Was soll das Theater?
Aufruf zur Gründung einer neuen Volksbühnenbewegung

von Guillaume Paoli

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Berlin, 28. September 2016. Berlin, so wird uns erzählt, ist wieder eine geteilte Stadt. Nein, damit ist nicht die Schere zwischen arm und reich gemeint. Auch nicht die rechts-links Polarisierung. Die Teilung sei eine kulturelle. Auf der einen Seite stehe das alte Berlin, lokalpatriotisch, rückwärtsgewandt, populistisch, ängstlich und negativ. Auf der anderen Seite die kosmopolitischen, kreativen, coolen, wirtschaftsfreundlichen und überaus positiven Neuberliner. So minoritär diese Schicht noch ist, sie verkörpere die Zukunft der Stadt, dementsprechend werden alle aufgefordert, sich nach ihr zu richten.

So argumentiert der Noch-Staatssekretär Tim Renner, um die geplante Neugestaltung der Volksbühne zu rechtfertigen. Wie gewohnt wird hier eine politische Entscheidung als "unumgängliche Reform“ verkauft und jede Kritik als "Angst vor dem Neuen" disqualifziert. Der Streit ist aber ein anderer. Vordergründig geht es nicht um einen Konfikt zwischen "konservativen" Fans von Frank Castorf und "progressiven" Befürwortern des designierten Intendanten Chris Dercon. Erst recht nicht um Besitzstandswahrung.

Kulturpolitik als Teil des Stadtmarketings

Soweit ist klar: Um ihrer Tradition treu zu bleiben, muss sich die Volksbühne verändern. Die Frage ist: Von wem, wie, mit welchen Kriterien und zu welchem Zweck diese neue Identität defniert wird?

Der designierte Intendant kommt aus der Tate Modern, eine Institution, die eine Schlüsselrolle in der so genannten "urban regeneration" Londons spielte. Nachdem dort die Bevölkerung durch horrende Mietpreise aus dem Stadtkern vertrieben wurde, musste die friedliche Koexistenz von Touristenscharen und globaler Oberschicht gewährleistet werden. Dafür steht die Tate Modern. Freilich ist Berlin noch nicht so weit. Doch wird jetzt Kulturpolitik nur noch als Teil des Stadtmarketings betrieben. Für Renner und Dercon sind Kreativwirtschaft und Tourismus die einzig relevanten Parameter. Die Restbewohner können wohin auch immer baden gehen.

Chris Dercon selber erklärt, dass die bildende Kunst an Durchökonomisierung gestorben sei.
Darum möchte er sich jetzt dem Theater widmen. Die Aussage kann man auch so deuten:
Der saturierte Kunstmarkt ist auf der Suche nach neuen Quellen der Wertschöpfung. Theater
ist ein weitgehend unerschlossenes Feld. Es soll also aufhören, sich als "Insel" zu betrachten
und stattdessen sich für die Vermarktung "öffnen".

Das geht natürlich nicht ohne gründliche Veränderung seines Wesens. Da die anvisierte Zielgruppe kein Deutsch spricht, ist Sprechtheater ein obsoletes Genre geworden. Privilegiert werden nicht-verbale Kunstformen wie Tanz, die leichter exportierbar sind. Wo Innovation drauf steht, kann Regression drin sein. Anachronistisch ist allerdings das aufgewärmte McKinsey-Sprech aus den Nuller Jahren, womit jetzt für das Neue geworben wird. Die Zeiten sind längst vorbei, da der Anblick von Projektmachern mit Laptops in Straßencafés als Zeichen der Vitalität gedeutet werden konnte.

Kosmopolitische Events oder Berlinerfahrung

Merkwürdig an der Argumentation ist, wie sie der eigenen Logik widerspricht. "Kosmopolitisch“ wird eine Politik genannt, die auf international renommierte Stars setzt, welche keinen konkreten Bezug zu der Stadt haben. Nur: Wieso sollten Touristen herkommen, wenn ihnen bloß austauschbare Events angeboten werden, die sie ebenso gut in Barcelona bekommen hätten, mit schönerem Wetter obendrein? Schlauer wär's, ausländischen Gästen ein unersetzbares Stück Berlinerfahrung anzubieten.

Ai Weiwei schimpft gegen das "linke Establishment" um die Volksbühne: "Was ist das Problem mit Kommerz? Alles ist Kommerz!“ Dabei haben die klügsten Unternehmer längst begriffen, dass gerade der Primat des kommerziellen Denkens die Innovationskraft der Wirtschaft drosselt. Auch für den Kommerz sind nicht-kommerzielle Motivationen unerlässlich. Am Beispiel der Medien lässt sich feststellen, dass marktorientierter Wettbewerb nicht Pluralität, sondern Angleichung produziert.

So sehr die offene Gesellschaft besungen wird: Die jetzige Kulturpolitik richtet sich an eine
ziemlich geschlossene Gruppe: die heile Welt der Startuppers und der mobilen Unternehmer.
Freilich kam nie "das Volk" in die Volksbühne, doch immerhin ist das Publikum sozial
durchmischt. Nun soll am Rosa-Luxemburg-Platz noch eine abgesonderte Blase für global
vernetzte Bürger entstehen.

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Aufgrund ihrer Geschichte ist die Volksbühne ein starkes Symbol für Berlin. Man kommt
nicht um den Gedanken umhin, dass sie gerade deswegen für die Restrukturierungspläne der
Stadt auserwählt wurde und nicht etwa das Haus der Berliner Festspiele.

Um 1890 entschieden Berliner Arbeiter, sich einen eigenen Zugang zur Kultur zu verschaffen, da dieser ihnen verwehrt war. So entstand die Volksbühnenbewegung. Das Publikum konstituierte sich selbst. Dezidiert anti-kommerz. Am Ende dieses Zyklus kehren wir zu einer Situation zurück, wo die Abgehängten als vernachlässigbare Größe behandelt werden. Die Volksbühne entstand mit der Sozialdemokratie; jetzt ist die Frage, ob sie mit ihr untergehen muss.

Die wirklichen Neuerungen des Theaters entstanden immer im Widerspruch zu den bestehenden Institutionen. So war das mit Piscator oder Besson. Wenn versucht wurde, sich an den Zeitgeist anzupassen, kam nur Spießiges hervor. Hätten bereits 1992 Marketing und Prestige die Oberhand gehabt, wäre Frank Castorf niemals Intendant geworden.

Ohne linke Kritik wäre der Kapitalismus längst untergegangen

Hinter dem Modernisierungsgerede scheint sich vielmehr der Wunsch zu verbergen, mit dem haustypischen Auftreten Schluss zu machen: hart, wild, schmutzig und widerspenstig.

Wenn behauptet wird, im gut subventionierten Haus sei Antikapitalismus ohnehin nichts als
Pose und Heuchelei, dann heisst das: Genug in die Suppe gespuckt! Jetzt soll eine bejahende, positive Einstellung auftreten. Was dem Argument fehlt, ist die Dialektik. Ohne linke Kritik wäre der Kapitalismus längst untergegangen.

Veränderung im Renner'schen Sinne heisst Verewigung des Kulturbetriebs als tragender
Wirtschaftsfaktor. Es sollen "nachhaltige Strukturen" aufgebaut werden. Kunst hat aber mit
Nachhaltigkeit nichts zu tun. Die Kunst ist nur am Leben, wenn sie ihre Selbstaufösung vor
Augen hat. Schließlich mag es gut sein, dass das Sprechtheater sich überlebt hat. Die Frage
wird aber nicht von Marktforschern beantwortet, sondern von den Theaterschaffenden selbst.

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Aus den oben genannten Gründen ergibt sich die Notwendigkeit, die Volksbühnenbewegung
neu zu gründen. Nicht hausintern, nicht spezifsch für die Fans, sondern offen für alle, auch
für die freie Szene oder Menschen, die mit Theater nichts am Hut haben.

