustehen, als mich zu Bekifft Pirincci auf den Theaterplatz in Dresden zu stellen und mir islamophobe KatZett-Lyrik anzuhören. Der neue Rausch der Säkularisierung dumpfer Massen. Die Auswüchse von verordneter Säkularisierung kennen wir aus der Geschichte. Außerdem hilft dieser Streit den Menschen in Syrien und dem Irak im Moment nicht wirklich weiter. Ich bin für jeden Vorschlag dankbar. Aber wie Sie Navid Kermani verkennen, grenzt schon an säkularen Wahn. Sicher ist er, was seine Vorstellung von Religion (Sufismus) betrifft, ganz in der Nähe des elitären Kulturvolkgeschwafels von Botho Strauß, aber wer sagt denn, dass sich aus den alten Quellen, nicht doch eine Reformation des Islams entwickeln könnte. Kermani wiederholt in seiner Rede, das ist richtig, seine Forderungen von vor einem Jahr in der Berliner Zeitung: „Das Spiel muss aufhören: Stoppt den „Islamischen Staat“!“ Wie das zu tun ist, militärisch oder eben, auch das hat er sinngemäß wiederholt, mit einer KSZE, das muss nun der Westen entscheiden. Beten oder predigen, und auch Sie predigen hier lang und breit, wird auf Dauer nicht helfen.
#24 Meinungstsunami: Teil einer Staatsformmartin baucks 2015-10-22 18:31
Lieber Herr Bock,

ich verheddere mich nicht. Ich argumentiere klar und nachvollziehbar. Zudem kann man Säkularismus nicht predigen, denn er ist keine Religion, sondern ein Teil einer Staatsform.

„Was wäre wenn...“, so beginnen alle Sätze, die spekulieren wollen. Ich halte es da mehr mit dem amerikanischen Außenminister, der auch heute wieder in Anwesenheit von Steinmeier betonte, es
gäbe keine militärische Option, man müsse eine politische Lösung finden.

Können sie es kaum abwarten in einen großen Krieg verwickelt zu werden, Herr Bock?!

Zu dem ist das eigentlich Schreckliche, dass Kermani für solche Schreckensszenearien, wie sie Herr Reinhardt beschwört den Teppich auslegt, in dem er sagt: „Nicht, dass es einfache Antworten darauf gäbe, wie eine Millionenstadt wie Mossul befreit werden könnte – aber wir stellen uns nicht einmal ernsthaft die Frage. Eine Organisation wie der „Islamische Staat“ mit hochgerechnet 30.000 Kämpfern ist für die Weltgemeinschaft nicht unbesiegbar – sie darf es nicht sein. „Heute sind sie bei uns“, sagte der katholische Bischof von Mossul, Yohanna Petros Mouche, als er den Westen und die Weltmächte um Hilfe bat, um den IS aus dem Irak zu vertreiben. „Heute sind sie bei uns. Morgen werden sie bei euch sein.“ Ich möchte mir nicht vorstellen, was noch geschehen muss, damit wir dem Bischof von Mossul rechtgeben.“

Wieder bemüht Kermani einen anderen, den katholischen Bischof von Mossul, um seine Meinung auszusprechen. Zu gerne möchte er dem katholischen Würdenträger zustimmen. Aber hierzulande wird Politik nicht von Geistlichen gemacht. Gott sei Dank! Denn ansonsten wären wir schneller in einen Krieg verwickelt, als man „Amen“ in der Kirche sagen kann.

Kermani meint, wir müssten in Syrien doch zu mindestens „unserer Christentum“ verteidigen, unsere Leute. Er verkennt dabei, dass die BRD kein christlicher Staat ist, sondern eine Demokratie, die Religionsfreiheit gewährt. Kermani hat grundsätzliche Dinge nichtwirklich begriffen, und deshalb muss man ihn scharf kritisieren.

Ob ihnen dabei ein Zacken aus der Krone bricht oder nicht, ist unerheblich, denn es geht nicht um ihr Krönchen oder was auch immer. Es geht darum Religion und Staat strikt zu trennen. Und es geht darum einer kritischen "Gemeinde" nicht fahrlässig Gebete aufzuzwingen, die in ihrer Stummheit alles bedeuten könnten. Denn in der Tat, erst bei ganz genauer Lektüre versteht man hinter wem alles Kermani seine religiösen und militärischen Absichten verbirgt.
#25 Meinungstsunami: ZitatFrank-Patrick Steckel 2015-10-22 19:09
"...Das vollständige Ausblenden der Verantwortung der USA und ihrer EU-Vasallen für die von US-Seite planvolle Zerstörung des Nahen Ostens, das Fehlen einer differenzierteren Betrachtung des Regimes in Syrien und der Wurzeln des Bürgerkrieges, das Loblied auf die EU als „Modell“ oder gar „Utopie“, obwohl sie tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken ließ, militärisches Vorgehen gegen Flüchtlinge plant, Seit an Seit mit den USA militärisch interveniert(e), die kritiklose Übernahme der offiziellen Legitimationen für die „humnitären Interventionen“ … sind für mich völlig unverständlich und lassen mich ratlos zurück.

Viele Grüße

Elke Schenk
globalcrisis/globalchange News
Vaihingen / Enz
#26 Meinungstsunami: widersprüchlichErnst Reinhardt 2015-10-22 20:46
"Reden sie doch keinen Unfug, bei jedem Angriff würde Europa sich verteidigen, sie Apolyptiker."

Sind Sie sicher, daß Europa sich verteidigen würde? Oder könnte? Oder wollte? Das würde doch Kriegführen heißen, lieber Herr Baucks - und Krieg ist ja moralisch nicht vertretbar, ist ethisch geächtet und verwerflich und nutzt sowieso nichts, wie Sie nicht müde werden, mit Abscheu und Empörung zu verkünden:

"Womöglich militärisch? Ja! - Navid Kermani hat zum Krieg aufgerufen."

"Er fordert uns auf zu einem Krieg, der Jahrzehnte der Besatzung bedeuten kann, die dann am Ende doch scheitert, wie man an Afghanistan sehen kann. Dagegen wende ich mich "

"... wie sehr Kermani bedauerte, wie sehr es ihn schmerzte, das er jetzt als Preisträger nicht mehr zum Krieg aufrufen darf.... Bekenntnis zur militärischen Intervention, ein Bekenntnis zur Gewalt..."

"Militärische Option gibt es so gut wie keine."

"Ein Gewaltakt, den er noch steigert, in dem er ihn zugleich mit einem Aufruf zur militärischen Intervention in Syrien und dem Irak verbindet, einer Intervention"

"Schande über ihn. Da, wo andere mit Reitstiefeln und Peitsche rein stiefeln, kommt er auf leisen und grausamen Sohlen daher und betet „uns“ in den Krieg hinein"

"Jemand, der aber auf diese Weise direkt indirekt zum Krieg aufruft, sollte seinen Friedenspreis auf der Stelle zurück geben." usw.

Kermani hat vor allen Dingen darauf hingewiesen, daß jetzt bereits KRIEG IST, auch wenn wir so tun, als ginge uns das nichts an. Sie kennen den Spruch: "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin - dann kommt der Krieg zu euch." Aber, Krieg führen, das geht gar nicht, sagten Sie ja dauernd. Und jetzt sagen Sie plötzlich, Europa würde sich kriegerisch verteidigen? Geht das denn ethisch? Und HAT Europa denn überhaupt was zu verteidigen?

"Herr Reihnhardt, wir reden hier nicht über Landnahme in Europa."

Sind Sie sicher? Die Landnahme des Islamischen Staates in Syrien und Irak scheint Sie nicht zu bedrücken, obwohl IS sich bereits in unserer nächste Nachbarschaft am Mittelmeer breitmacht. Und die Flüchtlinge fliehen übrigens nicht nur vor Assad, sondern auch vor dem Islamischen Staat. Dagegen kann man überhaupt nichts machen, sagen Sie dauernd: Man muß also den Islamischen Staat einfach machen lassen, heißt das - aber warum könnte man denn plötzlich doch was machen, wenn der IS wie angekündigt auf Europa übergreifen würde, wie Sie jetzt sagen? Also doch Krieg führen? - aber genau dafür verdammen Sie ja Kermanis Hinweise.

Ihre Kommentare sind etwas widersprüchlich.
#27 Meinungstsunami: kein HasspredigerStefan Bock 2015-10-22 21:55
Nein Baucks, Sie schlagen blind drauf, Ihnen geht jegliches Gefühl für Differenzierung, Interpretation und die Gabe der Ironie ab. Ich meinte übrigens auch Ihre Krone. Kirche und Staat sind in Deutschland nicht strikt getrennt, es bestehen hier Staatsverträge. Beten ist demnach auch keine Privatangelegenheit. Sie finden Kapellen oder muslimische Gebetsräume auch in öffentlichen Gebäuden, zum Beispiel Universitäten. Der Staat hat sich aus weltanschaulichen Dingen herauszuhalten und muss Möglichkeiten der religiösen Ausübung sogar gewährleisten. Man sollte sich also nicht wundern, wenn sich Kermani als gläubiger Moslem das Recht herausnimmt, in der Paulskirche zu beten. Dabei ist er aber kein Hassprediger oder Kriegstreiber, wie Sie es sehen. Lesen Sie seine Bücher, da könnten Sie noch etwas lernen über Spiritualität und echte Kontemplation. Gehen Sie also in sich, fangen Sie an nachzudenken. Übrigens bin ich Atheist wie Sie, aber das spielt in diesem Fall keinerlei Rolle. Und tun sie nicht so, als würde Obama tatsächlich nicht an militärische Optionen in Syrien denken. Die werden letztendlich nicht in der Paulskirche entschieden, Demokratie hin oder her. Obama wird nicht in Deutschland um Erlaubnis fragen.
#28 Meinungstsunami: Bild provoziertSCHADE 2015-10-22 22:37
Herr Bock, was Stammleser hier schon wissen: auf nachtkritik hat immer Herr Baucks das letzte Wort.

