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Beton und Fundamente

22. Juni 2021. Der Regisseur und designierte Intendant der Berliner Volksbühne René Pollesch drückt in einem Offenen Brief seine Solidarität mit dem kürzlich geschlossenen Athener Theater Embros aus. Das griechische "Institute for Experimental Arts" veröffentlicht das Schreiben auf seiner Website.

2011 besetzten Künstler:innen das Gebäude aus Protest gegen harte Schnitte bei der Kulturförderung. Zwei Jahre später wurde das Haus bereits einmal geräumt, danach aber erneut besetzt und als selbstverwaltetes Theater und soziokulturelles Zentrum genutzt. Bei zuletzt erfolgten Räumung haben die Behörden die Fenster und Türen zubetonieren lassen. Das Theater soll nach Informationen von Deutschlandfunk Kultur aber inzwischen wiedereröffnet worden sein.

In seinem Brief an das griechische Ministerium für Kultur und Sport zeigt sich René Pollesch zutiefst besorgt über die Räumung, die er als ein Ereignis in einer Serie von Vorkommnissen darstellt, die er als "autoritäre Umgestaltung" (im englischen Original: "authoritarian transformation") der griechischen Gesellschaft bezeichnet. Öffentlich geförderte oder gemeinnützig geführte Theater seien Vorposten eines freien, demokratischen Gemeinwesens. Jeder Angriff auf Kunstinstitutionen, unabhängige Veranstaltungsorte und ihre Betreiber:innen sei ein einer demokratischen Regierung unwürdiger Angriff gegen die Zivilgesellschaft und die Fundamente der Demokratie.

Pollesch, der im Herbst seine erste Spielzeit als Intendant der Berliner Volksbühne eröffnet, habe eine Zusammenarbeit mit dem Embros geplant. Er schließt seinen Brief in der Hoffnung, die griechische Regierung werde diese Kooperation ermöglichen.

(Institute for Experimental Arts / Deutschlandfunk Kultur / miwo)

 

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