Und die Nächstenliebe?

15. Mai 2022. Wenn alle zehn Jahre die Passionsspiele nach Oberammergau rufen, dann ist das ein Ereignis zwischen gewaltigem Spektakel und Gottesdienst, Volksfest und Kult. Auch jetzt wieder, da Christian Stückl es mit zwei Jahren pandemiebedingter Verspätung zum vierten Mal auf die Bühne bringt – und das Politische vor dem Religiösen betont.

Von Maximilian Sippenauer

15. Mai 2022. Die bewegendste Szene spielt ganz zum Schluss. Postaufführung. Dann, als sich die Reihen im großen Zuschauerhaus längst leeren und der Himmel über der Freilichtbühne von tiefem schwarzem Blau ist. Die meisten drängen nach den langen Sitzstunden des Passionstags schnell Richtung Ausgang. Einige wenige pilgern durch die Reihen nach vorne: Noch schnell ein Selfie vor der imposanten, betongrauen Kulisse des Jerusalemer Tempelbezirks. Der Applaus war herzlich, aber kurz. Denn keiner der Hunderte von LaiendarstellerInnen kam, gemäß der Tradition, zur Verbeugung auf die Bühne. Es ist also schnell leer, wo sich Minuten zuvor noch Tausende tummelten und nur das kleine Osterfeuer brennt, ein Licht der Hoffnung. Dann kommt doch einer zurück. Heimlich, fast unsichtbar, hat er sich auf das Tempeldach geschlichen. Mit nacktem Oberkörper, kunstblutverschmiert, seitlich des Tympanons: Jesus, der Auferstandene beziehungsweise Frederik Mayet, der ihn spielt. Allein steht er da, ein wenig verloren und blickt hinab auf den Auszug der Schaulustigen aus Oberammergau. Die Zuschauerperspektive hat gewechselt. Und in der Tat, es sind zwei Inszenierungen bei dieser Passionsspielpremiere. Eine auf und eine vor der Bühne.

Schon wieder gravitiert ein Starschauspieler vorbei

Zehn Stunden zuvor. Fernsehdoktor Eckhard von Hirschhausen posiert lächelnd vor einem rot berosten Dornenkranz und drückt dabei seiner Gattin ein Küsschen auf die Backe. Die Stimmung ist prächtig, die Promidichte enorm (dazu später mehr). Nachdem die Oberammergauer Pestspiele nach nun pandemiebedingten zwölf statt zehn Jahren heuer erstmals wieder stattfinden, will jeder dabei sein. Und wer dabei ist, will diesen Moment fotographisch manifestiert wissen. Trotzdem unterscheiden sich diese Passionsspiele atmosphärisch fundamental von klassischen Kulturevents. Kein cooles Festival, kein bürgerliches Festspiel, kein aufgebrezeltes Volksfest, kein tiefreligiöser Kult.

Passionsspiele2 805 Oberammergau Ursula Kaufmann uJesus (Frederik Mayet) und seine Jünger beim letzten Abendmahl © Ursula Kaufmann

Es ist irgendwie alles zugleich und doch anders. Es ist Oberammergau: Ein 5000-Einwohner-Dörfchen, das sich herausgeputzt hat und deshalb mindestens so stolz strahlt wie die in saftigem Maigrün dampfenden Voralpen, die es umschließen. Alle hier identifizieren sich mit der Passion. Es herrscht eine für so ein Megaevent geradezu widernatürliche Freundlichkeit und Familiarität. Und so sitzt man, wartend auf den Vorstellungsbeginn vor diesem eigentlich viel zu großen Schauspielhaus, welches aber, versteckt hinter hohen Pappeln, gar nicht protzig ausfällt, plaudert bei einer Tasse Kaffee im Gras und schnell ist es so selbstverständlich wie irrelevant, dass da schon wieder ein Ministerpräsident oder Starschauspieler oder sonst wer an einem vorbeigravitiert. Zumal hier, an dem Ort, wo Jesus gleich verkünden wird, die Letzten werden die Ersten sein.