Hat Herr Kermani eines der letzten deutschen Tabus zu Fall gebracht? Durch seine Aufforderung zum Gebet hat er ein Bild provoziert, das deutsche Intellektuelle öffentlich beim Beten zeigt?
#29 Meinungstsunami: 100 Jahre zu spätBescheiden 2015-10-23 00:38
Der Herr Baucks erklärt nicht nur uns und der Politik wo wir uns gefälligst rauszuhalten haben , er erklärt auch den Muslimen was das Problem mit ihrer Religion ist und das sie diese sofort reformieren und sekulatisieren sollen.es ist ihrer allumfassenden Bildung offenbar völlig entgangen das die Türkei Anfang letzten Jahrhunderts von Kemal Atatürk zu einem sekundären muslimischen Staat umgestaltet wurde . Ihr Hinweis kommt demnach hundert Jahre zu spät.was ihnen auch völlig abgeht ist eine Ahnung davon wie unendlich viele Spielarten es gegenwärtig in unterschiedlichsten Regionen der Welt gibt . Ich glaube nicht das die Ausprägungen in Indien Usbekistan Marokko Iran oder Bosnien sich Unter den dogmatischen einheitsbrei den Herr Baucks da offenbar sieht zusammenrühren lassen. Diese faschistoiden Ausprägungen der IS und der Taliban sind nachgewiesenermassen durch Geheimdienstoperationen in Irak und in Afghanistan entstanden. Mit dem saudischen Ölgeld von Amerikas liebsten Verbündeten wurden sie hochgepäppelt. Nicht der Islam ist in der Krise sondern Kolonialismus fährt im Nahen Osten gerade seine Ernte ein. Wäre doch schön wenn er die Brut die er gezüchtet hat auch wieder wegräumt!
#30 Meinungstsunami: lebt von Ausblendungenmartin baucks 2015-10-23 20:01
Liebes Bescheiden,

auf welche Stelle in Kermanis Rede beziehen sie sich? Wo geht er auf die Türkei ein?! - Wenn sie wenigstens über die Baath-Partei in Syrien geschrieben hätten, denn die ist ja säkular ausgerichtet, dann hätten sie vielleicht festgestellt, dass es, wenn auch eine ungeliebte, eine vom Ansatz her säkulare Partei ist, die in Syrien verdrängt wird. Dass ihr nun nicht nur eine Opposition gegenüber steht, sondern auch ein „islamischer Staat“ zeigt eines der Hauptmerkmale des Konflikts auf. Grob gesagt stehen sich fast überall, wo dieser Konflikt ausbrach demokratische Kräfte und traditionell oder radikale islamische Gruppen gegenüber. Und in der Region Irak und Syrien scheint die Isis besonders stark zu sein.

Die Türkei stand hier nicht zur Debatte und ich habe mich genau sowenig auf sie bezogen, wie Herr Kermani. Auch halte ich mich nicht für einen Spezialisten in dieser Frage. Ich stelle jedoch fest, das die Rede Kermanis von unendlich vielen Ausblendungen lebt. Dass er eben nicht über den konkreten Konflikt redet, dass er keinen erhellenden Beitrag zur politischen Lage gibt und uns stattdessen in das Schicksal eines christlichen Paters und seiner Gemeinde hineinzieht, über deren Not er uns zwingend darlegen möchte, dass wir nun dort militärisch handeln müssten, schon allein aus christlicher Solidarität. Er orientiert sich dabei ebenso an einem katholischen Geistlichen aus Mossul. Und ich denke, dass diese beiden Meinungen für „uns“ nicht zwingend sind, und schon gar nicht religiöse Solidarität unser Handeln lenken sollte. Kermani sieht die Kernkompetenz bei den Geistlichen, ich sehe sie bei einer demokratischen Politik. Das sind zwei grundsätzlich verschiedene Haltungen.

Und ich glaube auch nicht, dass die Weltpolitik von Patern im stillen Kämmerlein entschieden werden sollte, noch von einem Bischof aus Mossul. Hören wir uns doch nochmal die Meinung von Pater Jaques an: „Bitter stießen ihm die Aufrufe mancher westlicher Politiker auf, gezielt arabische Christen aufzunehmen. Derselbe Westen, der sich nicht um die Millionen Syrer schere, die quer durch alle Konfessionen friedlich für Demokratie und Menschenrechte demonstrierten, derselbe Westen, der den Irak zugrunde gerichtet und Assad sein Giftgas geliefert habe, derselbe Westen, der mit Saudi-Arabien im Bunde stehe und damit dem Hauptsponsor des Dschihadismus – dieser gleiche Westen sorge sich nun um die arabischen Christen? Da könne er nur lachen, sagte Pater Jacques, ohne eine Miene zu verziehen. Und fuhr mit geschlossenen Augen fort: „Diese Politiker befördern mit ihren unverantwortlichen Äußerungen genau jenen Konfessionalismus, der uns Christen bedroht.“

Da spricht ein ausgewiesener Feind des Westens und auch wenn seine Kritik nicht unbegründet ist, so ist sie doch grob und geht an der Realität vorbei. Dem europäischen Westen, zumindest in Deutschland sind die Millionen Syrer nicht egal, er nimmt sie sogar als Flüchtlinge auf. Erklären sie mir, wieso ich mich nach der Meinung eines solchen Paters ausrichten sollte? Eine Meinung, die ich in Kreuzberg in jeder kleinen Teestube auch hören kann.
#31 Meinungstsunami: worüber man sprechen mussmartin baucks 2015-10-23 20:02
Und warum verflucht nochmal geht Kermani nicht auf die Opposition in Syrien ein? Wieso hält er uns solange mit einem Einzelschicksal auf? Weil er in dem Pater einen Heiligen erkennt, der als Christ seine Liebe den Muslimen widmet. Und er, Kermani möchte es in der Paulskirche ebenso heilig treiben und als westlicher Muslim den hiesigen Christen seine persönliche Liebe durch ein Gebet angedeihen lassen. Kermani eifert Pater Jaques nach. Und das halte ich für ganz großen Budenzauber und nicht für eine erhellende Sicht auf eine hochdramatische und komplizierte politische Lage. Von so jemandem emanzipiert man sich besser auf der Stelle.

Und wie kommen sie denn darauf, mein lieber Bock, ich sei Atheist? Dem ist nicht so. Damit haben sie ebenso wenig recht, wie mit dem Rest. Aber da ist es ja auch klar, dass ihnen beim Mitbeten kein Zacken aus der Krone bricht, wenn sie atheistisch empfinden. Aber was ist den so ein atheistisches Gebet wert? Das ist in der Tat nur eine hohle Geste die man jeder Zeit aufs Parkett legen kann. Und ja, ich würde mir auch für Deutschland eine noch sauberere Trennung von Staat und Kirche und Religion wünschen, und deshalb wende ich mich gegen solche Vermengungen in der Paulskirche.

Und Herr Rheinhardt, sich nicht in Syrien militärisch engagieren zu wollen, heißt weder, dass man ein rührender Pazifist ist, noch dass man keinen Verteidigungskrieg führen möchte. Laden sie bitte ihre Vorurteile woanders ab, nicht bei mir. Und beantworten sie mir bitte eine Frage, was ist eine Dankrede zu einem Friedenspreis wert, die aus religiöser Solidarität zur militärischem Handeln auffordert.

Hier liegt das noch unausgesprochene Kernproblem von Kermani. Er hat uns nicht wirklich etwas zu einem Friedensprozess zusagen und schon gar nichts Innovatives. Er setzt auf ganz alte historische Motive, auf christliche Solidarität, die er um seinen muslimischen Glauben erweitert sehen will. Da liegt seine ganze Schwäche, in der fast alleinigen religiösen Ausrichtung seines Denkens. Und darüber muss man sprechen.
#32 Meinungstsunami: Demut vor echtem WissenThomas W. , Bonn 2015-10-24 09:32
Es ist schon interessant, wie sehr heiß die Diskussion hier läuft, nur, weil ein Friedenspreisträger in einer Rede seine Zuhörer um ein Gebet gebeten hat, während alle , die dabei waren, und bezeugen, was für ein nicht-übergriffiger Moment diese Bitte war (z.B. zuhauf in den Leserbriefspalten der Süddeutschen) hier als „ergriffen“ und also manipuliert gebrandmarkt werden. ( In einem Publikum in dem auch des religiösen Kitsches unverdächtige Personen waren wie Judith Schalansky, Carl Hegemann und Joachim Sartorius) Vor allem interessant ist, wie sich das Vokabular zuspitzt: Wie Z.B. Herr Baucks, offenbar weil ihm viele widersprechen, immer heißer dreht mit Begriffen wie „Scharlatan“ „feige“ „Feind des Westens“ „Angriff auf die Säkulare Tradition“.

Martin Baucks hat, seiner Panik nach zu urteilen, als Einziger die Rede „ganz genau gelesen“ und kommt zu folgendem kühnen Schluss: „dass Kermani nicht wirklich weiß, was ein Gebet ist, hat er hinreichend belegt“ Wodurch genau? Dass er es wagt, in der Paulskirche zu beten?
Welche Halbbildung bricht sich da Bahn? War die Paulskirche überhaupt jemals ein Ort von Kämpfen gegen die Religion? Wer sagt, dass, man in der Paulskirche nicht beten darf? Unsere Verfassungsväter? Keiner der historischen um die Geschichte dieses Ortes Texte deutet darauf hin. Und darf man in Deutschland nicht sogar im Stadion oder im Kaufhaus beten, wenn man das will, also auch in einer desakralisierten Kirche?

