Keine Liebe! Nirgends!

von @regenbericht

28. März 2016. Es war #Frühling und wie jedes Jahr zu dieser Zeit wagte nachtkritik.de einige vorsichtige Schritte in die Offline-Welt, um die vornehme Netz-Redakteurs-Blässe mit einem Hauch UV-Licht zu akzentuieren oder lang vermisste Ehepartner wieder zu sehen. Auch an den Theatern beschränkte sich der Spieltrieb überwiegend darin, Eier im Kostümfundus zu verstecken.

Nur der Jungredakteur blieb allein zurück, um das Social-Media-Dasein der Theaterschaffenden zu überwachen. Der Jungredakteur hatte sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet, wurde ihm doch schon beim Gedanken an den Frühling mit all seinen hormonellen und floralen Auswüchsen #blümchen #schmetterlingeimbauch herzlich übel.

Denn der Jungredakteur war verliebt – unglücklich verliebt, so wie sich das dramengeschichtlich von Shakespeare bis Sandra Bullock gehörte.

Sollen Emmi und Ali doch kämpfen, während er Shitstorms statt Sonnenstrahlen ernten und sich an der geballten Häme des Netzes wärmen wüde, dachte er und zog die Vorhänge vor die Sonne, dieser gelben Sau.

Wo sollte es weniger Liebe geben als in den sozialen Medien? Liebe ist im Netz nur ein Warenwert. Ein in Schoklade gepresster Kosename schmilzt hier augenblicklich zum Schandfleck der selbstsüchtigen Gier nach neuen Followern.

Sicher wird nachtkritik.de-Autor Kai Bremer diese Torte ganz allein essen und dann wird er dick werden und mit seinen dicken Fingern immer zwei Tasten auf einmal drücken und ich muss das dann redigieren, dachte der Redakteur und fühlte den Zorn wohlig in sich prickeln wie Champagner-Perlen auf einer Scheidungs-Party.

 Sehr richtig, Anne Rabe, wenn der Redakteur keine Liebe verdient hatte, dann sollte auch dieser dahergelaufene Zwangsgebühren-Vergewaltiger keine bekommen.

 Überhaupt: Liebe, das ist doch reaktionär. #Loveis... so 1955

und ging damals schon nicht gut aus.

Liebe wird zurecht mit Füßen getreten, wie der Dramatiker René Weisel alias Nouveaubéton treffend dokumentierte.

Nur René Pollesch, dieser Romantiker im Leben eines Bourdieu lesenden Strebers, hatte die Hoffnung auf große Gefühle noch nicht ganz aufgegeben.

Dann stand auch noch die Heimstätte der Playboy-Bunnies zum Verkauf.

Es stimmt einfach: Liebe ist kälter als das Kapital.

 
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