Caitlyn Jenner auf Usedom

von Georg Kasch

6. September 2016. Am Tag nach der Mecklenburg-Wahl fragte ein Bekannter: Gut 20 Prozent für die AfD, und in meinem Freundeskreis gibt’s kaum Kommentare dazu? Ich finde das nicht erstaunlich, denn das Resultat ist nicht so dramatisch ausgefallen, wie ich befürchtet hatte – ich habe es für möglich gehalten, dass die AfD stärkste Kraft wird. Ich komme aus Mecklenburg-Vorpommern, da muss ich mir nichts vormachen. Schauen Sie sich mal die Zahlen von Usedom an, dann wissen Sie, was ich meine.

kolumne 2p kasch

Wie also darauf reagieren? Bislang war ein weit verbreitetes Mittel: der Spott. Macht Spaß, zeigt lässig die eigene Überlegenheit. Aber vielleicht ist jetzt auch mal gut mit "Die sind alle blöd". Schließlich haben die Menschen ihre Gründe, AfD zu wählen. Die meisten wollten den etablierten Parteien eins in die Fresse hauen, weil sie das Gefühl haben, nicht ernstgenommen zu werden mit ihren diffusen Ängsten. Mit ihren Verlustgefühlen, weil sich Dinge ändern. Dinge, die vertraut sind, ein Gefühl von Zuhause vermitteln, die scheinbar immer da waren. Sie verändern sich als direkte Folgen von Globalisierung und zunehmend ungebremstem Kapitalismus.

An Widersprüche gewöhnt oder auf Suche nach Sündenböcken

Diese Folgen kann man auch als Nicht-AfD-Wähler kritisieren, das tun wir eh, und in Sachen Veränderung müssen wir nur an TTIP und CETA denken, damit klar wird, dass die Menschen links der Mitte damit auch ein Problem haben. Nun sind Globalisierung und Markwirtschaft ziemlich unkonkrete, unbegreifbare Feindbilder, außerdem viel zu eng verwoben mit unser aller Leben, als dass man da problemlos in Gut und Böse trennen könnte. Versuchen Sie’s mal: Reisen ohne Pass? Gut. Lohndumping in Fernost? Böse. Freier Warenverkehr? Ähm... Eben. Der liberale Großstädter hat sich also längst an den Widerspruch gewöhnt, in einer Welt zu leben, die zunehmend fremdgesteuert erscheint, und sich dabei in seiner Nische irgendwie eingerichtet. Weil er weiß, dass einfache Antworten der Welt, wie sie ist, nicht gerecht werden. Dem vorpommerschen AfD-Wähler, der das Gefühl hat, die in Schwerin haben ihn vergessen (und die in Berlin und in Brüssel sowieso), gibt fassbaren Sündenböcken die Schuld. Den Ausländern. Der ganzen Liberalisierung, auf allen Gebieten. Dieser Gender-Sache. Früher haben doch auch zwei Geschlechter gereicht, oder? Da kommt die AfD gerade recht.

Das ist schlicht, durchschaubar. Trotzdem (oder gerade weil) gibt es auch queere AfD-Wähler*innen. Politiker*innen sowieso: Jana Schneider, lesbische JA-Vorsitzende in Thüringen. Frank-Christian Hansel, Schöneberger Kandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus. Mirko Welsch, Bundessprecher der "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD". In MV hat es jetzt Thomas de Jesus Fernandes ins Parlament geschafft, der mit einem Mann verpartnert ist, dessen Namen er angenommen hat.

Warum? Auch hier könnte man es sich wieder einfach machen: Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber. Man kann aber auch feststellen, dass es queere Menschen gibt, die in Flüchtenden eine Bedrohung sehen – ihres Lebensmodells, ihrer wirtschaftlichen Umstände – und für die wertkonservativ noch eine freundliche Umschreibung ist. Nicht nur in Deutschland: Die US-amerikanische Transfrau Caitlyn Jenner setzt sich ja auch für Donald Trump ein.

Lange hat es die AfD ihrer queeren Klientel nicht einfach gemacht, das rechte Auge zuzudrücken. Björn Höcke bezeichnete Gender-Mainstreaming als "Geisteskrankheit", Beatrix von Storch nannte es eine "politische Geschlechtsumwandlung". Eine Thüringer AfD-Abgeordnete sorgte für Aufregung, als sie bei der Landesregierung nachfragte, wie viele homosexuelle Menschen in ihrem Bundesland leben.

