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#FreeSZFE

5. September 2020. Zahlreiche deutsche Theaterschaffende solidarisieren sich in den sozialen Medien mit den Studierenden und Dozierenden, die die Budapester Universität für Theater- und Filmkunst seit knapp einer Woche besetzen. Die Leitung um Rektor Laszlo Upor war am vergangenen Wochenende geschlossen zurückgetreten, nachdem die rechtspopulistische Orbán-Regierung die Autonomie der Hochschule aufgehoben hatte. Sie soll fortan von einer privaten Stiftung getragen werden, deren Leitung von der Regierung bestimmt wird, und unter der neuen Leitung "christlicher" und "nationaler" ausgerichtet werden.

Unter dem Hashtag #FreeSZFE treten die Besetzer*innen und ihre Unterstützer*innen gegen diese Pläne an (hier die aktuelle Pressemitteilung der Besetzer*innen). In Berlin findet am Sonntag, den 6. September von 16 bis 18 Uhr eine Demonstration auf dem Bertolt-Brecht-Platz vor dem Berliner Ensemble (BE) statt. Das BE hat außerdem ein geplantes Gastpiel seiner Inszenierung "Medea" beim staatlichen MITEM-Festival in Budapest abgesagt, um sich solidarisch mit den Protesten zu zeigen.

Eindrücke von der Demonstration in Budapest am 6. September mit tausenden Teilnehmer*innen und einer Menschenkette von der besetzten Universität zum Parlament

Die Aufhebung der Autonomie der Hochschule sei "ein weiterer Schritt der Regierung Orbáns in Richtung einer Gleichschaltung der Kultur – was auch durch die Benennung von Nationaltheater-Intendant Attila Vidnyánszky als Stiftungspräsident deutlich wird, dessen Einfluss auf die ungarische Theaterszene sich nun erneut erhöht", wird BE-Intendant Oliver Reese in der entsprechenden Pressemitteilung zitiert. "Der Prozess der Umstrukturierung, der ohne Einbeziehung der vorherigen Universitätsleitung stattfand, ist in jeglicher Hinsicht undemokratisch."

(Freie Ungarische Botschaft / Berliner Ensemble / sd)


Update, 22. Oktober 2020. Auch das Staatsschauspiel Dresden sagt sein Gastspiel "Schuld und Sühne" (Regie: Sebastian Hartmann) auf dem Budapester MITEM-Festival ab. "Wir stehen mit unserer Arbeit für eine offene Gesellschaft, in der die Freiheit der Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst unbedingte Werte und grundlegende Menschenrechte unserer demokratischen Gesellschaften sind", wird Intendant Joachim Klement in der Presseaussendung des Hauses zitiert. "Durch die derzeitigen Entwicklungen in der ungarischen Kulturszene festigt sich unser Eindruck, dass unsere künstlerische Arbeit im Rahmen eines wie immer gearteten Kulturkampfes instrumentalisiert werden soll. Wir werden daher aus Protest und in Solidarität mit den Studierenden und Professor*innen der Universität für Theater- und Filmkunst (SZFE) in Budapest die Einladung zum MITEM nicht annehmen."