"Man muss auch glauben, um zu sehen"

6. Oktober 2022. Zu Gast sind in dieser Folge die Autorin und Regisseurin Anne Habermehl und Ilia Papatheodorou von der Gruppe She She Pop. Im Laufe ihrer Diskussion erweist sich, wie tief die Gräben zwischen Dramatik und Postdramatik auch heute noch sein können.

Moderation: Elena Philipp

6. Oktober 2022. In den Arbeiten von Anne Habermehl und Ilia Papatheodorou (She She Pop) tritt der Einzelne mit seinen Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten gegen höhere Mächte an: gegen Geschichte, Gesellschaft und Strukturen. Das Politische wird so im Biografischen erkennbar. Doch diese Konflikte verhandeln die beiden mit unterschiedlichen Mitteln. Während Habermehl sich der Fiktion verschreibt und Handlungen entwirft, schöpft Papatheodorou aus ihren eigenen Erfahrungen und ficht Konflikte auf der Bühne stellvertretend für das Publikum aus. Wie bilden diese Poetologien das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft ab? Wie wird in ihnen das Biografische zum Material? Und auf welche Wirkungen beim Publikum zielen sie?

 

Anne Habermehl ist Autorin und Regisseurin. Ihre Stücke, die sie meist selbst uraufführt, wurden mehrfach zu den Autorentheatertagen eingeladen. Derzeit arbeitet sie an einer Trilogie für die Münchner Kammerspiele, deren erster Teil Frau Schmidt fährt über die Oder im Oktober 2021 herauskam.
Alle Nachtkritiken zu Arbeiten von Anne Habermehl finden Sie hier

Ilia Papatheodorou studierte von 1992 bis 1997 am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft. Sie ist Gründungsmitglied und Performerin der Gruppe She She Pop, eines der einflussreichsten Kollektive im deutschsprachigen Theater. Außerdem war sie als Gastperformerin in Produktionen von Haug/Wetzel und Gob Squad zu sehen.
Alle Nachtkritiken zu Arbeiten von She She Pop finden Sie hier.

Die Diskussion als Podcast:

 

Zur Reihe Streitfall Drama:

Gegenwartsdramatik ist weniger ein einheitliches Korpus von Textverfahren als vielmehr ein Prozess voller Widersprüche. In ihm wird verhandelt, welche Ästhetiken als produktiv gelten und sich durchsetzen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Poetologien und Schreibpraxen konkurrieren derzeit miteinander. Die Gesprächsreihe "Streitfall Drama" stellt diese vor und bereitet den Kontroversen um das Schreiben von Stücken eine Bühne. Jeweils zwei Autor:innen mit einander widersprechenden Positionen diskutieren darüber, wie ein Stück heute beschaffen sein sollte, welche Formen zeitgemäß sind und welche politische Funktion die Dramatik einnehmen kann.

Weitere Folgen:

Szene oder Fläche – wie ein Text Form annimmt mit Moritz Rinke und Thomas Köck

Beschreiben oder Befreien – Ein Gespräch über politische Dramatik mit Dominik Busch und Kevin Rittberger

Inhalt oder Form – Was zuerst da ist mit Helgard Haug und John von Düffel

Gestalten oder Vernichten – Welchen Zielen die Sprache dient mit Caren Jeß und Lydia Haider

 

Streitfall Drama ist eine Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus, gefördert vom Deutschen Literaturfonds.

 
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