Theater und Netz Vol. 10

7. Mai 2022. Die zehnte und letzte Ausgabe von "Theater und Netz" fand am 7. Mai 2022 im Präsenz-Raum in Berlin statt. Mit einem Blick auf Corona und die Folgen sowie den Krieg in Europa und seine Auswirkungen auf die Theaterlandschaft. Wie steht das Theater in diesen Dynamiken zwischen Aufbruch aus der Pandemie und abrupter Schubumkehr?

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7. Mai 2022. In Berlin fand am 7. Mai 2022 die zehnte und letzte Ausgabe der Konferenz "Theater und Netz" als Kooperation von nachtkritik.de und der Heinrich Böll Stiftung statt. Eine Bestandsaufnahme zum Neustart nach zwei Jahren Pandemiebetrieb des Theaters, unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine und seinen Auswirkungen auf die europäische Kulturszene. Der zunehmende Optimismus nach zwei Jahren On-and-Off-Lockdowns wird durch eine neue Gefahr konterkariert. Wie steht das Theater in diesen Dynamiken zwischen Aufbruch aus der Pandemie und abrupter Schubumkehr?

Mitschnitt des Livestreams vom 7. Mai 2022

 

 

Theater und Netz Vol.10. Konferenz in zwei Teilen

Samstag, 07. Mai 2022
10.00 – 16.00 Uhr

Die Pandemie weicht zurück, was naht heran? Auf Corona folgt der Krieg in Europa. Der zunehmende Optimismus nach zwei Jahren On-and-Off-Lockdowns wird durch eine neue Gefahr konterkariert. Wo steht das Theater in diesen Dynamiken zwischen Aufbruch aus der Pandemie und abrupter Schubumkehr?

Teil 1 | Vernetflixte neue Bühne?

Während der Corona-Pandemie hat das Theater eine bis dato nicht gekannte mediale Formatierung erlebt. Netflix regiert die Köpfe, das heimische Sofa ersetzt den Parkettsessel. Erzählweisen von Serien und Filmdramen prägen die fiktionalen Vorstellungswelten. Wie wollen die Theater ihr Publikum zurückgewinnen? Durch radikale Aneignung? Im Geiste der Komödie?

10:00 | Begrüßung, im Anschluss: Neues vom Netztheater

Spielstopp offline, Spielzeit online – die Corona-Pandemie sorgte für eine bis dato nicht gekannte Konjunktur an Netztheaterproduktionen: Von Theaterfilmen über Web-Serien bis zu interaktiven Live-Performances wurde gestreamt, was der Router hergab, viele Häuser riefen eigene "Digitale Sparten" ins Leben. Was davon ist zukunftsfähig? Welche Formate und Produktionsweisen haben sich bewährt, was kann online bestehen, was strahlt in den analogen Bühnenraum zurück?

Es diskutieren: Regisseurin Pınar Karabulut, Regisseurin Cosmea Spelleken (punkt.live) und die Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin im Schauspiel des Nationaltheater Mannheim Kerstin Grübmeyer.

Moderation: Christian Rakow (nachtkritik.de)

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11:00 | Unterhaltung als Handwerk

Regisseur Christopher Rüping postete neulich auf Twitter: "Vielleicht die erste nicht ausverkaufte Premiere, seit ich am Theater arbeite.“ – Stichwort Publikumsschwund: Wie kommen die Menschen wieder ins Haus? Welche Ideen und Strategien gibt es, auch mit Blick auf die Einnahmen? Wie könnte Unterhaltung im Theater heute beschaffen sein, um für volle Säle und erfolgreiche Tourneen zu sorgen? Und welches Handwerk braucht es dafür, vor und hinter der Bühne?

Wir diskutieren mit: René Heinersdorff, Schauspieler, Autor, Theaterdirektor, u.a. im Theater am Dom (Köln) und Theater an der Kö (Düsseldorf) und Thomas Gratzer, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Rabenhof Theater in Wien.

Moderation: Christian Römer (Heinrich-Böll-Stiftung)

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11:50 | Musical trifft Diskurstheater

"Slippery Slope" ist einer der Hits der Saison in Berlin. Als neues Genre "Debattenmusical“ ist es zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Von #MeToo über Cancel Culture bis zu Fragen der Cultural Appropriation reicht die Problemlast, die das popinspirierte Singspiel bewegt. Steckt hier eine neue richtungsweisende Form des Unterhaltungstheaters? Eine Versöhnung von populärer Bühnensprache und Avantgarde? Was bewirkt das Musicalexperiment? Hilft das Format den Diskursen auf, ironisiert es sie, dreht es sie weiter?