Und wer spricht da? Wer ist Martin Baucks, der einem der renommiertesten Islamwissenschaftler Deutschlands abspricht, nicht mal zu wissen, was ein Gebet ist? Ein Theaterautor, der später immer wieder in Soaps einen
Fernsehpfarrer gespielt hat. Hat der wirklich das Recht, einen Wissenschaftler, der in Dutzenden von Publikationen („Der Schrecken Gottes“), Foren, Reden (die Rede auf der Demonstration gegen Kögida in
Köln) Interviews, Wissenschaftskollegien und nicht zuletzt in seinem letzten Buch „Ungläubiges Staunen“ bewiesen hat, wie genau er auch Judentum und Christentum studiert hat? Es darf in Deutschland jeder Heinz
seine Meinung haben, sogar Martin Heinz Baucks – aber ethische Autorität hat er damit noch nicht, auch wenn er verbal noch so hoch rüstet.
Nur weil ein deutscher Orientalist zufällig einen muslimischen Background hat,muß er noch lange nicht anmassend sein. Anmassend sind vielmehr die, die bekritteln, dass er nur„eine halbe Stunde lang“ den Pater im syrischen Felsenkloster interviewt hat. Das ist, aus dem Prenzlauer Berg heraus gesprochen, eine ziemlich bequeme Position.
Demut, bitte. Demut vor echtem Wissen. Oder ist diese Bitte auch schon wieder übergriffig?
#33 Meinungstsunami: Mitscherlichmartin baucks 2015-10-24 10:49
Ich pfeif auf ihre Demut, lieber Thomas W. Aus Bonn. Ich habe den Pfarrer wenigstens nur als Schauspieler gespielt und nicht versucht zu sein, wie Herr Kermani. Und das ein Gebet nicht zu verwechseln ist mit menschlichen Wünschen, kann ihnen wahrscheinlich jeder Theologiestudent im ersten Semester erklären.

Wissen sie, wie oft Kermani den Begriff „Frieden“ in seiner Rede kritisch würdigt oder in den Mund nimmt? Gar nicht. Und dann zählen sie mal, wie oft er von Krieg und Gewalt redet?

„Wir befassen uns nicht nur ungern mit dem Frieden, wir befassen uns noch viel weniger gern mit unserer eigenen Aggressivität. Weil sie uns in den Konflikt mit unserer Moral bringen, scheint uns für unser Selbstverständnis kaum etwas sonst solche Mühe zu bereiten wie die angemessene Einschätzung eigener Aggressionsneigungen.“ sagt Alexander Mitscherlich in seinem Buch „Die Idee des Friedens und die menschliche Aggressivität. Sie wollen über Wissen und Bildung reden. Bitte schön.

Warum Mitscherlich, fragen sie sich vielleicht? Nun, zunächst einmal, weil er 1969 den selben Friedenspreis erhielt. Dann aber auch, weil er etwas zu sagen hat zu dem Begriff „Frieden“, wo Kermani nur kläglich versagt. Denn er kämpft nur mit der eigenen Last, nun Friedenspreisträger zu sein, und auf seine Kernfrage: Darf ein Friedenspreisträger zum Krieg aufrufen? Antwortet er nicht eindeutig mit „Nein.“

Das geht ihm nicht über die Lippen. Kermani redet eben nicht gerne über „Frieden“, er, der offen sagt, nach Paris und Lyon sei es eigentlich schon zu spät, und damit zum Ausdruck bringt, man hätte schon früher militärisch eingreifen müssen. Dem Friedenspreisträger fehlt die angemessene Einschätzung eigener Aggressivität. Er hadert an einem Punkt, wo Mitscherlich denkt und Wissen anhäuft, ein wahrlich würdiger Träger dieses Preises.

Wenn es Kermani so schwer fällt die Bürde dieses Preises zu tragen und er nur noch hoffen und beten kann, statt sich ernsthaft auf eine Debatte über „Frieden“ einzulassen, wenn er sich so sehr die militärische Intervention wünscht, was er offensichtlich tut, dann hätte er den Preis ablehnen sollen und sich stattdessen den kurdischen Kämpfern anschließen sollen, die gegen die Isis kämpfen.

Kennen sie die Thesen über Grausamkeit aus dem selben Buch Herr Thomas W. Aus Bonn. Dort bespricht er das große Problem der Askese und das Weisheit nicht angenommen wird. Wie soll ich mich an Kermani orientieren, der soweit hinter Mitscherlich zurückbleibt und am Beispiel des Paters Jaques Askese und Enthaltsamkeit, ja die Verlangsamung des Pulses predigt? Alles Mittel die Mitscherlich zur Erreichung des Weltfriedens längst widerlegt hat. Lesen sie bitte die wenigen Seiten, die mit dem Satz „Die Grausamkeit war stärker als jede Kultur.“ beginnt.

Es wäre schön, wenn die Redaktion diesen Text hier als Gegenrede posten könnte, denn dann hätten wir endlich eine Diskussionsgrundlage, von einem Denker, der sich auch nicht scheute sich für die Grausamkeit der katholischen Religion geistig zu verantworten. Mitscherlich beschreibt, warum das Bild des Gekreuzigten als Mahnung gegen Gewalt und Grausamkeit scheitern muss. Er erklärt uns, wo Kermani versucht seiner Lust auf Krieg, durch Gebete Herr zu werden, warum die Folterlust so erfinderisch ist, und führt diese Lust auch auf das christliche Symbol des Kreuzes zurück. Er scheut sich nicht.

Kermanis Verhältnis zum Islam ist, im Vergleich zu Mitscherlich so unkritisch, dass er in dem Schatten dieses Analytikers nur ersaufen kann. Er ist einfach nicht in der Lage sich geistig, für die Grausamkeiten, die im Namen des Islams begangen werden, zu verantworten, noch kann er sie auch nur im Ansatz erklären. Mitscherlich ist darin ein Meister.
#34 Meinungstsunami: aus der BauchlageDmut 2015-10-24 11:40
#32: Wenn Sie definieren können, was genau "echtes" Wissen ist und wie genau es sich von "unechtem" Wissen unterscheidet, komm ich aus der demütigen Bauchlage nicht mehr in die Senkrechte, Herr Thomas W. Bonn.
(…)
#35 Meinungstsunami: Offener Brief an Navid KermaniD. Rust 2015-10-24 12:43
Offener Brief an den Preisträger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2015, Navid Kermani

Sehr geehrter Navid Kermani!

Sie haben gerade einen Preis bekommen, der als bedeutsamer gilt. In diesem Land und wer weiß, in welche Länder noch die Kunde von seiner Bedeutsamkeit gelangt ist und sich ausgebreitet hat. Ich gratuliere Ihnen zu dieser Auszeichnung durch den Deutschen Buchhandel, wenngleich ich mit der Bezeichnung „Friedenspreis“ dastehe wie ein Kind, das nichts versteht. Schauend auf dieses Wort und mich fragend, was es bedeuten mag: Wird hier der Frieden gepriesen? Wenn ja, warum für ihn, ein Ding, eine Sache, dann stellvertretend eine Person? Oder: wird ein Preis allein für Friedens-Willen verliehen? Den doch ein Ding nicht haben kann, eine Person aber schon? Und gibt es Preise nicht für Wettbewerbe, die veranstaltet werden? Die der erhält, der ihn gewonnen hat? Gibt es einen Friedens-Wettbewerb? Wenn ja, worum wird in ihm gerungen, gestritten, gekämpft? Um den friedlichsten Frieden? Oder: um den schönsten, besten, am lautesten verkündeten Willen zum Frieden? Wo doch jedes Kind, von Wettbewerb noch nicht wissend, nichts anderes als Frieden will? Einfach Frieden. Nicht den schönsten, den besten, den lautesten, sondern überhaupt: Frieden; den friedlichsten: Spiel. Nicht Kampf...

Ich habe sehr bewegt Ihre bewegende Dankesrede gelesen. Das ist ein Vorteil heute, dass man sehr schnell nachlesen kann, wovon man gehört hat, dass es gehört wurde in einem Kreis, in den man nicht geladen war. Der Buchhandel, gewiss nicht der deutsche allein, weiß gut diesen Vorteil zu nutzen. Denn heute erscheinen Übersetzungen aus den Literaturen der Welt mitunter schneller als ihre Originale. Und können so als Nachricht von Kunst gehandelt werden, bevor die Kunst selbst den Boden der Tatsachen, denen sie entstammt, überhaupt erreicht hat… Das Problem der vorauseilenden Nachricht als Gehorsam vor dem Markt: Noch bevor die Reden gelesen sind, gründlich, nachempfunden, nachbedacht, im Stillen bestätigt oder hier und da ihnen widersprochen ist, liegen sie fix und fertig, nummeriert und ausgepreist in den Auslagen des Handelns…

Noch bevor sie gelesen sind, können die Bilder der Reaktion der geladenen Zeugen gelesen werden, auf einen Blick, und kommentiert. Die Reaktionen machen die Aktionen, denen sie galten, unsichtbar. Die Eile der Bilderverbreitung ist reaktionär: Die Nachricht von der Nachricht, die als Nachricht nie ankommen wird, weil sie auf dem Weg zum Empfänger krepiert ist in der Gier nach Neuem, die sich verharmlosend Neugier heißt, wenn man sie einmal beim Namen nennt…

Ihre Rede hat- wenn man den Medien noch etwas glauben soll oder will, eine Debatte ausgelöst. Insbesondere Ihre abschließende Bitte um augenblickliche Fürbitte und Wünsche für den beeindruckenden Pater Jaques hat eine Debatte ausgelöst. Ihre Bitte um wünschende Anrufung – wohin gewandt immer - für Pater Jaques und jene Mönche und Nonnen um ihn. Und für die syrischen Christen wie Muslime, die diesen beeindruckend liebenden Orden, einst von einem Jesuiten ins Leben gerufen, stützen und von ihm gestützt wurden und werden. Sie, verehrter Navid Kermani, wissen: Debatten sind hierzulande für gewöhnlich der Ersatz für irgendetwas, wenn man, aus irgendwelchen Gründen und/oder in einer bestimmten Weise, nicht handeln will. Was wollen wir genau n i c h t tun, dass wir es durch eine Debatte um Ihre Bitte um Gebet und Wünsche ersetzen??? –

