"Trommeln in der Nacht" von Christopher Rüping

27. März 2020. Weil die Theater nicht mehr spielen können, stellt nachtkritik.de einen digitalen Spielplan aus Mitschnitten von Inszenierungen zusammen. Am 29. März zeigen wir ab 18 Uhr "Trommeln in der Nacht" nach Bertolt Brecht in der Inszenierung von Christopher Rüping an den Münchner Kammerspielen, die im Dezember 2017 Premiere hatte und 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Es handelt sich um den Livestream-Mitschnitt eines Gastspiels bei der "Theaterolympiade" im Alexandrinsky Theater Sankt Petersburg.

 

20 NAC Stream 560 Trommeln Popup Livechat 

 

29. März 2020 um 20 Uhr: Community-Viewing + Live-Chat mit Christopher Rüping

Ab 18 Uhr ist der Mitschnitt auf nachtkritik.de zu sehen. Um 20 Uhr starten wir unser Community-Viewing – für einen gemeinsamen Theaterabend lang. Wer nicht allein vorm Bildschirm hocken, sondern lieber in virtueller Gemeinschaft mit anderen Streamtheater gucken will, drückt um 20 Uhr auf Play. Alle, die gemeinsam einschalten, sehen dasselbe zur selben Zeit – und können parallel dazu mit dem Regisseur Christopher Rüping und anderen Zuschauer*innen in einem Chat-Fenster chatten (einfach einen Nutzer*innennamen wählen oder per Facebook einloggen). Verfremdungseffekt 2.0. Ebenfalls dabei: nachtkritik-Redakteur Christian Rakow, der die Inszenierung als Mitglied der Theatertreffen-Jury für das Berliner Theatertreffen 2018 auswählte. Also los: Gemeinsam glotzen!

Tweets zum Stream auf Twitter unter #streamingtrommeln

Der Chatverlauf ist in diesem pdf dokumentiert.

 

Über die Inszenierung auf der Homepage der Münchner Kammerspiele:

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen. Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet.

Die beiden Versionen von "Trommeln in der Nacht" – einmal als Liebes-, einmal als Revolutionsgeschichte – werden an den Kammerspielen abwechselnd gespielt. (...) In der Variante, die Christopher Rüping gemeinsam mit seinem Ensemble nach Skizzen von Bertolt Brecht entwickelt hat, entscheidet Kragler sich gegen den Rückzug ins Private und für den Aufbruch ins Politische: Er lässt Anna stehen und zieht mit den Revolutionären ins Zeitungsviertel.

 

Hintergrundwissen – #trommelfacts

Unter #trommelfact teilt Christopher Rüping auf Twitter Hintergrundwissen zur Inszenierung.

Mehr über den Regisseur Christopher Rüping im nachtkritik-Lexikon.

 

Kritiken zur Inszenierung

Die Nachtkritik von Michael Stadler zur Münchner Premiere am 14. Dezember 2017: "Im Reenactment des ersten Akts lauert überall die Parodie. Denn wer so wie einst spielt, der hängt sich in einen Pathos, der spricht so artikuliert, dass es nur komisch wirken kann. Rüpings Darsteller machen das mit heiligem Ernst. (...) Es gibt bei allen eine Lust am dramatischen Sich-Platzieren im Raum, zur großen Darstellung für die letzte Reihe. (...) Das Zurückfantasieren führt bei Rüping nicht ins Museum, weil allein die Energie der Darsteller, der Energieaustausch mit dem Publikum erfrischend ist."

Wie die Kritikerkolleg*innen es fanden, lesen Sie in der Kritikenrundschau.

 

Trommeln in der Nacht
nach Bertolt Brecht
Regie: Christopher Rüping, Bühne: Jonathan Mertz, Kostüme: Lene Schwind, Licht: Christian Schweig, Musik: Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson, Dramaturgie: Katinka Deecke.
Mit: Christian Löber, Damian Rebgetz, Hannes Hellmann, Nils Kahnwald, Wiebke Mollenhauer, Wiebke Puls.
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

www.muenchner-kammerspiele.de

 

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Kommentare

Kommentare  
#1 #streamingtrommeln: Chat-Fenster?Max 2020-03-29 22:07
Ich habe kein Chatfenster gesehen. Habe ich was falsch gemacht?

