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Journalist Deniz Yücel wird PEN-Präsident

28. Oktober 2021. Der Journalist und Schriftsteller Deniz Yücel wurde gestern zum Präsidenten des deutschen PEN-Zentrums gewählt. Das gab gibt der Börsenverein des deutschen Buchhandels im Branchenmagazin boersenblatt.net bekannt.

Yücel wird Nachfolger von Regula Venske, die nicht mehr zur Wahl antrat im Präsidium der Schriftstellervereinigung PEN ("Poets, Essayists, Novelists"). Neue PEN-Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftrage wird Astrid Vehestedt, die seit 2019 Beisitzerin im PEN-Präsidium ist. PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann und Vizepräsident Ralf Nestmeyer, zuständig für die Writers-in-Prison-Arbeit, wurden in ihren Ämtern bestätigt. Neu im Präsidium sind die Beisitzerinnen und Beisitzer Svenja Leiber, Christoph Links, Nikola Anne Mehlhorn und der als Theaterautor und Dramaturg tätige Konstantin Küspert.

Deniz Yücel war von 2002 bis 2007 Redakteur der Wochenzeitung "Jungle World" und 2007 bis 2015 Redakteur bei der Berliner Tageszeitung taz. Seit 2015 ist er Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe. Von Februar 2017 bis Februar 2018 war der heute 48-jährige Journalist und Schriftsteller wegen angeblicher Terrorpropaganda ohne Anklage in der Türkei inhaftiert, was das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei stark belastete. Auch der PEN engagierte sich für Yücels Freilassung.  Am 16. Juli 2020 verurteilte die 32. Große Strafkammer in Istanbul Yücel in Abwesenheit wegen Terrorpropaganda zu einer Haftstrafe von knapp drei Jahren. Auf Yücels Antrag befasst sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit dem Fall. Auch aufgrund dieser Erfahrungen wollte sich der Autor der Verantwortung eines Amtes beim PEN stellen, so die FAZ. Das PEN-Zentrum versteht sich als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller*innen, tritt ein für Meinungs- und Publikationsfreiheit und setzt sich für inhaftierte oder im Exil befindende Autor*innen ein.

In seiner Bewerbungsrede in der Frankfurter Paulskirche hob Deniz Yücel laut boersenblatt.net hervor, die Gefährdung der Meinungsfreiheit gehe in Deutschland "nicht nur von Feinden der offenen Gesellschaft, nicht nur von Rechtsextremisten und Islamisten aus, sondern zuweilen auch von Leuten, die im Namen hehrer Ziele agieren". Die Freiheit des Wortes und der Kunst gelte "auch für die Freiheit des dummen Wortes, auch für die Freiheit der bescheuerten Kunst, auch dann, wenn es wehtut", gibt die FAZ Auszüge aus Yücels Rede wieder.

(boersenblatt.net / FAZ / Wikipedia / eph)

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