Nora 2.0: Das Zwitschern des Zeisigs

von @regenbericht

2. Mai 2016. Der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen wird seit Jahren rauf- und runtergespielt. Sein Stück "Nora – ein Puppenheim" wurde schon in jedes denkbare Milieu versetzt. Nur auf Twitter hat es Nora bislang noch nicht geschafft. Frauen und Technik? Unsinn. Wir finden: Viel wichtiger als die Frage, was Nora uns heute noch sagen kann, ist: Was würde sie heute twittern?


1. Akt:

Der Bankier Helmer kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause zu seiner Frau Nora.

Helmer: Was für ein anstrengender Arbeitstag. Ohne Ende anstrengende Arbeit auf der Bank. Und du? Womit hat mein kleiner Zeisig sich den Tag versüßt?

 

 

Helmer: Du siehst heute so –, so, – wie soll ich gleich sagen? – so verdächtig aus. Hat das Leckermäulchen etwa heute in der Stadt genascht?

 

 

 

Helmer: Ach, du bist ein sonderbares Dingchen. Und ich möchte Dich gar nicht anders haben, als Du bist, meine liebe, kleine, singende Lerche.

 

 

 

2. Akt:

Der Bankier Helmer kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause zu seiner Frau Nora.

Helmer: Was für ein anstrengender Arbeitstag. Ohne Ende anstrengende Arbeit auf der Bank. Und sieh mal, mein Spätzchen, jetzt haben wir auch noch einen Brief bekommen. Den muss ich jetzt auch noch lesen.

 

 

 

Helmer liest den Brief, lässt ihn entsetzt fallen.

Helmer: Nora, du Unglückselige, - was hast Du getan?! Mein ganzes Glück hast Du zerstört. Meine ganze Zukunft hast Du mir vernichtet.

 

 

Helmer: Ach, entsetzlich, nur daran zu denken. So jammervoll muß ich sinken und zugrunde gehen um eines leichtsinnigen Weibes willen!

 

 

Helmer: Du sprichst wie ein Kind. Du verstehst die Gesellschaft nicht, in der Du lebst.

 

 

 

 

3. Akt

Der Bankier Helmer kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause zu seiner Frau Nora.

Helmer: Was für ein anstrengender Arbeitstag. Aber, Nora, mein Spätzchen, auch welch ein Glück. Es ist noch ein Brief gekommen. Meine Lerche, was für rettende Nachrichten. Es ist alles wieder gut -

 

 

 

Helmer (fassungslos): Du gehst? Aber was soll ich denn ohne dich tun?

 

 

 

Helmer: Nora! Komm zurück, Mein Vögelchen! Mein lockerer Zeisig! Mein Eichhörchen! Nora!

 

 

 

 
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