Jerusalem ist eine besetzte Stadt

Mit diesem Vorwissen blickt man freilich neidlos aus einer der hinteren Reihen auf das Schauspiel, als es endlich beginnt. Ein junger Mann verkündet in einem seltsam konkreten Vorwort, dass es damals, 1632, der Schisler Kaspar gewesen sei, der die Pest ins Dorf geschleppt habe. Irgendwie ein hartes Shaming des Oberammergauer Patient Zero, das man sonst wohl überhört hätte, was nach den vergangenen zwei Seuchen-Jahren aber ein wirklich ungutes Gefühl heraufbeschwört. Dann eröffnet der im Übrigen großartige Laien- Chor die echte Passion.

Da die vier Evangelien alles andere als dramatische Texte sind und in ihrer Darstellung des Lebens Jesu stark divergieren, um nicht zu sagen, sich widersprechen, folgt diese Passionsgeschichte keinem fixen Urlibretto, sondern ist seit Jahrhunderten Gegenstand von Überarbeitung, Auslegung und Diskussion. Die Passion ist ein lebendiger Text, der gerade unter der Ägide des Passionsspielleiters Christian Stückl immer wieder modernisiert und vor allem von antisemitischem Gift befreit wurde. Worauf also liegt diesmal der Fokus?

Passionsspiele3 805 Oberammergau Ursula Kaufmann uDer Einzug in Jerusalem © Ursula Kaufmann

Als Jesus bescheiden auf einem Esel unter Hosianna-Rufen in Jerusalem einzieht – eigentlich eine friedvolle, feierliche Eröffnungsszene voller Palmwedel und glucksender Kinder – stechen in der feiernden Menge sofort die vielen Lanzen ins Auge, die die römischen Soldaten tragen. Klar ist: Das Jerusalem, das uns Stückl da zeigt, ist eine besetzte Stadt. Der Ton ist damit vorgegeben: Diese Passion interessiert sich weniger für den spirituellen Gehalt als für die politische Dimension der Jesus-Geschichte. Das ist einerseits stark und aktuell – aus ganz offensichtlichen Gründen –, andererseits aber, wie sich zeigen wird, problematisch.

Jesus soll gecancelt werden

Sofort geht es heiß her. Judas, aus dessen Rolle des treulosen Verräters Stückl und sein Team hier einen scharfsinnigen politischen Pragmatiker machen, rät Jesus, die Gunst der Stunde zu nutzen. Er solle sich zum König der Juden ausrufen lassen, um endlich die römischen Besatzer zu vertreiben. Jesus interessieren solche Ambitionen nicht im Geringsten. Zumal sein Reich, das Reich Gottes, nicht von dieser Welt ist. Ihm geht es nicht um politische Macht, sondern um die Seelen der Menschen. Und die sieht er weniger von der römischen Besatzung bedroht als von den religiösen Eliten im eigenen Haus. Denen will er den Kopf waschen. Frederik Mayet spielt Jesus an diesem Abend und er spielt den Erlöser der Christen, der die sanftmütigste aller religiösen Botschaften verkündet, nämlich die bedingungslose Nächstenliebe, als wütenden Querulanten. Mit hochrotem Kopf streitet er erst mit seinen eigenen Leuten, die seine Message der Umwertung aller Werte nicht so recht zu verstehenscheinen, und dann natürlich mit der jüdischen High Society auf dem Tempelberg.

Ein Tempel sei doch kein Marktplatz, schilt Jesus und zertrümmert einen Krug, schmeißt Münzen auf den Boden und lässt die Täubchen der Händler frei, die dann zur Freude aller Zuschauenden gurrend aus der Freilichtbühne hinaus flattern. Dann sein brennendes Plädoyer für die Ausgeschlossenen – Huren, Zöllner, Aussätzige – und seine Brandrede gegen die Upper Class, die sich selbstgerecht hinter ihren hohlen Riten verstecke. Die Botschaft kommt schlecht an. Denn die Pharisäer rund um ihren Hohepriester Kaiphas rühmen sich ihrerseits genau dieser Gesetzestreue und denunzieren Jesus für dessen laxen Umgang mit denselben. Am Sabbath soll er geheilt haben, Sohn Gottes soll er sich nennen, was für damalige Ohren ziemlich blasphemisch klingt und heute, so denkt man unwillkürlich, nicht weniger für Kopfschütteln sorgen würde. Auch wenn einige unter den Juden in Jesus' Botschaft und dessen Wundern (dass diese geschehen, bezweifelt zumindest keiner) die Möglichkeit einer religiösen Erneuerung sehen, ist sich das Gros einig: Der Mann, der da Messias geheißen wird, muss schleunigst gecancelt werden.

