Gefährdung des Theaters begriffen

Berlin, 17. August 2018. Der diesjährige, mit 5.000 Euro dotierte Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste geht an die unabhängige, kosmopolitische und interdisziplinäre Kulturzeitschrift Lettre International. Wie die AdK mitteilt, würdigt die Jury – die Akademie-Mitglieder Mark Lammert, Hans-Thies Lehmann und Angela Winkler – mit ihrer Wahl die intellektuelle Arbeit einer Kulturzeitschrift, die allen Künsten Raum gibt und insbesondere den darstellenden Künsten nicht nur regelmäßig ein Podium bietet, sondern ihnen einen jährlichen Schwerpunkt widmet.

Die Zeitschrift leiste einen "wesentlichen Beitrag zur Verteidigung des sichtbar schrumpfenden Reichs genuin ästhetischer Erfahrung". Sie beweise "mit dieser mutigen Politik, dass es die Gefährdung des Theaters und der Theaterkünste als eines gemeinsam bewohnten Denkraums im (nicht nur) europäischen Maßstab begriffen" habe. Mit Blick auf die Geschichte verkörperr Lettre International "das Bewusstsein, dass die Bedrohung der Künste immer den Beginn der Zerstörung der Kultur markiert hat", so die Jurybegründung weiter. "Mit der Verleihung des Konrad-Wolf-Preises 2018 wird der Zeitschrift Ermutigung zugesprochen im Sinne des Namenstifters auch in schwierigen Zeiten, also im Jetzt, einen anspruchsvollen Diskurs zu führen, der alle Blick- und Himmelsrichtungen einbezieht."

Lettre International wird seit 1988 von Frank Berberich in Berlin herausgegeben. Sie fußt auf der 1984 in Paris gegründeten, französischen Ausgabe Lettre internationale. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich im Eigenverlag. Jedes Heft wird von einem Künstler oder einer Künstlerin exklusiv gestaltet und sämtliche Texte sind ausnahmslos deutsche Erstveröffentlichungen. Frank Berberich erhielt 2010 den Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste.

Benannt nach dem Filmregisseur und langjährigen Präsidenten der Akademie der Künste der DDR wird der Konrad-Wolf-Preis jährlich für herausragende künstlerische Leistungen auf den Gebieten der Darstellenden Kunst oder der Film- und Medienkunst vergeben. Zuletzt ging er an Márta Mészáros (2017), Nicola Hümpel von Nico and the Navigators (2016), Christoph Schlingensief/Operndorf Burkina Faso (2015) und den Schauspieler Jürgen Holtz (2014).

(AdK / geka)

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