Dafür gibt es einen unmittelbaren Anlass: Gerade hat die Berliner Wahl eine neue politische Konstellation hervorgebracht. Die Situation ist also günstig, um die Entscheidung für die Zukunft der Volksbühne zu überdenken. Noch ist es nicht zu spät, um eine Lösung zu fnden, die den Wünschen der Regisseure, Schauspieler, Belegschaft, Theaterkritiker sowie des überwiegenden Teils des Publikums entsprechen würde.

Demokratisches Verlangen

Natürlich kann es nicht darum gehen, die Castorf-Intendanz zu verewigen (selbst wenn eine
kleine Verlängerung nicht schaden würde). Wünschenswert wäre eine Übergangszeit, um in
Ruhe eine breite Diskussion über die Funktion des Hauses und die kulturellen Bedürfnisse
der Stadtbewohner zu entfachen. Dazu will die Volksbühnenbewegung beitragen. Ja, ein
Neustart ist notwendig. Dieser darf aber nicht hinter verschlossenen Türen bestimmt werden.
Die Volksbühne entstand aus einem demokratischen Verlangen. Sie kann nur fortbestehen, in
dem sie dieses Verlangen bewahrt.

Sollte jedoch Chris Dercon die Intendanz übernehmen, würde die Bewegung nicht zögern, alles von vorne zu beginnen. Unter dem Namen Die wahre Volksbühne wird sie dann Abende in eigener Regie veranstalten, die den Hausgeist weiter geistern lassen werden. Wie im ersten Vierteljahrhundert ihres Bestehens würde die Bewegung von einem sympathisierenden Ort zum anderen wandern. Die Stadtbewohner hätten dann die Wahl, in die Ware volksbühne oder in die wahre Volksbühne zu gehen. Das wäre ein Beitrag zur kulturellen Vielfalt.

Zweifellos werden genügend Regisseure, Schauspieler, Musiker, Techniker, Theoretiker, Praktiker und Besucher diese Initiative unterstützen, und sei es nur als trotzige Behauptung. Von der geplanten Intendanz glaubt Tim Renner, behaupten zu können: "Es gibt keine Alternative". Welch ein unberlinischer Satz! Wir lassen uns nicht wegkuratieren.

 

Guillaume Paoli 180 uGuillaume Paoli, geboren 1959, lebt seit 1992 als Publizist in Berlin. Er war Theoretiker der "Glücklichen Arbeitslosen", die um die Jahrtausendwende an der Volksbühne mit Aktionen auftraten, und Mitherausgeber ihrer Zeitschrift "müßiggangster". Von 2008 bis 2013 arbeitete er als Hausphilosoph des Leipziger Centraltheaters unter Intendant Sebastian Hartmann.

Die Gründungsveranstaltung der Volksbühnenbewegung findet am 4. Oktober 2016 um 20 Uhr im Roten Salon der Volksbühne statt, im Anschluss an die Veranstaltung "Die letzten Tage der Sozialdemokratie" mit Jürgen Kuttner und Guillaume Paoli.


Mehr zur Volksbühnen-Debatte:

Berliner Rathaus-Dialog – Chris Dercon spricht und schweigt über seine Pläne mit der Berliner Volksbühne

Tim Renners Geburtstagsgrüße an Frank Castorf – Inmitten der Debatte um die Zukunft der Volksbühne lässt sich Tim Renner zu pikanten Fantasien hinreißen

Blog – Was ist eigentlich der Herr Dercon für einer?

Offener Brief: Internationale Kulturarbeiter*innen unterstützen Chris Dercon

Tim Renner reagiert auf Offenen Brief aus der Volksbühne

Offener Brief Volksbühne

Die Volksbühnen-Debatte - Nachtkritiker*innen sagen, warum die Diskussion ums Haus am Rosa-Luxemburg-Platz sie (nichts) angeht

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Paolis VB-Bewegung: für wen?martin baucks 2016-09-28 14:25
Man kann den ganzen Artikel, der kein einziges neues Argument hervorbringt, in einem Satz zusammenfassen: Wir, die Volksbühne, sind die Guten!

Ansonsten ist es nur ein weiteres Schriftstück in dieser endlosen Kampagne, die keine offiziellen Gegendarstellungen wünscht und einholt.

Ich für meinen Teil habe es jetzt begriffen. Sie müssen mir die Geschichte nicht mehr jeden Tag neu aufbereiten.

Für wen machen sie es also, liebe Redaktion?! Für die Guten?! Und gegen das Böse?!
#2 Paolis VB-Bewegung: Dercon schweigtNikolaus Merck 2016-09-28 15:26
Verehrter Baucks,
wir bemühen uns seit langem, eine Position von der designierten Intendanz Dercon einzuholen. Derzeit will sich das Team nicht öffentlich äußern.
Mit freundlichem Gruß
Nikolaus Merck
#3 Paolis VB-Bewegung: guter Vorschlagdabeigewesen 2016-09-28 15:43
Ich weiß nicht, Herr Baucks, ist doch eigentlich ein prima Vorschlag. So gibt es dann einen Kondensationspunkt, und wir können uns darauf freuen, demnächst die Produktionen der 'wahren Volksbühne' in einer der zahlreichen Stätten der Stadt, oder auch international zu sehen. Vermutlich gibt es für diese freie Gruppe auch Förderung, die Mittel dafür sollen ja gestiegen sein. Herr Dercon, dem man nachsagt, Trends zu erkennen, etc.pp., lädt die 'wahre Volksbühne' vielleicht auch in die echte Volksbühne ein, oder Herr Oberender sie in die 'freie Volksbühne'...
#4 Paolis VB-Bewegung: Ai Weiwei ranmartin baucks 2016-09-28 15:48
Dann führen Sie doch mal ein Gespräch mit Ai Weiwei über Dercon, lieber Merck. Oder lassen ihn einen Artikel über die Zukunft der Volksbühne schreiben. Der ist doch in Berlin leicht erreichbar. Wohnt direkt bei mir um die Ecke.
#5 Paolis VB-Bewegung: warum er?Irmela Kammelt 2016-09-28 17:37
Gehört der Ai Weiwei denn jetzt auch schon zur Dercon-Mannschaft? Oder warum sollte er denn einen Artikel über die Zukunft der Volksbühne schreiben? Weil er bei Ihnen um die Ecke wohnt, Herr Baucks?
#6 Paolis VB-Bewegung: Umfeld befragenmartin baucks 2016-09-28 19:23
Frau Kammelt,

weil er eine Meinung zur Volksbühne hat, die er auch schon äußerte. Und weil er Dercon kennt und über ihn etwas sagen kann.

Und wenn wir schon dabei sind, Herr Merck, dass sich das Team nicht direkt äußert in der Vorbereitungsphase ist nichts Besonderes, Castorf äußert sich ja auch nicht zu Dercon. Aber das Team hat ja auch noch ein Umfeld, das man befragen kann. Sie können ja auch mal Eliasson anfragen.

