Und dann tröstet ihn ein Wiener Schnitzel

26. Oktober 2015. Famos wie eh und je schlägt sich (und alle anderen) Claus Peymann im jüngsten Interview mit dem Spiegel (24.10.2015), vertreten durch die Redakteure Britta Stuff und Volker Weidermann. Es geht um die Theatralität der Politik, angefangen mit Angela Merkel als Goldoni-Figur, die in der Flüchtlingsfrage völlig überraschend improvisiere. Man kann es nicht zusammenfassen, lediglich ein Best of Peymann bieten:

Peymann über Peter Altmaier vulgo "der Dicke": "Altmaier tritt als Retter auf. So eine Art Falstaff, wie bei Heinrich IV., ein trink- und raufsüchtiger Soldat. Ich würde ihn sofort engagieren. Wahrscheinlich müsste man ihn dauernd betrunken machen, dann wäre er ganz toll. Solche haben wir am Theater leider nicht."

Peymann zur Differenz von Theater und Politik: "Auf der Bühne geht es nur um Schönheit. Die Schönen werden Schauspieler. Das ist ein Problem, denn man braucht auch Normalität und Hässlichkeit auf einer Bühne. Da könnten wir uns vielleicht bei der Politik bedienen."

Peymann über die notwendige Mittelmäßigkeit des Politikers (als "Reproduktion der Bevölkerung"): "Der bekannteste Mittelmaßpolitiker ist noch immer Helmut Schmidt. Das Riskanteste an ihm ist das Rauchen. Alles andere: Mittelmaß."

Peymann vor die eigene Haustür blickend: "Wir haben in Berlin jetzt den Regierenden Bürgermeister Müller, der absolute Repräsentant des Mittelmaßes. Der ist beliebt ohne Ende, obwohl er völlig unsichtbar ist."

Peymann über Sigmar Gabriel: "Da bin ich ratlos. Manchmal irrt er hier auf dem Brecht-Platz rum, wahrscheinlich auf der Suche nach dem Bühneneingang, um bei uns die Hauptrolle zu spielen, für die er nie besetzt wurde. Er tröstet sich dann, wie immer, mit einem Wiener Schnitzel."

Für alles Weitere unbedingt den Spiegel kaufen. Oder wie Peymann sagt: "Aber ich höre jetzt auf, Sie wollen doch nur Pointen von mir hören mit Ihren frechen Fragen."

(chr)

 

 
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