Sinnsuchendes Hin und Her

16. Juni 2019. Den unter dem Motto "My home is my castle" ausgetragenen Nachwuchswettbewerb 2019 des Theater Drachengasse in Wien gewann das Stück "Lebensmenschen" von Kira Lorenza Althaler und Markus Bernhard Börger (Schauspieler*innen), Dino Pešut (Text), Shahrzad Rahmani (Ausstattung) und Isabella Sedlak (Regie). Mit dem von der Kulturabteilung der Stadt Wien bezahlten Jurypreis von 5.000 Euro erhält das junge Team von "Lebensmenschen" die Möglichkeit, sein Stück abendfüllend auszuarbeiten und 2020 im Theater Drachengasse zu zeigen, schreibt das Theater Drachengasse in seiner Presseaussendung. Der durch Votings vergebene und mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis 2019 ging erstmalig gleichermaßen an die drei weiteren im Rahmen der Wettbewerbsaufführungen gezeigten Stücke, "INCH Bag unisex S50x35 – I‘m never coming home", "Zweinsamkeit" sowie "Das Heimspiel der Begonien", teilt das Theater Drachengasse weiter mit.

Theater Drachengasse Nachwuchswettbewerb 2019 Lebensmenschen Barbara Palffy.jpeg"Lebensmenschen" mit  Kira Lorenza Althaler und Markus Bernhard Börger  © Barbara Palffy

Die aus Cornelia Anhaus (WERK X-Petersplatz), Kolja Burgschuld (Kuratorium der Stadt Wien) und Anne Wiederhold (Brunnenpassage) bestehende "Fachjury" begründete ihre Entscheidung für "Lebensmenschen" folgendermaßen: "Markus Bernhard Börger und Kira Lorenza Althaler changieren (…) stets überzeugend zwischen PerformerIn und SchauspielerIn. Das Mäandern der Figuren zwischen ihren aufgewühlten Identitäten, das Ringen mit Vorurteilen, Klischees und Political Correctness: all das sinnsuchende Hin und Her spiegelt sich im Ein- und Ausstieg aus den Rollen und der Spielhaltung und unterstreicht damit auch den Ort an dem dies alles verhandelt wird: das Theater."

Der Wettbewerb

Insgesamt nahmen 187 Theatermacher*innen an dem Wettbewerb teil. Bis zur Abgabefrist am 5. November 2018 hatten sie 53 Projekte eingereicht. Vier 20-minütige Projekte wurden zur weiteren Bearbeitung ausgewählt, bei der die Regisseurin Katharina Schwarz den Gruppen in der Probenphase als Coach zur Seite stand. Die vier 20-minütigen Arbeiten wurden drei Wochen lang im Theater Drachengasse vor Publikum präsentiert. Am letzten Spieltag, dem 15. Juni, wurden nach der Vorstellung die Sieger*innenprojekte des Wettbewerbs bekannt gegeben, die über Publikumsabstimmung und Juryentscheid ermittelt wurden.

Die Teilnehmer*innen

Die Teilnehmer*innen am zwölften Nachwuchswettbewerb kamen vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, einzelne aus anderen EU-Ländern. 67% der Teilnehmer*innen waren Frauen. 65% der Gruppen waren international besetzt, wobei sich Arbeitszusammenhänge oft über den Studienort ergaben. Die gewählten Ausdrucksformen umfassen Sprechtheater, Performance, Musiktheater, Tanztheater, Figuren- sowie Maskentheater.

Die Themen

Inhaltlich setzten sich die Projekte mit "klaustrophoben Familien- und Paarsituationen" und der "Sehnsucht nach alternativen Formen von Intimität und Partnerschaft" auseinander. "Zahlreiche Projekte setzten die Möglichkeiten von Begegnung als Ausweg aus Isolation und gesellschaftlicher Stagnation." Politisch kritisiert wurde der "konservative Backlash", das "neoliberale Erfolgsnarrativ" und die "Einschränkung von bürgerlichen Freiheiten zu Gunsten der Sicherheit". Medienkritische Projekten dachten über die "postfaktische Konstruktion von Realität in den Medien", über "Diskursformen und Manipulation" nach. Der "Konstruktion von vermeintlicher Nähe in den sozialen Medien" wurde die "Sehnsucht nach realer Begegnung entgegengesetzt und über die Preisgabe des Privaten nachgedacht".

(Theater Drachengasse / jnm)

 

 
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