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Abriss und Neubau statt Sanierung

31. Januar 2020. Die Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main sollen nach dem Willen des Stadtparlaments nicht saniert, sondern neu gebaut werden. Dies entschieden am Donnerstag die Stadtverordneten mit großer Mehrheit, berichtet unter anderem die FAZ Rhein Main. In den vergangenen beiden Jahren wurden in einer Machbarkeitsstudie ingesamt drei Alternativen durchgespielt und durchgerechnet: Sanierung über elf Jahre, über acht Jahre und Neubau. Vergangene Woche war dann ein  Prüfbericht vorgestellt worden, der besagte, dass ein Neubau doch billiger wäre als eine Sanierung. Der Magistrat (= die Regierung) soll nun baldmöglichst einen Vorschlag über das weitere Vorgehen beim Neubau von Schauspiel und Oper erarbeiten.

schauspielhausFFM 280 BirgitHupfeld uAdé Glassfassaden-Bau: Abriss und Neubau sind beschlossen © Birgit Hupfeld Der bestehende Theaterbau mit der 120 Meter langen Glasfassade stammt aus dem Jahr 1963 und gilt als marode. Dass die Generalüberholung so viel Geld verschlingen würde wie der Bau der Elbphilharmonie, hatte im Vorwege zu etlichen Diskussionen geführt (hier dazu Alexander Jürgs' Recherche vom Februar 2018) .

Der jüngst vorlegte Prüfbericht führt für den Neubau zwei Optionen auf. In einem Fall würden beide Bühnen während der Bauzeit ausgelagert und zögen danach gemeinsam zurück an den Willy-Brandt-Platz – das würde rund 875 Millionen Euro kosten. Im anderen Fall zöge ein Haus dauerhaft in einen Neubau an anderer Stelle, verbunden mit 809,3 beziehungsweise 859,1 Millionen Euro Kosten, je nachdem ob Schauspiel oder Oper in ein Übergangsquartier gingen.

Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig setzte sich gestern zum wiederholten Mal für zwei Neubauten an verschiedenen Stellen ein, entgegen den Ideen der CDU. Aber zumindest in der Frage, dass eine Sanierung nicht in Frage kommt, sind sich CDU, SPD und Grünen nun einig.

(faz.net / sik)


Presseschau

In der Süddeutschen Zeitung (online 5.2.2020) wendet sich Architektur-Redakteurin Laura Weissmüller gegen den Abriss des architektorisch wertvollen Bühnenbaus, mahnt Kostendiziplin und vermindertes Anspruchsdenken bei Sanierungen an und plädiert insgesamt für Low-Tech-Bühnen wie das Bockenheimer Depot in Frankfurt. "Vielleicht würde es dem deutschen Kulturleben guttun, mehr solcher rauen, unpolierten, unperfekten Spielorte zu haben."