Weniger heiß als gekocht?

Neulich aber ließ sich Beatrix von Storch, jahrelange Mitorganisatorin der Demo für Alle, beim lesbischwulen Stadtfest im Nollendorfkiez blicken (und von einer engagierten Dragqueen vertreiben). Und Frauke Petry, das Covergirl der AfD, sagte im Interview mit Thilo Jung: "Also die AfD akzeptiert, dass es gleich geschlechtliche Lebenspartnerschaften gibt, dass es auch eine steuerliche Gleichstellung gibt, so wie es der Status Quo ist", dann klingt das doch alles weniger heiß, als es in den Medien und der Community gekocht wird.  Außerdem müssen wir uns nichts vormachen: Mit Gender und Queer Theory haben es auch viele Lesben, Schwule und Trans-Menschen nicht so.

Was tun? Weiterhin genau hinschauen. Denn bei dem zitierten Satz belässt es Petry nicht. Indirekt zitiert sie nämlich eine der Lieblingstheorien der neuen Rechten, die von der Verschwulung der Welt: "Und wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fast kein Spielfilm in Deutschland mehr damit auskommt, ohne das schwule Pärchen, das dann ganz toll gefunden wird von Mutter und Vater, die nach Hause kommen [...] dann möchte ich einfach nicht, dass das zum Standard erhoben wird. Ich akzeptiere, dass das so ist, weil die Menschen so sind wie sie sind und weil es Schwulsein zu allen Zeiten gegeben hat und es im alten Griechenland auch schonmal schick war, dass Männer eher mit Männern Sex hatten anstatt mit ihren Frauen, die primär zum Kindergebären da waren."

Das ist wieder typisch AfD: eine Halbwahrheit, im Brustton der Überzeugung hingestanzt. Sollte sich jemand beschweren, wird man’s mal wieder nicht so gemeint haben (oder der Praktikant ist auf der Tastatur ausgerutscht...) Dass die Päderastie der alten Griechen viel mit einer in unseren Augen merk- (und straf-)würdig erscheinenden Form von Bildungsvermittlung, Macht und Erziehung zu tun hatte – Schwamm drüber, die Frau ist ja keine Historikerin. Dass schwul und Homosexualität Konzepte des späten 19. Jahrhunderts sind und sich nicht auf Jahrtausende alte Kulturen anwenden lassen – dito. Dass jetzt ausgerechnet aber eine AfD-Frontfrau kritisiert, Frauen seien in der Antike zu Gebärmaschinen degradiert worden, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Ist nur nicht zum Lachen.

 

gkportraitschmalGeorg Kasch, Jahrgang 1979, ist Redakteur von nachtkritik.de. Er studierte Neuere deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Kulturjournalismus in Berlin und München. In seiner Kolumne "Queer Royal" blickt er jenseits heteronormativer Grenzen auf Theater und Welt. 

 

Zu allen Queer-Royal-Kolumnen von Georg Kasch: hier entlang.

