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Fit für die Gegenwart

26. Juni 2017. Im Interview mit Tilman Abegg von den Ruhrnachrichten spricht Dortmunds Schauspiel-Intendant Kay Voges von seinem Wunsch, in Dortmund eine Akademie für Digitalität und Darstellende Kunst zu gründen, "die zum einen Fortbildung für Theaterangestellte sein kann, und zum anderen ein Ort der Forschung, wo das Zusammenspiel der Darstellenden Kunst mit der gegenwärtigen Technologie entwickelt werden kann". Dortmund sei auf der Liste der digitalen Produktionsstandorte in Deutschland auf Platz fünf und deutschlandweit führend in der Mikrotechnik, so wie das Schauspiel Dortmund im Gebrauch der digitalen Medien im klassischen Theater.

Neue Technologien seien schon immer sofort vom Theater übernommen worden, dazu bräuchte es aber Know-How: "Wir haben fast 200 städtische, Landes- und Bundestheater, wo tolle Mitarbeiter arbeiten für Licht, Ton und so weiter, die allerdings keinen Ort haben, wo sie sich weiterentwickeln können. Wenn man seit 20 Jahren im Beruf ist, dann liegt die Ausbildung 20 Jahre zurück. Die vergangenen 20 Jahre stecken da nicht drin, und in dieser Zeit hat sich so wahnsinnig viel entwickelt. Wie gehen Netzwerke von Licht und Ton, auf welchem Stand sind wir bei der Live-Videobearbeitung?" Das digitale Zeitalter präge unsere Sehgewohnheit, unser Menschenbild, unsere Lebensgewohnheit, unser Gesellschaftsbild. "Wenn wir sagen: 'Wir glauben nicht an das Digitale Zeitalter, wir machen weiter wie bisher', dann wird das Theater irgendwann eine antiquierte Kunstform sein."

Dass die meisten Bühnen in Deutschland in dieser Entwicklung um Jahrzehnte zurückliegen, begründet Voges mit der finanziellen Ausstattung der Theater, aber auch damit, dass vielerorts immer noch bezweifelt oder diskutiert werde, "dass ein Programmierer mit in ein Theater hineingehört, wobei ich das als Selbstverständlichkeit ansehe". Das Theater müsse einen Wandel vollziehen, das Know-How entwickelt werden, und die Hardware bereitstehen. "Das Theater fit für die Gegenwart machen, das ist der Traum. Und ich merke: Wir sind in Dortmund schon relativ weit gekommen."

Unklar bleibt, wie realistisch die Pläne sind. Laut Voges "laufen Gespräche mit verschiedensten Partnern aus Kultur, Bildung und Forschung, Stadt, Land und Bund".

(geka)