Theateröffnungsgymnastik

30. Januar 2021. Trotz der in rasendem Tempo entwickelten Impfstoffe hält die Pandemie die Gesellschaften weltweit in der Geißel. Theater schließen, öffnen, schließen. Premieren werden geprobt, stauen sich, werden in rasendem Tempo abgespielt. Derweil richten sich Energien verstärkt aufs Innere des Betriebs.

Was hatte das Jahr 2021 noch zu bieten?

Januar

Das neue Jahr beginnt, wie das alte endet: Alle Theater sind zu. Schlimmer noch: Fantasien von einer Öffnung zum Ende des Monats werden von Lockdown-Verlängerungen begraben. Immerhin: Inzwischen greifen die Hilfsprogramme. Aber nicht immer: In ihrem viel beachteten Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters macht Julischka Eichel deutlich, warum viele freischaffende Schauspieler:innen immer noch durchs Raster fallen: "Wir sind nirgendwo einzuordnen." Der Brief ist auch der meistgelesende Beitrag auf nachtkritik.de in 2021. Wenig später hat die Politik das Problem gelöst.

Starke Reaktionen ruft auch Tim Tonndorfs Kritik an der gängigen Theaterpraxis hervor, dass mit ausscheidenden Intendant:innen oft auch ein Großteil des Ensembles gehen muss. Selbst in Corona-Zeiten, wenn kaum Chancen auf Anschluss-Jobs bestehen. Der Januar steht bis zum Ende im Schatten des großen C: Der schwedische Dramatiker Lars Norén stirbt an den Folgen seiner Covid-Erkrankung.

Februar

Eine Aktion, die auch in einer liberalen Gesellschaft immer noch Mut bedeutet: 185 Schauspieler:innen treten mit dem Manifest "Act out" und einem Auftritt im SZ-Magazin kollektiv als "lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär und trans*" hervor. Sie weisen auf die auch in der Kunstbranche noch immer herrschenden Normierungen hinsichtlich Geschlecht, sexueller Präferenz, Schönheitsvorstellungen hin. "Die 185 Schauspieler:innen machen etwas sichtbar. Diese Sichtbarkeit wird bleiben. Jetzt muss sich nur noch die Branche ändern", kommentiert Georg Kasch.

Ersan Mondtag ist mit der Berliner Stiftung "Flucht, Vertreibug, Versöhnung" in einen Streit über eine künstlerische Arbeit im Auftrag der Stiftung geraten. Esther Slevogt geht dem Konflikt nach. Die umstrittene chinesische Home-made-Video-Plattform Tik Tok wird als Kulturfördererin in Deutschland vorstellig.

An der Berliner Volksbühne steht die renommierte Meeresbiologin Antje Boetius in dem instruktiven Klima-Abend "Anthropos (Tyrann)" von Alexander Eisenach auf der Bühne, und das Publikum kann die gestreamte Veranstaltung von daheim miterleben und per WASD-Steuerung die Kameraperspektive wählen. In Darmstadt fasziniert derweil der dreitägige Stream "Sterberaum", eine maximal entschleunigte Performance von und mit Gregor Schneider.

Sterberaum Benjamin WeberMaximal entschleunigt und pandemische Meditation: Gregor Schneiders "Sterberaum" als dreitägige Performance, gestreamt aus dem Staatstheater Darmstadt © Benjamin Weber

März

Die Kunst auf den Bühnen steht auch im März fast überall still, auch wenn es Pilotprojekte mit Zuschauer-Testungen gibt und einzelne Häuser in Niedriginzidenzgebieten ihre Pforten öffnen dürfen. Dafür kracht es gewaltig im Gebälk der Theaterstrukturen: In Berlin legt Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr sein Amt nieder, nachdem die taz gegen ihn erhobene Vorwürfe von Machtmissbrauch und "sexualisierter Grenzüberschreitungen" öffentlich gemacht hat.

Rueckblick2021 Ron IyamuScreenshot des Intagramaccounts von Ron Iyamu

In Düsseldorf wiederum prangert der Schauspieler Ron Iyamu den Rassismus an, den er unter anderem während seines Engagements am Düsseldorfer Schauspielhaus erfahren und in seiner Diplomarbeit für das Salzburger Mozarteum geschildert und kontextualisiert hat. Aufgrund der Vorfälle bekommen in diesem Monat auch die Vertrauensstellen verstärkte Aufmerksamkeit, an die sich Betroffene wenden können: für deutsche Kulturinstitutionen die Themis-Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt; in Österreich wird eine Vertrauensstelle "für Kunst, Kultur und Sport" neu geschaffen.