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Queer Royal MVP: schwacher Text Petry heil 2016-09-06 15:23
Was für ein schwammiger Text. Bisschen Kuschelkurs mit der AfD - Rassismus und Homophobie werden von Kasch hier meiner Meinung nach bagatellisiert und vor allem entschuldigt. Was möchte Herr Kasch jetzt eigentlich sagen? Das ist mir überhaupt nicht klar. Wir sollen Verständnis haben mit der AfD aus seiner Heimat, aber eben doch nicht zu viel, aber eben doch auch ein bisschen? Den Text finde ich zu schwach für ein Debattenportal wie nachtkritik.
#2 Queer Royal MVP: Gender und PerformanceDR 2016-09-06 15:28
Es wäre doch vielleicht hilfreich für alle, wenn auch queere Menschen sich bereitfänden zu akzeptieren, dass in der Tat zwei Geschlechter zur Menschenbeschreibung und -Darstellung reichen. Und das nicht immer verwechseln mit unterschiedlichen sexuellem Begehren oder Präferenzen im sozialen nahen Zusammenleben. Die bei den beiden Geschlechtern ziemlich unterschiedlich ausgeprägt sein können. Es wäre wirklich sehr hilfreich, wenn z.B. der sich selbst wirklich nicht einmal als sehr männlich empfindende Mann sich hinreißen lassen könnte zu sagen, dass er trotzdem ein Mann sei. Und eine Transsexuelle, die allerlei Schmerzen und Umstände jedweder Art in Kauf genommen hat, um bis unter die Bettdecke als das durchzugehen, als das sie sich fühlt, nämlich als Mann, auch sagte, dass sie ursprünglich eine Frau ist, die selbst bestimmt hat, dass sie als dargestellter Mann lebt. Und für den hohen seelischen wie physischen und materiellen Aufwand der Darstellung dessen, was sie im tiefsten sein will, auch als Mann angesprochen und bürokratisch geführt werden möchte bitteschön.
Auch der herumgendernde Transexuelle, der sich nicht entscheiden kann und switchen möchte zwischen den Geschlechtern, ist nicht Weißichnichtsogenau, sondern eindeutig männlichen oder weiblichen Geschlechts von Geburt an. Und nur in ganz seltenen, medizinisch relevanten, in der akut notwendigen Gender-Diskussion momentan zurückstellbaren Fällen, liegt eine echte Zwittrigkeit von Geburt an vor.
Erfreulich aber, dass jemand sagt Schwulsein oder Homosexualität seien ein Konzept. Des späten 19. Jhdts. Da können Schwule, Lesben und Homosexuelle, Transsexuelle und auch die kleinen vermeintlich geschlechtslosen Marsmännchen, die bei Facebook ihr Geschlecht als Manga angeben, zunächst erst einmal darüber ganz allein diskutieren, ob das nun so ist oder nicht. Als Hetero denkt man da nur: Hallo, bin ich dann demzufolge ein Kein-Konzept? Und das TRADITIONELL schon seit Jahrtausenden??!! Samt meiner gewusst wie-gemachten, ausgetragenen, selbst in die Welt gepressten und bis heute ertragenen Kinder?
Fakt ist auch: Frauen, denen von männlichen Staatskonzepten (man denke zum Beispiel Platons "Staat") die Erziehungs- und Bildungskomnpetenz für ihre Kinder so weit abgesprochen wird, dass die Kinder im KINDESalter in staatliche Erziehung mit Staatsräson gezwungen werden, werden allerdings zu Gebärmaschinen degradiert. Allerdings werden die Männer, die diese Kinder GERN mit ihren (oder anderen) Frauen gemacht und bis an die staatliche Erziehung heran liebevoll aufgezogen haben, durch solche Staats-Konzepte auch zu Sex-Maschinen degradiert. Weil nämlich ihr Nachwuchs nur zu optional militärischen Zwecken, was den männlichen Nachwuchs betrifft, und der weibliche Nachwuchs nur zum Zwecke des Gefallens für zeugende Sex-Maschinen herangezogen werden. Sozusagen Staat als reines Konzept der militanten Verteidigung und Anhäufung von Staatsetat.
Insofern birgt Homosexualität als KONZEPT revolutionäres Potential. Die Frage ist nur: ist sie NUR ein Konzept??? Eine Frage, die ausschließlich Homosexuelle beantworten können. Weil nur diese wissen, wie sich Homosexualität emotional anfühlt und psychosozial bei speziell ihnen auswirkt.

