Romanvernichter durch Adaption?

6. Mai 2017. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beklagt Simon Strauß anlässlich des Theatertreffens die schwindende Bedeutung des Dramaturgen als einer Art "intellektuellen Aufseher über das kreative Geschehen". Sein Beispiel dafür ist der langjährige Schaubühnen-Dramaturg Dieter Sturm: "Was ihn am gegenwärtigen Theater am tiefsten schmerzt, ist dessen Hang zur 'Literaturabschaffung'. Für ihn, dem die Rückbindung an die Literatur als Kernkompetenz des Theaters gilt, ist die momentane 'Antikonjunktur für Theaterstücke' unverständlich. Der Dramaturg sei heute im besten Falle noch ein 'Romanvernichter durch Adaption'."

Ihn kontrastiert er mit Tarun Kade, Dramaturg an den Münchner Kammerspielen: "Er ist ein Gemischtwarenhändler, der gern im Hellen steht. Statt von "Entzündung" spricht er von "Kommunikationsverbesserung", sein Blick ist auf die Gegenwart gerichtet, von Geschichte hält er nicht viel. Das Fatale am Berufswandel des Dramaturgen ist nicht, was an Interessensgebieten dazugekommen ist, sondern was er an Charaktereigenschaften verloren hat: allen voran seinen Stolz auf den sinnlichen Erkenntnisdrang."

Der ideale Dramaturg heute bräuchte, so Strauß, beides, die Entdeckerfreude des Bibliothekars und das Geschick des Händlers. "Dann könnte von der Dramaturgie in der Tat der Impuls für eine neue, wiedererstarkte Theaterepoche ausgehen."

(geka)

 
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