Sie, der diesjährige Preisträger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, haben mir diese Frage geschenkt und dafür danke ich Ihnen. Ich fühlte mich durch Ihren Bericht von der Existenz dieses Ordens sehr bereichert. In der Tat versehen mit Hoffnung. Einer anderen Art von Auszeichnung: versehen mit Hoffnung auf Liebe als Motiv des Handelns. Wenig spektakulär ausgezeichnet. Im Stillen. Spirituell. Nicht religiös. Das ist ein Unterschied. Sie haben überzeugend in Ihrer Rede dargestellt, wie sehr es Religionsanhängern an Spiritualität mangeln kann. Sie haben überzeugend dargelegt, dass in großer Literatur, nein, nicht einfach Literatur, dass in Dichtung, eben in Literatur als Dichtung - da ist ein Unterschied!, so viel Spiritualität enthalten, ja auf ein Werk vereint sein kann, dass es beinahe zwingend sich anbietet, zum Schriften-Kanon einer Religion erklärt zu werden. Sie sprachen dabei neben anderer großartiger Literatur und Dichtung aus dem vom Islam geprägten Raum, vom Koran. Doch ließe von der Bibel, der hebräischen und der später durch das Neue Testament christianisierten, aus den sumerischen, altgriechischen und lateinisierten, zum Kanon zusammengestellten zusammengetragenen Verschriftlichungen und noch später durch Luther reformierten Fassung, ähnliches sagen. Über ihre Literarizität, die nicht wegzudenken ist von ihrer ursprünglichen anbetungswürdigen Musikalität. Von der Sangbarkeit der Psalmeter, die das Metrum schon in ihrem Namen tragen. Von der nachsingbaren Geschichte der Geschlechter, die aufeinander folgten. Eines dem anderen. Eines zerstört für das andere. Und immer im Namen jenes einen Gottes, der, um sich zu beweisen, sich selbst als seinen Sohn geschickt haben soll, um den Menschen zu zeigen, dass auch er zu sterben bereit ist wie ein Mensch. Schwer leidend am Körper jedoch frohen Geistes, als Mensch und Gott, unsterblich zu werden durch den Tod durch Tötung. Und: wie bestritten, wie umstritten ist das bis heute! Das Alte Testament teilen sich Juden und Christen. Auch wenn sie darüber uneins sind, sie müssen sich fügen in diese Teilung des Gemeinsamen. Und tun es. Sich dahinein fügen, dass die Juden die Thora als lebendige Auslegungsgeschichte des Alten bevorzugen. Während die Christen dem Alten neues Altes hinzugefügt haben; den einstigen Kanon der durch Heiligung geheiligten Schriften erweitert. Als eine ebenfalls mögliche, fest-geschriebenere Form der Auslegung anbetungswürdig schöner Texte. Die rituell und/oder intellektuell zur Zeugenschaft berufen werden für vergangene Zeiten mit dem, was in ihnen gefühlt, gedacht, getan wurde seit wir die Schrift, gleich welcher Sprache, kennen… Der Himmel, wenn Sie mich fragen, ist voll von Göttern. Nahezu überfüllt, wenn man alle Götter, die jemals angebetet, angefleht, angerufen wurden von Menschen, zusammennimmt. Für Menschen ist er, wie es scheint, wegen Überfüllung mit Göttern gerade geschlossen. Der Moment dauert…

Die Muslime müssen sich im Moment, gerade jetzt, fragen, wieso Allah es duldet, dass in seinem Namen und unter seinem Zeichen, auch Schrift-Zeichen!, sadistische Morde an Liebenden verübt werden. Wegen der Herstellung abschreckender Kurzfilme über Unmenschlichkeit mit Authentizitätsgarantie, deren weite Verbreitung er wünscht? Wieso er es duldet, dass der „Heilige Krieg“ gepredigt werden kann als ein voller Hass und Brutalität nach außen gewandter. Dem jede Heiligkeit jenes selbstbestimmten, selbstreinigenden Innenweges abgeht, der noch alle Propheten jeder Religion zu Propheten gemacht hat. Auch der Innenweg der Buddhisten begreift sich als Kampf des Gewissens um Tugend und Güte; dem einzigen Krieg, der heilig ist. Vielleicht. Selbst der Zoroastrismus, die alte persische Religion, der die Achaimeniden anhingen, kannte den geistigen Initiationsweg zu Güte und Gerechtigkeit. Und der Krieger war eine niedere Initiationsstufe, die überwunden werden musste auf ihm, dem Weg der Durchgeistigung… Die Christen mussten sich fragen und fragen sich noch immer, gerade hier in Deutschland, weniger schon in Österreich, wieso ihr Gott, der Dreifaltige, dieser aus Jahwes Geist durch Marias Körper als Mensch geborene, es duldet und duldete, dass Abermillionen Menschen als unwert der Liebe zum Töten missbraucht, gefoltert, mit bürokratischer Sorgfalt und technischer Effizienz vergast, wie Müll, als unwerter Rest von unwertem Mensch, verbrannt wurden. Christen wie Muslime müssten sich fragen, einander ihre Götter duldend, wie ihre Götter, sogar in der gemeinschaftlichen Berufung auf sie!, es dulden konnten, dass Tausende und Abertausende von Menschen ziellos auf Wegen geführt wurden, deren Ende der Tod irgendwo auf dem endlosen Dauerfußweg unter ständiger Bedrohung und Bewachung war. Die kein anderes Ziel hatte, als das eine sadistische, die Ziellosigkeit aufrecht zu erhalten, bis der letzte Mensch des zu Fuß getriebenen Zuges vor Schwäche, Hoffnungslosigkeit und an, vielleicht von seinem Gott gebrochenem Herzen gestorben war…

Ihre Rede hat mich tief beeindruckt und doch bleiben, gerade was das Religiöse und den Begriff der Religion betrifft, viele Fragen zurück, die ich Ihnen gern stellen möchte: Denken sie, verehrter Nevad Kermani, wirklich, dass die Liebe zu sich selbst sich so sehr unterscheidet von der Liebe zum Anderen? Ist nicht etwa möglich, dass die „Liebe zum Anderen“ nur ein anderes Wort für Eigennutz ist? Und für Selbstliebe? Und ist die „Selbstliebe“ verschieden von der Liebe überhaupt? Als die eine, die gute und die andere, die schlechte, Liebe? Muss das unterschieden sein, wo das eine ebenso gut das andere sein kann? Wenn es denn schon Liebe ist, was uns als Menschen treibt? Denken Sie wirklich, es gäbe einen „religiösen Faschismus“? Meinen Sie nicht, dass es gefährlich ist, schon sich selbst gegenüber, gewiss noch gefährlicher anderen gegenüber, jetzt, hier und heute Faschismus religiös zu erklären? Darf man das als Intellektueller? Muss man das als Intellektueller? Wenn ja, warum? Weil man vielleicht persönlich nicht leben kann, als Intellektueller, ohne Hoffnung in einer Kulturzeugnis und kulturelles Gedächtnis zerstörenden Welt? In der – welch ein beredtes Beispiel gaben Sie uns! – Apple über Mekka und dem größten Heiligtum einer Weltreligion steht, weil ohne Apple und Co nichts mehr geht… Ist das nicht gefährlich, sich das, diese ökonomischen Wahrheiten in ihrer brutalsten Bildwerdung einerseits auf die Fahnen der Preisreden zu schreiben und sie andererseits heimlich in der Tasche stecken zu haben? Für heute und den gerade ergreifenden Moment der Ergriffenheit von der eigenen Ergriffenheit, in dem wir spüren, dass wir Mensch sein könnten, wenn wir könnten, ausgestellt: Stummschaltung…

Sie haben recht, denn es ist unübersehbar geworden: Es gibt einen Krieg. Aber die Händler, die großen, die sehr großen, wissen von ihm. Ihr Hinweis, so ergreifend belegt durch Beispiel, kommt zu spät. Keine Hoffnung. Keine Hoffnung, dass er hier, in dieser Kirche, die sich weigert Kirche zu sein – aus guten Gründen - seit Jahrzehnten, die richtige Adresse für den Hinweis wäre. Sie haben recht: Solidarität ist vonnöten. Aber es gibt keine Solidarität, die „noch zu unpolitisch“ wäre. Solidarität ist politisch oder sie ist nicht. Wenn Sie welche sehen und wahrnehmen, dann IST das Politisches Handeln. Sie haben recht, die Welt hat sich verändert. Aber wie? - Wir haben nicht mehr nur zwei große Weltmächte mit den USA und der Sowjetunion, also Russland und den ehemals unter den Sowjets zur Union vereinigten Ländern. Wir haben jetzt neben den schwächer und daher auch gegen ehemals Verbündete aggressiver werdenden, Vereinigten Staaten, außerdem Europa als erstarkende Weltmacht. Wir haben das nach wie vor, wenn auch durch die nationale Zersplitterung geschüttelte, starke Russland. Und wir haben China, das sich zur Weltmacht entwickelt hat und eine große Macht auf die anderen Mächte über die Weltfinanzen ausübt. Das zwar mit seinem Selbstbewusstsein hinter seiner eigenen Macht noch nicht hinterherkommen ist. Doch war das gestern und heute schon kann es anders sein… In diesen Stellungskriegen um Macht und Weltvorherrschaft wird Vorderasien aufgerieben. Aber: man kann nicht einen Krieg zum Krieg gegen sich selbst aufrufen. Nicht einmal im Namen der Götter.

