"Es geht in diesem Text um alles!"

8. April 2018. Der Dramatiker Sean Keller gewinnt das Hans-Gratzer-Stipendium 2018. Das teilte das Wiener Schauspielhaus mit, das die Auszeichnung seit 2007 in Zusammenarbeit mit der Literar Mechana vergibt.

Der 1992 geborene Keller setzte sich der Mitteilung zufolge mit seinem Stückentwurf mit dem Arbeitstitel "Sommer" gegen 80 Mitbewerber*innen durch. "Es geht in diesem Text um alles. Es ist ein Wal, von dem wir heute nur die Schwanzflosse gesehen haben. Ein Blauwal. Obwohl der Text von Sean Keller einerseits so gewaltig ist, ist er zugleich auch sehr sanft, poetisch und präzise", zitiert die Mitteilung den Mentor des Stipendiums Wolfram Lotz zur Auswahl. 

Sean Keller Foto Giovanna BolligerSean Keller bei der Preisübergabe am 6.4. 2018 im Schauspielhaus Wien © Giovanna BolligerDer Wettbewerb zum Hans-Gratzer-Stipendium 2018 stand unter dem Thema "Feine Unterschiede". Die Kandiat*innen der Endrunde wurden zu einem Workshop unter der Leitung des Dramatikers Wolfram Lotz eingeladen. Mit ihm diskutierten sie über zeitgenössische Konzepte der Autorschaft und arbeiteten an ihren Entwürfen weiter, über die dann eine Jury nach einer Lesung entschied. Die Jury bestand aus Edith Draxl (Leiterin DRAMA FORUM uniT Graz), Tobias Schuster (Leitender Dramaturg Schauspielhaus Wien) und Tomas Schweigen (Künstlerischer Leiter Schauspielhaus Wien). Eine weitere Stimme wurde über eine Abstimmung des Publikums nach den Lesungen der Entwürfe vergeben.

Das vom österreichischen VG-Wort-Pendant Literar-Mechana gestiftete und mit 5000 Euro dotierte Autorenstipendium wurde nach dem österreichischen Schauspieler und Regisseur Hans Gratzer (1941-2005) benannt, der das Wiener Schauspielhaus 1978 als Ur- und Erstaufführungsbühne gegründet und von 1978 bis 1986 sowie von 1991 bis 2001 auch geleitet hat.

Unter den Hans-Gratzer-Stipendiaten der letzten Jahre sind Thomas Arzt, Kevin Rittberger, Lukas Linder, Enis Maci und Miroslava Svolikova. Das Stück von Sean Keller, der auch als Szenenbildner, Videokünstler und Bühnenbildner arbeitet, wird 2019 am Wiener Schauspielhaus uraufgeführt.

(Schauspielhaus Wien / sle)

 
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