Das Problem, das wir in der Gender-Diskussion haben, ist, dass philosophisch immer darauf zurückgegriffen wird, dass wir heute in der Zeit des performten Geschlechtes leben würden.
Und das ist philosophisch schick, aber medizinisch einfach nicht wahr. Wir leben in der Zeit des performten W u n s c h-Geschlechtes.
Das ist zum performten Geschlecht ein sehr sehr großer Unterschied.
Und zwischen beidem befindet sich die Schlucht, in der, wenn wir uns nicht schleunigst in eine humanmedizinisch relevant genauere Gender-Diskussion begeben, unsere Humanität vom sich global militarisierenden Kapital verschlungen wird.
#3 Queer Royal MVP: Krise der queeren Texte?Florian 2016-09-06 16:56
Wir haben offenbar eine Krise der queeren Texte. besserwisserei, Langeweile und Spießigkeit herrschen. Man ist so zerredet, dass man nicht mal mehr weiss ob ide AFD nun gut oder schlecht ist bzw sind Flüchtlinge jetzt doof, weil sie eventuell ein Weltbild der 50ziger haben? Und soll man nur Leuten helfen, die so sind wie man selbst?
#4 Queer Royal MVP: ich gebe zu bedenken DR 2016-09-06 21:11
Gibt es das - queere Texte?
Es gibt bestimmt queere Menschen, die wie andere auch Texte verfassen.
Und vielleicht beginnt die von "Florian" konstatierte Krise der Texte zu den Genderfragen bereits da, dass man denken kann, dass Texte von queeren Menschen "queere Texte" sein müssen. Das ist ungefähr so, als würde man behaupten, dass Texte von Männern männlich und Texte von Frauen weibliche Texte seien.
Es wäre dann möglich, dass dann auch Texte, die Genderfragen berühren, eben sich nicht eindeutiger zu bestimmten Sachverhalten der Flüchtlingspolitik weltweit und eben auch nicht zur AfD äußern können. Weil sie ja schon mit ihrem eigenen Text als Ausdruck von Geschlecht nicht klarkommen.
Soweit ich das einschätze, entzündet sich die Frage der Sexualität bei der AfD vor allem an der Einführung einer bestimmten Form von Sexualerziehung, die eben den intimsten Bereich der Erziehung in staatliche Obhut legen will, ohne die Erziehungskompetenzen der Eltern anzuerkennen. Und darüber muss man sehr wohl reden. Und hier scheinen mir sehr wohl insbesondere queere Menschen nur mit ungenügendem Augenmaß für die Realitäten bei der Kindererziehung übererregt zu reagieren mit ihren Forderungen und darin unterstützt zu werden. Das ist nur ein Verdacht, eine Vermutung, mehr Ahnung aus Beobachtung von Ferne als Wissen. Ich möchte es aber zu bedenken geben. Auch queeren Menschen, ob da was dran sein könnte. Dann kann man Frau Petry vielleicht auch etwas Vernünftiges auf etwas Halbvernünftiges sagen. Und nur so schwächt man die aggressiv nationalistischen Ränder.
#5 Queer Royal MVP: Natürlich gibt es..Sweeney 2016-09-06 22:03
Liebe*r DR, natürlich gibt es queere Texte, genauso wie es feministische Texte gibt.
#6 Queer Royal MVP: Natürlich gibt es..Inga 2016-09-06 22:25
@ DR: Oh je, so pauschal pessimistisch? Frauen, denen vom Staat die Bildungs- und Erziehungskompetenz für ihre Kinder abgesprochen wird und Männer als Sexmaschinen des Staates? Wirklich nicht. Platon hin oder her, aber wer behauptet und vor allem wer LEBT das so heute und hier? Sind Sie vielleicht irgendwo hängengeblieben, im Film "Matrix" vielleicht? Der Ausdruck "Gebärmaschine" von Kasch ist hier meines Erachtens irreführend. Denn natürlich können nur Frauen Kinder gebären, ist einfach eine biologische Tatsache. Davon abgesehen aber, können sowohl Frauen als auch Männer als auch queer Lebende Kinder erziehen. Und warum trennt die Petry das eigentlich, das Mutter- und Vatersein vom Schwulsein? Na ja.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Georg Kasch die Wahlen hier nur gebraucht, um erneut - wir wissen es ja nun bereits - sein queeres Plädoyer in die Welt zu setzen (apropos, hat er eigentlich Kinder?), was ja auch okay ist, aber mit der tatsächlichen Problematik der AfD in meiner Wahrnehmung nichts zu tun hat. Diese Partei sagt, sie sei eine politische Alternative, tatsächlich aber ist sie ein Auffangbecken für die Spaltung der Gesellschaft, für die Spaltung zwischen verschiedenen Menschengruppen, die sich solidarisieren könnten und müssten, um zu verhindern, dass eine Partei sie gegeneinander ausspielt und am Ende nur einer gewinnt, der globale Finanzkapitalismus bzw. die Menschen, die von ihm profitieren.