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Lieber Max, das Chat-Fenster war von 20:00 bis 22:40 offen (war als Live-Format gedacht). Es waren auch sehr viele Leute dabei. Insofern müsste es sichtbar gewesen sein.
Schöne Grüße, Anne Peter / Redaktion
#2 #streamingtrommeln: ZweiklassengesellschaftEliza 2020-03-29 22:52
Ich habe etwas vor- und zurückgeschaut, dann mit einem kleinen Auswahlpublikum einen netten, mittel-oberklassigen französischen Film im Heimkino (also wirklich KINO) geschaut, kurze auswertungsrunde, dann wieder hier nachgeschaut und fasse zusammen: Alle finden das Experiment während des gemeinsamen Schauens mit dem Regisseur zu plaudern klasse. So klasse, dass wir das hmmmm jetzt öfter machen. Demnach gibt es mindestens eine Publikums-Zweiklassengesellschaft: Eine, die gerne Theater schaut und sich hinterher angelegentlich darüber austauscht. Auf allen Kanälen, die sie so sonst auch benutzen für Austausch. Und eine, die unbedingt schon beim Schauen pausenlos miteinander quatschen will und der dafür jeder angebotene Kanal recht ist - deshalb habe ich mich da auf alle Fälle aus diesem Publikum ausgeklinkt. Auch wenn ich den Christopher Rüping sympathisch finde und das Stück in guten Teilen bemerkenswert inszeniert, ich möchte gern auf der Bühne in dieser Vorstellungszeit sehen, was er zu Theater und Brecht und SchauspielerInnen denkt und von denselben heute will. Auch wenn es eine gute Möglichkeit für unser aller geliebte Theater-Plattform Nachtkritik de., sich weiter zu betätigen und chatsüchtige Kanal-Arbeiter neu zu gewinnen als Nutzer ihrer Kulturjournalisten-Arbeit. Und natürlich als Unterstützer.
Toll, dass Ihr das ausprobiert habt und es Leuten gefällt, ich red aber lieber anders mit Euch und mit Christopher gar nicht, außer er ruft mich mal an oder so, oder schreibt mir mal einen Brief oder ne Mail und hat eine konkrete Frage an mich als Zuschauerin ... und mit meinen Mitzuschauern red ich HINTERHER und NICHT - auch nit im Chat! - DABEI - Liebe Anne, haltet durch! -(Schöne Grüße auch an Syme, ein andermal gern wieder im gleichen Zuschauerraum, oder auf ner Rakow-Lieblings-Mai-Treppe z.B.)
#3 #streamingtrommeln: Danke für diese Erfahrung!Matthias 2020-03-30 21:43
Nachdem ich den Stream nun habe sacken lassen und ich nun auch in die 3Sat-Aufzeichnung hineingeschaut habe (und das andere Ende gesehen), hier meine Gedanken zu diesem Experiment in hoffentlich halbwegs geordnet:

Zuerst muss ich Christopher Rüping absolut zustimmen, der Chat hat eine Lücke geschlossen. Es war eine Gemeinsamkeit da, die ich seit der Theater-Schließung nicht erfahren habe. Die Möglichkeit, sich gemeinsam über das Stück auszutauschen und besonders die #Trommelfacts von Herrn Rüping hatte etwas sehr Besonderes. Eindeutig besser als das Twittern zu #StreamingHamlet, da dort leider kaum Gespräche entstanden sind.

Ich hatte den Stream auf der Leinwand und den Chat auf dem Handy, das hat technisch recht gut funktioniert. Hätte ich die Aufführung noch nicht gekannt, hätte mich der Chat aber extrem abgelenkt. Teilweise kamen die Nachrichten im Chat schon schneller, als man sie lesen konnte – es gibt hier also eine Partizipationsgrenze nach oben.

Die Idee eines Audiokommentars finde ich gut – hier bietet sich eigentlich jede Streaming-Plattform an (YouTube, Twitch, …). Vor allem könnte man von der „Pause“-Funktion Gebrauch machen, die einem eine Aufzeichnung gibt, und kann so zwischendrin über das Stück diskutieren, ohne alles verpassen zu müssen. In kleinem Rahmen mit Freunden habe ich gute Erfahrungen mit der parallelen Nutzung von Zoom und watch2gether.com (zum synchronisierten Zuschauen und auch pausieren) gemacht, das bietet noch direkte Kommunikationsmöglichkeiten. Funktioniert aber wahrscheinlich nur bei

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