Und nochmals zu ihnen Frau Kammelt, ja warum nur ?! Vielleicht um nicht ganz so arg tendenziös zu wirken, sollte man eventuell auch einmal profilierte Fürchsprecher Derco's zu Wort kommen lassen. Nur mal so, um der freien Meinungsäußerung willen.
#7 Paolis VB-Bewegung: Idee für etwasKoch 2016-09-28 19:58
Es ist doch eine Idee für etwas und nicht gegen etwas.
Wieso dagegen schreiben.
Einfach machen lassen.
Wie designierte Intendanten!!!
Immerhin eine Aktivität!
Und eine Idee!!
Und eine Äusserung!!
#8 Paolis VB-Bewegung: Klassenkampfeau minerale 2016-09-29 17:22
KLassenkampf !!
#9 Paolis VB-Bewegung: MenschenkampfMartin Waßmann 2016-09-29 18:04
Klassenkampf, ja. Genau das habe ich bei der Rhetorik von Herrn Paoli auch gedacht. Meine Güte. Mein Eindruck ist nur, dass es dabei wenig um Theater oder die Arbeit am Theater geht, sondern eher um ein Menschen-Biotop. Heißt vor allem, dass man bestimmte Menschen einfach nicht um sich möchte. Das Ganze liest sich wie eine Rede von Karl Eduard von Schnitzler.
#10 Paolis VB-Bewegung: altes DenkenInga 2016-09-29 23:28
Ist ja okay, was der Paoli so schreibt, aber mal ehrlich, was heisst das eigentlich genau? Paoli macht also die Gleichung auf Arbeiter = Abgehängte? Aha. Alles Opfer, diese abgehängten Arbeiter. Mit so einer Haltung kommt man sicher weiter. Ziemlich altes Denken, finde ich, denn die alte, sozialdemokratische "Arbeiterbewegung" passt nicht mehr in die aktuelle Dienstleistungs- bzw. Informationsgesellschaft, ob man diese nun ablehnt oder nicht. Warum also von solch abgehängten Ideen schreiben, wenn es heute längst nicht mehr allein um "den Arbeiter", "das Proletariat" bzw. "den Klassenkampf" geht?

Und ist dieses angeblich "haustypische Auftreten" von "hart, wild, schmutzig und widerspenstig" (immer nur das?, wie einseitig) nicht eben doch, auch gesamtgesellschaftlich betrachtet, zum Lifestyle bzw. Kult mutiert? Was ist daran noch Leben, denn wenn, dann erwachsen nur aus dem Leben die Widersprüche, und was tatsächlich nur noch VB-Pose?

Schließlich, wie ist der folgende Satz zu verstehen?: "Ohne linke Kritik wäre der Kapitalismus längst untergegangen." Der Kapitalismus zerstört sich doch sowieso von ganz allein. Welche Rolle spielt dabei dann die linke Kritik? Ohne die würde es den Kapitalismus also nicht mehr geben, sagt Paoli? Na, wäre doch prima. Aber wofür braucht's dann nochmal diese alte, linke Kritik? Ist das missverständlich formuliert oder stehe ich auf der Leitung?
#11 Paolis VB-Bewegung: Verantwortung allerLinda 2016-09-30 09:17
Es ist erstaunlich:
Herr Baucks erklärt seit einigen Wochen auf dieser Seite jeden neuen Beitrag zum Thema Volksbühne zu einem überflüssigen, macht sich aber selber stets zum Protagonisten jeglicher Debatte darunter.
Kaum einer kann bei seiner hohen Posting-Frequenz noch mithalten.

Damit ist Herr Baucks (ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt) dafür mitverantwortlich, dass in den Nachtkritik Kommentarspalten die Debatte nicht verstummt. Die Volksbühnen/Renner/Dercon-Meldungen werden auch durch Herr Baucks gefühlte alle-15-Minuten Beiträge immer wieder in der aktuellen Liste nach oben gerückt und bekommen so eine besondere Aufmerksamkeit.

Herr Baucks, welches Spiel spielen Sie, Sie Schelm?

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Ihre diversen derzeit zur Uraufführung freien Stücke endlich gespielt werden. Sie sind ein von mir hochgeschätzter Autor, der nach meiner Ansicht derzeit sein hysterisch-böses-dramatisches Pulver konzentriert verschießt. Gehen Sie hier nicht etwas verschwenderisch mit Ihren sprachlichen und geistigen Talenten um?
#12 Paolis VB-Bewegung: Was soll man machen?martin baucks 2016-09-30 11:18
Liebe Linda,

so lange die Redaktion jeden Tag was Neues raus haut, was soll man machen, da hält man halt dagegen. Es ist ein Geben und Nehmen.
#13 Paolis VB-Bewegung: eher dünnIrmela Kammelt 2016-09-30 13:54
Es ist ja auch nicht zu übersehen, dass von Dercon direkt nichts kommt. Stattdessen sprach Herr Ehmann, der aber damit eher den Job von Renners Pressesprecher machte. Und für Dercon hat Renner in der taz ein paar eher unwichtige Details zum Zeitplan verraten. Vielleicht sollte Dercon eine Pressekonferenz erspart werden, die werden immer so teuer. Alles also eher dünn. Ich finde das gut, hier in der Zwischenzeit noch ein paar Dinge zu beleuchten.
#14 Paolis VB-Bewegung: stochernmartin baucks 2016-09-30 14:01
Es ist er ein Fischen und Stochern im Trüben Frau Kammelt!!!
#15 Paolis VB-Bewegung: entleertsusann immekeppel 2016-09-30 14:52
Wie auch immer sich die von Giullaume Paoli angeregte Bewegung artikulieren wird - sie ist eine sich aufdrängende Option (!), dem tolldreisten Dekonstruktion der Berliner Theater in einer noch zu findenden Form Widerstand zu leisten. Ob sichtbar oder nicht, ob laut oder nicht - es geht v.a. um eine Ansage gegen die "Kulturpolitik als Teil des Stadtmarketings", das uns eine mediocre, pompöse, selbstgefällige, substantiell entleerte Bedeutungshuberei indoktriniert, um einen Zerfall zu bestreiten, dem die Ära Castorf mit verschiedensten Aufführungen ein Gesicht gab. Der Zerfall, die Dichterin Ann Cotten sagte es jüngst so schön in einem von Gutbürgern nicht goutierten Blatt namens Abwärts : "der Zerfall konstruiert ständig /lernend ein Gefühl von Kompetenz, indem man das, was man unfreiwillig erleidet, kontrolliert nachahmt",
Man kann sich also eine Dercan-Krone aufsetzen oder eine Sasha-Waltz-Modernisierung vortäuschen, Entropie läßt sich nicht aufhalten. Die Volksbühne hat jahrelang Zerfallserscheinungen thematisiert und wird dafür abgegessen und aufpoliert, damit der Zerfall als letzter Marktschrei das hippe Berlin poppt. Danke, lieber lasse ich mir das verwirrende "Raspad" vorführen, um nicht zu vergessen, wo ich mich aufhalte - nämlich in einer unerträglichen Geringschätzung aufklärender Instanzen, wie viele Postings hier beweisen. Was für ein bürgerliches Gehechel, Gemeuchel und Gehader. Laß uns eine Bewegung wagen, Paoli. Eine mehr, die sich positioniert.
#16 Paolis VB-Bewegung: Dercon und Castorf à la Trump und Clintonmartin baucks 2016-09-30 19:07
Liebe Frau Immekeppel,

warum diskutieren das Dercon und Castorf nicht einmal in einem öffentlichen Gespräch aus. Es gibt nicht einen Grund , warum ein solches Gespräch nicht stattfinden sollte. Clinton und Trump treten ja auch zu solchen "Dialogen" an. Dann sehen wir weiter. Das Team Dercon wie Menschen zu behandeln, mit denen man nicht reden darf, das ist die eigentliche Entropie.
#17 Paolis VB-Bewegung: Vive le mouvementD.E.D. 2016-10-01 05:19
Nicht nur Berlin ... Weltweit: mit dem, was auf uns zurollt, und schon teilweise da ist, nicht mehr sich positionieren ... sondern partei ergreifen ... wird die einzige Perspektive sein. Also dann, wenn baden, dann richtig. Vive le mouvement.
#18 Paolis VB-Bewegung: Fritsch an der SchaubühneStefan 2016-10-01 11:15
Ach, bin ich froh!

Der Fritsch "wird ab der Spielzeit 2017/18 regelmäßig an der Schaubühne inszenieren" !

