Gemeinschaftliches Großereignis

24. Mai 2022. Alle zehn Jahre stellen die Passionsspiele das bayerische 5.400-Seelen-Dorf Oberammergau auf den Kopf. Wie lassen sich Alltag und Ausnahmezustand organisieren? Zwei Darsteller:innen erzählen, was "Das Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus" für sie bedeutet, wie sie's mit der Kirche halten und wie Spielleiter Christian Stückl die alte Tradition modernisiert hat.

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

24. Mai 2022. Eigentlich sind sie Flugbegleiterin, Fahrzeugtechniker, Sängerin im Rundfunkchor, Student, Hausfrau oder Rentner. Alle zehn Jahre aber werden sie zu Schauspieler:innen: Hunderte Bewohner:innen des bayerischen Ortes Oberammergau. Jedes Jahrzehnt stemmen die knapp 5.400 Einwohner das Großereignis Passionsspiele, kurz für: “Das Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“. Zu Gast in "O’gau" sind dann von Mai bis Oktober eine halbe Million Besucherinnen in rund 100 Vorstellungen.

Befallen vom "Bacilllus Passionicus"

Im Theaterpodcast erzählen zwei Mitwirkende, wie sich der Ausnahmezustand mit ihrem Alltag vereinen lässt. Der "Passionsveteran" Walter Lang ist seit 72 Jahren dabei und vom "Bacillus Passionicus" befallen, wie er sagt. Diesmal spielt er einen der Armen im Volk, er stand aber auch schon als Sanitäter vor und als Nikodemus auf der Bühne. In der Rolle der "Ehebrecherin" ist 2022 die 37-jährige Marina Kirchmayr zu sehen. Die gelernte Gebärdendolmetscherin ist zum vierten Mal dabei. Wie geht es ihr, wenn der Chor auf der Bühne fordert: "Steinigt sie!“?

Unvorstellbar ist für beide, nicht dabei zu sein bei der Passion. Sie schwärmen vom einmaligen Gemeinschaftsgefühl, das durch die Proben, das gemeinsame Spiel und die Stunden hinter der Bühne entsteht. Sie beschreiben, wie sich der religiöse Text und die bald 400 Jahre währende Tradition unter Spielleiter Christian Stückl verändert haben. Und sie geben Einblick in das Spielrecht, das nicht mehr so vielen Gruppen die Mitwirkung untersagt wie noch in den 1980ern Jahren, das aber immer noch etliche Oberammergauer:innen ausschließt.

Junge Schauspielstudierende schauen Laien zu

Begründet wurden die Oberammergauer Passionsspiele im Jahr 1633 durch ein Gelübde, um die Pest abzuwehren. Seither sind sie nur zweimal ausgefallen, im Corona-Jahr 2020 wurden sie zum ebenfalls erst zweiten Mal verschoben. Wie die Passionsspiele und das Laienspiel auf sie wirken, erzählt eine Gruppe junger Schauspielstudierender aus München, die noch vor der Premiere am 14. Mai 2022 ein Probespiel im Rahmen der Jugendtage sehen konnten.

 

 In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

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