Ein Friedenspreisträger- Sie haben recht! – sollte nicht zum Krieg aufrufen. Auch nicht zu einem, der als Kreuzzug dem Gewissen der vermeintlich Nichts-Tuenden schmackhafter und bekömmlicher gemacht wird, weil das Leid in den geflohenen Ländern so groß und der Anblick so schwer aushaltbar ist. Von dem Leid in den Stellungskriegen um Macht in der Zeit, die die unsere ist, weil wir jetzt, hier und heute in ihr leben. Dem von Stellungskriegern verursachten Leid, denen die Religionen nützen, solange ihre Kriege nicht entschieden sind, weil ihre ökonomischen Interessen hinter den Religionen unerkannt bleiben wie Schatten, in denen sich gut kämpfen lässt mit Hinterlist. Dass währenddessen ein Christ, und sei er noch so liebend, sich vom Rest der Christenheit verlassen fühlt, bedarf nicht eines Krieges. Dafür genügt banal ein Kinderwagen an, vermeintlich, falscher Stelle, abgestellt in einem deutschen Treppenhaus… Auch dass die Muslima über das respektlose Fortreißen der Tücher von Frauenköpfen 1936, ausgerechnet vor Schreck ihre Emanzipation und damit die ihrer Gesellschaft verabsäumt haben könnten, weil die Moderne so schnell und nicht zum Eingewöhnen langsam kam, ist kein Problem, dass nur die arabische oder vorderasiatische Welt zu lösen hat. Die Moderne ist schnell. Immer. Das gilt es zu begreifen, mit und ohne Kopfbedeckung. Für Frauen UND für Männer. Durch die Jahrtausende hindurch ist es ein wesentliches Merkmal, dass die jeweilige Moderne schnell ist. Als Persien Weltreich war und Wiege der Moderne, waren die Perser auch schnell. Das ist etwas, das den IS-Kämpfern mitgeteilt werden sollte durch deren geistliche Beistände: dass sie das eigene Gedächtnis davon beseitigen. Von sich. Davon, dass auch sie selbst einmal Teil der Wiege der Moderne waren. Dass sie, mit jedem Kopf, den sie abschlagen, sich einen eigenen abschlagen und es nicht merken. Nicht jetzt. Aber später. Vielleicht sollten sie lernen von ihren geistlichen Beiständen, die sie ja als Lehrer einzig akzeptieren, zunächst Einfaches; Altes neu: Zu grü.en wie ihre Urgro.mütter noch konnten und wie wir hier gelernt haben zu grü.en: Nicht mehr „Heil Hitler“ oder „Heil“ sonst wer, im Wesentlichen nicht mehr „Grüß Gott“ zu sagen, wenn wir einander begegnen. Wir sagen, und wünschen damit, „Guten Tag“. Das aber täglich. Mit und ohne Handreichung dabei. Oft freilich ersetzt durch ein Nicken. Zu oft ersetzt durch geleugnete Sehnsucht nach einem selbstverständlichen Gruß zwischen Fremden, gewiss: Ein tägliches Zuwarten auf Güte im Tagwerk, das getan wird mit Selbstverständlichkeit. Wie viel schöner schien mir als Kind schon der orientalische Gruß, der mir beschrieben war. Der verbunden war immer mit der zugehörigen Geste. Der Friedenswunsch, bei dem der Grü.ende mit der Hand das Herz, den Mund, die Stirn berührt: Ich wünsche Dir den beständigen Frieden, mit meinem Herzen und mit all meinen Gedanken: Mein Mund spricht nichts anderes, als mein Herz beklopft und mein Verstand denkt…

In all dem, was Sie mir in Ihrer Rede als Hoffnung anbieten, sehe ich keine. Keine Hoffnung. Keine Brüderlichkeit. Hatte ich anfänglich eine, so ging sie mir beim Lesen des Gesprochenen, dem Protokoll des Gesagten, verloren: Sie sagten, sie wüssten, dass Gott anders über Pater Jaques urteilen wird als dieser über sich selbst, was die Frage seiner Schuld durch Liebe betrifft. Ich hätte Ihnen alles, alles geglaubt, was Sie sagten, hätten Sie gesagt, sie g l a u b t e n, dass Gott über Pater Jaques und seine Schuld anders urteilen wird, als jener selbst. Sie aber haben gesagt, dass Sie es wüssten. Und das glaube ich Ihnen nicht. Glauben ist Glauben und kein Wissen. Glauben ist Gewissheit. Gewissheit kein Wissen. Da ist ein Unterschied. Hätten Sie gesagt, dass Gott, nach Ihrer persönlichen Überzeugung, gewiss anders über den Islam liebenden Christen urteilen wird, als dieser selbst, der sich in Schuld verstrickt sieht aus Liebe, hätte ich Ihnen Ihren Glauben geglaubt. Wer aber behauptet, er w i s s e, wie Gott urteilt – ganz gleich in welchem Fall – der möchte vor allem, dass man an ihn glaubt. Als Mensch an ihn als Person wie an einen Gott. Dass man ihm ALLES glaubt, was er sagt. Dem ist Gott – gleich welcher – nicht so nah, wie er vorgibt. Und sei er ihm noch so nah …

Ja: sehr geehrter Navid Kermani: Da liegt ein Wort. Nur eines: ein „ichweiß“ gegen „ichbinmirsicher“. Ein einziges aus einer Vielzahl von so klugen Worten und ergreifenden Bildern aus Sätzen. Nur ein einziges Wort. Auf der Goldwaage. Das mag kleinlich sein. Aber Sie sind Schriftsteller! Der Preis, den Sie bekamen, ist einer, der Literatur auszeichnet. In der Literatur als Kunst liegt das Wort auf der Goldwaage. Jedes. Buchhändler, als so beeindruckend guter Schriftsteller werden Sie mir recht geben!, sollten das wissen. Wissen sie es nicht, oder haben sie es, aus Gründen - vielleicht geschockt vom Überfall der Moderne, vorübergehend vergessen, könnten auch sie sehr schnell für zu leicht befunden werden, wenn es um den Frieden in der Welt geht. Um Solidarität. Um Brüderlichkeit. Um Hoffnung.

Eine Hoffnung gibt es. Nur eine. Immer. Zu jeder Zeit. Dessen bin ich gewiss: Es gibt IMMER eine Denkmöglichkeit. Die Gedanken sind frei. Unter allen Umständen. Wirklich allen. Und unter diesem Gedanken wird auch der von Ihnen geliebte Koran, werden die auch von mir als Dichtung geliebten Suren, nicht aufhören können zu blühen. Und wenn sie heute noch so sehr besudelt werden durch jene, die den Glauben von der Spiritualität, die Spiritualität von der Religion, die Religion von der Sprache, die Sprache von ihrer Musik-Geschichte und die Geschichte und die Musik vom Menschen trennen wollen. Um allein zu herrschen in Willkür. Daran glaube ich ganz fest. Wenn Ninive wieder aufgebaut wird und ich da noch leben sollte, dann würde ich Sie gerne dort treffen.

Es grüßt Sie freundlichst mit guten Wünschen für diesen Tag, den Ort, den Sie lieben, die Stunde

D. Rust
#36 Meinungstsunami: Bravoklara 2015-10-24 15:36
@D.Rust: BRAVO!

Ich glaube Zivilisation ist das Emporhangeln des Menschen zur Güte.
Man wird Kriege nie durch Kriege beenden.Auch soll ein wahrer Christ bekanntlich seine Feinde lieben.

@Dmut

Wahres Wissen ist Erkenntnis erleuchtet durch Liebe. Liebe ist eine Frucht der Demut.
Das wäre meine Vermutung.
#37 Meinungstsunami: Güte?Ernst Reinhardt 2015-10-24 17:12
Ich glaube Zivilisation ist das Emporhangeln des Menschen zur Güte.
Man wird Kriege nie durch Kriege beenden.

Wodurch genau wurde doch gleich noch mal der 2. Weltkrieg beendet? Durch Güte?
#38 Meinungstsunami: Kermani ist doch kein Kriegshetzer!Ernst Reinhardt 2015-10-24 22:41
"Dem Friedenspreisträger fehlt die angemessene Einschätzung eigener Aggressivität."

"Wenn es Kermani so schwer fällt die Bürde dieses Preises zu tragen und er nur noch hoffen und beten kann, statt sich ernsthaft auf eine Debatte über „Frieden“ einzulassen, wenn er sich so sehr die militärische Intervention wünscht, was er offensichtlich tut"

"...wo Kermani versucht seiner Lust auf Krieg durch Gebete Herr zu werden..."

"Kermanis Verhältnis zum Islam ist, im Vergleich zu Mitscherlich so unkritisch, dass er in dem Schatten dieses Analytikers nur ersaufen kann. Er ist einfach nicht in der Lage sich geistig, für die Grausamkeiten, die im Namen des Islams begangen werden, zu verantworten..."

Meine Güte, lieber Herr Baucks, Ihr schäumender Haß auf Kermani nimmt ja geradezu manisch-obsessive Formen an. Sie schlagen geradezu berserkerhaft um sich: Zuerst hat er Ihnen zufolge einen Angriff auf die Demokratie gestartet, weil er in der Paulskirche gebetet hat; inzwischen sind Sie schon bei der Tiefenpsychoanalyse und attestieren ihm ungezügelte Aggression und Lust am Krieg, weil er auf die Notwendigkeit hingewiesen hat, gegen eine mörderische islamische Sekte militärisch vorzugehen; und zeihen ihn der Unfähigkeit, "sich geistig für die Grausamkeiten... des Islam... zu verantworten" - was immer das heißen soll. Und jetzt holen Sie auch noch den alten Mitscherlich aus der Schublade, um Kermani seine Unfähigkeit und Willigkeit zum Frieden psychotherapeutisch nachzuweisen - ausgerechnet mit Mitscherlich, dessen Arbeiten inzwischen in die Ablage für nicht mehr relevante, historische Texte einsortiert werden. Mitscherlich, der den Friedenspreis wohl nicht bekommen hätte, wenn damals seine ideologische Nähe zum "Neuen Nationalismus" im Kreis um Ernst Jünger in den 30er Jahren schon bekannt gewesen wäre. Dessen psychotherapeutische Thesen nutzen Sie, um damit Kermani geradezu prototypisch als Modell des kriegsgeilen Friedensunfähigen hinzustellen, der seine Kriegslust kaum noch zügeln kann und deswegen das Wort "Frieden" nicht über die Lippen bringt. In Ihren Rhetorik mußt Kermani jedem, der seinen Text nicht kennt, als Kriegshetzer vorkommen. Und so weiter.

