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Fair Trade am Stadttheater?

20. August 2016. Die Süddeutsche Zeitung (20.8.2016) interviewt Johannes Maria Schatz – den Gründer von "Art but fair". Die Künstlerinitiative setzt sich für faire Arbeitsbedingungen und Gagen an Theatern ein. Die SZ zitiert in dem Interview eine Studie, laut der 35 Prozent der Befragten Machtmissbrauch durch Vorgesetzte beklagen. Schatz: "Es geht zunächst um so etwas Simples wie Arbeitszeiten. Die Künstler stecken oft über Tage hinweg in Proben und Aufführungen. Mit einer Familie lässt sich das kaum vereinbaren."

Er beklagt außerdem die niedrigen Gagen: "(D)ie meisten Finanzpolitiker betrachten die Theater als reine Kostenfaktoren." Die Spardiskussion laufe in die falsche Richtung. "Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Theater den Städten wirtschaftlich mehr einbringen, als diese für sie zahlen."

Art but fair fordere ein Gütesiegel für Theater. "Die Kulturpolitik müsste den Mut haben, Geld nur noch an Theater und freie Projekte zu zahlen, bei denen die Arbeitsbedingungen fair sind und die Gagen angemessen."

Feudale Strukturen

Schatz springt Shenja Lacher zur Seite, der vor seinem Weggang vom Münchner Residenztheater, beklagte, an deutschen Theatern seien die Strukturen "zu autokratisch, fast noch feudalistisch":
"Es wird ständig an uns herangetragen, dass man sich an deutschen Bühnen Sachen gefallen lassen muss, bei denen jeder normale Arbeitnehmer vor Gericht ziehen würde." Und weiter: "Viele Regisseure entwickeln heute die Stücke schon partnerschaftlich mit den Schauspielern. Aber es gibt auch die anderen, die sagen: Ich weiß, wie das Stück geht, und du hast zu springen."

Schatz könne sich gut vorstellen, dass Ensembles in Zukunft ein Mitspracherecht bei der Berufung von Intendanten erhalten. "Momentan ist das Gegenteil der Fall: Kommt ein neuer Intendant, wechselt oft das gesamte künstlerische Personal." Das sei "Feudalismus pur". !Man kann nicht ein ganzes Haus auf die Straße setzen, nur weil der neue Intendant der Ansicht ist, dass die Künstler nichts taugen."

(miwo)