Jeder kennt jeden

14. Januar 2021. In der Aargauer Zeitung untersuchen Julia Stephan und Julia Nehmiz die Ergebnisse einer Anfang November 2020 veröffentlichten Umfrage des Schweizerischen Bühnenkünstlerverbandes SBKV zum Thema Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung. 80 Prozent aller Teilnehmenden der Umfrage haben "in den letzten zwei Berufsjahren mindestens einen sexuellen Übergriff erlebt, 69 Prozent davon waren Frauen. Die Vorwürfe gehen von abwertenden und anzüglichen Sprüchen zu Angeboten beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen und in seltenen Fällen bis zur Vergewaltigung."

In der Schweiz sei ein #MeToo-Aufschrei bislang ausgeblieben. SBKV-Geschäftsleiterin Salva Leutenegger erklärt sich das in dem Artikel "mit der beinahe dörflichen Struktur der hiesigen Szene: 'In Deutschland ist der Markt grösser, Umzug und Jobwechsel können einen Neuanfang bedeuten. In der Schweiz kennt jeder jeden. Wer öffentlich jemanden beschuldigt, riskiert, dass sich die Branche mit dem Beschuldigten solidarisiert.'"

Die Autorinnen des Artikels haben mit mehreren Betroffenen gesprochen, u.a. einem Schauspieler, der Vorwürfe gegen den ehemaligen Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann erhebt, dem ehemalige Mitarbeiter*innen bereits 2018 in einem Offenen Brief Machtmissbrauch vorwarfen.

In Reaktion auf die #MeToo-Debatte gebe es an Theatern und Schauspielschulen zunehmend Beratungsstellen bzw. Vertrauenspersonen, so der Zeitungsartikel. Die SBKV hat außerdem eine Meldestelle eingerichtet.

(Aargauer Zeitung / sd)

 
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