Quelle: Newsletter der Schaubühne
#19 Paolis VB-Bewegung: auf PodienTramp 2016-10-01 11:37
Castorf redet nicht auf Podien, er inszeniert. Schon deshalb vertritt er Theater. Warum soll er sich in einen Dialog begeben, außer in den mit der Theaterkunst als solcher? Ich glaube nicht, dass er sich darauf einlassen würde, sich zu entscheiden, ob er Clinton oder Trump spielen soll. Übrigens glaube ich das auch nicht von Dercon. Wenn auch aus anderen Gründen als sie vermutlich Castorf hätte. Bin aber gern bereit, mit Baucks auf einem Podium Castorf und Dercon zu spielen, die gegen Renners Kohle sich dreinschicken sollen, für Publikum Trump und Clinton im Duell zu spielen, weil das offenbar besser als Theaterkunst in Neu-Berlin kommt... (...)
#20 Paolis VB-Bewegung: rasend schnell klärenmartin baucks 2016-10-01 13:50
Das sehe ich ein wenig anders, lieber Tramp. Wenn die beiden öffentlich auf einem Podium debattieren würden, würde sich wahrscheinlich rasend schnell klären, was für eine Luftblase die Volksbühne und die Medien gerade produzieren. Es käme wahrscheinlich einer wunderbaren Entzauberung gleich und übrig bliebe nur ein Blupp. Castorf traut sich einfach nicht!
#21 Paolis VB-Bewegung: Foren trollenBartin 2016-10-01 19:50
Dieser NLP-Sprech ist ja wirklich unerträglich. Also mal im Ernst: Castorf und Dercon auf nem Podium, so eine Art Debatte, und die "Blase würde sich auflösen", ja, nee ist klar. So ein Quark, eine 25jährige in seiner Wirkung epochale Intendanz mit zwischenzeitlichen Ermüdungserscheinungen, aber unbestrittenen Höhepunkten als Blase zu bezeichnen und unausgegorener Kuratoren-Sprech überhaupt gleichzusetzen. Dieses hochfrequente Forentrollen ist wohl eine Art ABM. Na Danke.
#22 Paolis VB-Bewegung: SMS von Tim RennerHans Zisch 2016-10-02 00:33
Sicherlich wäre ein älterer Thread inhaltlich passender, aber die Diskussion lodert momentan wohl eher hier.

Ist das eine Ente oder keine?

www.morgenpost.de/kultur/article208334349/Tim-Renners-kuriose-SMS-an-die-CDU.html

Die Morgenpost, die (in einem versteckt subversiven Akt??) zuletzt noch Tim Renners bübischen Geburtstagsgrüßen an Frank Castorf den Steigbügel hielt, lanciert nun eine vertraulich an die CDU gerichtete SMS, die Rot-Rot-Grün und der Linken in die Hände spielen sollte?

Spannend wäre es allemal. Aber ist es auch so?
#23 Paolis VB-Bewegung: nicht alle Entscheidungen Renners sind schlechtHans Zisch 2016-10-02 00:42
@20: Geschmackssache. Vielleicht hat Castorf das schlicht nicht nötig; und Dercon traut sich nicht. Auf dem Niveau kommen wir nicht weiter.

Der irregeleiteten und desaströs begründeten Grundsatzentscheidung der derartigen Neubesetzung kommt man nicht mit einer Podiumsdiskussion mit Amtsinhaber und -nachfolger bei!

Sondern nur mit: informierten, wohlbegründeten, transparenten, geschichts- und stadtbewussten Entscheidungen.

Noch was: Warum kann Paul Spies ein Konzept für seinen Teil des Humboldtforums vorlegen, aber Dercon keines für die Volksbühne? Nicht alle Entscheidungen von Renner sind/waren schlecht!
#24 Paolis VB-Bewegung: Handschlagmartin baucks 2016-10-02 10:19
Seit wann Bitteschön ist es niveaulos auf einem Podium miteinander zu reden. Ich dachte immer den Handschlag zu verweigern und Verhältnisse zu schaffen, in denen kein Dialog mehr möglich ist, sei ohne Niveau. Einige scheinen sich hier ja recht wohl in ihren Gräben zu fühlen und meiden lieber das offene Gespräch . Das wäre dann wohl eher ein fragliches Niveau im Umgang.
#25 Paolis VB-Bewegung: WikiUlrich Heinse 2016-10-02 10:52
Wikipedia: "Der Ursprung der Volksbühnen-Bewegung liegt in Berlin im ausgehenden 19. Jahrhundert. 1890 wurde dort die Freie Volksbühne mit dem Ziel gegründet, überwiegend Arbeitern Theaterbesuche zu ermöglichen und das bis dahin vom Bürgertum gehaltene Bildungsmonopol zu durchbrechen." Der Begriff ist längst besetzt ;-)
#26 Paolis VB-Bewegung: SchulhofHans Zisch 2016-10-02 11:34
@24: Sie haben mich nicht verstanden. Niederes Niveau ist es, sachargumentefrei (hab ich was übersehen?) ein "XY traut sich nicht" in den Raum zu werfen. Das klingt eher nach Schulhof.

Warum bitteschön sollten Castorf und Dercon auf einem Podium sprechen? Wäre es nicht viel angebrachter (gewesen), Tim Renner hätte ein Podium von Experten *VOR* seinen Dekreten veranstaltet? (Siehe auch Jürgen Kuttner vorgestern in der Berliner Zeitung.) Stimmen Sie mir da zu?

Chris Dercon wäre (nach Tim Renner, wie gesagt) noch am ehesten in der Pflicht, sich auf einem öffentlichen Podium zu verhalten. Denn: er kommt. Castorf: geht. Er hat sich hinreichend verhalten, nicht nur auf 3sat. Gucken Sie mal "Kabale der Scheinheiligen".

Dercon hätte schon viel früher erkennen müssen, dass er von Tim Renner in eine ungute Situation verbracht worden ist. Ich bin sicher, die Stadt würde ihn in anderer Konstellation offenen Armes empfangen. Auswege gäbe es jede Menge. (Nicht nur das von Peymann geforderte Zahlen-Sie-ihn-aus.) Nach der Abgeordnetenhauswahl umso mehr. Aber mit jedem Tag Aussitzen wird das schwieriger.

Wie lang ist eigentlich Dercons Vertrag?
#27 Paolis VB-Bewegung: 5Irmela Kammelz 2016-10-02 12:28
5 Jahre.
#28 Paolis VB-Bewegung: Kindergartenmartin baucks 2016-10-02 12:46
Schulhof?! Viel schlimmer, Herr Zisch! Nicht mit einander zu reden und an einen unüberbrückbaren Konflikt zu konstruieren und an ihm festzuhalten , das ist Kindergarten!
#29 Paolis VB-Bewegung: AbschussHans Zisch 2016-10-02 13:29
@28: Da stimme ich Ihnen zu. Demokratischer Kindergarten ist es, aus einer Positionen der formalen Macht (Renner) Entscheidungen ohne entsprechendes fachliches Backing und ohne Rücksicht auf Verluste (Castorf, Waltz) zu treffen und danach daran festzuhalten, ohne *vorher* zu reden (im weiteren Sinne).

Im *Nachhinein* mit jemandem nicht zu reden, der sich in der Gloriole des Besserwissers sonnt (vgl. "lange Amtszeit" als Kernargument, vgl. Geburtstagsglückwünsche), kann ich niemandem verdenken. Was gäbe es da noch zu retten? Was soll das bringen? An Sagen Sie es mir.

An seiner Brillanz als Theaterleiter muss Dercon schon selbst arbeiten. Genau wie jede/r andere auch. Was seit Castorfs Abschuss passiert ist, sollte niemanden überraschen. Nur jemanden, der wirklich gar keine Ahnung der Berliner Theaterlandschaft hat.
#30 Paolis VB-Bewegung: Hohe Schulemartin baucks 2016-10-02 15:36
Demokratie ist kein Kindergarten, sondern „Hohe Schule“, Herr Zisch. Renner und Müller waren berechtigt solche Entscheidungen zu fällen und sie taten es vor einem anderen Hintergrund, einem, der ihnen nicht gefällt. Das eigene Missfallen als Inkompetenz auszulegen, ist der erste Fehler, an der Konstruktion eines unüberbrückbaren Konfliktes festzuhalten der zweite.