Irgendwie kann aber wohl jede/r die AfD benutzen, um sich selbst als Minderheit abgelehnt und somit als Opfer bzw. als (be)schützenswert zu stilisieren. Anstatt sich im Gegenteil über die Einbeziehung von Unterschieden gemeinsam stark zu machen gegen eine gedankenlose Propaganda.
#7 Queer Royal MVP: Unterschiede zuerst herausarbeitenDR 2016-09-07 10:52
Gut. Das wusste ich nicht. Würden Sie mich bitte meinem schlichten Geist entsprechend ganz schlicht aufklären und mir definieren, WAS GENAU ein "feministischer Text" und was genau ein "queerer Text" ist?
Wenn das den Inhalt betreffend das gleiche kommunikative Niveau haben sollte, müssten eigentlich "queere" Texte, wie Sie sie zu meinen scheinen, "queeristische" Texte heißen. Und das ist ein entscheidender Unterschied zu dem, was als "queere Texte" behauptet wird.
Als die Kasch-Texte hier wären dann nach meiner Ansicht "queeristische Texte". Nicht immer royale, aber immer am Thema der Homosexualität wie der dargestellten Homosexualität wie anderen Formen der Sexualität oder dargestellten Sexualität in Theater und Gesellschaft dran. Find ich sehr gut.
Wenn scheinbar feministische Texte heute so beschaffen sind, dass sich irgendeine Frau darin gar nicht wiederfinden oder hilfreich vertreten finden kann und das ist trotzdem niemandem so richtig klar, haben wir auf jeden Fall eine Krise der feministischen Texte. Wenn "queere" Texte sich nicht als "queeristische" Texte begreifen können, haben wir eine Krise dieser Art von Texten. Und wenn Texte zu Homosexualität in Theater und Gesellschaft sich nicht unterscheiden von bisher sogenannten "queeren" Texten, dann missachten wir sie als relevante Beiträge zum gesellschaftlichen Zusammenleben.
Ich bin nicht pauschal pessimistisch, sondern kommunikativ eher pessimistisch aber, wie Sie bemerken aus nahezu Selbsterhaltungstrieb unverdrossen besserwisserisch bis mitunter verzweifelt...
So halte ich die Entstehung der AfD zu erheblichen Teilen hausgemacht, weil hier zuvor eine gesellschaftliche Kommunikation vollkommen gescheitert ist und das mit indifferenten Darstellungen wie Selbst-Darstellung in Genderfragen zu tun hat.
ICH kann das unterscheiden mit den überlieferten Real-Bedingungen für Frauen in der antike und mit dem proklamierten Ideal-Staat Platons. Andere können das nicht. Frau Petry zum Beispiel. Und auch hier glaube ich, dass ein Unterschied vorhanden ist zu Frau von Storch. Die das bestimmt auch unterscheiden kann, aber bisher nicht so unterscheiden wollte. Das muss man jemandem zugestehen können, der mit Schwulen, Lesben oder Transsexuellen in seinem Alltag noch nicht viel mehr als mit Bilderschau vom CSD zu hatte, dass den zunächst davon befremdet ist und daran interessiert ist, dass sich mal von näher anzuschauen, um eventuell sein Urteil zu revidieren oder weil er, vom Chrakter her, sich für Vorurteile die er lauthals verbreitet, eigentlich schämt...
Ganz bestimmt können Schwule und Lesben auch gemeinsam Kinder erziehen, aber man darf nicht so tun, als sei das für die Kinder weniger problematisch zu bestimmten Zeiten in ihrem Leben, als wenn Menschen allein oder als heterosexuelle Paare Kinder aufziehen.
Will sagen: Bevor man sich über die Einbeziehung von Unterschieden gemeinsam stark machen KANN, müssen diese Unterschiede erst einmal dezidiert gesamtgesellschaftlich wirksam herausgearbeitet werden.
Und daran mangelt es.
Zunächst erst einmal für die Erwachsenen.
Und zwar eklatant.
Und wenn das erledigt ist, DANN kann man auch über gesellschaftsrelevante Sexualerziehung im Kindes- und Frühjugendalter reden und die Erfahrungen in der heteronormativen Sexualerziehung nicht einfach abbügeln als vorgestrig...
Und nicht eher.
Es wäre deshalb zunächst vielleicht wichtig, dass sich neben den Medizinern und medizinischen Wissenschaftlern die erwachsenen Homosexuellen darüber verständigten, was denn nun genau Transsexualität und was Drug Queeness unterscheidet. Wenn die das selber schon nicht können, warum sollen das dann die AfD-Geister können, die mit Homosexualität samt ihren praktizierten Spielarten bedeutend weniger Erfahrung haben als Homosexuelle?
#8 Queer Royal MVP: Was meint Queer?Inga 2016-09-07 15:39
@ DR: Meines Erachtens unterscheidet sich der Queer-Begriff nochmal vom Homosexualitätsbegriff und ist viel weiter gefasst, auch politisch betrachtet, nicht allein auf die Sexualität bezogen. Das stört mich auch an Kasch, dass er queer drüberschreibt, aber dann offenbar doch homosexuell meint.