Im Zuge der Causa Düsseldorf (die Esther Slevogt im April noch einmal in einer ausführlichen Recherche auffächert) fordern 22 Theatermacher:innen of Colour in einem Offenen Brief die Einrichtung einer "vom Schauspielhaus unabhängigen, selbstorganisierten Freien Bühne als aktive Möglichkeit uns dem institutionellen Rassismus zu entziehen". Auch andere in der Theaterszene marginalisierte Gruppen verschaffen sich in diesem Monat Gehör: Im Theaterpodcast spricht die Schauspielerin Lucy Wilke über Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Theaterbetrieb, und der Aktivist Raul Krauthausen macht im Interview klar, dass es nicht nur Rollstuhlplätze im Zuschauerraum, sondern genauso selbstverständlich barrierefreie Bühnen und Ausbildungsstätten braucht.

Was sonst noch? Sebastian Hartmann wünscht sich weniger rumeiernde Intendanten und mehr Engagement der Theater im Digitalen. In Frankreich halten Künstler:innen vielerorts die Theater besetzt. Und die Schriftstellerin Sibylle Berg widerspricht nachtkritik-Kolumnist Michael Wolf, der den Theaterautor:innen angesichts der ihnen ins Werk hineinfuhrwerkenden Regisseur:innen einen Mangel "an Selbstbewusstsein, Strenge, Dringlichkeit“ attestiert. Einen Ausblick, wie Künstliche Intelligenz das Handwerk von Textarbeiter:innen am Theater verändern könnte, gibt es außerdem.

April

Der im Ruf einer Wechselhaftigkeit stehende Monat macht seiner Reputation in mancher Hinsicht Ehre: Die Inzidenzen steigen und steigen. Auch beginnt die Zeit der Öffnungsmodelle: Theater dürfen in einigen Bundesländern unter Auflagen den Spielbetrieb aufnehmen. Eine neue Sportart entsteht: Die Theateröffnungs-Gymnastik. Die Häuser haben sich zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahr abgerackert, unter anderem, um Theater auf digitalem Wege sichtbar zu machen.

Wir schauen auf Ergebnisse dieses Jahres, kuratieren und hosten das Festival "Zoom in". Sechs Arbeiten sind auf der eigens erstellten Seite nachtkritik.online zu sehen, die repräsentativ für bestimmte Spielarten einer neuen, fürs Internet kreierten Theaterform stehen. Darunter sind eine Social-Media-Performance, ein Live-Zoom-Theaterformat und ein theatrales Instagram-Game. Flankiert werden sie von Panels und Workshops rund um das Verhältnis von Theater und Digitalität.

WERTHERLIVE 805 punktliveStück der Stunde: "Werther.live", im April beim Festival Zoom-in zu sehen, von vielen Theatern gezeigt, mit Preisen ausgezeichnet, und im August erhält Regisseurin Cosmea Spelleken bei der Kritiker:innen-Umfrage von Theater heute die meisten Stimmen als Nachwuchskünstlerin © punktlive

Für Diskussionsstoff sorgt die Aktion "allesdichtmachen". 52 Schauspieler:innen versuchen sich an einer Corona-Satire und – nun ja, man kann es nicht anders sagen – scheitern.

Mai

Der Mai steht im Zeichen der vorübergehend abklingenden Pandemie, die Gesellschaft hofft, der Spuk sei vorüber. Sie täuscht sich. Esther Slevogt bekennt in ihrer Kolumne aus dem bürgerlichen Heldinnenleben ihr Erschrecken über den schrillen Ton der Machtmissbrauchsdebatten.

Das Theatertreffen findet statt, im Stream, das Beiprogramm ist üppig, man erinnert an den Mythos "Living Theatre". Während weltweit der Abbau der Demokratie fortschreitet, meldet das Theater Basel die Einsetzung einer "teamorientierten" Leitungsstruktur. Am Berliner Gorki Theater gelingt es Shermin Langhoff, den Kopf aus der Machtmissbrauchs-Schlinge zu ziehen.

