31. Oktober 2015

Lieber Dieter Dorn,

zu Ihrem Geburtstag habe ich Ihnen ein Bekenntnis zu machen und eine Dankesanzeige abzustatten. Sie werden heute 80 Jahre alt, hoffentlich bei guter Gesundheit, ich war 25 Jahre, als ich 1982 in Ihre "Was ihr wollt"-Inszenierung in den Münchner Kammerspielen geriet.

DieterDorn Abschied2011 006 560 Thomas Dashuber x.jpegDer Jubilar Dieter Dorn im Jahre 2011 © Thomas Dashuber

Als Kind ins Theater-Abonnement mitgeschleppt, war ich damals kein Aficionado der Bühnenkunst. Aber eine Freundin wollte Schauspielerin werden. In München. Also "ging sie Kammerspiele", am liebsten jeden Abend. Ich musste mit. Und begegnete Thomas Holtzmann, begegnete Connie Froboess, die freilich auch ich kannte aus den alten Filmen und von dem Lied mit der Badehose, begegnete Rolf Boysen, Gisela Stein, Claus Eberth, Edgar Selge und Peter Lühr. Ich war erstaunt – über das, was dort auf der Bühne geschah, ich schüttete mich aus vor Lachen über den grausam verhöhnten Holtzmann-Malvolio und ahnte nur hinter dem Rücken meines Bewusstseins, dass in seiner Drohung am Ende ein Schrecken lag wie eine gekränkte Gerechtigkeit, aber lieber hielt ich mich doch an seine so absurd lächerlich vorgeführten gelben Strümpfe. Und in Viola-Cornelia verliebte ich mich.

Das war mein "Was ihr wollt", das war mein Erlebnis und Erstaunen in den Kammerspielen: wie schön, wie licht, wie bösartig, wie unterhaltsam, wie lebendig, wie nahegehend und rührend Theater sein kann. Und dabei nicht dumm, nicht banal, nicht kitschig oder oberflächlich. Helmut Schödel hat Ihnen damals in der Zeit Verrat an den Figuren Shakespeares vorgeworfen. Ich habe Ihre Figuren geliebt und dachte immer, zusammen mit Ihnen geliebt. Vielleicht war das falsch. Was aber auf alle Fälle stimmt: Es war Ihre Aufführung von "Was ihr wollt", vor fast einem halben Jahrhundert, die meine Lust auf das Theater aufgeweckt hat. Dafür möchte ich Ihnen heute, endlich, Danke sagen.

Mit herzlichen Wünschen

Nikolaus Merck

 

Zum Abschied von Dieter Dorn von seiner Münchner Intendanten-Ära schrieb Gabriella Lorenz vor vier Jahren eine ausführliche Würdigung.

 

 
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