Theaterkritiker sind Idioten

11. März 2016. Im Interview mit dem Blog intellectures.de spricht der Dramatiker und Autor Nis-Momme Stockmann in erster Linie über seinen neuen Roman "Der Fuchs", doch er äußert sich auch zum Theater und nicht zuletzt über Theaterkritiker.

Für Stockmann ist das Theater "das Zukunftsmedium, denn es leistet etwas, was die anderen kanonischen Medien in unserer Gesellschaft nicht mehr können. Es ist weitestgehend quotenunabhängig, schnell und in der Lage, Nischendiskurse darzustellen. Leider wird dieses Medium aber vollkommen anders gebraucht, ist zu einem Medium des Stillstands in einem saturierten System verkommen. Um es da herauszuholen, wühle ich dieses System mit meiner Arbeit gern auf. Es ist okay, wenn man dann auf mich einprügelt."

Geschmäcklerisch und bierlaunig

Und er sagt: "Die meisten Theaterkritiker sind Idioten, nicht menschlich, sondern programmatisch und strukturell. Sie werden schlecht bezahlt, haben wenig Zeit und das, was sie schreiben, schreiben sie deshalb, weil man es von ihnen fordert." Das sei "ein systemisches Problem. Wenn ein Kritiker im Publikum sitzt und meint, er müsse am Theater oder dem Publikum herumerziehen", dann sei er da falsch, "denn das ist einfach nicht seine Aufgabe". Die bestehe vielmehr darin, "eine ästhetische Befragung eines Theaterabends vorzunehmen. Auch die kann positiv oder negativ ausfallen, keine Frage. Aber welcher Kritiker beschäftigt sich so ernsthaft und sorgfältig mit seinem eigenen Handwerk, dass er nachvollziehbar erklären könnte, nach welchen Kriterien er sein Urteil fällt. Etwas, das in jedem Beruf Voraussetzung des Handelns ist, eine Klaviatur des Handwerks, existiert hier nicht."

Vielmehr sei die Kritik "geschmäcklerisch und bierlaunig". Da säßen dann "Universalgelehrte, die aus einer schlechten Laune heraus – weil sie stundenlang mit dem Zug fahren mussten, wenig Geld verdienen oder zu lange inmitten vieler Menschen und schlechter Luft sitzen – Stücke in Grund und Boden schreiben. Wie Theater heutzutage besprochen wird, ist so klein, das ist einfach nur traurig. Vor allem weil diese Kritik so zynisch ist. Wir können keine vom Aussterben bedrohte Kunstrichtung – ganz egal, ob wir über Printmedien oder das Theater sprechen – in die Transformation verhelfen, wenn wir sie öffentlich demontieren."

(wb)

 
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