Und warum soll das Problem der AfD hausgemacht sein? Wegen Genderfragen? Wegen Ihrer Angst vor queerer Sexualerziehung? Geht's hier, auch bei der AfD, nicht eher um Geld- und Machtfragen? In Berlin will die AfD, dass die Eltern für die Kitas bezahlen, anders als die SPD, die die Kitagebühren bis 2018 abschaffen will. Ist die AfD also nur das "Negativ" zur SPD bzw. zu den Regierungsparteien? Dann wäre sie sicher keine Alternative, was hoffentlich sowieso schon vielen klar geworden sein dürfte.
#9 Queer Royal MVP: SexualerziehungDR 2016-09-07 17:28
Mich stört das gar nicht an Kasch, weil er ja nicht immer homosexuell meint. Ja, es wäre also hilfreich genau zu definieren, was der queer-Begriff meint, wenn wir also definieren möchten, was genau queere Texte sind. Von denen ich behaupte, dass sie, so wie sie meistens gemeint sind, wenn man über sie sprechen möchte. Zum Beispiel, wenn man behauptet, sie befänden sich in einer Krise, analog zu feministischen eben queeristische Texte heißen müssten. Sie sagen es: nur durch diese Bezeichnungsänderung, wird mit Hilfe der Grammatik eine politische Relevanz nicht nur angedeutet und angeboten, sondern auch von zur Queerness verfassten Texten gefordert.
Der Teil der AfD dem es um Geld- und Machtfragen geht, benutzt den Teil der AfD, den es um - im Moment noch immer -m.E. berechtigte Angst vor zu großer staatlicher Einmischung in den intimen und zu schützenden Bereich der Sexualerziehung im Kindes- und frühen Jugendalter geht. Und damit u.a. erfahrenen Eltern, insbesondere auch erfahrenen Müttern, die Erziehungs- und Bildungskompetenz in diesem Bereich absprechen. Und dieser erziehungs-bewegte, sich von Entmündigung in Fragen der Sexualerziehung bedroht fühlende Teil der AfD benutzt umgekehrt den national orientierten auf Geld und Macht ausgerichteten Teil der AfD.
Hausgemacht ist, dass keine genügende und vor allem keine genügend achtungsvolle Kommunikation in der Gesellschaft stattfindet über Fragen der Sexualerziehung- die wegen des Themas auch viel schwerer zu bewerkstelligen ist als bei anderen, weniger Intimität berührenden Fragen, b e v o r das zu staatlichen Festlegungen in Bildungs- und Erziehungsplänen in Schule und Kindergarten führt.
Der eine wie der andere Teil der AfD bekäme als Einzel-Partei weder genügend Aufmerksamkeit noch politischen Einfluss so wie die Politik in diesem Land momentan aussieht. Deshalb ist die AfD als AfD entstanden und deshalb wird sie zerbröseln, sobald man die Fragen der Sexualerziehung mit der entsprechenden sozialmedizinischen und wissenschaftlichen Kompetenz und dem achtungsvollen Ernst auch gegenüber u.a. Frau Petrys privater Bildungs- und Erziehungserfahrung und nicht nur mit durch Heteromehrheit beleidigter Genderfühligkeit behandelt.
#10 Queer Royal MVP: schwule ErzieherInga 2016-09-07 22:57
@ DR: Aber wie meinen Sie denn das, dass "der Staat" sich angeblich in die Sexualerziehung (die ist aber doch nicht intim wie die Sexualität selbst und damit schützenswert) einmische? Inwiefern denn das? Verstehe ich einfach nicht. Wo soll da das Problem liegen? Ich vermute, die AfD grenzt sich da wieder nur negativ ab, und zwar in Bezug auf die frühen Jahre der Grünen bzw. das Thema der Päderastie (hier vor allem Cohn-Bendit). Aber das ist doch nur Angst vor etwas, das heute in den Kinderläden eh nicht mehr stattfindet. Es soll ja Frauen geben, die deswegen schon hysterisch werden, sobald sie einen männlichen Erzieher sehen. Ich freu mich drüber, der kann auch gern schwul oder queer sein, so what? Hauptsache, er ist liebevoll, das können nicht nur Frauen.
#11 Queer Royal MVP: Profillosigkeitmartin baucks 2016-09-08 06:42
Ein Schuss ins Leere. Sexuelle Ausrichtungen legen einen nicht auf ein Parteibuch fest. Ja und?! Was hat das speziell mit der Wahl in MV zu tun? Das galt vor der Wahl, das gilt auch nach ihr. Nicht heterosexuell sein, heißt ja nicht zugleich auch ein "guter" Mensch zu sein.

