Im Vierer am Ruder

12. Juli 2022. Kurz vor der Sommerpause haben die Berliner Festspiele noch eine Pressemeldung mit Zündstoff versandt: Das Theatertreffen wird künftig von einer Viererleitung verantwortet. Mehr Fragen denn Antworten ergeben sich aus der Pressemitteilung. Im Theaterpodcast #48 äußert sich mit Carolin Hochleichter nun erstmals ein Mitglied der neuen Viererleitung zur Diskussion um das Theatertreffen.

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

Bleibt die Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen der deutschsprachigen Schauspielbühnen in Österreich, Deutschland und der Schweiz bestehen? Wird es weiterhin eine unabhängige Kritiker:innenjury geben? Was bedeutet es, wenn das Theatertreffen "stärker mit dem mittel- und osteuropäischen Raum vernetzt werden“ soll? Wird das Theatertreffen gar zu einem internationalen kuratierten Festival wie es derer viele gibt? Das sind Fragen, die nach der Vorstellung der neuen Viererleitung auch hier viel diskutiert wurden.

Auch wenn die designierte Co-Leiterin bei vielen Fragen auf den Herbst vertröstet, wenn es offiziell Antworten geben soll, sind nach dem Gespräch einige Details klarer: Wie steht es um den Bestandsschutz für den "Markenkern", die Zehnerauswahl, 2023, im Jahr des 60jährigen TT-Jubiläums? Was passiert mit den Leitungen der Programmlinien Stückemarkt und Internationales Forum? Und wie möchte sich das Team die Aufgaben aufteilen?

Strukturen gestaltend nutzen

Erfahrung mit der Teamleitung hat Inga Schonlau, die am Theater Basel zur Viererdirektion am Schauspiel gehört. Verfrüht findet sie die Kritik am neuen TT-Leitungsteam. Für sie sind Teams – die, anders als Kollektive, an pragmatischen Organisationszielen ausgerichtet sind und nicht vorrangig ein gemeinsames, wie sie sagt: "ideologisches Ziel" verfolgen – die zeitgemäße Form der Leitung. "Es gibt sowieso immer Strukturen, in denen man sich erstmal so gut auskennen muss, dass man sie gestaltend nutzen kann – dafür, finde ich, ist Leitung da, um diese Punkte herauszufinden und zur Verfügung zu stellen. Und zu schauen, dass möglichst die Kunst darin wachsen kann und sprießen kann und grenzgängerisch sein kann", so ihr Credo.

Und in Bezug auf einen SZ-Beitrag, in dem kollektive Leitungsmodelle als "naiv" und "Kitsch" bezeichnet werden, sagt Inga Schonlau über Führung im Team: "Also Kuschelkurs ist das absolut nicht, sondern man versucht eigentlich nur, ziemlich offensiv auf die Themen zuzugehen und sie nicht in irgendeinem unausgesprochen hierarchischen Gewebe zu belassen, wie es immer war."

 

 In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

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Kommentare

Kommentare  
#1 Der Theaterpodcast #48: RepräsentanzLaura Christ 2022-07-13 15:51
Liebes nachtkritik und DLF-Team, wo bleibt eigentlich die Repräsentanz der Hälfte der Bevölkerung, wenn in einem Podcast über ein rein weibliches Viererteam zwei Moderatorinnen mit zwei weiteren weiblichen Gästen diskutieren? Wäre nicht allmählich ein wenig mehr Ausgewogenheit auch von Eurer Seite angezeigt? Oder sollen sich die Jungs allmählich aus dem Kulturbetrieb verabschieden? Wäre ja dann doch schade...
#2 Der Theaterpodcast #48: Nochmal nachdenken!Karla 2022-07-13 19:50
"Warum nicht gleich international? Englisch sprechen doch sowieso alle." NEIN, liebes Podcast- Team, Englisch sprechen NICHT sowieso alle. Mit einer so engen Perspektive auf das Theaterpublikum zu schauen ist elitär und klassistisch. Es gehören einfach nicht alle mit Lust aufs Theater der akademischen Schicht an. Bitte nochmal drüber nachdenken!
#3 Der Theaterpodcast #48: RätselKunst und Freiheit 2022-07-15 19:34
#2Unabhängig von Ihrem Einwand ist jemand, der u.a. mit Selbstverständnis Englisch als Fremdsprache spricht/schreibt heute nicht unbedingt mehr Akademiker. Ich weiß aber auch nicht, warum man in seinem angestammten Sprachraum mehr Lust auf Sprech-Theater in einer Fremdsprache als Lust auf Sprech-Theater in seiner Muttersprache haben sollte, bloß weil man halt auch ne Fremdsprache (oder gar mehrere Fremdsprachen) kann???? Es wird mir ein ewiges (Theater)Rätsel bleiben. (...)

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