Und ein angeblich unkritisches Verhältnis zum Islam kreiden Sie ihm auch noch an, und daß er keine Diskussion über "Frieden" geführt habe - während Kermani in Wahrheit in seiner ganzen Rede die Perversionen des Saudi-arabischen Wahabismus und des mörderischen IS-Islams gegeißelt und gegen ein geradezu ökumenisches christlich-muslimisches Miteinander am Beispiel dieses Klosters gestellt hat.

Und dabei hat Kermani nicht zum Krieg aufgerufen, sondern zum solidarischen Gebet für alle Opfer der islamistischen Gewalt - das eine unterstellen Sie ihm, das andere nehmen Sie ihm übel.

Ihre Tiraden werden allmählich etwas albern.
#39 Meinungstsunami: Knackpunkt Rüstungsindustrieklara 2015-10-25 00:00
Lieber Ernst Reinhardt,

Sie verwechseln Waffenstillstand mit Frieden.Auch wenn dieser Jahrzehnte dauert. Friede ist eine bewußte Haltung.Eine aktive Entscheidung zur Gewaltlosigkeit.Keine Passivität und verlangt mehr Mut darauf zu vertrauen, als eine Aggression mit Aggression zu bekämpfen.Das mag eine zeitlang für den militärisch Überlegenen gut gehen,aber eine Dauerlösung ist sie nicht.Effektiver wäre es die Ursachen für Kriege zu erkennen um sie zu verhindern.
Natürlich ist Herr Kermani kein Kriegshetzer.Er glaubt nur, daß man mit einem Krieg einen Krieg beenden könnte.Mein bescheidener Glaube ist, daß mit dem sofortigen Einstellen der Rüstungsindustrie zumindest die Munition und Maschinen ,die jeder Krieg benötigt,nicht mehr vorhanden sind und das Bekriegen zumindest erschwert.Es steckt zu viel Geld darin, um eingestellt zu werden.
Natürlich ist die Realität wesentlich komplizierter und verworrener. Ich behaupte auch nicht Recht zu haben.
#40 Meinungstsunami: frommer KinderwunschErnst Reinhardt 2015-10-25 11:09
Liebe klara,

darf ich Sie an eine ganz kleine alte Binsenwahrheit erinnern?

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt." Schiller, Wilhelm Tell, IV,3.

Und daß der Islamische Staat ein ziemlich böser Nachbar ist, dürfte wohl außer Frage stehen. Oder?

Wie Sie die weltweite Rüstungsindustrie einstellen wollen, müßten Sie erklären, wenn Ihr Beitrag mehr als ein belangloser frommer Kinderwunsch sein soll: Würde sie in Deutschland verboten, würden Rußland und Amerika und Co den Sekt aufmachen - ein Konkurrent weniger.

Naiv das Gute, Wahre und Schöne zu wünschen, wenn davon nichts realisierbar ist, ist bedeutungslos für die Realität. Edle Gesinnung bedenkt ja außerdem nie die Folgen - oder möchten Sie tatsächlich dem IS unbewaffnet entgegentreten? Oder die direkten Nachbarn, die vom IS bedroht werden (z.B. die Kurden), ohne Waffen lassen, damit der IS besser morden kann? Der IS mordet auch gerne mit dem Schwert und mit kleinen Messerchen - die können Sie nicht aus der Welt schaffen. Sie träumen von einem "Waffenstillstand" mit dem IS, um nur ja keine "Gegenaggression" auszuüben? Das können Sie nicht ernst meinen.

Die Entscheidung zur Gewaltlosigkeit ist prima - wenn der andere sich auch dafür entscheidet. Wenn der es nicht tut, ist es u.U. Selbstmord. Der Käßmann-Spruch "Mit den Taliban beten" hat meiner Ansicht nach einen Spitzenplatz auf der Liste der irrsten Aussagen der letzten Jahre.

Und wodurch - um meine Frage zu wiederholen - wurde gleich nochmal Nazi-Deutschland besiegt? Durch eine "mutige" "aktive Entscheidung zur Gewaltlosigkeit"? Kaum. Die hatte Chamberlain auf der Agenda; der kam aus München mit dem Satz zurück: „Ich glaube, es ist der Friede für unsere Zeit. […] Nun gehen Sie nach Hause und schlafen Sie ruhig und gut.“ Was daraus geworden ist, ist bekannt.

Und eine gute Dauerlösung für D ist aus der "Aggression" der Alliierten ja unbestreitbar entstanden - oder? Auch wenn Sie's nicht wahrnehmen wollen.
#41 Meinungstsunami: die neuen WeltkriegeDmut 2015-10-25 12:13
#klara: Meine Frage war nach "echtem" Wissen, nicht nach wahrem. Echt ist doch auch Unwahres, oder? Insofern ist die Lüge auch eine Wahrheit... Oder? Das ist doch für WasistTheater-Denke eine sehr relevante Fragestellung. Oder? Ihre Vermutung, was wahres Wissen sein könnte, hat mir aber gefallen. Es lässt sich nur nicht damit argumentieren, um Entscheidungen herbeizuführen. In der Wissenschaft nicht. Und in der Kunst auch nicht. Da würde man ja sofort als spinnert ausgeschlossen sein von jeglicher Diskussion.

#40: Bevor die Alliierten Alliierte waren, haben sie ganz schön abgewartet, was denn nun so die Russen aus eigener Kraft die Wolokolamsker lang so schaffen in der Hoffnung, der Kommunismus würde sich dabei dann gleich mit erledigen, finden Sie nicht?
Und die Grundinteressen mögen so verschieden von denen vor den großen Weltkriegen nicht sein, die Strategien und Taktiken dürften heute so viele Jahre nach dem WWII andere sein. Sind es ja auch. Sie haben schon beklemmend recht mit Ihrer Aussage über die aktive Gegenwehr, wenn "die andere Seite" nicht zur Gewalteinstellung bereit ist. Deshgalb muss man dieser Bereitschaft irgendwie mit allen Kräften auf die Beine und in die Köpfe helfen vielleicht. Solange da nicht alles getan ist... Und dann ist doch die Schwierigkeit in diesem neuem WW, der sich in diesen dauerhaften Klein-Kriegs-Herden durch das ganze letze halbe Jahrhundert zieht, dass man nie so genau "die andere Seite" weiß...
#42 Meinungstsunami: Elftes Gebotmartin baucks 2015-10-25 14:50
Wo mein lieber Reinhardt habe ich gesagt, dass Navid Kermani ein Kriegshetzer sei?

Da sprechen einzig und allein ihre eigenen Ängste aus ihnen. Aber das ist ja klar, wenn bei ihnen der Mitscherlich in der Ablage und der Masterplan zur Eroberung des Orients auf dem Tisch liegt, müssen sie ja jeden, der sich für den Frieden einsetzt extrem anfeinden. Das gehört sozusagen bei ihnen zum guten Ton, sich über den Frieden lustig zu machen und ihn zu verhöhnen, und damit jeden, der über ihn spricht.

Ich habe lediglich gesagt, dass Navid Kermani Schwierigkeiten hat über Frieden und über seine eigenen Aggressionen zu sprechen. Da wo sie manisch obsessiven überschäumenden Hass sehen, sprechen nur ihre eigenen Befürchtungen und Ängste sich mit ihrer Haltung selbst den Vorwurf ein Kriegshetzer zu sein zu zuziehen. Da wird das Gegenüber dann ganz schnell mal zur Hassfratze, wenn es darum geht die eigene Aggression zu maskieren.

Ich finde ein Friedenspreisträger sollte etwas Wesentliches zum Frieden beitragen und nicht zum Krieg, ansonsten sollte man ihm keinen Friedenspreis verleihen, oder, wenn er selber damit Schwierigkeiten hat etwas zum Frieden beizutragen und eher eine militärische Intervention vorzieht, sollte er ihn nicht annehmen. Dies ist bei Kermani der Fall. Der Friedenspreis braucht keine Kriegsbefürwortung. So selbstverständlich ist unser Frieden nicht, dass man sich um ihn überhaupt keine Sorgen zu machen bräuchte.

Kermani konstruiert für sich ein elftes Gebot: Ein Friedenspreisträger soll nicht zum Krieg aufrufen.

Ja. Stimmt. Sollte er nicht. Punkt. Und wenn er es doch tut, ist er unwürdig und sollte sich lieber mit dem ersten Gebot beschäftigen: Du sollst nicht töten.

Frieden ist ein Zustand, in dem man Konflikte, die früher durch Gewalt gelöst wurden, nun durch Regeln beilegt. An diese Regeln sollte sich vor allen anderen ein Friedenspreisträger halten. Er sollte sie schützen und pflegen, und für den Fall neuer Konflikte, die Regeln, falls nötig weiter ausformulieren. So einfach sind die Anforderungen an jemanden, der einen Friedenspreis erhält.

Fühlt er sich von diesen Anforderungen überfordert, und dies ist bei Kermani der Fall, sollte er ihn ablehnen. So einfach ist das.