Da haben Bürger ihre generelle Unzufriedenheit zu einer politischen Bewegung gemacht. Auch das ist nichts Neues und in einer Demokratir hinnehmbar. Nur Unzufriedenheit ist noch kein politisches Programm. So ein Unwohl-Sein mit allem ist eine Befindlichkeit , die nach Zustimmung giert, und auf Grund eines mangelnden Programmes einigt man sich ersteinmal auf die üblichen Feinde. Das hält zusammen. Wie lange? Das ist eine andere Frage. Aber solange sich CDU, CSU und SPD weiter zerfleischen, wird die AfD weiter steigen. Und entschließt sich die Koalition nun, angesichts des gemeinsamen Feindes, doch wieder näher zusammen zu rücken, steigt die AfD erst recht. Profilosigkeit, Charakterlosigkeit , das sind die wahren Probleme. Mangel an Respekt vor der Demokratie, Breitarschigkeit und Klammern an der Macht ihre Begleitumstände . Nach so einer Niederlage sein Amt als Kanzlerin nicht zur Verfügung zu stellen, diese Ehrlosigkeit jede Konsequenz zu scheuen und einfach so weiter machen, unter dem demokratischen Radar herzufliegen , da liegt der Hund begraben . Wie die Leute dabei auch noch ihren Sex zu Hause gestalten, nun, das interessiert doch in Wahrheit keine Sau. Selbst die AfD weiß doch, dass sie die Themen nur benutzt, fickt, das ist doch ein offenes Geheimnis . Überleben und weiter wachsen können Sie damit nur, weil ein erheblicher Teil der Bevölkerung von der Arroganz der Macht mit all ihren müden Lotuseffekten enorm angekotzt ist.
#12 Queer Royal MVP: MissverständnisseDR 2016-09-08 10:12
#10: Es tut mir leid, dass ich mich hier dazu nicht wirklich effektiv äußern kann, weil die Rate an Missverständnis zu groß ist und wir so zu keinem wirklich effektiven Gespräch kommen.
Sexual-Erziehung/Aufklärung ist schon etwas Intimes. Und zwar, weil es jedes Menschen Intimität berührt. Und deshalb ist es besonders sensibel zu behandeln, wenn es darum geht, staatlich gestützte Bildungs- und Erziehungspläne für die Sexualaufklärung und -erziehung festzulegen.
Das ist eindeutig verabsäumt worden und hat sehr große Verletzungen in ganzen gesellschaftlichen Schichten hinterlassen, die unter anderem die Konsequenz haben, dass die AfD mit ihrer nationalistisch aggressiven Ausrichtung als größte organisierte wirkliche Opposition den Zulauf erhält. Und Zustimmung. Natürlich gibt es auch hier Leute, die sich das Verletzten-Mäntelchen nur umhängen, um nicht als reine Nationalisten enttarnt zu werden. Diejenigen, die das erkennen und die AfD deshalb eigentlich NICHT wählen wollen, fühlen sich aber wegen der unberücksichtigten Widersprüche gegen die vorgesehenen und teilweise schon durchgesetzten Bildungs- und Erziehungspläne in Bezug auf die Sexualaufklärung/erziehung in Kindergarten und Schule woanders derzeit NICHT vertreten. Das hat alles mit den ehemaligen Päderastie-Vorwrüfen gegen die Alt-Grünen (Cohn-Bendit usw.) gar nichts zu tun. Sondern mit Ignoranz beispielsweise gegenüber der in der DDR praktizierten Bildungs- und Aufklärungserfahrung.

