buch simon strauss18. Juli 2017

Die Sehnsucht nach dem Tag, an dem das Birchermüsli fehlt

Simon Strauß, promovierter Althistoriker und Theaterkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat seinen ersten Roman geschrieben. Einem mangelt es an Entscheidungskraft, an Glaubensgröße und Überzeugungsstärke, drum schließt er einen Pakt. Sieben Nächte lang begeht er Todsünden, sozusagen im Westentaschenformat. Es ist Leben lernen für eine andere Welt. Michael Wolf bespricht das Buch. 

 

24. Mai 2017. Viele derer, mit denen Hannelore Hoger ihr Theaterleben verbrachte, sind nicht mehr – in der Erinnerung der Schauspielerin erstehen Zadek & Co. nun wieder auf. Ohne Liebe trauern die Sterne heißt das Buch, in dem Hoger selbst schreibt und sich von Alexander Kluge sowie Thilo Wydra interviewen lässt. Einem breiteren (und jüngeren) Publikum ist sie schon länger bekannter als Filmschauspielerin – aber den Oscar wünscht sie nicht sich selbst, sondern einer anderen. Mehr von Thomas Rothschild.

7. Mai 2017. Es geht um die Wurst, also um die Volksbühne. Die nahende Zeitenwende am Rosa-Luxemburg-Platz macht Kulturmanager Michael Schindhelm zum Thema seines Romans Letzter Vorhang, in dem in Berlin-Mitte Hauptdarsteller Assistentinnen vögeln, Nachwuchsregisseure in "trendigem Schmuddel-Look" auftreten und auch sonst kein Klischee ausgelassen wird – zum Entsetzen und zur endgültigen Bekehrung von Eva Biringer.

21. März 2017. Heranwachsenden Schülern ist das Smartphone heute an der Hand angewachsen, man muss es niemanden mehr sagen. Dramatiker John von Düffel nutzt es, um eine Schulklasse ins Zentrum seines neuen Romans zu stellen, alle permanent online, klaro, und von Pupertätsproblemen gebeutelt. Klassenbuch lebt von der am Theater geschulten Kunst schneller Perspektivwechsel, die von Düffel beherrscht. Aber was erzählt es über Lust und Leid in Zeiten der Digitalisierung? Mehr von Eva Biringer.

2. März 2017. Nach der Wiedervereinigung sahen sich ostdeutsche Theater mit einem unbekannten System konfrontiert. Torben Ibs widmet dieser Zeit mit Umbrüche und Aufbrüche seine Doktorarbeit. Er räumt mit Klischees auf und stellt fest: Der Osten hatte dem Westen schließlich eine entscheidene Erfahrung voraus. Die Rezension von Tobias Prüwer.

16. Februar 2017. Was ist eigentlich Freies Theater? In jüngeren Diskussionen wurde zuletzt bezweifelt, dass es überhaupt noch ein Alleinstellungsmerkmal hat. Dramaturg und Kulturforscher Henning Fülle hat nun ein Buch vorgelegt, das noch einmal die Entstehungsgeschichte aufrollt und versteht Freies Theater als Kampfschrift, die Debatten anstoßen will. Ob das gelingt, sagt Anna Volkland.

30. Januar 2017. Nach seinem "Lob des Realismus", in dem er sich mit performativen Verschleierungen der herrschenden Verhältnisse auseinandergesetzt hatte, geht Bernd Stegemann in Das Gespenst des Populismus direkt auf die politischen und ökonomischen Machverhältnisse los. Er benennt die Schwäche der Linken und findet auch einen Schuldigen. Falk Schreiber bespricht den Band.

19. Januar 2017: Die Strukturdebatte zum deutschsprachigen Theatersystem ist in vollem Gange. Am kommenden Wochenende wird an der Berliner Akademie der Künste diskutiert. Mit dabei: Thomas Schmidt. Dessen Studie Theater, Krise und Reform dürfte sich als Standardwerk für Reformwillige entpuppen. Findet Dorothea Marcus, die das Buch gelesen hat.