Er hat den Körper in den letzten Kampf geworfen

14. Mai 2021. Im Alter von 72 Jahren ist heute der Choreograph, Tänzer, Autor und Filmemacher Raimund Hoghe verstorben. Das gab das Tanzhaus NRW in einer Presseaussendung bekannt.

Raimund Hoghe, geboren 1949, zählte zu den Protagonisten des zeitgenössischen Tanzes. In den 1980er Jahren arbeitete er als Dramaturg für die Wuppertaler Choreografin Pina Bausch. Seine Karriere als Tänzer und Choreograf begann der als Journalist tätige Hoghe im Jahr 1992. 1994 choreografierte er mit "Meinwärts" sein erstes Solo für sich selbst als Tänzer. 1997 schuf er "Chambre séparée" und im Jahr 2000 "Another Dream" als Trilogie über das 20. Jahrhundert. Später folgten Choreografien mit und für andere, "stets als Huldigung an den Körper, stets begleitet durch einen kenntnisreichen und feinen Umgang mit Musikeinspielungen und stets den Menschen mit seinen exemplarischen Geschichten, Brüchen und Ambivalenzen im Blick", so das Tanzhaus NRW.

RaimundHoghe LaValse RosaFrank uRaimund Hoghe in "La Valse" © Rosa Frank

Raimung Hoghes Stücke befassten sich mit gesellschaftspolitischen Themen, etwa dem Umgang mit Geflüchteten. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter 2001 den „Deutschen Produzentenpreis für Choreografie“ und 2006 den "Prix de la critique Francaise“ für "Swan Lake, 4 Acts" in der Kategorie "Beste ausländische Produktion". 2019 ernannte ihn das französische Kulturministerium zum "L’Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres" und 2020 erhielt er den Deutschen Tanzpreis, die höchste Tanz-Auszeichnung in Deutschland. In ihrer Tanzpreis-Laudatio nannte die Tanz- und Theaterwissenschaftlerin Katja Schneider den Raimund Hoghe "einen Künstler, der den Traum nährt und die Sehnsucht nach einem anderen Leben wachhält".

Die Maxime des in Düsseldorf beheimaten Künstlers war dem Tanzhaus NRW zufolge ein Pasolini-Satz: "Den Körper in den Kampf werfen". Als Tänzer und Choreograph mit Buckel stand Hoghe auch für die Gleichberechtigung unterschiedlicher Körper: "Für mich sind Körper wie Landschaften, und so, wie es verschiedene Landschaften gibt, gibt es auch verschiedene Körper – und alle haben ihre Berechtigung."

(Tanzhaus NRW / eph)

 
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