Entwicklung im Schneeballsystem

16. Mai 2018. "Wir haben viel geschafft in den zehn Jahren", die Freie Szene in Basel habe sich gut entwickelt: diese Bilanz zieht im Interview mit der Basler Zeitung Carena Schlewitt, Künstlerische Leiterin der Kaserne Basel und ab nächster Spielzeit Intendantin des "Europäischen Zentrums der Künste Hellerau" in Dresden.

Angetreten, die Freie Basler Theater- und Tanzszene neu aufzubauen, habe sie ab 2008 Verabredungen mit den wenigen in Basel ansässigen Gruppen getroffen – vor allem mit Capri Connection –, abgewanderte Künstler*innen zur Rückkehr ermutigt und die Türen geöffnet, erzählt Schlewitt: "Die Freie Szene sollte sagen können: Ja, warum nicht? An der Kaserne Basel kann man auch arbeiten." In einem "Schneeballsystem" habe sich so eine Szene herausgebildet. Auch der Basler Fachausschuss für Tanz und Theater habe seine Fördermassnahmen "enorm entwickelt": "Wenn ich die Förderung in Basel mit der in manchen deutschen Städten vergleiche, muss ich schon sagen, die Freie Szene ist hier gut aufgehoben", versichert Schlewitt.

Kontinuität macht attraktiv

Neben Fördergeldern seien Kontinuität und gute Arbeitsbedingungen für die freien Gruppen wichtig, darunter Proberäume und Residenzmöglichkeiten, die unter ihrer Ägide geplant waren, aber noch nicht umgesetzt werden konnten. "Dafür war beim Fachausschuss bisher keine finanzielle Grundlage gegeben, da er sich auf dringende Projekt- und Gruppenförderungen konzentriert hat", wie Schlewitt erklärt. "Ich glaube aber, für die Tanzszene wäre ein Residenzprogramm – inklusive Arbeitsräume – ein richtiges Instrument." Sandro Lunin, der die Künstlerische Leitung von Carina Schlewitt übernimmt, werde diese Frage vermutlich neu angehen.

Internationalisierung muss gestaltet werden

Die Abwanderung freier Gruppen ins Stadttheater oder in andere Städte sieht Schlewitt gelassen: Rein ökonomisch seien Freie ohnehin "gezwungen, in verschiedenen Systemen zu arbeiten", freie Häuser könnten "ab einem bestimmten Qualitätssprung in der Grösse der Produktion eben nicht mehr mitgehen". Mit dem Theater Basel von Andreas Beck habe sich die Kaserne gut ergänzt. Die "alte Rivalität zwischen Stadttheater und Freier Szene" spiele ohnehin keine dominante Rolle mehr: Eine zunehmende Internationalisierung stelle ganz neue Herausforderung und müsse in den kommenden Jahren kulturpolitisch gerahmt werden, etwa durch die Gründung von Produktionshäusern.

Ihrem Nachfolger übergebe sie die Geschäfte "in einem relativ guten Zustand". Lunin müsse sich zwar mit dem Umbau des Hauses befassen – entstehen sollen Büros, Proberaum, möglicherweise Residenz-Räume –, könne aber auch eine Subventionserhöhung von einer halben Million Franken jährlich zwischen 2018 und 2021 verwenden fürs Programm, für Koproduktionen und Vermittlung sowie Betrieb und Personal.

(Basler Zeitung / eph)

 

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