Wolfgang Behrens fragt sich in seiner Kolumne, ob sein Restglauben an einen "alle Identitäten hinter sich lassenden universalistischen Dialog einfach nur hemmungslos naiv" sei. Antworten darauf geben die Kommentare. Tim Etchells berichtet vom neuen Brexit-Isolationismus aus England. Die Aktivistin Lisa Jopt wird Chefin der GDBA, der Schauspielerinnen-Gewerkschaft, die Kommunikationswissenschaftlerin und Theatermacherin Natasha A. Kelly legt dar, weshalb Deutschland ein Schwarzes Theater braucht. Ende Mai bilanziert der Kultur-Blogger Konrad Kögler das Online-Angebot der Theater in der Pandemie-Saison. Und Ewelina Benbenek erhält den Mülheimer Dramatikerpreis.

Show Etchells 805Tim Etchells' Installation "The Show ..." in Zürich auf der Landiwiese, Heimat des Zürcher Theater-Spektakels © Christian Altorfer

Juni

Auf den hellsten Tag des Jahres zusteuernd kommt das Phänomen "Premierenstau" in die Welt und wird in reichem Premieren-Reigen open air wie indoor abgearbeitet. Wieder mit 500 Fremden im Publikum zu sitzen, ist doch einfach der schönste Stau der Welt. Aus dem Staudamm platzt Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!, in dem Elfriede Jelinek Pandemiewahnsinn umzirkelt – wer, wenn nicht sie, darf das! –, außerdem ein größtenteils geglücktes Experiment von Rimini Protokoll, gleich drei Ersan-Mondtag-Premieren, darunter das konträr zum Juni-Feeling betitelte it's going to get worse.

Blauem Himmel zum Trotze widmet sich Georg Kasch in seiner Kolumne einem sonnenfernen Ort: dem Darkroom als Utopie-, Kunst- und Lernort. Es ist eh nicht alles blauer Himmel und Pistazieneis: Esther Slevogt sieht düstere Diskurswolken überm "Geniebegriff" schweben. Dabei ist nicht alles, was da auf der Probebühne rumbrüllt, ein Genie. Es reicht auch, ein Arsch zu sein.

Ebenfalls genervt ist René Pollesch und teilt dies auch mit – nämlich der Athener Regierung in seinem Brief zur Räumung des Embros-Theaters. Und fällt damit Redaktionskollege Michael Wolf wiederum schwer auf die Nerven. Friedlichen Schlagabtausch gibt es in der Podcast-Reihe "Applaus, Applaus" und bei Esther Beckers Besuch in Folge fünf der Dramatiker:innen-Reihe.

Juli

Und dann ist schon Juli und eigentlich ferienbedingte Theaterpause. Aber weil sich während der Theaterschließungen jede Menge Premieren aufgestaut haben, fällt die Pause zwischen den Spielzeiten aus. Im Nachgang des Rücktritts von Klaus Dörr als Intendant der Volksbühne geben fünf Regisseurinnen Auskünfte über ihre Arbeit am Haus: Claudia Bauer, Lucia Bihler, Pınar Karabulut, Theresa Thomasberger und Josephine Witt. Und werden grundsätzlich zum Thema Feminismus und Macht.

Wenig später sammelt Lina Beckmann in Salzburg als Richard III. Standing Ovations ein. Unter den Geburtstagskindern des Monats sind Frank Castorf (70) und Jürgen Flimm (80). Clemens J. Setz erhält den Büchnerpreis. Der Regisseur Rolf Winkelgrund stirbt, der zu den bedeutenden Regisseuren des DDR-Theaters gehörte. Unter seiner Todesmeldung versammeln sich Weggfährt:innen und Freund:innen, Intendant:innen und ehemalige Kolleg:innen mit Erinnerungen.

jedermann 2021 805 matthias hornSalzburger Festspiele 2021: Lina Beckmann sammelt als "Richard III." Standing Ovations ein, während Verena Altenberger im "Jedermann" (als Buhlschaft, mit Lars Eidinger als Jedermann) attackiert wird, weil ihre Haare angeblich zu kurz, ihre Brüste zu klein seien, um weibliche Verführung darzustellen. © Matthias Horn

August

Die Festspielzeit ist auf dem Höhepunkt. Salzburger Festspiele und Bayreuth trumpfen auf mit vollen Spielplänen bei niedrigen Inzidenzen. Die Ruhrtriennale startet mit Der Untergang des Hauses Usher und Bählamms Fest. Viel Musik (und Musical) überall. Barry Kosky legt am Berliner Ensemble eine Dreigroschenoper vor, über die unser Kritiker Janis El-Bira schreibt: "Das Politische steckt in hier fest in den Köpfen, Knochen und zwischen den Schenkeln (…). Eine 'Dreigroschenoper', in der von denen im Dunkeln, ihrem Sein und Bewusstsein, eine ganze Menge zu sehen ist."

