Presseschau vom 15. April 2016 – Die Freie Presse über die unklare Zukunft des Chemnitzer Theaters

Personalabbau und Spartenschließungen in Chemnitz?

Personalabbau und Spartenschließungen in Chemnitz?

15. April 2016. "Wie geht es weiter mit dem größten Kulturbetrieb der Stadt?", fragte Swen Uhlig in der Freien Presse (6.4.2016). Gemeint ist die Städtische Theatergesellschaft mit zur Zeit knapp 450 Beschäftigten. Schon 2014 hatte der Stadtrat den Intendanten Christoph Dittrich damit beauftragt, "ein Zukunftskonzept für das Haus zu erstellen." Es geht um die Zeit nach 2018, dann läuft der Haustarif aus und die Stadt müsste den Beschäftigten von einem Tag auf den anderen mehrere Millionen Euro zusätzlichen Lohn auszahlen; dies sei für die Stadt nicht bezahlbar.

Dafür, wie es mit dem Haus ab 2018 weitergehen soll, hat die Intendanz nun mehrere mögliche Zukunftsszenarien entworfen, die der Freien Presse vorliegen.

Drei Modelle für die Zukunft

Die erste Option beinhalte einen Gehaltsverzicht der Angestellten zugunsten neuer Investitionen: "So soll am Opernhaus ein neuer Gebäudekomplex errichtet werden – mit Probebühnen, Dekorations- und Requisitenlager und einem komplett neuen Schauspielhaus. (...) Alle fünf Sparten des Theaters – Oper, Schauspiel, Puppentheater, Ballett und Chor – blieben bei diesem Szenario erhalten; ebenso der kulturelle Anspruch und weitgehend auch die Anzahl der Mitarbeiter."

Die zweite Option wäre ein Spiel auf Zeit: eine Verlängerung des Hausvertrages, der ursprünglich als Übergangslösung gedacht war, nun aber bereits seit fast 20 Jahren existiert. Ob sich die Gewerkschaften also eine Verlängerung abringen lassen würden, sei fraglich. "Immerhin aber ist das erklärte Ziel eines Haustarifvertrages der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, alle Sparten blieben damit erhalten und auch der künstlerische Anspruch wäre gewahrt."

Die dritte Variante wäre ein radikaler Kahlschlag: Bei Realisierung dieser würde entweder die Ballett-Sparte komplett geschlossen, die Anzahl der Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie reduziert, die Schauspielsparte geschlossen – "oder eine Kombination aus allen drei Vorschlägen." Neben der zu erwartenden, sinkenden Qualität der künstlerischen Arbeit des Hauses, wären in diesem Szenario durch betriebsbedingte Kündigungen auch Abfindungen in Milionen-Höhe nötig.

Die endgültige Entscheidung für eine Variante wird wohlmöglich noch in diesem Jahr getroffen werden. Bis dahin werden die Chemnitzer Stadträdte zunächst "hinter verschlossenen Türen" diskutieren.

(sae)

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