Medienschau: taz – Über Inszenierungen, die Missstände anprangern

Musik, Text und Kulisse

Musik, Text und Kulisse

2. Juni 2022. In der taz kritisiert Björn Hayer die schiere Häufung von Inszenierungen, die Missstände anprangern. "Werden sie wirklich von denen nachdenklich wahrgenommen, die für die desaströsen Zustände verantwortlich sind oder zeigen sich nicht vielleicht doch Tendenzen einer zunehmend selbstzirkulären Thea­ter­branche?"

Eher letzteres, konstatiert Hayer: Die Bühnenanklagen dienten "zumeist augenscheinlich der Bestätigung einer gewiss wichtigen, kritischen Weltsicht".

Hingegen vermisst Hayer in diesem "von Oberseminaren inspirierten Theater" das "Versprechen der Alterität", die Zwischenräume, die Ambivalenz: "Es bietet kaum Raum für Überraschungen oder emotional tief ergreifende Augenblicke, es mangelt ihm an Reibungsfläche und Widerständen, die einen zum auch einmal unbequemen Überdenken eigener Haltungen provozieren."

Die Lösung? Theater, das sich selbst vertraut und der ureigensten Mittel des Theaters bedient. Entsprechende Produktionen "setzen auf schauspielerische Verve, auf stringente Entwicklung von Bildern und Szenen, auf gehaltvolle Dialoge, die nicht einer unmittelbaren didaktischen Ambition entspringen. Und sie bauen auf dem emotionalen und gleichsam wachrüttelnden Elan der Gesamtkomposition aus Musik, Text und Kulisse."

(geka)

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