"Fiskus" von Felicia Zeller, uraufgeführt von Christoph Diem

30. Juni 2020. Weil die Theater nur sehr vereinzelt wieder spielen, bevor die Sommerpause beginnt, stellt nachtkritik.de noch bis Mitte Juli einen digitalen Spielplan mit ausgewählten Inszenierungen zusammen. Vom 1. Juli 18 Uhr bis 2. Juli 18 Uhr zeigten wir Felicia Zellers Stück "Fiskus", am 18. Januar 2020 am Staatstheater Braunschweig von Christoph Diem uraufgeführt. Die Inszenierung war eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen NRW 2020.

 

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Auf der Website des Staatstheaters Braunschweig heißt es zum Stück:

Steuern muss jeder zahlen? Wirklich jeder? Wie genau nimmt es eigentlich der gemeine Steuerzahler, vertritt er eine penible oder eher lockere Einstellung zur geltenden Rechtsauffassung? Wo findet er Steuerschlupflöcher? Und wer kennt sie nicht, die besten Steuertricks: Weniger arbeiten spart Steuern.
Felicia Zeller erzählt von Angestellten des Finanzamtes, die sich hineinträumen in CumEx-Existenzen oder in solche, in denen sie ihren Job als Bestverdiener glücklich hinter sich gelassen haben. Aber wenn sie wieder aufwachen, dann sehen sie sich mit Dienstaufsichtsbeschwerden und Drohbriefen von Rechtsanwälten konfrontiert. Illegales wird legalisiert und Wissenschaftler werden bezahlt, um das Steuerrecht im Sinne der Hinterzieher auszulegen. Reisen Sie auf Kosten des Finanzamts zu den Sehenswürdigkeiten dieser Welt! Setzen Sie Geburtstagsgeschenke ab! Schieben Sie das Getrenntleben vor Ihrer Scheidung, solange es geht, hinaus! Tun Sie etwas für Ihre Schönheit und setzen Sie es von der Steuer ab!

 

Christian Rakow schrieb in seiner Nachtkritik:

Felicia Zeller hat, wie sie in einer Braunschweiger Zeitung ausplauderte, ein wenig bei Finanzämtern recherchiert, Bücher wie "1000 legale Steuertricks" gelesen und ansonsten ihr Ding gemacht, also fabuliert. Und herausgekommen ist eine herrliche kleine Innenansicht der Finanzbehörde. Für die Poesie der Verwaltungsapparate hat Zeller ohnehin ein Händchen. Ihr Blick in den alltäglichen Wahnsinn des Jugendamts "Kaspar Häuser Meer" ist bereits ein Klassiker des Gegenwartstheaters. (...)

Musikalisch ist "Der Fiskus" ebenfalls angelegt. Schon weil einer der hier versammelten Steuerbeamten Reiner – der einzige Mann im Stück – in seiner Freizeit Songs für den Gospel-Chor komponiert und immer mal ein breites "O Lord" in seine Rede streut. Und weil sich Zeller natürlich treu bleibt mit einem stark rhythmisierten Text, in dem die Sätze regelmäßig abreißen, wenn die poetisierte Amtssprache allzu sehr mit der Floskel flirtet. Ein Text, der sich flächig ausbreitet, der schwadroniert und monologisiert, der aber auch – selten genug in der neuen Dramatik – anrührende Figuren und pointierte Dialoge kennt. (...)

 

 

Der Fiskus
von Felicia Zeller
Uraufführung
Regie: Christoph Diem, Bühne: Sabine Mader, Kostüme: Anne Buffetrille, Dramaturgie: Holger Schröder.
Mit: Gertrud Kohl, Saskia Petzold, Larissa Semke, Tobias Beyer, Naima Laube.
Premiere am 18. Januar 2020
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

www.staatstheater-braunschweig.de

 

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