Unterfinanziert

Hildesheim, 13. Oktober 2020. Das Theaterhaus, Hildesheims Zentrum für Freies Theater, steckt in der Krise. Wie die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichtet, hat die Geschäftsführerin Uta Lorenz wegen Arbeitsüberlastung zum Jahresende gekündigt. Deshalb schätzt der Vorstand des Theaterhausvereins die Arbeit als gesundheitsgefährdend ein und will die Stelle nicht mehr ausschreiben. Damit gäbe das Land als Hauptförderer kein Geld mehr.

Die Forderung an die Stadt Hildesheim, die institutionelle Förderung von 20.000 auf 50.000 Euro zu erhöhen, um damit das Haus personell besser aufstellen zu können, kontert Oberbürgermeister Ingo Meyer damit, dass "das Theaterhaus das Rad eben nicht mehr so groß drehen" dürfe. Vor fünf Jahren hätte es noch "gar nichts gekriegt – und jetzt soll das nicht mehr funktionieren?"

Das Theaterhaus ist eine wichtige Institution der Freien Theaterszene Niedersachsens und wesentlicher Partner all jener Künstler*innen, die vom Studiengang Szenische Künste an der Universität Hildesheim erste Schritte in die Praxis wagen. Entsprechend setzen sich insbesondere Absolvent*innen, Studierende und Lehrende der Universität für den Erhalt des Theaterhauses ein, wie Lara-Joy Bues (Markus und Markus), Prof. Dr. Stefan Krankenhagen und Oliver Graf, Intendant des Theater für Niedersachsen. Studierende der Universität haben für den 20. Oktober eine Solidaritätsdemonstration angekündigt.

 

Update 16. Oktober 2020. In einem Offenen Brief (hier als PDF) setzen sich 16 ehemalige Professor*innen und Dozent*innen der Hildesheimer Kulturwissenschaften für den Erhalt des Theaterhauses ein. In dem Schreiben heißt es: "Das Theaterhaus Hildesheim war viele Jahre das Experimentier- und Probierfeld junger Theaterleute, die hier außerhalb der Universität ihre ersten selbständigen Projekte machen konnten.
Viele von ihnen prägen heute die Darstellenden Künste in Deutschland und sind dort in verantwortlichen Positionen. Sie haben aber auch das Hildesheimer Kulturleben bereichert, mit dem sogenannten Hildesheimer Modell, der lebendigen Zusammenarbeit zwischen den Kulturwissenschaften der Universität, dem Theater für Niedersachsen und der Freien Szene bundesweit für Aufsehen gesorgt. Ein derartiges Kulturbiotop sollte die Stadt Hildesheim als Geschenk und Chance verstehen.
Wir fordern daher die in Stadt, Kreis und Land Verantwortlichen auf, für ein nachhaltiges Fortbestehen des Hildesheimer Theaterhauses einzutreten und stehen – falls das gewünscht wird – gerne auch als Mediatoren zur Verfügung."

(HAZ / geka)

 

 
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