Regisseurin Yael Ronen und Komponist Shlomi Shaban sprechen über die Entstehung von „Slippery Slope“.

Moderaton: Elena Philipp (nachtkritik.de)

Das Gespräch wird in englischer Sprache geführt.

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12:15 | Das neue Erzählen? Dramatik im intermedialen Austausch

Das Schreiben für das Theater hat sich seit den 1990er Jahren bewusst als Alternative zu "well-made" Erzählformaten in Fernsehen und Film positioniert. Dekonstruktive, postdramatische Formen dominierten die Bühnen. Diese Tendenz scheint an ein Ende zu gelangen. Inhaltlichere und auch dialogischere Schreibformen treten wieder auf den Plan. Ist das eine Momentaufnahme oder ein echter Trend? Wie wirken sich künstlerische Einflüsse aus konkurrierenden Medien auf das Schreiben für die Bühne aus? Wie produktiv können Genre-Transfers werden?

Es diskutieren: Die Theaterautoren Oliver Bukowski und Akın Emanuel Şipal und Bernd Isele, verantwortlicher Dramaturg der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin.

Moderation: Christine Wahl

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13:10-14:00 Mittagspause

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Teil 2 | Zeitenwende

Der Aufbruch nach Corona sollte in die große Renaissance des Theaters führen: zurück zum Publikum, zum physischen Live-Moment, zur kollektiven Begegnung. Aber die außenpolitischen Ereignisse drängen dazwischen. Was macht der Einbruch des Krieges gegen die Ukraine mit der postpandemischen Aufbruchsstimmung? Wie inszeniert man Unterhaltungsstoffe, wenn das Publikum am News Feed klebt?

14:00 | Der Krieg gegen die Ukraine und seine Auswirkungen auf die internationale Theaterarbeit

Ein längst überwunden geglaubtes imperialistisches Handeln ist mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in die europäische Politik zurückgekehrt. Kooperationen über Systemgrenzen hinweg und die globalisierte Vernetzung im Zeichen des "Wandel durch Handel" stehen plötzlich infrage. Die Politik spricht von einer Zeitenwende. Was bedeutet dieser Diskurs für den kulturellen Austausch? Wie schlägt sich die politische Großwetterlage in den internationalen Arbeitsbeziehungen nieder?

Es diskutieren: die ukrainische Dramatikerin und Regisseurin Anastasiia Kosodii (neue Hausautorin am Nationaltheater Mannheim), die Intendantin des Steirischen Herbst in Graz Ekatarina Degot und der Kurator und Geschäftsführer von "Kulturhauptstadt Europas 2025 – Chemnitz", Stefan Schmidtke.

Moderation: Elena Philipp und Christian Rakow (nachtkritik.de)

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.

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15:00 | Wie macht man Komödie in diesen Zeiten?

Art pour l’art ist derzeit nicht angesagt: Im Kulturbetrieb – auch im Stadttheater – wird, scheint's, Positionierung gefordert. Haltung sowieso. Hat die Komödie in diesen Tagen eine entlastende Funktion – oder ist die Kunst der Komik momentan unangebracht? Wie inszenieren, wenn die Weltlage um die Probebühne tobt?

Es diskutieren: Regisseurin Anne Lenk und Regisseur und Schauspieler Herbert Fritsch. Moderation: Esther Slevogt (nachtkritik.de)

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ab 15:45 | Ausklang

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung

Kuratorisches Team der diesjährigen Konferenz: Elena Philipp und Christian Rakow (nachtkritik.de) und Christian Römer (Heinrich Böll Stiftung).

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Theater und Netz: Livestream?Heinz Wewermann 2022-05-03 16:25
Liebe nachtkritik,
wird die Konferenz "Theater und Netz" in diesem Jahr nicht im Livestream übertragen?
mit gutem Gruß
Wewermann


Lieber Heinz Wewermann,
ja, es gibt einen Livestream. Wie immer wird er auf der nachtkritik-Seite eingebunden.
Grüsse aus der Redaktion, Esther Slevogt

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