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Zusammenhalten, sich nützlich machen

1. April 2020. Solange der Spiel- und Probebetrieb an den Bühnen ruht, haben auch die Werkstätten an den Opern- und Theaterhäusern nichts oder nicht mehr viel zu tun. In zahlreichen Kostümwerkstätten werden nun Masken hergestellt. Das meldet swr2 auf seiner Website.

Wir tragen zusammen, wo überall die Theater-Werkstätten dringend benötigte Schutzkleidung herstellen: Gesichtsmasken zur Bedeckung von Nase und Mund näht das Mainfranken Theater in Würzburg, die Theater in Koblenz und Trier produzieren für den lokalen Gebrauch etwa bei der Stadtverwaltung und der Feuerwehr und die Oper Bonn will in großem Stil 1000 Schutzmasken in der Woche herstellen. Das Theater Baden-Baden hat bereits 3.000 Masken für die Feuerwehr produziert.In Baden-Baden haben die Theaterleute auf den Probebühnen ein Fließbandsystem für Zuarbeiten mit Teams von Freiwilligen aus Kunst und Technik eingerichtet.

Behelfsmasken

Das Theater Bielefeld näht 600 Behelfsmasken für Nase und Mund, das Theater Heidelberg arbeitet alte Kostüme aus dem Fundus zu Gesichtsmasken um, auch die Schneiderei des Pfalztheaters Kaiserslautern produziert seit Ende März behelfsmäßige Gesichtsmasken. Das Staatstheater Cottbus hat seine Kostümschneiderei vorübergehend umgestellt, um in Corona-Zeiten dringend benötigte Gesichtsmasken herzustellen. Die ersten 100 Masken aus weißer Baumwolle sind am Dienstag dem Deutschen Roten Kreuz und der Cottbuser Feuerwehr übergeben worden, wie das Theater mitteilte (Die Welt).

In der Kostümabteilung des Theaters Regensburg werden Masken zur Verteilung an die Bevölkerung genäht, das Nationaltheater Mannheim arbeitet für die Feuerwehr, die gibt die Masken an die Stadtverwaltung weiter, auch das Saarländische Staatstheater näht in der Schneiderei Masken, dazu noch Schutzkittel. Auch die Uckermärkischen Bühnen in Schwedt / Oder nähen die Masken seit vergangenem Freitag, schreibt Die Welt (31.3.2020). Das Haus habe in Eigeninitiative begonnen, inzwischen nähe es für das Klinikum, Pflegeeinrichtungen und Geschäfte. Auch das Hans Otto Theater in Potsdam näht für ein Klinikum nahe bei.

Die Dramaturgie

Das Theater Freiburg schickt uns die Ablauf-Dramaturgie für die Herstellung seiner Masken: Beteiligt sind die Dekorationsabteilung sowie Mitarbeiter der Bühnentechnik des Großen Hauses. Mitarbeiter der Veranstaltungstechnik verteilen die Zuschnitte mit Anleitung und Nähgarn an Mitarbeiter_innen der Kostüm- und Maskenabteilung in Freiburg und Umgebung (die Masken werden an privaten Nähmaschinen gefertigt) und bringen sie von dort in das Theater zurück, wo die Masken gewaschen und zur Abholung bereitgestellt werden. Ab diesen Donnerstag steigern Mitarbeiter_innen aus den Werkstätten und vom Foyermanagement die Produktion indem sie beim Zuschnitt helfen. In der Kostümabteilung werden mit Sicherheitsabstand Mitarbeiter_innen zudem an hauseigenen Nähmaschinen arbeiten.

Heimarbeit

Die "Damen" (Vogtland-Anzeiger) der Kostümschneiderei des Theaters Plauen Zwickau arbeiten in Heimarbeit mit anderen Frauen aus einer Facebook-Gruppe. Damen- und Herrenschneiderei des Theaters Osnabrück stellen waschbaren Mundschutz für die lokalen Pflegedienste her, die Kostümabteilung des Theaters Hagen näht Mundmasken. Aufgrund der aktuellen Knappheit an Atemschutzmasken hat sich auch die Burghofbühne in Dinslaken entschlossen, "Fundusstoffe" zu provisorischen Gesichtsschutzmasken zu verarbeiten und Institutionen aus den Bereichen Pflege, Betreuung, Gesundheit im Kreis Wesel kostenlos zur Verfügung zu stellen" (LokalKlick Online-Zeitung Rhein-Ruhr).

Widerspruch

150 Stoffmasken am Tag aus Stoffspenden der Bevölkerung fertigt die Schneiderei des Theaters Krefeld-Mönchengladbach in Zusammenarbeit mit dem Krefelder Verein Die Wiege e.V.. Sie sollen Pflegeeinrichtungen zugute kommen. Matthias Brenner, Schauspielintendant in Halle, rief gar zur bundesweiten Umstellung der Theaterschneidereien auf die Produktion von Atemmasken auf. Das Theater Magdeburg indes will sich diesem Aufruf nicht anschließen und weist darauf hin, dass das gründliche Händewaschen und die Einhaltung der Husten-Nies-Etikette der wirksamste Schutz vor einer Infektion seien (Magdeburger Volksstimme) .

Und obacht!

Wer nun aber bei all dem guten Willen die falschen Bezeichungen verwendet, die gegen die "produktspezifischen Kennzeichnungspflichten nach dem Medizinproduktegesetz (MPG) und gegen das Irreführungsverbot nach Paragraf 4 Absatz 2 des MPG" verstoßen, hat alsbald die Abmahn-Anwälte am Hals, wie ntv auf seiner Website meldet. Denn: Atemschutzmasken dürfen nur die Medizinprodukte-Hersteller anbieten. 

(swr2 / Die Welt / Vogtland-Anzeiger / LokalKlick / Magdeburger Volksstimme / ntv /jnm)