Politthriller in Zeiten der Aufruhr

Stückl inszeniert diese Passion im ersten Teil als packenden Politthriller in Zeiten der Aufruhr. Das Kostüm, das in einen sandigen Neo-Klassizismus zwischen historischer Nähe und postmodernem Schick schwankt, ist dabei uniform angelegt. Keine bunte Renaissance-Show, wo jeder seinem Charakter entsprechend gekleidet ist, sondern einheitlich schlicht. Die Menge ist wichtiger als das Individuum, was vor allem die Massenszenen in starke Demonstrationen verwandelt. Doch auch sonst konkurriert nicht hier Team Juden mit Team Jesus, sondern sowohl unter den Aposteln als auch unter den Pharisäern zeigen sich politische Konfliktlinien. Es geht um den Umgang mit den Besatzern: Sich fügen? Die Römer wollen ihre Abgaben, sind aber bekanntlich ziemlich tolerante Besatzer. Oder Freiheit um jeden Preis? Die Parallelen zum Ukraine-Krieg springen einen geradezu an.

Passionsspiele4 805 Oberammergau Ursula Kaufmann uMassenszene mit Besatzern © Ursula Kaufmann

Und nun passiert etwas Wichtiges: Eine Wertung schleicht sich ein. Die Römer und deren Prokurator Pontius Pilatus treten in schwarzen, dezidiert nicht historischen Uniformen auf: Sie wirken totalitär, protofaschistisch. In dieser Gewichtung scheinen die irdischen Bedenken der Juden plötzlich nachvollziehbarer als das Wort Jesu, obwohl der diesen unwahrscheinlich tiefen Satz sagt: Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, wo liegt dann der Verdienst. In dieser Passion aber klingt dieser Gedanke so hilflos und naiv wie heute ein offener, pazifistischer Brief im Feuilleton. Dann wird Jesus verhaftet. Pause.

Zwei Stunden absolute Gemütlichkeit

Pappelpollen schweben durch die Luft, die Sonne sinkt langsam und nur vor dem Ehrenzelt gewittert es Blitzlicht. Nachdem sich Jesus zwei Stunden den Mund fusselig geredet hat in Sachen Gleichheit und Irrelevanz alles Irdischen, wirkt es sehr lustig, wie schnell sich dann doch ein Zuschauerkreis um den Tiergarten deutscher A- und B-Bekanntheiten versammelt. Zu beobachten: eine streng hierarchisierte Zoologie aus nationalen Silberrücken, Honoratioren aus Kultur, Politik und Klerus und dann eine Gattungsstufe tiefer jene oberbayerische Subprominenz aus Tatortkommissaren, Volksschauspielerinnen und Skifahrern.

Dazwischen – und das ist wieder dieser Geist, den man nur in Oberammergau findet – dösen dann aber doch ein paar Einheimische im Janker zwischen den Gänseblümchen, Trachtenhut im Gesicht – und diese Haltung obsiegt. Auf eine halbstündige Aufregung folgen zwei Stunden absoluter Gemütlichkeit, in denen man schlendernd das Dorf erkundet, mit den unterschiedlichsten Leuten quatscht oder einfach nur selig in die Berge starrt. Sie entschleunigen, diese Passionsspiele, und wäre nicht Vladimir Kaminer, der in gelb-blauen Farben gekleidet mit seinem Fernsehteam permanent auf der Suche nach Interviewpartner:innen herumwuselt, man vergäße vielleicht, dass diese Welt gerade nicht mehr ganz so weit weg ist von den unruhigen Zeiten in Jerusalem.

