Protestwelle nach Eingriff in die Kunstfreiheit

9. Juni 2017. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet Joseph Croitoru über einen Eklat um das "Fringe Theater Festival" in der israelischen Küstenstadt Akko. Im Zuge eines Zensurversuchs der rechtsnationalen Kultur- und Sportministerin Miri Regev hätten zahlreiche Künstler*innen ihre Teilnahme an dem Festival abgesagt; zwei Auswahljuror*innen sowie der künstlerische Leiter Avi Gibson Barel seien zurückgetreten. "Israels Schauspieler- und Regieverbände haben sich den Protestierenden, die nun eine Alternativ-Veranstaltung an einem anderen Ort organisieren wollen, ebenfalls angeschlossen", so Croitroru.

Die Rücktritte sind Folge des politischen Drucks gegen die Einladung des Theaterstücks "Gefangene der Besatzung", das sich "dem Alltag und den Empfindungen palästinensischer politischer Häftlinge widmet, die in israelischen Gefängnissen sitzen". Das Stück wurde von der Theaterschauspielerin und Dramatikerin Einat Weizman in Zusamenarbeit mit ihrem israelisch-arabischen Kollegen Murad Hassan verfasst. Bereits Weizmanns vorangegangene Arbeit "Palästina, Stunde Null" für das letztjährige Festival sei in das Visier der Ministerin geraten. Der von der Ministerin behauptete "Angriff gegen den Staat Israel und seine Symbole" habe sich seinerzeit allerdings nicht nachweisen lassen, die Ministerin "wurde für ihre unzulässige Einmischung gerügt".

Das Akko-Festival findet seit 1980 alljährlich im Herbst statt. Es sei "von der ersten Stunde an ein Forum für unkonventionelle, experimentelle und auch transethnische Bühnenprojekte gewesen" und habe "Israels zunehmend kommerzialisierter und in den letzten Jahren auch spürbar entpolitisierter Theaterszene immer wieder frische Impulse gegeben", so Croitroru.

(Frankfurter Allgemeine Zeitung / chr)

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