Wenn sie etwas an der demokratischen Entscheidungsstruktur im Kulturbereich modifizieren wollen, müssen sie die politischen Verhältnisse ändern und aufhören auf ihre Protagonisten einzudreschen, die allesamt demokratisch legitimiert sind.

Dercon und Castorf als Antagonisten zu behandeln, ist trügerisch.

Alles was die Volksbühnenbewegung Dercon vorwerfen möchte, kann man auch Castorf ankreiden.

Er ist ebenso ein neoliberaler, aufgeklärter Monarch wie Peymann, der sein Ensemble auf zehn Festangestellte und drei Unkündbare reduziert hat und eine gleichermaßen demokratiefeindliche Haltung einnimmt. Er hat eine Marke kreiert und als Original kommerzialisiert. Seine künstlerischen Äußerungen im Bereich des Politischen sind uneindeutig, verwaschen und oszillieren zwischen einem autoritären Anspruch und einer konservativen Theaterauffassung der Postmoderne. Den Originalitätsanspruch seiner Marke betrachtet er auf der Leitungsebene als personengebunden und behandelt ein staatliches Theater demzufolge wie einen Erbhof. Das ist zutiefst verwerflich. Er ist nicht in der Lage nach einem Vierteljahrhundert von der Macht zu lassen und anderen einen Vorteil zu gewähren.

Ich bin der Überzeugung, dass er auf einem offenen Podium keinesfalls in der Lage wäre die gegen Dercon erhobenen Vorwürfe aufrecht zu erhalten. Zu leicht wäre die Kritik, Dercon sei lediglich ein neoliberaler Eventmanager des Verwechselbaren von ihm selber, Dercon zu widerlegen. Solche Streitereien kann man nur als Grabenkriege am Leben erhalten. Im offenen Feld zerstreuen sie sich zunehmend, vor allem dann, wenn man selber in der Vorhölle der Neoliberalen, in Bayreuth produziert und seine Marke über eine ganze Nation verteilt. Das Original hat seine Heimat längst verlassen und kommt nur noch aus der Ferne, wo er sein Produkt flächendeckend vermarktet, zur Saisoneröffnung ins ehemalige Stammhaus eingeflogen.

Castorf selber hat mit seinem Stil so manchem Haus seine Unverwechselbarkeit genommen und ihm seinen Stil entweder durch Epigonen und auch selber aufgedrückt. Das diese Verdrängung anderer Stile nicht nur geduldet, sondern sogar gewünscht wurde, war ein früher Fehler. Nun neigt sich diese Ära der Dominanz und Demokratiefeindlichkeit seinem Ende zu und das ist der eigentlich fruchtbare Moment, den man, wenn man nicht verblendet ist, auch genießen könnte.
#31 Paolis VB-Bewegung: gemütlich lebenUlrich Heinse 2016-10-03 10:35
ach Baucks... Ich erinnere keinen einzigen Vorwurf von Castorf an Dercon, und Castorf hat weder den Ensemblebrief unter-, geschweige denn ge-schrieben noch die Paoli-Bewegung gegründet. Und dass er oder Epigonen "seinen Stil" verbreiten kann man ja nun nicht wirklich Castorf zum Vorwurf machen, sorry. Aber: Sie haben Ihren Feind ausgemacht, es lebt sich gemütlicher so, Glückwunsch!
#32 Paolis VB-Bewegung: Kein Feindmartin baucks 2016-10-03 11:09
Castorf ist nicht mein Feind, Herr Heinse. Er genießt lediglich bei mir keinen Kultstatus. Ich betrachte ihn ganz gelassen. Zudem unterschätzen Sie sein Schweigen. Seine Haltung dürfte sich wohl nicht von denen seiner Fürsprecher unterscheiden. Aber man soll ja bekanntlich nicht mit Fans streiten. Dann wird es immer ungemütlich .
#33 Paolis VB-Bewegung: Vorgeschichte?fragezeichen 2016-10-03 11:48
Haben denn Martin Baucks und Castorf eine Vorgeschichte? Langsam frage ich mich das - wegen Baucks dramatischer Ausdauer auf dieser Homepage.

Und Tim Renner? Den schätze ich eigentlich sehr.

Viele seiner Entscheidungen interpretiere ich inzwischen allerdings als Versuch, die Kultur in Berlin auf Teufel komm raus zu internationalisieren.

Auf der von Timmer Renner starkt supporteten Performersion z.B. (eine wunderbare Veranstaltung im Kontext der diesjährigen re:publica) war es z.B. Zwang, dass alle Vorträge, Panels und Workshops auf English gehalten werden mussten.
Die Folge waren bisweilen absurde Gesprächsrunden mit drei auf Englisch radebrechenden deutschen Kreativen und einem englishsprachigen.

Anderes Beispiel: Workshop mit lauter deutschsprachigen Künstlern und einem deutschsprachigen Leiter, die lebendig zwei Stunden auf deutsch brainstormten und arbeiteten, bis eine neue Teilnehmerin dazustieß (deren Zug Verspätung gehabt hatte), die kein Deutsch sprach, worauf (mit Hinweis auf die englische Gesamt-Sprachvorgabe) der gesamte Workshop sich dann ins Englische verlagerte, alles deutlich zäher wurde und so manche/r der/die vorher lebhaft sprechenden verstummte.

Ja, über Kulturelles und Kreatives zu sprechen erfordert ein sprachliches Niveau, was nun wirklich nicht jede/r hat.

Auf meine Nachfrage wurde mir übrigens gesagt, dass die Sprachvorgabe Englisch (eine) Bedingung für die öffentliche finanzielle Förderung gewesen wäre.

Genaueres weiß ich nicht, Unschärfen mögen mir daher nachgesehen werden.

Dennoch passt die Sache mit der Volksbühne sehr gut in diese Spur, ob nun zufällig oder nicht.
Es ist wirklich (aus meiner Sicht) sehr bedauerlich, dass ausgerechnet die Volksbühne eine neue Heimat dieser Internationalisierung werden soll.

Es ist schade, dass kein anderes Haus gerade frei war. Ein paar Jahre später, und man hätte Dercon und seinem Team einfach das Schillertheater geben können. West-Berlin hätte ein weiterer starker Kultur-Standort sicher gut getan, und die Volksbühne hätte nicht dran glauben müssen.
#34 Paolis VB-Bewegung: Schule der DemokratieHans Zisch 2016-10-03 19:30
@30: Schon wieder daneben, martin baucks (wie auch schon in #26 aufgezeigt). Ich habe NICHT - wie Sie unterstellen - die Demokratie als Kindergarten bezeichnet! Lesen Sie #29 vielleicht noch einmal nach dem Genuss eines Kännchens Baldriantee.

Zur Sache.

Ad "Missfallen": Es geht doch nicht darum, dass ich (oder andere) bestimmte Entscheidungen missbilligen und sie NUR DESHALB als "falsch" bezichtigen. Es geht darum, dass offenkundig Entscheidungen ohne Sach- und Fachkenntnis gefallen sind. Dies habe ich und haben andere nun seit Monaten wiederholt und mit Argumenten aufgezeigt. Die andauernde Debatte zeigt, dass hier offenbar einiges übersehen wurde als Entscheidungen fielen. Es haben sich auch viele Kunstschaffende, darunter viele hochrangige Intendanten in der Causa zu Wort gemeldet. Ich kann das hier nicht alles wiederholen. Aber Sie müssen doch einsehen, dass man in diesem Zusammenhang sehr wohl von Inkompetenz seitens Renner sprechen kann. Sowohl in der Sache als auch in der Art und Weise des Prozesses. Es hätte doch Dutzende von anderen Wegen gegeben, die eher auf Kompetenz hätten schließen lassen. Auch dazu verweise ich Sie auf viele meiner (und anderer) älteren Kommentare.

