Feinsinnig radikal

21. Dezember 2018. Der Schauspieler André Jung erhält den Gertrud-Eysoldt-Ring 2019. Das geben die Stadt Bensheim und die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste bekannt, die den mit 10.000 Euro dotierten Eysoldt-Ring seit 1986 jährlich vergeben – seit 1991 zusammen mit dem Kurt-Hübner-Preis, der 2019 an den Autor und Regisseur Robert Icke geht.

Lenz 280 Yves Binet uAndré Jung im Zürcher "Lenz" © Yves Binet André Jung, geboren 1953 in Luxemburg, erhält die Auszeichnung für seine Rolle als Erzähler in Georg Büchners "Lenz" am Schauspielhaus Zürich, Regie Werner Düggelin. Die Jury (Schauspielhaus Zürich-Intendantin Barbara Frey, Chefdramaturgin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg Rita Thiele und der Schauspieler Wolfram Koch) würdigt Jung als einen "der feinsinnigsten, radikalsten und erstaunlichsten Bühnenkünstler unserer Zeit". Ebenso heben die Juror*innen seine Gesamtleistung als Protagonist und überzeugtem Ensemblespieler über mehrere Jahrzehnte an großen Häusern und in freien Produktionen hervor; Jung gehörte Ensembles am Theater Basel (1988–1993), am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (1993–2000), am Schauspielhaus Zürich (2000–2004) und an den Münchner Kammerspielen (2004-2015) an; in der freien Szene arbeitet er u.a. mit Thorsten Lensing, in dessen David-Foster-Wallace-Adaption Unendlicher Spaß er seit Februar 2018 zu sehen ist.

Der Gertrud-Eysoldt-Ring geht auf ein Vermächtnis des Journalisten und Theaterkritikers Wilhelm Ringelband zurück, der bis zu seinem Tod in Bensheim lebte und in seinem Testament einen Schauspielerpreis mit dem Namen von Gertrud Eysoldt verfügte. 2017 erhielt ihn Sophie Rois – hier ihre Dankrede im Video.

Der Kurt-Hübner-Regiepreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird als Nachwuchspreis vergeben. 2018 ging er an Nora Abdel-Maksoud. 2019 erhält ihn nun der englische Autor und Regisseur Robert Icke für seine Inszenierung und Bearbeitung der "Orestie" am Schauspiel Stuttgart. Icke, Jahrgang 1986, ist Co-Leiter des Londoner Almeida Theatre. Die Pressemitteilung zitiert die Begründung des Alleinjurors, "Zeit"-Theaterkritiker Peter Kümmel: "Robert Ickes 'Orestie' hat eine unheimliche Wirkung: als sähen Vergangenheit und Gegenwart einander an – auf misstrauischer Augenhöhe. Und es ist fraglich, wer sich mehr fürchtet vor dem, was er da sieht. Icke ist, als Überbrücker von Schalt- und von Kulturkreisen, fürs deutsche Theater eine Entdeckung."

Die Preisverleihung von Eysoldt-Ring und Hübner-Preis 2019 findet am 16. März 2019 in Bensheim statt.

(sd)

 
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