Raum für Gegenwartsspezialist*innen

10. Mai 2021. Das Theater und Orchester Heidelberg wird zum Beginn der Spielzeit 2022 / 2023 einmalig ein neues Festival für Theaterautor*innen veranstalten: "REMMIDEMMI – Das Widerstandsfestival". Das Format soll zusätzlich zum etablierten Heidelberger Stückemarkt der Nachwuchsdramatik ein Podium geben. 

Einen Tag, nachdem der Heidelberger Stückemarkt beendet und die Preise in allen Sparten verliehen wurden, kündigt das Haus sein neues Festival in einer Pressemitteilung an. Acht Schreibaufträge wurden in dessen Rahmen an acht Autor*innen vergeben. Dabei sind Nachwuchsautor*innen und bereits etablierte Dramatiker*innen. Thematisch sollen sich die Texte um vergangene und zukünftige Widerstandsbewegungen drehen. Sie werden einen Blick 50 Jahre zurück in den Vergangenheit und 50 Jahre in die Zukunft hinaus werfen – ausgehend vom Bombenanschlag der RAF am 24. Mai 1972 auf das Hauptquartier der US-amerikanischen Streitkräfte in Heidelberg bis hin zu den Folgen von Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel im Jahr 2072. Die beteiligten Autor*innen sind Raphaela Bardutzky, Özlem Özgül Dündar, Caren Jeß, Rebekka Kricheldorf, Konstantin Küspert, Philipp Löhle, Peter Thiers und Roland Schimmelpfennig, der ein Stück für junges Publikum ab 10 Jahren schreiben wird. Protest und Protestbewegungen werden zentrale Themen in den Texten sein.

Überzeugt hat die Leitung des Theaters Heidelberg um Intendant Holger Schultze laut Pressemitteilung ein offener Brief des Verbandes der Theaterautor*innen im letzten November. Darin heißt es: "Vergebt neue Stückaufträge – JETZT! Gerade 2021 / 2022 ist es für die Autor*innen, die ihre Rücklagen aufgebraucht haben, wichtig, Schreibaufträge zu bekommen. (…) Die Gesellschaft befindet sich in einer völlig neuartigen Ausnahmesituation, die dringend vielstimmig reflektiert werden sollte. Wir Theaterautor*innen sind Gegenwartsspezialist*innen – also nehmt unsere Dienste in Anspruch!"

In der Spielzeit 2022 / 2023 werden die Werke auf den vier Bühnen des Theaters und an ausgewählten Orten im Stadtraum uraufgeführt und anschließend ins Repertoire des Hauses übernommen. Es inszenieren acht Regisseur*innen, darunter Heidelberger Oberspielleiterin Brit Bartkowiak sowie Marie Bues, Cilli Drexel, Florian Huber, Daniela Löffner und Tuğsal Moğul. Zudem kooperiert das Haus mit der Toneelacademie Maastricht (Akademie der darstellenden Künste), dortige Studierende werden die Kostüme für die Uraufführungen entwerfen.

(Theater und Orchester Heidelberg / sdre)

 
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