Über Herrn Rust möchte man fast nicht reden. Er spiegelt die Rede Kermanis nur als westlicher Christ und versucht sich an seinen Ruhm rann zuhängen. Und er will sich nach erfolgreicher militärischer Intervention mit Kermani im Irak treffen, um den Sieg seiner Kultur zu feiern: „Wenn Ninive wieder aufgebaut wird und ich da noch leben sollte, dann würde ich Sie gerne dort treffen.“ Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Er stellt Kermani als siegreichen Preisträger neben sich und träumt vom westlichen Wiederaufbau des Iraks oder auch wahlweise Syriens.
#43 Meinungstsunami: wegen des Friedens kommen die Menschen zu unsmartin baucks 2015-10-25 14:51
Wer aber den arabischen Frühling etwas genauer beobachten wollte, konnte zum Beispiel aus Tunesien vernehmen, dass dort viele Stimmen sagten, dass man nach Tunesien keine westliche Demokratie kopieren kann, dass man diese Demokratie ihrer Form nach selber entwickeln muss, nur dann könne sie stabil werden. Man kann eine westliche Demokratie nicht importieren, und jeder, der in fremden Demokratien nur seine Eigene gespiegelt sehen möchte, liegt schon völlig falsch.

Und wieder ist es bei Rust auch so, nur noch etwas zu gespitzter als es bei Kermani der Fall ist, dass es ihm in der Hauptsache um Kulturdenkmäler geht, da wo es bei Kermani um die Schönheit des Korans und des Islam und der Poesie geht. Beide stehen sie im Traum vereint im wiederaufgebauten Ninive.

Dem Frieden geht es aber um die Menschen, die ihn genießen wollen. Und so lange wir nicht innerhalb unserer Grenzen angegriffen werden, sollten wir uns an die gewaltlosen Regeln des Friedens halten, auch Herr Kermani, gerade als Friedenspreisträger.

Nun, Kermani lässt wenigstens für eine kleine Christengemeinde beten. Aber sein Gebet bleibt nonverbal. Es hat keinen Text. Warum gerade sein Gebet, das Gebet eines Autors stumm bleibt und keine Worte hat, bei ihm, der so von der Poesie schwärmt, bleibt genauso ein Rätsel, wie die Frage, warum er nur für diese kleine Gemeinde beten möchte und so viele andere von seinem Gebet ausnimmt. Das ist unerklärlich. Selbst die noch so provinziellsten Pater schließen meistens in ihre Gebete sogar ihre Feinde und sogar die Verstorbenen ihrer Feinde ein. Kermani fehlen hierzu, wie zu dem Begriff Frieden, die Worte für sein Gebet. Er bleibt an dem Punkt stumm. Sehr bedenklich für einen Autor in einem so wesentlichem Punkt zu verstummen.

Siebzig Jahre Frieden, dass ist die Errungenschaft der deutschen Demokratie. Nicht eine lange Serie von sinnlosen Kriegen, wie sie die Amerikaner und mit ihnen viele andere führten. Wegen dieser siebzig Jahre Frieden kommen heute hunderttausende Menschen zu uns, weil sie hier, im Gegensatz zu ihrer Heimat zumindest sicher leben können.

Ein Friedenspreisträger sollte alles ihm Mögliche dafür tun, dass aus diesen siebzig Jahren hundert Jahre Frieden werden und nicht diesen Frieden durch militärische Interventionen gefährden.

Auf welcher Seite sollen die Deutschen denn kämpfen? Auf der Seite der Opposition, der Seite der Kurden, der Seite Syriens oder derjenigen Teile, die im Irak noch nicht an die Isis gefallen sind? Wie soll so eine Intervention aussehen? Sollte eventuell ein Friedenspreisträger hierauf eine Antwort haben?

Nein, muss er nicht. Er sollte am Erhalt des Friedens in Europa weiter arbeiten und sich um ihn verdient machen, denn die Menschen aus den Kriegsgebieten brauchen unseren Frieden, um aus ihrer zerstörten Heimat zu uns fliehen zu können, um hier wenigstens eine Zeitlang friedlich leben zu können.
#44 Meinungstsunami: viel PlatzDmut 2015-10-25 15:53
#martin baucks: ich lese bei ihren Kommentaren immer nur die Aufforderung NK sollte den Friedenspreis nicht angenommen haben, zurückgeben oder jedenfalls nicht für sich beanspruchen - nie sagen sie was dazu, daß es schließlich Leute gab, die gerade diesen tapferen und mitfühlenden Mann dafür ausgesucht haben unter bestimmt vielen Möglichkeiten - aber als Autor(?) wollen sie sich verständlicher Weise nicht mit dem Buchhandel anlegen, nehme ich an. Ob man auf so eine Rede antworten muss, wie es Rust tat, will ich ja auch gerne bezweifeln und so leicht nach Ranhängen stinkt das auch mir - aber gerechterweise sollten sie dem nicht vorwerfen, dass er Ninive durch den Westen wiederaufgebaut sehen will, oder sieht, das habe ich so nicht gelesen. und ein Wunsch nach einem Treffen ist ja nun wohl auch keine Vereinigung - Mann, sie sind echt wütend und kriegen damit hier auch noch so viel Platz, ihnen selbst jedenfalls scheint die Psycho-Kompetenz von Mitscherlich wenig zu helfen.
#45 Meinungstsunami: Gut und Böseklara 2015-10-25 16:56
"The war to end all war" @ Ernst Reinhardt

Das war und ist der Leitspruch derjenigen,die der Illusion erliegen man könne einen Krieg mit einem Krieg beenden. Dieser Satz wurde als Rechtfertigung für den 1,Weltkrieg benutzt.Wenn Sie mir mit Chamberlain und seiner Appeasement-Politik kommen ,so entgegne ich Ihnen mit Wilson.
Die Folgen dieses 1 Weltkrieges sind Ihnen sicher bekannt. Unter anderem führte er zur Bildung Jugoslawiens.Was wiederum den Ausgang zu einem der grausamsten Kriege in den 90ern, in Europa nach dem 2.Weltkrieg gab. (sehr vereinfacht)
Nach dem 2.Weltkrieg wurden 1600 Naziwissenschaftler unter "Operation Paperclip" (sehr interessante Artikel nachzulesen bei der New York Times) nach Amerika geschleust, unter neuen Identitäten.Sie forschten weiter für den OSS, dem Vorgänger der CIA.

Sie halten mich für naiv und für kindlich-fromm. Ich hingegen halte Sie für naiv, da Sie, allem Anschein nach, an eine simple Aufteilung der Welt, in Gut und Böse, glauben. An eine Welt,in der es geheiligte und gerechtfertigte Kriege gibt. Daß es gute Weltmächte gibt , die aus purer Nächstenliebe Krieg führen.Jeder Krieg beginnt mit einer Rechtfertigung. Die wahren Motive würden nicht die Massen mobilisieren und diese würden nicht ihre Kinder als Kanonenfutter opfern.
Es werden immer an emotionalisierenden, personifizierten Schicksalen, wie hier bei Pater Jacques,Rechtfertigungen für Kriege destilliert. Auch ich fand die Rede von Navid Kermani bewegend. Sebstverständlich soll man auf das Massaker der Christen in Syrien aufmerksam werden und diese schützen, so wie man alle Menschen vor Gewalt schützen soll! Ich glaube auch Herrn Kermani , daß er aufrichtig ist. Nur ist das etwas kurzsichtig, wenn man jetzt plötzlich Sorgen um verfolgte Christen hat.Die Christen werden weltweit verfolgt und nicht erst in den letzten Jahren.

Seit dem Thread über Alltagsrassismus von Simon Dede Ayivi,ist mir bewußt, daß Sie mir mein Ausholen und meine Weitschweifigkeit mißverstehen. Oder übelnehmen?
Aber es ist eine Pflicht, jede verfügbare Information zu nutzen, bevor man auf einer auf mangelnden Informationen begründeten Sachlage, in einen Krieg zieht, die für andere Menschen horrende Auswirkungen hat.

In diesem Sinne bitte ich Sie, die Protokolle der ex-MI5 Agentin Annie Machon zu lesen. Laut ihren Aussagen wurde Al-Quaeda 1990 von der MI6 gegründet, um Gaddafi zu stürzen. 2011 wurde ISIS gegründet.
Seit Jahren will der "Westen" (Joe Biden)mit Saudi Arabien,Qatar und Türkei eine GasPipeline nach Europa ,die durch Syrien hindurchgeht,bauen. Diese Pipeline soll Russland als Gaslieferanten enttrohnen. Assad legt sich seit Jahren quer.
Es geht nicht um die Christen. Es geht auch nicht um Demokratie.
Wenn Herr Kermani wirklich die Christen retten will, so soll er seinen Blick lieber auf die Carlyle Group richten. Allerdings kann er dann seinen Beruf als Schriftsteller, geschweige denn die Auszeichnungen, vergessen.

Wer wirklich einen Friedenspreis verdient, ist Gwenyth Todd.

Aber diejenigen,die wirklich für den Frieden handeln, werden so wie Annie Machon entehrt,vertrieben und geächtet.
Es hat sich seit der Antike nicht viel geändert.So viel zum Fortschritt des Menschen. Deswegen halte ich an meiner überzeugung, daß Zivilisation das Emporhangeln des Menschen zur Güte ist.

@dmut

Was echtes Wissen ist, hat Sokrates am Schönsten gesagt:
"Ich weiß,daß ich nichts weiß."


Zum Abschluß, da Herr Kermani jemand ist, der die Poesie liebt, ein passendes Gedicht: "Ich fürchte mich so vor des Menschen Wort" von Rilke.
#46 Meinungstsunami: absurde FeldzügeErnst Reinhardt 2015-10-25 17:42
"Da wo sie manisch obsessiven überschäumenden Hass sehen, sprechen nur ihre eigenen Befürchtungen und Ängste sich mit ihrer Haltung selbst den Vorwurf ein Kriegshetzer zu sein zu zuziehen. Da wird das Gegenüber dann ganz schnell mal zur Hassfratze, wenn es darum geht die eigene Aggression zu maskieren."

Ach du meine Güte - Psychoanalyse scheint Ihr Hobby zu sein? Sie erlauben, daß ich keine Lust auf dilettantisches Psychogelaber habe.