Alle Stimmungsbarometer stehen Mitte August auf Hoch. Endlich geht es wieder um Kunst, wird pralles körperbetontes Theater gezeigt, werden die ausgebremsten Premieren nachgeholt, Umfragen veröffentlicht, endlich und damit später als sonst die Pläne für die neue Saison präsentiert. In der jährlichen Kritiker:innenumfrage von "Theater heute" geht Christopher Rüpings "Einfach das Ende der Welt" vom Schauspielhaus Zürich als großer Sieger hervor, samt der beteiligten Schauspieler:innen Benjamin Lillie und Maja Beckmann. Als Nachwuchskünstlerin erhält Cosmea Spelleken, Macherin des Netztheater-Stücks werther.live, die meisten Stimmen. Auch die Würdigung zweier Arbeiten, die für den Livestream gemacht sind (Livekamera-Einsatz hier, durch Social Media erweckte Figuren da) und ohne die Pandemie so nicht entstanden wären.

September

Live-Theater ist wieder möglich. An den Häusern, die nicht schon in den Sommermonaten in die Saison gestartet sind oder durchgespielt haben, haben die lange auf Lager liegenden Produktionen Premiere. Gespielt wird, als gälte es, die verlorenen Monate aufzuholen. Nur an der Volksbühne, an der René Pollesch seine gespannt erwartete Intendanz startet, bleibt die Bühne erstaunlich leer. Was ist da los?

Theaterpodcast 40 Pollesch Volksbuehne ElenaPhilipp uRené Pollesch ist jetzt da, die Türen sind wieder auf, aber längst nicht alles gut © eph

Unterspielt hier jemand bewusst alle Erwartungen – oder hat in der Vorbereitung zu viel nicht geklappt? Vinge/Müller etwa, das von vielen herbeigesehnte norwegische Performance-/Bühnenbild-Duo, werden mindestens die Saison 2021/22 nicht mit bestreiten, Ausgang offen. Im Theaterpodcast #40 wird Pollesch Susanne Burkhardt und Elena Philipp Rede und Antwort stehen und sich vor manchen Fragen "trotzfrigide" wegducken.

Bei der Konferenz "Theater und Netz", die nachtkritik.de gemeinsam mit der Heinrich Böll Stiftung organisiert, geht es um den Machtdiskurs und andere die Saison überdauernde Themen wie Klima, Nachwuchs, Digitalplattformen und Versammlung. – Über Theater-Deutschland hinausgeblickt: Mit dem Truppenabzug aus Afghanistan wird für die dortigen Künstler:innen das Leben gefährlich, wie ein anonym bleibender Theatermacher aus Kabul im Interview berichtet.

Oktober

Im Oktober analysiert Georg Kasch im Nachgang der Bundestagswahl in seiner Kolumne den großen Anspruch der Theater, "Bollwerke gegen rechts" zu sein – und fordert sie dazu auf, weniger Energie in die Produktion kulturlobbyistischer Slogans zu stecken und sich doch mehr auf die eigentlichen Kräfte der (Theater-)Kunst zu besinnen. Diese Kräfte wirken in Berlin auf Nikolaus Merck, als die Berliner Festspiele das ehemalige Kongresszentrum ICC aufschließen und für ein 14tägiges Medienkunst- und Performance-Festival zwischennutzen: "Die Kunst hat das ICC in einer Geste der Öffnung zurück ins Bewusstsein einer bewusstlosen, ebenso vergangenheitssüchtigen wie vergangenheitsvergessenen Stadt geholt."

In München wird derweil ein Theaterneubau eröffnet – Intendant Christian Stückl weiht sein neues Volkstheater mit einer gefeierten "Edward II."-Inszenierung ein, ganz in pink. 

EdwardII1 1200 Arno Declair uPretty in pink: "Edward II." mit dem Christian Stückl in den Volkstheater-Neubau einzieht, von Theater- wie Architektur-Kritiker:innen gleichsam gelobt © Arno Declair 

In einem großen Essay über Femizide auf der Bühne fragt Jorinde Minna Markert, warum auf der Bühne immer noch so viele Frauen sterben müssen und schließt nach einer Rundreise durch den Kanon und den inszenatorischen Umgang damit: "Das Theater kann seine Kompliz:innenschaft mit sexistischer Gewalt aufkündigen, indem es seine Narrative interrupted." Nicht überraschend, sahen sich im Kommentarforum unter dem Artikel schnell etliche Herren der Schöpfung als die eigentlichen Opfer.