Ad "Ändern": Dazu habe ich bei der Abgeordnetenhauswahl beigetragen. Insofern übe ich mich in der Hohen Schule der Demokratie. Genau wie auch in diesem Forum hier, wo Meinungsaustausch und -bildung stattfindet, ein unerlässlicher Bestandteil demokratischer Auseinandersetzung.
Allein: Demokratische Legitimation führt nicht notwendigerweise zu kompetenter (oder hilfsweise: demütiger) Politik führt. Oder denken Sie, dass das eine das andere zwangsläufig zur Folge hat?

[...]
#35 Paolis VB-Bbewegung: Entscheider und NutznießerHans Zisch 2016-10-03 19:31
[...]

Ad "Macht": Ich kann nicht beurteilen, ob Castorf von 'der Macht' lassen möchte oder nicht. (Fakt ist, dass er geht. Fakt ist, dass er gern weiter arbeiten an diesem Haus arbeiten wollte. Fakt ist gleichwohl, dass er geht)
Ich kann aber sehen, wie strahlkräftig dieses Haus ist und war. Unter seiner Ägide. In diesem Schutzraum. Mit diesen Werkstätten und diesen Mitarbeitern! Vor dieser Geschichte. In dieser Linie. Im Geiste dieses Hauses. Mit diesem Ensemble (unabhängig von der Art des Vertragsverhältnisses). Auch in einer dem Haus eigenen (sicherlich diskutablen) Unkonventionalität, die Berlin und das deutschsprachige Theater eben so reich macht. Das ist auch Castorfs Verdienst. Das des Intendanten.
Ein strahlkräftiger Erbhof ist mir lieber als ein schlapper Späti, wo sich auch die faulste Verplantheit zu jeder Zeit noch mit einer Flasche Clubmate selbst belohnt und feiert.

Ad "Kommerz": Worin bestünde der Ihrer Ansicht nach?

Ad "Podium": Wenn Sie es arrangieren, setze ich mich gern mit Tim Renner auf ein Podium oder mit Michael Müller und diskutiere über eine intelligente, sachgerechte, geschichtsbewusste und vor allem kunstzugewandte Berliner Theaterpolitik und über Wege, wie man Dercon in die Stadt holt, ohne die Volksbühne dafür zu opfern.
Mein Vorwurf geht - und auch da können Sie gern in der Kommentargeschichte blättern - nicht an Dercon als Kurator. Der ist mir als solcher eher egal (in der traurigen Ambivalenz des Wortes). Mein Vorwurf geht an Renner als Entscheider. Mein Vorwurf geht an Dercon als Nutznießer (und Verkenner der Lage). Beide halten an ihren problematischen Entscheidungen fest anstatt Alternativen zu explorieren. Das wäre ein Podium wert!
Dass ein Frank Castorf, der von einem unerfahrenen Staatssekretär am Arbeiten gehindert wird, sich nicht zur Podiumsmarionette für die Legitimation einer grundfalschen Entscheidung macht, kann ich ihm nicht verdenken. Er lässt seine Kunst sprechen. Das ist für mich persönlich auch viel schöner, lustvoller und geistreicher als jegliches Podium.

Ad "Marke"/"Bayreuth": Sie missverstehen erneut. Es geht um die gegenwärtige Volksbühne, es geht um den Intendanten. Es geht nicht um den Regisseur Castorf. Der ist - da sind wir uns einig - flächendeckend unterwegs. Aber das tut doch nichts zur Sache.

Ad "Unverwechselbarkeit": Könnten Sie da konkreter werden? Welche Häuser? Welche Unverwechselbarkeit? Wodurch/wie? Oder sind es jetzt Sie, die undifferenziert feuern?
#36 Paolis VB-Bewegung: neues Theater-Kultur-FormatPlanspielundErnst 2016-10-03 20:18
Englisch als internationale Debatten-Sprache ist vermutlich eine sehr gute Lösung, wenn es sich um Debatten um rein naturwissenschaftliche Sachverhalte handelt, die in der Hauptsache durch chemische oder mathematische Formeln dargestellt werden, und deren Darstellung dann divers diskutiert werden kann, auch weltweit in Englisch.
Sämtliche Sachverhalte, die diverse ästhetische oder ethische Probleme berühren, sollten jedoch ausschließlich in der jeweiligen Muttersprache des jeweiligen Diskutanten vorhgetragen und zur Diskussion gestellt werden. Es wird dann durch Übersetzung immer noch Sinnverluste geben, aber sie sind wesentlich besser zu vermeiden, als wenn bei solchen Sachverhalten in der Debatte auf die benutzung einer Framdsprache gedrängt wird. Alle Menschen denken am genauesten, folgerichtigsten in ihrer Muttersprache. Selbst dann, wenn sie eine Fremdsprache sehr gut in Wort und Schrift beherrschen. Nur in der Muttersprache stehen den Menschen die naheliegendsten und besten Vergleiche für eine darzustellende Situation zur Verfügung. Wer ständig über alles quasseln will, auch üner Philosophie oder Geschichte ist mit Debattensprache hinreichend bedient. Wer bei Sachverhalten zielführend im Hinblick auf Veränderung oder politische wie wissenschaftliche Einigung diskutieren will, besteht auf Verständigung in seiner ihm geläufigsten Sprache und bestmöglicher Übersetzung in die Sprache der anderen wie umgekehrt. Englisch zur weltweiten Diskussionsprache zu erheben, bedeutet Verantwortung an eigenes Denken und Handeln in erheblichem Maße abgeben und delegieren an Länder, in denen Englisch Muttersprache ist.
#33: Ein neues "Theater-Kultur-Format" in der Stadt zu schaffen, das sich unbelastet als eigenes profilieren kann in einem ehemaligen Theater hätte ich auch sehr gut gefunden! Für die Geschichte Berlins und des abgeschafften Schiller-Theaters und auch für Dercon. Im Übrigen auch für Renner. Damit wäre die Castorf-Nachfolge zwar noch nicht gelöst gewesen, aber man hätte sie als dringlich ins Bewusstsein gebracht und Castorf selbst da mit in die Pflicht nehmen können während einer Interimszeit einer weiteren kürzeren Verlängerung...
#37 Paolis VB-Bewegung: unterschiedlicher Meinungmartin baucks 2016-10-03 22:07
Nein, Herr Zisch. Einfach und schlicht extra für sie: Die Argumente der Volksbühnenbewegung und die Haltung der Volksbühne , so wie die seines jetzigen Intendanten Castorf halten einer unvoreingenommenen Überprüfung nicht stand.

Die Entscheidung von Müller und Renner ist nicht inkompetent, sondern zukunftsweisend . Sie setzt im konzeptionellen Denken konsequent die Arbeit der Volksbühne fort. Dercon ist der richtige Mann.

Auch ich und andere haben das hier ausführlich dargestellt und die Argumente müssen nicht neu aufgerollt werden.

Wir sind unterschiedlicher Meinung, Herr Zisch. Lernen Sie damit zu leben.

Dem Team um Dercon wünsche ich für die Zukunft alles Gute.
#38 Paolis VB-Bewegung: welche ZukunftHans Zisch 2016-10-04 08:58
@37: Gern. Auch ich wünsche dem Team um Dercon alles Gute. Genau wie der Berliner Theaterlandschaft insgesamt, in der der Volksbühne eine eminente Rolle spielt. Nichts würde mich mehr freuen als ein furioser Erfolgsweg des Hauses und der Landschaft, der dieses politikinduzierte Desaster im Nachhinein wettzumachen verstünde. Hier gilt's der Kunst!

