Mediationsverfahren angeregt

4. September 2018. Die im Juli fristlos entlassene Intendantin des Wuppertaler Tanztheaters Adolphe Binder wehrt sich vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung. Das berichtet unter anderem die Wuppertaler Rundschau. Am heutigen Dienstag war diversen Zeitungsberichten zufolge in Wuppertal eine Güteverhandlung angesetzt, die jedoch ohne Einigung blieb.

Adolphe Binder hatte die Intendanz des von Pina Bausch gegründeten weltberühmten Tanztheaters erst 2017 angetreten und ursprünglich einen Vertrag bis 2022. Ihre Kündigung war unter anderem damit begründet worden, sie habe ihre Aufgaben als Intendantin nicht wahrgenommen, keinen Spielplan vorgelegt und immer wieder eigenmächtig gehandelt. Dem hatte Binder vehement wiedersprochen, unter anderem in einem Offenen Brief. Diverse Angebote für eine einvernehmliche Trennung lehnte Binder daher ab und machte den Zeitungsberichten zufolge heute auch während des Gerichtverfahrens noch einmal deutlich, weiter mit der Compagnie arbeiten zu wollen.

Die Probleme der Zusammenarbeit lägen offenbar viel tiefer als nur im Streit über den neuen Spielplan, stellte der Richter Carsten Gironda einem Bericht der Welt zufolge nach der 45minütigen Verhandlung fest. Akten zeigten Meinungsverschiedenheiten von Anfang an, die durch ein Kündigungsverfahren nicht zu lösen seien. Der Richter empfahl den Parteien ein Mediationsverfahren. Beide Parteien haben nun zwei Wochen Zeit, auf den Vorschlag zu reagieren.

(Wuppertaler Rundschau / Die Welt / sle)

 

Update, 18. September 2018. Adolphe Binder lehnt das gerichtlich vorgeschlagene Mediationsverfahren in der Auseinandersetzung um ihre Kündigung ab. Das teilte die im Juli fristlos gekündigte Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch heute in einer Presseaussendung mit. In der Durchführung eines Güterichterverfahrens könne sie "keinen Sinn" erkennen, so Binder. Äußerungen der Verantwortlichen beim Tanztheater Wuppertal, namentlich von Geschäftsführer Dirk Hesse, legten nahe, dass diese "in ein Güterichterverfahren nicht ergebnisoffen eintreten würden". Unter anderem sei ihre Rückkehr auf den Posten als Intendantin sowohl beim ersten Gerichtstermin vom 4. September als auch gegenüber den Medien "kategorisch ausgeschlossen" worden. Im vorliegenden Rechtsstreit habe sie daher das Gericht gebeten, dem Verfahren Fortgang zu geben, so Binder. Eine Stellungnahme des Tanztheaters Wuppertal zum Vorgang liegt bislang nicht vor; Adolphe Binders Presseaussendung sei ihnen nicht zugegangen, sagte die Presseabteilung des Tanztheaters gegenüber nachtkritik.de. (eph)

Im Interview auf Deutschlandfunk Kultur (19.9.2018) erläuterte Adolphe Binder noch einmal ihre Gründe für den Rechtsstreit und bekräftigte ihren Wunsch, als Intendantin in Wuppertal weiterzumachen.

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