Lasst das Theater!

Berlin, 3. Dezember 2008. Die privaten Woelffer-Bühnen können keine Entwarnung geben. Zwar sehe das Berliner Theaterunternehmen jetzt endlich wieder eine langfristige Perpektive und hat "im Rahmen einer Neugestaltung des Kudamm-Karrees das Angebot einer Zusammenarbeit angenommen, die hilft, die aktuell durch die jahrelange Unsicherheit entstandene angespannte Situation zu meistern", wie Martin Woelffer in einer heutigen Pressemitteilung erklärt. Doch die Einigung mit dem neuem Besitzer des Berliner Kudamm-Karrees, die irische Ballymore Group, bedeutet, dass der Komplex - und damit beide Theater - abgerissen wird und dann im rekonstruierten Neubau ein Logentheater mit 650 Plätzen entsteht. Da sich der Berliner Senat den Bestandsschutz der beiden theaterhistorisch bedeutenden, ehemaligen Max-Reinhardt-Bühnen abkaufen ließ (nachtkritik berichtete), muss Theaterdirektor Martin Woelffer seit drei Jahren um den Erhalt seiner Bühnen kämpfen.

Seit 2005 hat der in den 70er Jahren errichtete Einkaufs-, Geschäfts- und Unterhaltungskomplex zweimal den Besitzer gewechselt. Den drohenden Abriss habe Woelffer immer wieder zu verhindern versucht, aber es existiert kein Denkmalschutz. Der Preis für den jetzigen Plan sei hoch, erklärt das Theater, "nicht nur für uns, sondern auch für die Stadt Berlin. Allerdings hat sich der Senat nie klar zum definitiven Erhalt der Theaterfestgelegt. Wir stehen quasi mit dem Rücken an der Wand."

Am Mittwochnachmittag sagte Woelffer erst seinen Mitarbeitern und dann der Presse, dass man sich derzeit mit Unterstützung der Senatskulturverwaltung um eine Ersatzspielstätte für die vermutlich drei Jahre dauernde Bauphase bemühe. "Nach Fertigstellung des neuen Kudamm-Karrees werden wir jedoch wieder an derselben Adresse Theater spielen. Gleichzeitig können wir einen großen Teil der Arbeitsplätze unserer über 80 fest angestellten Mitarbeiter und der über 70 freischaffenden Schauspieler, die wir Jahr für Jahr engagieren, langfristig garantieren. Unter den gegebenen Umständen erscheint uns das die einzige Chance zu sein, weiterhin an diesem Ort gutes und unterhaltsames Theater zu machen."

(peko/sik)

 

 
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