Mit informiertem Dissens kann ich (bereits) gut leben. Mit fragwürdig "zukunftsweisender" Politik schon weniger. Bleibt halt nach wie vor die Frage "Welche Zukunft"? Es wäre zweifellos zukunftsweisend gewesen über diese Frage eine Auseinandersetzung *vor* den umstrittenen Entscheidungen zu führen.

Aber habe ich mir jetzt umsonst die Mühe gegeben, mit verschiedenen Fragen nachzuhaken, wenn Sie jetzt abschließend (?) feststellen "We agree to disagree"? Wenigstens ein paar Stichworte in Bezug auf die von Castorf Ihrer Meinung nach runtergewirtschafteten Häuser würden mich insbesondere interessieren.
#39 Paolis VB-Bewegung: TrennungMaxi 2016-10-04 11:02
Die einen kämpfen und zwar mit vollem Risiko und Einsatz und mit Visionen, die begeistern,
die anderen gehen andere Häuser und bringen sich in Sicherheit!
In Trennungssituationen erkennt man den Charakter und die VB ist in einer Trennungssituation.
Hoffentlich wachsen alle Beteiligten an dem Prozess.
#40 Paolis VB-Bewegung: schätzen Ulrich Heinse 2016-10-04 13:43
...ach Baucks... Sie unterstellen Castorf "Seine Haltung dürfte sich wohl nicht von denen seiner Fürsprecher unterscheiden". Woraus schliessen Sie das? Und: Sie können nicht jemandem erst eine Haltung unterstellen und dann dem weiter unterstellen, dass er sie nicht werde verteidigen können. Mag sein, dass ich sein Schweigen unterschätze, aber auf jeden Fall schätze ich es ;-)
#41 Paolis VB-Bewegung: ahnungslosmartin baucks 2016-10-04 15:59
Ach Heinse, tun sie doch nicht so ahnungslos ! Wenn Castorf sagt, man könne auch eine Badeanstalt aus der Volksbühne machen, dann ist das sein Urteil über Dercon!!! Da muss man nicht mit Unterstellungen arbeiten, sie kleiner Schelm sie!

Maxis Ansatz finde ich richtig gut. Da verlässt die Debatte endlich mal die Gräben. Sehr schön. Castorf und die Volsbühne als Trennungsfall zu denken, das hat was. In die Richtung sollte man einmal weiterdenken, Herr Heinse!
#42 Paolis VB-Bewegung: verwunderte NachfrageFrank-Patrick Steckel 2016-10-04 17:14
#37: "Dercon ist der richtige Mann." - Mir ist, als hätten Sie daran vor nicht sehr langer Zeit gezweifelt - oder habe ich das geträumt? Und habe ich es nicht geträumt, was hat Ihnen die Zweifel genommen?
#43 Paolis VB-Bewegung: verliebt in die Freundlichkeitmartin baucks 2016-10-04 18:48
Herr Steckel,

eigentlich schätze ich sie sehr und ich möchte auch nicht zu weit ausholen , der Worte sind genug gewechselt , ich hatte Zweifel an Dercon's Auftritt im Roten Rathaus, den ich unvorteilhaft fand, aber das meint noch nicht die ganze Person, auch Renner hat mich mit seinen Äußerungenen über Schlingensief enttäuscht . Unter Druck widerfahren Menschen Fehler. Aber Zauderer sind nicht gut für das Theater. Ich sehe da eine neue Zukunft und diese Vision des Zusammengehens von darstellender und bildender Kunst hilft einem über kleinere Zweifel hinweg. Ihre Argumente haben mich eben auch nicht überzeugt. Und ich stehe zu Dercon, solange bis mich das Geschehen auf der Bühne vom Gegenzeil überzeugt oder mich in meiner Haltung bestärkt.

Das ist nur fair. Und ich bin eben mal verliebt in die Freundlichkeit und kann diesen miesen Grundton nicht ab. Er ist falsch für die Theaterkunst.
#44 Paolis VB-Bewegung: überlebtmercedes 2016-10-05 01:39
der worte sind genug gewechselt???
zauderer sind nicht gut für theater.
despoten, wie castorf sind dann also doch nicht schlecht???
sie haben ihre meinung wahrlich überlebt.

(...)
#45 Paolis VB-Bewegung: Herkunft der BadeanstaltHans Zisch 2016-10-05 08:53
@41: Ich bin beeindruckt.

Sie schreiben: "Wenn Castorf sagt, man könne auch eine Badeanstalt aus der Volksbühne machen, dann ist das sein Urteil über Dercon!!!"

Fakt ist: Castorf sagte 1996 (in: Erotik des Verrats, Hans-Dieter Schütt): "Ich habe immer gesagt, dass ich gern bereit bin, den Kindern von Berlin mit der Volksbühne eine Badeanstalt zu schenken, wenn wir keinen Erfolg haben."

1996!

Ich bin beeindruckt, wie Frank Castorf schon in den allerersten Jahren seiner Intendanz über Chris Dercon urteilt. Da war letzterer wohl gerade dabei, mit Christoph Schlingensief zu arbeiten.
#46 Paolis VB-Bewegung: BadeanstaltMartin Waßmann 2016-10-05 10:24
#45 Das mit der Badeanstalt hat er wirklich STÄNDIG über all die Jahre in Interviews wiederholt. (Bitte verlangen Sie nicht, dass ich das hier nachweise, ich habe aber wirklich immer aufmerksam seine Interviews verfolgt.)
#47 Paolis VB-Bewegung: NarkotikumDR 2016-10-05 11:02
Mich wundert wirklich, was die Redaktion hier so mitunter an - getrollten oder nicht - Beleidigungen durchgehen lässt. War irgendwie ein Narkotikum in der letzten Ladung Soft Cakes?
#48 Paolis VB-Bewegung: Beleidigungmartin baucks 2016-10-05 13:15
Hasenscharte mit Schlangenzunge, eitler Fatzke! Wo fangen bei Ihnen Beleidigungen an, liebe Redaktion , und wo hören sie auf ? Brauchen sie das dann doch mal hin und wieder, so eine saftige Beleidigung?!

(Lieber martin baucks, liebe andere Kommentator*innen – wir bitten um Entschuldigung. Tatsächlich wurde die betreffende Stelle bei der Veröffentlichung des Kommentars übersehen und ist nun gelöscht. Mit freundlichem Gruß, sd/Redaktion)
#49 Paolis VB-Bewegung: lieber Demokratiemartin baucks 2016-10-05 21:57
Verstehe ich Sie recht Mercedes: Castorf sei ein Diktator ?! Und nur die Diktatur ist in der Lage, dass Zaudern zu überwinden ?!

Also mit der Demokratie wären wir nie nach Polen einmaschiert?! Und hätten die Schlachr bei Tannenberg verloren?!

Ich glaube, dann bin ich lieber ein Demokrat! Ich mag die Fehlbarkeit dieser Staatsform. Sie ähnelt so sehr dem menschlichen Makel, den keine Diktatur bisher überwinden konnte. Im Gegenteil : Diktaturen haben den menschlichen Makel immer nur potenziert!