Es ist vollbracht

Zweiter Teil. Nun beginnt die eigentliche Passion. Nach langem hin und her unter den Pharisäern wird Jesus Pilatus übergeben. Dieser verurteilt ihn nach ähnlich langem Zaudern zum Tode. Stückl kostet diese Szenen aus. Es sind hochpolitische Debatten, die hier ausgetragen werden. Jesus, vorhin noch Wüterich, sagt währenddessen kaum noch ein Wort. Es ist ein Schauprozess über ihn, er selbst ist nur noch Statist seines Schicksals. Er wird ausgepeitscht, bis er am ganzen Körper blutet (sehr naturalistisch inszeniert), bekommt einen Dornenkranz in die Kopfhaut gedrückt (ohne Rosen, ohne Küsschen), dann darf der gedemütigte "König der Juden" sein Kreuz auf den Golgota tragen, um dort an das Gebälk genagelt zu werden.

Passionsspiele1 805 Oberammergau Ursula Kaufmann u"Warum hast du mich verlassen?" © Ursula Kaufmann

Es ist die tragische Konsequenz von Stückls politischem Fokus, dass einen dieses schreckliche Schauspiel ziemlich kalt lässt. Erst war dieser Jesus zu grob, dann zu passiv. Fast leidet man mit Judas mehr, als sich der erhängt, nachdem er erkennt, Opfer einer politischen Intrige geworden zu sein. Natürlich ist das Urteil, das über Jesus gefällt wird, eine Schande. Aber mal ehrlich, könnte man argumentieren, dieser ewige Querkopf hat es doch nicht anders gewollt. So viel Zeit Stückl auf das politische Für und Wider verwendet, so schnell endet die eigentliche Passion – als müsse man das halt noch hinter sich bringen. Am Kreuz hängend darf Jesus noch schnell seine Sätzchen sagen: "Mein Herr, warum hast du mich verlassen" etc. Dann endlich: "Es ist vollbracht." Der Tote wird abgenommen, in Leinen gewickelt, ins Grab gelegt, wo er dann aber nicht mehr ist, sondern auferstanden, wie ein Engel verkündet. Schluss.

Auch diese Passion ist nur ein Zeitdokument

Mitleid fühlt man da keines und so stark Stückls Inszenierung beginnt, so blutarm endet sie: Ohne Mitgefühl, sie, die Passion, die empathischste aller Geschichten. Vom Wort Christi, das ja unabhängig davon, ob man gläubig ist oder nicht, eine wider alle Ungerechtigkeiten geltende Botschaft der Liebe und Hoffnung darstellt, bleibt nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Ein bisschen wohlfeil ist das schon, in Zeiten, wo geopolitischer Pragmatismus dominiert – allerdings ist diese Inszenierung ja lange vor dem Krieg geplant geworden.

Jetzt kann man eine Passionsspielkritik nun aber wirklich nicht wie eine normale Theaterrezension enden lassen. Denn das, was hier tausende Laien auf die Beine stellen, ist buchstäblich eine einmalige Erfahrung. Ein kleines Dorf wagt die Mammutaufgabe, die Welt aus der Perspektive Jesu in den Blick zu nehmen. Wenn man ihn dann sieht, den Jesus-Darsteller, der zu Ende allein oben auf dem Tempeldach steht und auf die Menge schaut, die ihn verlässt, dann weiß man: Auch diese Passion ist nur ein Zeitdokument, ein wertvolles Debattenzeugnis einer Geschichte, die so einfach und klar scheint, in diesem Dorf aber so lebendig und offen erzählt wird. Vielen Dank dem Schisler Kaspar.

Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus
von Passionsspiele Oberammergau

Regie: Christian Stückl, Bühne und Kostüm: Stefan Hageneier, Musikalische Leitung: Markus Zwink, 2. Spielleiter: Abdullah Kenan Karaca, Dirigenten: Eva Kammerer, Dr. Christian Wolf, Licht: Günther E. Weiß. Mit: (Besetzung Permiere/Dernière) Frederik Mayet /Rochus Rückl, Bene Geisenhof/Martin Güntner, Cengiz Görür/Martin Schuster, Anton Preisinger jr. / Christoph Stöger, Andrea Hecht/Eva Maria Reiser, Barbara Schuster/Sophie Schuster, Hubert Schmid/Matthias Müller, David Bender/Michael Hollatz, Andreas Richter/Maximilian Karl Stöger, Walter Fischer/Peter Stückl, Tobias Eich/Simon Fischer, Kilian Clauß/Sebastian Dörfler, Christian Bierling/Walter Rutz, Abdullah Kenan Karaca/Jonas Konsek, Julius Iven/Dima Schneider, Florian Maderspacher/Thomas Müller, Carsten Lück/Anton Preisinger, Benedikt Fischer/Simon Marschalek und zahlreiche weitere LaienschauspielerInnen aus Oberammergau.
Premiere am 14. Mai 2022
Dauer: 5 Stunden, eine Pause

www.passionsspiele-oberammergau.de

Zuletzt fanden die Passionsspiele im Jahr 2010 statt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Kritikenrundschau

Die Passionsspiele zeigten eine Hauptfigur, "die den Krieg zu ihrem Hauptthema macht", so Wolfgang Höbel im SPIEGEL (15.5.2022). Es scheine so, "als sei die Absage an die Idee, man könne mit Waffengewalt Frieden erreichen, die – im Augenblick in Deutschland eher nicht mehrheitsfähige – wichtigste Botschaft des Passionsspiels in diesem Jahr". Darüber hinaus bestehe Christian Stückls Regiekunst "nicht unbedingt aus feinsinniger Personenzeichnung, sondern aus kühner Breitwandmalerei". Es seien vor allem "die furiosen Massenaufläufe und die in lebenden Standszenen nachgestellten alttestamentarischen Bibelkapitel", die seine "Spezialbegabung" zeigten, so der Rezensent.

"Der Jesus des aktuellen Jahrgangs ist wütend und gar nicht zufrieden mit der Gesamtsituation in seiner besetzten Heimat: 'Das Land ist erfüllt von Krieg und Soldatengeschrei'", berichtet Hannes Hintermeier in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (15.5.2022). Dabei könne zwar "die Ukraine mitgedacht" werden, "aber gemeint ist das eher im Kontext der historischen Situation im Römischen Reich". Die Leistung des Laienensembles sei "beeindruckend", lobt der Kritiker, der mehrere Darsteller*innen einzeln hervorhebt. Der Chor allerdings stehe noch "mit gezogener Handbremse an der Rampe".

"Unter Stückls Regie und mit seinen Textveränderungen ist aus der biblischen Figur, deren Name zum Synonym für Verrat wurde, ein Revolutionär und Idealist geworden", schreibt Sylvia Staude in der Frankfurter Rundschau (15.5.2022). Eine der größten Herausforderungen der Passionsspiele sei stets, "die erstaunliche Menge an Darstellerinnen und Darstellern zu bewegen und platzieren". Hier scheine Stückl "tatsächlich niemanden zu vergessen, keine und keiner steht an den Rändern einfach so herum". Zu erleben sei zwar auch ein "Best-of-Bibel", aber der "Ernst", mit dem dieses dargeboten werde, mache "trotzdem still".

"Wie sie spielen und singen, mit welcher Inbrunst, Authentizität und Qualität, das ist schon sagenhaft: das wohl professionellste Laientheater der Welt", schwärmt Christine Dössel von der Süddeutschen Zeitung (16.5.2022). Christian Stückl, "der Oberammergauer Max Reinhardt", sei auch ein "begnadeter Massenarrangeur". "Die Passion 2022 ist eher große Oper als Volkstheater, hat viel mehr Festspiel- als Amateurcharakter. Sie ist insofern nicht nur ein (touristisches) Dekaden-, sondern schon auch ein Theatereignis."

mehr nachtkritiken

Kommentare

Kommentar schreiben