"Dem Frieden geht es aber um die Menschen, die ihn genießen wollen. Und so lange wir nicht innerhalb unserer Grenzen angegriffen werden, sollten wir uns an die gewaltlosen Regeln des Friedens halten, auch Herr Kermani, gerade als Friedenspreisträger.... [Der Friedenspreisträger] sollte am Erhalt des Friedens in Europa weiter arbeiten und sich um ihn verdient machen, denn die Menschen aus den Kriegsgebieten brauchen unseren Frieden, um aus ihrer zerstörten Heimat zu uns fliehen zu können, um hier wenigstens eine Zeitlang friedlich leben zu können."

"Wegen dieser siebzig Jahre Frieden kommen heute hunderttausende Menschen zu uns, weil sie hier, im Gegensatz zu ihrer Heimat zumindest sicher leben können. "

Meine Güte, was für ein romantischer Kitsch. Alle diese Flüchtlinge tragen ihre Herkunft und ihre Sozialisation und vor allem sämtliche unauflösbaren religiösen Nahost-Konflikte im Handgepäck oder auf dem Buckel bei sich - und von wegen "friedlich leben können": Die christlichen Flüchtlinge, die von muslimischen Flüchtlingen aus dem Schlauchboot ins Meer geprügelt wurden, haben Sie offenbar schon vergessen?

"Mutmaßlich weil er zum Christentum konvertiert ist, ist ein 24 Jahre alter Iraner in einer Flüchtlingsunterkunft angegriffen und schwer verletzt worden... Die Polizei ermittelt erstmals in einem Fall von mutmaßlich religiös motivierter Gewalt unter Flüchtlingen in Hamburg. ... Der spätere Angreifer Mohamad A. soll die Tat offenbar bereits am vergangenen Donnerstag angekündigt haben. Laut Polizei fragte er den 24 Jahre alten Iraner Amirali H. nach seiner Herkunft und Religion aus – dieser erzählte ihm, dass er vor seiner Flucht aus dem Iran vom Islam zum Christentum konvertiert war. Daraufhin soll der Afghane gesagt haben: "Dann ist es ja keine Sünde, dich zu töten". Am Sonntagabend ging der Täter dann mit einem Teleskopstockschläger auf Amirali H. los und zielte damit mehrfach auf den Kopf des Mannes, der mit schweren Verletzungen auf dem Hallenboden zusammenbrach. Ein Wachmann schritt laut Zeugen ein, Mohamad A. konnte zunächst festgehalten werden. Bevor die alarmierte Polizei eintraf, war der Schläger jedoch verschwunden. 15 bis 20 andere Bewohner der Unterkunft, so steht es im Bericht der Polizei, hatten den Täter befreit und ihm so die Flucht ermöglicht."

www.welt.de/regionales/hamburg/article147765589/Verpruegelt-weil-er-zum-Christentum-konvertierte.html

Schon sehr friedlich, das alles. Wahrscheinlich ist in Ihren Augen Kermani auch hier schuldig, weil er nur für die kleine Gemeinde Gebete hat und alle anderen "ausnimmt"? Und weil er, statt den europäischen Ohnemichel-"Frieden" zu befördern, militärische Interventionen gegen faschistische Islamisten in Nordafrika gutgeheißen hat und deswegen den 70jährigen europäischen Frieden "gefährdet"?

Absurd, Ihre Feldzüge gegen Kermani.
#47 Meinungstsunami: wahrlich zu simpelmartin baucks 2015-10-25 18:32
Wütend, Dmut? Nein, empört vielleicht, aber eher lustvoll debattierend, weil ich einen Friedenspreisträger, der nur einmal das Wort „friedlich“ in den Mund nimmt, nämlich im Zusammenhang mit dem vergangenen, traditionellem Islam, „Natürlich war die Vergangenheit nicht einfach nur friedlich und kunterbunt.“(Kermani) einem Islam, mit dem die Gegenwart gebrochen haben soll, nicht wirklich richtig ernst nehmen kann. Dieser Satz ist als einziger Kommentar zu dem Begriff „Frieden“ so nachlässig, dass ich mir wirklich die Augen reibe.

Zudem habe ich berechtigte Zweifel an der Grundthese Kermanis, das der Islam keiner Reform bedarf, sondern sich nur auf seine Tradition besinnen muss, die man irgendwie aus einer friedlichen und kunterbunten Vergangenheit fast sentimental herauslesen kann. Kermani verweigert sich einer Islamkritik, mehr noch er spricht von einem Trugbild: „Das muss man alles sagen, will man nicht dem Trugbild aufsitzen, das Islamisten und Islamkritiker wortgleich entwerfen: Dass der Islam einen Krieg gegen den Westen führt.“ Das er Islamkritikern Wortgleichheit mit Islamisten vorwirft, ist schon ein arger Übergriff und ebenso verblendet. Da fehlt es eben an kritischen Einsichten in die eigene Religion, die bei Mitscherlich, der übrigens nicht von einem Aggressionsverbot spricht und mir von daher schon geholfen hat, vorbildlich gegeben ist.

Ich wünschte mir von Kermani mehr heutige Islamkritik und nicht, dass er all die negativen Aspekte einfach auslagert auf einen Islam von niedrigem Rang. Das ist wahrlich zu simpel und für einen Friedenspreisträger, der die Ursachen für Unfrieden auch in der eigenen Religion durchaus untersuchen sollte, unwürdig. Der Islam führt nicht nur einen Krieg gegen sich selbst, er führt auch in Teilen einen Krieg gegen den Westen. Beides findet statt und nicht nur die Implosion, da irrt Kermani gewaltig und setzt auf einfache Bilder, wie das von Apple und der Kaaba. Der Kölner Dom steht auch unweit von Einkaufzentren und der Berlin Dom fast am Alexanderplatz. Mit dem Bild der Kaaba unter dem Druck von Apple entwirft Kermani selbst ein westfeindliches Bild aller einfachster Couleur und das befremdet schon ein wenig, vor allem von einem der Islamkritiker gerne bei den Islamisten als wortgleich einsortieren möchte.
#48 Meinungstsunami: schwer erträgliches Wortmartin baucks 2015-10-25 19:29
ich habe echt ein Faible für böse Menschen wie sie. Wir würden uns wahrscheinlich blendend verstehen, sie amüsieren mich. Nur Recht geben kann ich ihnen leider nicht, wie ja die Bösartigkeit an sich auch so berechenbar ist. Es war mir völlig klar, dass wenn ich über Frieden rede, sie so richtig wild werde. Mitscherlich würde ihnen erklären warum das so ist, dass sie das Wort „Frieden“ so schwer ertragen, sie müssten ihn nur wieder aus der Ablage herausfischen.

Und ja, die Lage in den Lagern ist verbesserungswürdig und natürlich kommt es dort zu schweren Konflikten, und alle Flüchtlinge bringen all ihr Konflikte mit. Nur deshalb ist das Festhalten an einem Frieden, wie wir ihn seit siebzig Jahren genießen, nicht naiv oder gar dumm oder sonst was, es ist sinnvoll am Frieden festzuhalten. Und natürlich ist Kermani nicht für Schlägereien in Flüchtlingslagern verantwortlich, genauso wenig wie ich einen Feldzug führe.

Nehmen sie sich mal ein wenig zusammen.
#49 Meinungstsunami: beispielloses BildDmut 2015-10-25 19:54
Die Kaaba unterscheidet vom Berliner oder Kölner Dom, dass beide Gotteshäuser nicht die wenigstens einmal im Leben eines Christen zu besuchenden Pilgerziele sind. Insofern ist das Bild, das Kermani bringt, sehr statthaft und nicht einfach. Es ist beispiellos als Bild.
Sie sagen nichts zu den Buchhändlern, die diesen Preis verleihen und sich für Kermani entschieden haben. Der Islam kann nur reformiert werden durch eine Überarbeitung und zwar durch alle muslimischen Gruppen anerkennenswerte und anerkannte Reformation des Koran-Textes in seiner Gesamtheit. Dazu könnte Herr Kermani mit seiner Fach- und Sachkenntnis allerdings einen Beitrag leisten und ich hätte mir von ihm in seiner Preisrede entsprechende Beispiele gewünscht, besonders für Stellen, die die aktive Aggression gegen Nicht- und Andersgläubige betreffen. Das fand ich gerade gut in der Gegenrede von Herrn Rust, wer immer das ist, ich hab da bisher nichts gefunden, aber sie scheinen ihn ja zu kennen, der hat da scheinbar Vorschläge parat. Warum er die nicht macht, weiß ich aber auch nicht - vielleicht ein Philologenstreit auf den wir hier dummerweise hereinfallen und uns unnötig ereifern.
#50 Meinungstsunami: LinkSCHADE 2015-10-25 20:17
#51 Meinungstsunami: Buddhisten werdenFrank-Patrick Steckel 2015-10-25 22:59
"Der Buddha selbst sah sich weder als Gott noch als Überbringer der Lehre eines Gottes. Er stellte klar, dass er die Lehre, Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit), nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch eigene meditative Schau (Kontemplation) ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge gewonnen habe. Diese Erkenntnis sei jedem zugänglich, der seiner Lehre und Methodik folge. Dabei sei die von ihm aufgezeigte Lehre nicht dogmatisch zu befolgen. Im Gegenteil warnte er vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor. Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen, und mahnte gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren eine Skepsis an, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist." - So bei Wikipedia. Wir sollten Buddhisten werden.
#52 Meinungstsunami: keine weiteren KommentareRedaktion 2015-10-26 13:03
Liebe Diskutant*innen, wir danken allen, die die Debatte in den letzten Tagen hier so leidenschaftlich geführt haben und sehr prononciert die kontroversen Positionen markiert und vertreten haben. Inzwischen nimmt dieser doch recht theaterferne Thread aber überproportional viel Platz auf der Seite ein und drängt andere Diskussionen aus der Aufmerksamkeit. Die Redaktion hat sich daher entschlossen, keine weiteren Kommentare in diesem Thread zu veröffentlichen. Mit freundlichen Grüßen, die Redaktion

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