Ins Anrollen der vierten Corona-Welle hinein ruft Regisseur Tim Tonndorf das Theater dazu auf, sich im Umgang mit der Pandemie solidarisch mit den Schutzbedürftigen zu zeigen. Während es im überwiegend analogen Theaterbetrieb um 3G- vs. 2G-Regelungen geht, bietet das Stuttgarter Theater Rampe beim "Tools"-Festival einen Einblick in den Arbeitsstand des Netztheaters.

November

Der November hält einige Neuerungen in eigener Sache bereit. Wir haben unsere grundsanierte Seite online gebracht und außerdem unsere Streamingplattform nachtkritik.plus gelauncht. Auch die Pina-Bausch-Foundation geht mit einer neuen Website online, auf dem das umfangreiche Archiv der Choreographin veröffentlicht werden soll. Auf Schließung stehen hingegen die Zeichen in Österreich, ein genereller Lockdown tritt in Kraft. Auch Sachsen macht seine Kulturstätten dicht.

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Und sonst? Claudia Roth wird als neue Kulturstaatsministerin benannt, Andrea Filter als neue Intendantin des Grazer Schauspielhauses und Kristina Hammer als Präsidentin der Salzburger Festspiele. Yael Ronen lieferte mit dem Musical "Slippery Slope" am Maxim-Gorki-Theater ein Highlight der bisherigen Saison, Johan Simons inszeniert am Burgtheater Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" und Jan Bosse adaptierte Christian Krachts Roman "Eurotrash" an der Berliner Schaubühne (mit Joachim Meyerhoff und Angela Winkler). Unsere langjährige Kolumnistin, die Schauspielerin und Gründerin von "Label Noire" Lara-Sophie Milagro verabschiedet sich von ihrer nachtkritik-Kolumne mit einem Text, der im Anschluss an den Afrofuturisten Sun Ra die Utopien des Safe Space beschreibt.

Dezember

Das Jahr endet, wie es begannt. Die nächste Corona-Welle schwappt hoch, Häuser sind geschlossen, Premieren werden verschoben. Heuer in Österreich. Der große Theaterkritiker und ehemalige Intendant des Schauspiels Frankfurt Günther Rühle ist verstorben. Mit 97 Jahren. Zuletzt legte er sein „merkwürdiges Tagebuch: Ein alter Mann wird älter“ vor, das Esther Slevogt gelesen hat. Die Diskussionen um Machtgebrauch reißen nicht ab, der rbb hat sich nach dem abrupten Ausscheiden von Intendant Thomas Oberender am Haus der Berliner Festspiele umgehört und sammelte Unmut von einstigen Mitarbeiter:innen. Die Süddeutsche Zeitung will der Skandalisierung vorbeugen und lässt sich Oberender von anderer Seite schildern: "ein sehr anstrengender Chef, aber auch ein inspirierender".

Abseits der Chefetagen, die dieses Jahr verstärkt in den Blick rückten, sind auch neue Konfliktzonen entstanden: Die Regisseurin Mazg Barrawasser führt in einem Essay in das Berufsfeld der "Intimitätskoordination" ein, die für sensible Probenarbeit immer wichtiger wird.

Nachtkritik.de hat derweil ein Weihnachtspaket mit Kinderstücken auf nachtkritik.plus geschnürt. Und die ganzjährige Autorengesprächsreihe "Neue Dramatik in 12 Positionen" schließt mit René Polleschs und seinem Theater aus dem Band-Prinzip und Susanne Kennedys Blick auf den neuesten Menschen.

Und wenn das noch nicht genug Rückblick war, dann sei der Theaterpodcast von Elena Philipp und Susanne Burkhardt (Deutschlandfunk Kultur) empfohlen, in dem die beiden gemeinsam mit der Theaterkritikerin Dorte Lena Eilers auf das zweite "Corona-Jahr" zurückblicken.

 

Wem der Sinn nach einem gamifizierten Jahresrückblick steht, sei das Theaterquiz 2021 ans Herz gelegt.

Die meistgelesenen Texte des Jahres sind hier aufgelistet.

 

* In einer ersten Fassung dieses Beitrags gab es Formulierungen eines Sachverhalts, die der gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Die Passage wurde entsprechend korrigiert. 

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