Selbstverständlich kann ein schwuler Erzieher oder ein queerer genau so liebevoll mit Kindern umgehen wie jeder andere auch, wenn er das kann. Einen schwulen Erzieher kann ich auch meinem dreijährigen Kind erklären, wenn es mich irgendwas dazu fragt.(Und zwar NUR dann. Das ist eines der allerwichtigsten Prinzipien bei der Kindererziehung und Sexualaufklärung: Das Kind allein bestimmt, ganz individuell verschieden kann das sein, WANN es etwas jeweils konkretes zu Körper, Geschlechtlichkeit und Umgang damit wissen WILL) Einen queeren nicht. Und deshalb würde ich es nicht in eine Kita bringen, in der es einen queeren Erzieher gäbe. Weil es das Kind zunächst andere kognitive und seelische Lernarbeit im Selbstwerdungsprozess zu bewältigen hat, als sich bereits in dem Alter so dezidiert mit Sexualität auseinandersetzen zu müssen. Es gibt gewiss sogar homosexuelle Elternpaare, die das ebenso sehen wie ich. Allerdings ist auch die Chance für queere Menschen, eine Erzieherausbildung zu absolvieren, sowie eine Stelle im Erziehungsbereich zu bekommen, extrem gering. In aller Regel brauchen sie selbst bis weit in ihre dreißiger Lebensjahre, um ihre eigene sexuelle Ausrichtung, deren Darstellung und die damit verbundenen sozialen Schwierigkeiten zu erkennen, genau zu benennen und damit irgendwie zunhächst ihren privaten Platz zu finden. Und vorher kann man sich auf eine Ausbildung im Kindererziehungs- und Bildungsbereich auch gar nicht konzentrieren. Deshalb muss ich eher über die allgemeingültig gemachte Erziehung und Bildung der Kinder in dem Bereich reden als über die Chance für einen queeren Menschen, der Erzieher werden möchte, dies auch ohne bürokratische Schwellen werden zu können. Alles andere ist Idealismus in Reinkultur und keine demokratische Politik.
#13 Queer Royal MVP: VorurteileInga 2016-09-08 11:17
@ DR: Och nö, jetzt wieder die DDR als Aushängeschild. Ich kann und will Ihrer Argumentation so, wie Sie sie führen wollen, leider nicht folgen. Ich würde NIE für die AfD plädieren, in keinem Fall. Auch nicht, wenn es um Ignoranz gegenüber der DDR-Aufklärungs- und Bildungserfahrung geht. Bitte?! Was soll denn DAS heissen?! Im Westen gab's das doch alles auch. Wir kommen hier nicht mehr zueinander, würde ich sagen. Queer heisst doch eben nicht nur Sexualität, meine Güte, diese Vorurteile. Dass ein solcher Erzieher dann keine Stelle finden würde und bis in die 30er Jahre erstmal nach seinem eigenen Selbst suchen müsse. Woher haben Sie die? Und warum soll ein queer lebender Erzieher denn nun nicht liebevoll agieren können, warum der denn nun gerade nicht?
#14 Queer Royal MVP: ärgerliche Debattemartin baucks 2016-09-08 14:12
Absolut ärgerlich . Da gibt es die größte Verschiebung in der Parteienlandschaft seit der Wende und hier wird über queere Pädagogen debatiert. Als ob man nicht wüsste, dass die größte Gefährdung für Kinder in den meisten Fällen von den eigenen Eltern ausgeht, egal ob queer oder nicht. Gefährdungen für Kinder verteilen sich sauber über alle gesellschaftliche Gruppen. Rein rechnerisch dürfte wohl von Minderheiten die geringste Gefahr ausgehen, denn sie sind in der Minderzahl. Außerdem interessiert es mich einen Dreck, angesichts der Wahl in MVP, wer sein Kind nicht in welche Kita geben will, weil dort ein queerer Pädagoge/in arbeitet. Wenn würde ich mich mehr vor Katholiken/innen fürchten. Kinder orientieren sich doch mehr daran, was für eine Anerkennung jemand von seinen Eltern bekommt, daran richten Sie sich aus. Und wenn die Eltern Ablehnung signalisieren, dann beginnt das Problem erst, vorher nur selten.

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