Die Demokratie verhandelt die menschliche Fragilität am authentischsten.
#50 Paolis VB-Bewegung: Beleidigungskunstlilly 2016-10-06 00:19
beleidigungen in diesem portal sind ja nichts neues,
wahrlich nur sehr wortgeschmeichelter.
hier sind ja keine vorstadtgrufties unterwegs,die sozialarbeiter und sprachverbesserer zur seite gestellt bekommen.


da hat wohl jemand einfach nur die "gänsefüßchen"vergessen.

mfg
#51 Paolis VB-Bewegung: von Bayreuth nach BautzenClaus Günther 2016-10-11 21:37
Vom „Bayreuth des Sprechtheaters“ ins „Bautzen der Kulturbeflissenen“
Martin Baucks schwächelte ja in der zweiten Julihälfte, als ihm das Vertrauen in den Tim-Renner-Lehnsherrn Chris Dercon schwand. Aber er hat sich gottseidank mehr als erholt und präsentiert sich in Hochform. Hoffentlich wird Tim Renner ihm das lohnen.
Martin Baucks hat neulich klargestellt, dass sich Berliner Kulturpolitiker jetzt und für alle Zeiten hüten sollten, ihrer zynischen Neigung zu folgen, dass die tumbe Allgemeinheit jede Kröte schluckt und rasch vergisst. Denn ab sofort werden einsame Fehlentscheider „durchs Netz gehetzt“.
Das wird viel schlimmer als bei Ulrich Roloff-Momin, wo für ewige Zeiten in den Wikipedia-Granit gemeiselt steht, dass die Schließung des „legendären Schiller-Theaters … zu den Schattenseiten seiner Amtszeit gehörte“. Seine politische Karriere war zu Ende und er wurde nach Mecklenburg-Vorpommern verbannt.
Kulturpolitiker merkt Euch: Wer das mit dem „Bayreuth des Sprechtheaters“ (Alexander Kohlmann) vergeigt, landet im „Bautzen der Kulturbeflissenen“ (Martin Baucks).
#52 Paolis VB-Bewegung: OmenMartin Waßmann 2017-09-28 21:05
Auf den Tag ein Jahr, dass dieser Text hier publiziert wurde. Da schau her. Wie ein Omen.
#53 Paolis VB-Bewegung: Fluidum Systemmartin baucks 2017-09-28 22:47
Lieber Wassmann,

alle wollen recht haben, aber das bedeutet einem Fluidum System nichts.
#54 Paolis VB-Bewegung: trifft ins SchwarzeWalter von Moers 2017-09-29 22:18
Sind denn hier einige von allen guten Geistern verlassen?
Wieso überhaupt kann sich eine derartige Diskussion darüber ergeben, dass eine solch wunderbare, traditionsreiche, in den letzten 25 Jahren die deutsche, europäische, wenn nicht weltweite ;-) Theaterlandschaft prägende Bühne von 1,2,3 Politikern in die Hände eines KURATORS gegeben wird?!?!
(auch wenn dieser evtl mal "Theaterwissenschaft" studiert hat-- steht in dessen Programm inzwischen eigentlich ein Theaterstück..?)-
Insgesamt an Absurdität nicht zu überbieten - wie so vieles in unserer so genannten und hier auch immer wieder gerne hervorgehobenen Demokratie.
Der Text von Herrn Paoli trifft ins Schwarze- wer ihn nicht verstehen will, kann natürlich weiterhin endlos vor sich hin salbadern- allein, was soll uns das sagen?
#55 Paolis VB-Bewegung: einerseits, ...marie 2017-09-30 10:01
ein jahr später macht es sinn zurück zublicken ...

Guillaume Paoli: "TOLLE PREMIERE HEUTE AM ROSA-LUXEMBURG-PLATZ ! NUR: MENSCHEN AUS DER VOLKSBÜHNE ZU VERTREIBEN WAR NICHT SO KOMPLIZIERT.. SCHWEIRIGER WIRD JETZT FÜR EUCH SEIN, MENSCHEN WIEDER IN DIE VOLKSBÜHNE ZU BEKOMMEN. ODER IST AUCH DAFÜR EINE POLIZEIBEGLEITUNG VORGESEHEN?"

ich weiß nicht, wie es anderen geht, ich habe bei diesen debatten immer das problem, die tiefe des KONKRETEN mit dem allgemeinen ZUSAMMENHANG noch irgendwie strukturiert zu formulieren ... ich weiß nur eins: dies braucht zeit und geduld und offenheit ...

EINERSEITS liebe ich die wirkliche hochkultur (wie auch castorf in seinem interview der sz bemerkte)
ANDERERSEITS stehe ich immer auf der seite der schwachen - und nicht der mächtigen lobbyisten - in der gesellschaft ...

diese beiden "seiten" treffen hier an der vb aufeinander - und dies ist aus meiner sicht echt revolutionär/avantgardistisch und progressiv - und doch zeigt es auch ganz real die gräben/mißverständnisse/interessenunterschiede und die unendlichen vielen interpretationsmöglichkeiten, welche so ein "aufeinandertreffen" hervorrufen ... doch genau dieser konflikt liegt jetzt (mal wieder) ganz klar offen und wird immerundimmer weiter gehen ... und mir ist es lieber, als ihn im diffusen schweben zu lassen - das ist schon mal eine haltung - der natürlich ANDERE haltungen entgegen stehen können = realität ...

wenn ich bei castorf mal zufällig als öffentliche person bleibe, so schätze ich VOR ALLEM seine ehrlichkeit und abscheu gegen jede art von gefallsucht (er selbst reklamiert ja für sich den regisseur und den privatmenschen ...) - doch ich würde ihn gern fragen, ob er sich als "alleinerziehende mutter/vater" mit 6 kindern sein leben und sein werk vorstellen könnte und auch ?WIE? >>> "die vorzüge des kapitalismus genießen (bevor der tot ist)" klingt in meinen ohren auch sehr biografisch individuell und mein interesse (an seiner person) beschränkt sich ganz schnell auf sein regie-WERK auf der seite der hoch+weltkultur ...

doch wieviel "weltmeister" haben einen platz in der gesellschaft? und der "rest" ist dann fan+publikum oder "irdend?WO? am rande"...

solange er NUR auf der KUNSTbühne damit "kokketiert" leistet er wertvolle denk- und aufklärungsarbeit und hat seinen platz aber auch gefunden/erarbeitet/behauptet ... denkt er jedoch, dass es JEDEM "gegeben oder möglich ist" in diesem "weiter-schneller und höher" MIT sozialer verantwortung für ANDERE (die er lieber NEBEN, als UNTER sich) einen kreativen und selbstbestimmten platz zu finden (wie die slogans der hartz4-kreateure völlig argumentefrei und realitätsfern suggerieren)?

und ist es nicht die gleiche seite, die auch ihm+der vb-idee an den kragen geht und einen dercon als platzhalter einsetzt? hmmm - wäre er nicht CASTORF, wäre er jetzt auch im hartz4-system - wie viele seiner ex-kollegen und wie junge akademiker, die den anspruch haben, sich NICHT in werk und privat-person zu zerteilen, sondern GENAU DAS zusammenbringen wollen und als lebensentwurf formulieren ...

>>> die erste reihe der hochkultur steht den ANDEREN ERSTEN REIHEN der gesellschaft näher, als es ihr künstlerischer anspruch als EINZIGARTIGER + FREIER bereich der gesellschaft sein kann ...
#56 Paolis VB-Bewegung: PSmarie 2017-09-30 10:03
ps.
und was bedeuten die WORTE brechts in der heutigen zeit?
sind sie zum blabla als dekoratives alibi degradiert?
sollten sie LEBEN erfüllt werden?

"SenKultEu‏Verifizierter Account @SenKultEu 13 Std.Vor 13 Stunden
Generalprobe in der neuen @StaatsoperBLN - als Geschenk von StS Wöhlert gibt es Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters". #Staatsoper"

WAS darf man noch selber machen?

www.bizim-kiez.de/blog/2017/09/29/nichts-darf-ma-selber-machen-solidarisches-statement-zur-vb-61_12-aktion-an-der-berliner-volksbuehne/

gestern abend gab es ein plenum VOR der vb - schaut euch das video im netz an >>> da war die "zweite" reihe aktiv

Techniker der #volksbuehne lassen Foyer-Lichter im Beat des Abschluss-Rave auf der Wiese flackern #vb6112

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