Visionen des Miteinanders

Köln, 23. November 2008. Zum Abschluss des 7. Festivals Politik im freien Theater sind von der vierköpfigen Jury – Martin Berg, Tina Mendelsohn, Esther Slevogt und Georg Weinand – zwei Preise vergeben worden. Der Preis der Bundeszentrale für Politische Bildung über 15.000 Euro und eine Gastspieltournee im deutschsprachigen Raum wurde an Michael Marmarinus und Akillas Karazissis für Stalin – eine Diskussion über das (griechische) Theater, eine Auftragsproduktion für das Griechische Nationaltheater, vergeben. Constanza Macras' Hell on Earth hingegen wurde als herausragende deutsche Produktion mit dem Preis des Goethe-Instituts ausgezeichnet und erhält 10.000 Euro für ein Gastspiel im Ausland.

"Beide Produktionen", heißt es in der Erklärung der Jury, "schaffen etwas, was wir uns auch von der Politik und dem Theater wünschen. Ernst genommen, nicht bevormundet zu werden, eine Vision des Miteinanders zu schaffen und Grenzen zu überwinden: soziale, ästhetische und traditionelle."

In Michael Marmarinus' und Akillas Karazissis' Inszenierung entstehe durch die Aufhebung der "formalen Grenzen zwischen Publikum und Bühne, Film und Theater, Schauspielern und Gästen, Text und Life-Diskussion" "vielschichtiges Theater, das fordert und zutiefst menschlich ist", begründete die Jury ihre Entscheidung für "Stalin – eine Diskussion über das (griechische) Theater".

Zu "Hell on Earth" schreibt sie: "Constanza Macras und ihre Tänzer, zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus Berlin-Neukölln spielen mit ihren ganz unterschiedlichen Träumen und Selbstbildern. Der Aufführung gelingt etwas, was der Realität oft nicht gelingt: ein Nebeneinander von scheinbar Unvereinbarem: verschiedenen Religionen und Nationalitäten, Geschlechterrollen, Künstlern und Laien".

Die holländische Gruppe Hotel Modern hatte mit ihrer Produktion Kamp außer Konkurrenz am Festival teilgenommen, während sich die Gruppe 400asa (eingeladen mit "Der Bus") während des Festivals selbst vom Wettbewerb um die beste Inszenierung ausschloss. Samuel Schwarz von 400asa begründete dies in einem Offenen Brief, der von Festivalleitung und -kurator sowie von der Jury beantwortet wurde. Am Tag der Preisverleihung ging Schwarz dann noch einmal auf die Erwiderung der Jury ein.

(ape)


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